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Funktion und Bewertung der Utopie in Schillers Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 33 Pages
Author: Arthur Brian Krier
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 33
Grade: 1
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V19130
ISBN (E-book): 978-3-638-23320-0
ISBN (Book): 978-3-638-72828-7
File size: 463 KB

Abstract

Die Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ von Friedrich Schiller waren anfangs Briefe an den Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg aus dem Jahr 1793. Die erste Veröffentlichung unternahm Schiller jedoch in seiner Zeitschrift „Die Horen“ im Jahr 1795 und fügte die Schrift 1801 unter leichten Abänderungen dem dritten Band seiner „Kleineren prosaischen Schriften“ bei. Herzog von Augustenburg und Graf Ernst Heinrich von Schimmelmann gewährten dem schwer kranken Schiller eine Pension, die ihn befähigte, finanzieller Not zu entkommen und seinen Studien zur Ästhetik nachzugehen. Die Briefe über die ästhetischen Erziehung bilden die längste theoretische Schrift Schillers und seiner eigenen Meinung nach auch die bedeutendste. Er will hier zeigen, welche Möglichkeiten in der Kunst stecken, um über die Krise, nämlich der Trennung von Geist und Erfahrungswelt in der Gesellschaft, hinweg zu helfen. Auch Zeitgenossen Schillers wie beispielsweise F. Schlegel, Fichte, Hölderlin und Hegel machten sich um diesen Komplex Gedanken, und meist werden der Schönheit in der Kunst die besten Möglichkeiten zur Vermittlung der beiden Extreme eingeräumt. Eines der hervorstechenden Merkmale der Schillerschen Herangehensweise ist der utopische Gehalt dieser ästhetischen Vermittlung, welcher unter weiteren Aspekten bereits bei der Veröffentlichung für Aufsehen sorgte. Gegenstand dieser Arbeit soll jene Utopie sein, die verschiedene Reaktionen hervorrief und dies bis heute noch tut. Dabei soll erörtert werden, inwieweit das utopische Element Unachtsamkeit, Widerspruch bzw. Schwäche bedeutet, oder aber vielleicht eine unvermeidbare Begleiterscheinung der Sache selbst ausdrückt, oder gar kalkuliert eingesetztes Programm ist und somit eine Funktion erfüllt und möglicherweise auch eine Stärke in der Argumentation darstellt. Nach einem sehr kurz gehaltenen Überblick über die Schwerpunkte seiner Theorien, sollen die einzelnen utopischen Elemente herausgearbeitet und in ihrem Zusammenhang beleuchtet werden. Vielleicht kann dadurch bereits mehr Klarheit bezüglich der oben genannten Fragestellung erlangt werden, jedoch wird in einem nächsten Schritt dieser wirklichkeitsfremd anmutende Gegenstand auch im allgemeinen Verhältnis zum Thema und der Methodik der Schrift erörtert.


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar: Friedrich Schiller

Funktion und Bewertung der Utopie
in Schillers Briefen
„Über die ästhetische Erziehung des Menschen“

Arthur Brian Krier
Wintersemester 2001/2002 

 

Inhalt


1. Einleitung ... 3

2. Hauptteil ... 4
2.1. Schillers Schrift ... 4
2.1.1. Schillers Ziel ... 4
2.1.2. Der Spieltrieb ... 5
2.1.3. Die Kunst, der Schein und die Schönheit ... 6
2.1.4. Strukturelle Gliederung ... 6
2.2. Die utopischen Elemente ... 8
2.2.1. Theoretischer Ansatzpunkt ... 8
2.2.2. Die göttliche Veranlagung des Menschen ... 9
2.2.3. Die zwei Formen der Schönheit ... 12
2.2.4. Der ästhetische Schein ... 15
2.3. Bewertung und Funktion der Utopie ... 16
2.4. Zusammenfassung ... 19

3. Schluß ... 20

 

 

1. Einleitung

Die Briefe „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“1 von Friedrich Schiller waren anfangs Briefe an den Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Augustenburg aus dem Jahr 1793. Die erste Veröffentlichung unternahm Schiller jedoch in seiner Zeitschrift „Die Horen“ im Jahr 1795 und fügte die Schrift 1801 unter leichten Abänderungen dem dritten Band seiner „Kleineren prosaischen Schriften“ bei. 2

Herzog von Augustenburg und Graf Ernst Heinrich von Schimmelmann gewährten dem schwer kranken Schiller eine Pension, die ihn befähigte, finanzieller Not zu entkommen und seinen Studien zur Ästhetik nachzugehen.

Die Briefe über die ästhetischen Erziehung bilden die längste theoretische Schrift Schillers und seiner eigenen Meinung nach auch die bedeutendste. Er will hier zeigen, welche Möglichkeiten in der Kunst stecken, um über die Krise, nämlich der Trennung von Geist und Erfahrungswelt3 in der Gesellschaft, hinweg zu helfen. Auch Zeitgenossen Schillers wie beispielsweise F. Schlegel, Fichte, Hölderlin und Hegel machten sich um diesen Komplex Gedanken, und meist werden der Schönheit in der Kunst die besten Möglichkeiten zur Vermittlung der beiden Extreme eingeräumt.4

Eines der hervorstechenden Merkmale der Schillerschen Herangehensweise ist der utopische Gehalt dieser ästhetischen Vermittlung, welcher unter weiteren Aspekten bereits bei der Veröffentlichung für Aufsehen sorgte. Gegenstand dieser Arbeit soll jene Utopie sein, die verschiedene Reaktionen hervorrief und dies bis heute noch tut. Dabei soll erörtert werden, inwieweit das utopische Element Unachtsamkeit, Widerspruch bzw. Schwäche bedeutet, oder aber vielleicht eine unvermeidbare Begleiterscheinung der Sache selbst ausdrückt, oder gar kalkuliert eingesetztes Programm ist und somit eine Funktion erfüllt und möglicherweise auch eine Stärke in der Argumentation darstellt.

Nach einem sehr kurz gehaltenen Überblick über die Schwerpunkte seiner Theorien, sollen die einzelnen utopischen Elemente herausgearbeitet und in ihrem Zusammenhang beleuchtet werden. Vielleicht kann dadurch bereits mehr Klarheit bezüglich der oben genannten Fragestellung erlangt werden, jedoch wird in einem nächsten Schritt dieser wirklichkeitsfremd anmutende Gegenstand auch im allgemeinen Verhältnis zum Thema und der Methodik der Schrift erörtert.


2. Hauptteil

2.1. Schillers Schrift

2.1.1. Schillers Ziel

Das gesamte gattungsübergreifende Werk Schillers – von seinen Dissertationsschriften über seine Dramen bis zu seinen theoretischen Schriften – ist begleitet von dem Versuch, die zwei Naturen des Menschen zu vereinen, bzw. einen Mittelweg zwischen ‚Tierheit’ und ‚Menschheit’, zwischen ‚Natur’ und ‚Vernunft’ oder dem ‚wilden’ und ‚barbarischen’ Menschen zu finden und aufzuzeigen.5

Das oberste Ziel der Schrift „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ ist die Bildung eines Staates. Dieser soll erbaut werden, indem sich in einem ersten Schritt der Mensch von der Bestimmung durch die Natur losreißt, um sich moralisch in Freiheit zu setzen, des Weiteren sollen sich seine Bürger durch Gemeinsamkeiten verbinden. Dem entgegen beobachtet Schiller eine Entwicklung in der Gesellschaft, in der sich Individuen immer mehr differenzieren und dadurch vermehrt die Unterschiede zwischen ihnen an Bedeutung gewinnen.6 So sind zwei Staatsformen möglich7, welche, durch ihre einseitige Bestimmung entweder durch die Natur oder durch die Vernunft, beide dem Streben nach Vereinbarung dieser Seiten nicht gerecht werden können. Nur der ästhetische Staat entspricht auf vereinende Weise dieser Doppelnatur des Menschen. Da aber Staat und Bürger sich gegenseitig bestimmen, muss ein sich außerhalb derer befindliches Werkzeug gefunden werden, durch welches entweder Staat oder Mensch geändert wird.

[....]


1 Friedrich Schiller: Sämtliche Werke. Auf Grund der Originaldrucke herausgegeben von Gerhard Fricke und Herbert G. Göpfert in Verbindung mit Herbert Stubenrauch, Bd. 1-5. 3. Auflage. München. 1962. (Im Folgenden: SW)
2 R.-P. Janz: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. In: Schiller- Handbuch. Hrsg.: Helmut Koopmann. Stuttgart. 1998. (Im Folgenden: Kopmann). S. 610ff.
3 Ebd., S. 611
4 Ebd. und ff.
5 Dies sind alles Begriffe aus den Briefen über die ästhetische Erziehung, jedoch können sie prinzipiell auf Schillers Gedanken auch außerhalb dieser übertragen werden.
6 Klaus Disselbeck: Geschmack und Kunst. Eine systematische Untersuchung zu Schillers Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“. Opladen. !987. (Im Folgenden: Disselbeck). S. 31ff.
7 Schiller nennt diese im 27. Brief (SW, Bd. 5, S. 667) den dynamischen und den ethischen Staat.


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