Deutsche Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert

Flash Player und JavaScript werden für eine verbesserte Ansicht des Dokuments benötigt. Bitte installieren Sie den Flash Player und aktivieren Sie Javascript.
Install Flash Player
Details
Autor: Markus Wawrzynek
Fach: Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Veranstaltung: Sprachnorm
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Germanistik)
Jahr: 2000
Seiten: 20
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1007 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-23301-9
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand.
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
Hauptseminar:
„Sprachnorm“
Wintersemester 1999/2000
„Deutsche Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert“
Markus G. Wawrzynek
Bild I: Gemählde der Fruchtbringenden Gesellschaft mit ihrer Devise „Alles zu Nutzen“ und ihrem Symbol, dem indianischen Palm- oder Nusbaum, wovon sich ihr Beiname Palmenorden ableitet.
[Bild I in Downloaddatei enthalten]
A) Inhaltsverzeichnis 3
B) Deutsche Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert 4
I. Forschungsüberblick 4
II. Historischer Kontext 5
III. Die humanistischen Grammatiker 7
IV. Grammatiker innerhalb der Sprachgesellschaften 8
1. Christian Gueintz 8
2. Justus Georg Schottel 9
V. Die bedeutendsten Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert 11
1. Die Fruchtbringende Gesellschaft (FG) 11
2. Die Deutschgesinnte Gesellschaft (DG) 14
3. Der Pegnesische Blumenorden (PB) 15
VI. Wirkungen der Sprachgesellschaften 16
C) Verzeichnis der verwendeten Literatur 17
1. Gedruckte Quellen 17
2. Sekundärliteratur 18
B) Deutsche Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert
Der Begriff Sprachgesellschaft im engeren Sinn hat sich in der germanistischen Forschung mittlerweile als Bezeichnung für „private Sozietäten, die in der Zeit von 1617 bis 1658 in deutschsprachigen Territorien gegründet worden sind und meist noch im 17. Jh. zu bestehen aufgehört haben“1, durchgesetzt. Andere treffendere, aber umständliche Bezeichnungen wie „Sprachkultivierungsgesellschaften“ (P. v. Polenz) konnten sich in der Forschungsliteratur nicht durchsetzen.
Das Ziel dieser Darstellung ist es, die wichtigsten Sprachgesellschaften und ihre Protagonisten vorzustellen, die Motive und Vorbilder für die Gründung solcher Vereinigungen aufzuzeigen und nach den Erfolgen und Wirkungen ihrer Arbeit zu fragen. Dabei kann hier jedoch nur in begrenztem Umfang auf die sogenannte Spracharbeit einzelner Grammatiker eingegangen werden. Da die deutschen Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts im Gegensatz zur florentinischen „Accademia della Crusca“ selbst keine Gemeinschaftsarbeit verfasst haben, ist ein kurzes Eingehen auf Justus Georg Schottels, Philipp von Zesens und Martin Opitz´ Arbeiten unumgänglich, um ihre Wirkung im Hinblick auf die Standardisierung der deutschen Sprache zu hinterfragen.
I. Forschungsüberblick
Nachdem Anfang der 70er Jahre Karl Frederick Otto seine bündige, wenig auf sprachwissenschaftliche Details eingehende und inzwischen vergriffene Gesamtdarstellung über die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts vorgelegt hatte2, fehlt eine gesammelte, linguistisch orientierte Darstellung der neuesten Forschungsergebnisse. Zwar veröffentlichte Heinz Engels sein umfangreiches Vorlesungsmanuskript zu den Sprachgesellschaften Anfang der 80er Jahre und bietet darin ein rundes Bild ihrer Vorläufer, der gesellschaftlichen Hintergründe und ihrer Entwicklung, doch hält er sich zu lange mit den humanistischen Grammatikern auf, so dass die eigentliche Darstellung der Sprachgesellschaften etwas zu knapp gerät.3 Noch immer ist Max Hermann Jellineks vor dem 1. Weltkrieg erschiene Geschichte der deutschen Grammatikschreibung4 die einzige quellenfundierte Gesamtdarstellung, um konkrete Details über die Spracharbeit der Sozietätsmitglieder zu erfahren. Dabei richtet Jellinek den Blick entsprechend seines Darstellungszieles ausschließlich auf die Grammatikinhalte und lässt die Geschichte der Sprachforschung eher außen vor.5
Zwar gibt es eine Reihe von Quellensammlungen mit Gründungsmanifesten und Briefwechseln der einzelnen Gesellschaftsmitgliedern6, doch eine Darstellung, bei der Quellen und Erläuterungen Hand in Hand gehen scheint ein Desiderat der Forschung zu sein. Dagegen sind Nachdrucke der für die Grammatikgeschichte wichtigsten Werke inzwischen verfügbar.7
Zwar bietet jedes Handbuch und Werk zur deutschen Sprachgeschichte8 auch ein Kapitel, einen Aufsatz oder einen Abschnitt zu den deutschen Sprachgesellschaften, aber außer bekannten Fakten liest man dort selten etwas Neues. Und stets findet man die Fruchtbringende Gesellschaft als größte und bedeutendste Sprachgesellschaft ausführlich erörtert, über manche andere Sprachvereinigung, gedacht sei hier an die Straßburger Tannengesellschaft oder den Königsberger Dichterzirkel, findet man kaum mehr als ihren Namen. Das mag zum einen daran liegen, dass hier die Quellenbasis wesentlich dünner ist, zum anderen aber wohl daran, dass sich noch niemand die Mühe gemacht hat, die betreffenden Archive zu durchforsten.
