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Scholary Paper (Seminar), 2003, 16 Pages
Author: Wilma Renfordt
Subject: Theater Studies
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Theaterwissenschaft)
Tags: Warum, Funktion, Lachens, Menanders, Menschenfeind, Politik, Griechische, Komödie
Year: 2003
Pages: 16
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23293-7
File size: 234 KB
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Excerpt (computer-generated)
WARUM WIRD DENN HIER GELACHT?
ZUR FUNKTION DES LACHENS IN MENANDERS "MENSCHENFEIND"
Wilma Renfordt
0. Einleitung 2
1. Funktionen des Lachens in der Antike
1.1 Definitionen des Lächerlichen 2
1.2 Psychologische Funktion 4
1.3 Soziale Funktion 5
1.4 Politische Funktion 6
1.5 Funktion im Theater 7
2. Lachen in Menanders Menschenfeind
2.1 Das Stück 7
2.2 Objekte des Lachens 8
2.2.1 Knemon 8
2.2.2 Diener 10
2.2.3 Herren und Herrinnen 12
3. Welche Funktion erfüllt das Lachen im Menschenfeind? 12
4. Literaturverzeichnis 14
0. Einleitung
Das dieser Arbeit zugrunde liegende Seminar hielt für mich eine Überraschung bereit: ich hätte nicht gedacht, dass die Komödien-Autoren der griechischen Antike so zwanglos mit allerlei Arten von Humor spielten und dabei auch vor den größten Zoten nicht zurück schreckten. Es konnte hemmungslos gelacht werden. In der vorliegenden Arbeit werde ich herausarbeiten, welche Funktion das Lachen in Menanders Menschenfeind erfüllte. Daher werde ich zunächst untersuchen, welche Funktionen dem Lachen in der Antike allgemein zugeschrieben wurden. Dabei stütze ich mich vor allem auf Texte antiker Autoren von Gorgias bis Cicero und moderne Kommentare zu ihren Werken. Neuzeitliche Lach-Theorien werde ich nur heranziehen, wo sie das antike Gedankengut erhellen und ergänzen können. In einem weiteren Schritt werde ich das Stück in Hinblick auf sein "lächerliches" Potential analysieren, um abschließend beantworten zu können, in welcher Funktion das Lachen hier auftritt.
1. Funktionen des Lachens in der Antike
1.1 Definitionen des Lächerlichen
Jede moderne Untersuchung antiker Lachtheorien weist eine begriffliche Schwierigkeit auf: Das lateinische ridiculum und das griechische geloîon bedeuten zu deutsch sowohl Komik als auch Witz. Wörtlich übersetzt bedeuten die antiken Begriffe das Lächerliche - erstmals von Platon in der substantivierten Form verwendet. Erst in der Neuzeit beginnt man zwischen Komik und Witz 1 zu unterscheiden. Eine Untersuchung zum antiken Verständnis vom Lachen muss also im Blick behalten, dass mit dem ridiculum/geloîon nicht nur das unfreiwillig komische in negativer Konnotation (d.h. das im modernen Sinne Lächerliche) gemeint sein kann, sondern auch der intellektuell anspruchsvolle Witz. Dem widersprechend sehen einige neuzeitliche Theoretiker wie z.B. Hegel das Komische klar vom Lächerlichen getrennt. Im Lächerlichen bringt, so Hegel, "der Zweck [sich] in seiner Realisation selbst um sein Ziel." Wir lachen über Torheiten. Aber sie sind für Hegel nicht komisch, denn "zum Komischen [...] gehört überhaupt die unendliche Wohlgemutheit und Zuversicht, durchaus erhaben über seinen eigenen Widerspruch [...] zu sein." Die ihrer selbst gewisse Subjektivität erträgt im Komischen die Auflösung ihrer Zwecke, kann also über sich selbst lachen.2
Klaus Schwind definiert das Komische in einem Lexikon aus dem Jahr 2000 wie folgt: "Im Komischen werden für die Wahrnehmung inkongruente Kontexte über zwei- oder mehrwertige Bezüge auf eine ungewohnte Weise überraschend kombiniert."3 Damit steht er in der Tradition Hegels. Denn die Inkongruenztheorie setzt voraus, dass der Betrachter der komischen Situation eine Erwartung dazu hat, wie die Situation hätte ausgehen müssen. Sie fordert vom Betrachter eine intellektuelle Leistung. Das rein Lächerliche wird wie bei Hegel vom Komischen abgegrenzt. Was sagen antike Autoren zu diesem Thema, die Komik und Lächerliches begrifflich doch gar nicht unterschieden? Tatsächlich schreibt auch Aristoteles, dass das Lachen auf Überraschung beruhe.4 Auch Cicero schließt sich diesem Urteil an: "Die bekannteste Art des Witzes ist, wenn etwas anderes gesagt wird, als man erwartet."5 Allerdings ordnen sowohl Aristoteles und Cicero als auch Platon das Lächerliche auch dem Fehlerhaften, Unvernünftigen und Schlechten zu.6 Dies ist wiederum das im Hegel′schen Sinne Lächerliche. Platon sagt, dass das unvernünftige, fehlerhafte Lächerliche aus fehlender Selbsterkenntnis entstehe. Der Lächerliche bildet sich ein, reicher, größer und schöner, tugendhafter zu sein als er in Wirklichkeit ist. Somit hat er ein völlig falsches Bild von sich selbst und bringt, mit Hegel gesprochen, seinen Zweck um sein Ziel: indem er versucht, der delphischen Forderung "Erkenne dich selbst" nachzugehen, verkehrt er sie ins Gegenteil - und ist darum lächerlich. Allerdings nur, wenn er, so Platon, keine Macht hat, sich an seinen Spöttern zu rächen. Ist er der Rache fähig, so schlägt die mangelnde Selbsterkenntnis in furchtbare Bedrohlichkeit um.7 Diese platonische Auffassung entspricht in Teilen der Inkongruenztheorie. Denn der Lächerliche widerspricht den Erwartungen, die im Allgemeinen an einen Menschen gestellt werden. Diese Erwartungen erfüllt auch derjenige nicht, der sich ernsthaft um Nicht-Gutes bemüht. Ihn bezeichnet Platon als albern. 8
[...]
1 Süss, Wilhelm: Lachen, Komik und Witz in der Antike. Zürich/Stuttgart 1969, S. 20
2 Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik. Dritter Teil. In: Hegel, Theorie Werkausgabe, Bd. 15, Frankfurt am Main 1970, S. 527f. Zit.n.: Greiner, Bernhard: Die Komödie. Tübingen 1992
3 Schwind 2000, S. 333
4 Süss 1969, S. 9
5 Cicero: De oratore 2, 255
6 Platon Leg 816, Aristoteles Poet 1449a, Cicero 2,236
7 Platon Phil 48-49
8 ebd.
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