Zahlreich sind auch die Tagungsberichte und Aufsatzsammlungen zu den Sprachgesellschaften, die sich mit Einzelproblemen, Vergleichen von Sozietäten und Wirkungen der Sprachgesellschaften befassen und diese in den europäischen Sozietätskontext einbetten.
Bisher mangelt es jedoch an einigen grundlegenden Monographien zu Einzelpersönlichkeiten der barocken Sozietätsbewegung. Van Ingen macht hier mit seiner Darstellung von Leben und Werk Philipp von Zesens eine rühmliche Ausnahme.9
II. Historischer Kontext
Als die erste deutsche Sprachgesellschaft, die Fruchtbringende Gesellschaft gegründet wird, befindet sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation kurz vor dem 30-jährigen Krieg, der für die deutschsprachigen Regionen nicht nur Verwüstungen und dramatischen Bevölkerungsverlust bedeuteten, sondern auch mit den fremden Söldner fremdes Vokabular mit sich brachte.
[....]
1 Peter von Polenz: Die Sprachgesellschaften und die Entstehung eines literarischen Standards in Deutschland. In: HSK, Bd. 18,1: Geschichte der Sprachwissenschaft, Berlin und New York 2000, S. 827.
2 Karl Frederick Otto jr.: Die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts, Stuttgart 1972.
3 Heinz Engels: Die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts, Gießen 1983, [= Beiträge zur Deutschen Philologie Bd. 54].
4 Max Hermann Jellinek: Geschichte der Neuhochdeutschen Grammatik - Von den Anfängen bis auf Adelung, 2 Halb-Bde., Heidelberg 1913 u. 1914.
5 Vgl. hierzu: Jörg Kilian: Entwicklungen in Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert außerhalb der Sprachgesellschaft. In: HSK, Bd. 18,1: Geschichte der Sprachwissenschaft, Berlin und New York 2000, S. 848: „Jellinek [stellt] die Geschichte der Grammatikinhalte in den Vordergrund und ließ die Geschichte der Grammatikschreibung, der Sprachforschung und ihrer Wirkungen nur nebenbei einfließen.“
6 Einen guten und umfangreichen, wenngleich nicht mehr auf dem neusten Stand befindlichen Forschungsüberblick bietet: Christoph Stoll: Sprachgesellschaften im Deutschland des 17. Jahrhunderts, München 1973, S. 149-191. Eine jüngere Anmerkung zur Forschungssituation bietet Jörg Kilian: Entwicklungen in Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert außerhalb der Sprachgesellschaft. In: HSK, Bd. 18,1: Geschichte der Sprachwissenschaft, Berlin und New York 2000, S. 848f.
7 Einen kleine Zusammenstellung bietet Stoll [1973], S. 213 – 217.
8 Genannt seien hier die bekannten Darstellungen: Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart - 17. und 18. Jahrhundert, Bd. II, Berlin und New York 1994; Wilhelm Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache – Ein Lehrbuch für das germanistische Studium, 8. Aufl. Stuttgart 2000; Werner Besch et al.(Hrsg.): Sprachgeschichte - Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung, Teilbd. 1, Berlin und New York 2. Aufl. 1998
9 Ferdinand van Ingen: Philipp von Zesen, Stuttgart 1970, [= SM 96].
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: