Der höfische Ritter und die höfische Dame des hohen Mittelalters in Realität und Literatur

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Details

Titel: Der höfische Ritter und die höfische Dame des hohen Mittelalters in Realität und Literatur
Autor: Katharina Stutz
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Veranstaltung: Proseminar
Institution/Hochschule: Universität Mannheim (Lehrstuhl für ältere Germanistik)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 19
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 233 KB
Archivnummer: V19393
ISBN (E-Book): 978-3-638-23533-4

Textauszug (computergeneriert)

Der höfische Ritter und die höfische Dame
des hohen Mittelalters in Realität und Literatur

 


vorgelegt von: Katharina Stutz

Inhaltsverzeichnis

(1) Einleitung 3

(2) Die höfische Dame 4

a) Das neue Bild der Frau 4
b) Lehre für Frauen. Erziehung und Bildung 5
c) Handlungsspielräume 6

(3) Der höfische Ritter 8

a) Das traditionelle Herrscherbild 8
b) Der religiöse Ritterbegriff 9
c) Höfische Tugenden 10
d) Ideal und Wirklichkeit 10

(4) Das Nibelungenlied – XIV. Aventiure: „Wie die küneginne einander schulten“ 12

(5) Gottfried von Straßburg: Tristan

XVI. Der Minnetrank 15

(6) Literaturverzeichnis 18

 

 

 

 


(1) Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem höfischen Ritter und der höfischen Dame im hohen Mittelalter, sowie dem Verhältnis der beiden. Es soll sowohl die gelebte Realität herausgearbeitet werden, wobei hier Joachim Bumkes Text „Höfische Kultur“ als Orientierung dient, als auch das Bild, dass von den höfischen Dichtern vermittelt wurde. Es soll deutlich werden, dass in der öffentlichen Auffassung des Mittelalters von Mann und Frau die Ehe, und die mit ihr verbundenen Rechte und Pflichten, im Vordergrund standen, während es in der Literatur jedoch durchaus möglich war, Liebe außerhalb der Ehe, sowie direkten Ehebruch, zu thematisieren. Um diese Möglichkeit der Literatur zu verdeutlichen, werden zwei Textauszüge analysiert: Die 14. Aventiure des mittelhochdeutschen Nibelungenlieds soll zeigen, dass Sexualität mit einem anderen als dem Ehepartner zwar als verwerflich aufgefasst wird, aber zugunsten der Männer (die Frauen tragen in diesem Fall keinerlei Schuld, da Brünhild unwissentlich getäuscht wurde) bagatellisiert wird. Der Textauszug von Gottfried von Straßburgs „Tristan“ wird verdeutlichen, dass Liebe, die nicht innerhalb ehelicher Grenzen stattfindet, durchaus als wahre und gebilligte Liebe dargestellt werden konnte.

(2) Die höfische Dame

a) Das neue Bild der Frau

Im hohen Mittelalter wurde das neue Bild der Frau „von der Minderwertigkeit und Schlechtigkeit“ 1 verändert zu einem Schönheitsideal, das den Dichtern erlaubte, die Körperlichkeit einer Frau zu beschreiben und zu preisen. Dieses Ideal orientierte sich jedoch nicht an individuellen Schönheitsmerkmalen, sondern folgte einem strengen Kanon von Wesenszügen. Neu war vor allem auch die Möglichkeit der Literatur, die körperliche Schönheit der Frau mit ihrer inneren Tugendhaftigkeit gleich zu setzen. So kam der höfischen Dame nun eine wichtigere moralische Rolle am Hofe zu, „indem sie Werte, die sie repräsentierte, an den Mann vermittelte“ 2. Sie stand nun nicht mehr nur mit geistiger Minderwertigkeit und sexueller Verführung im Zusammenhang, sondern wurde in der Dichtung mit Schönheit und Moral dargestellt. Allerdings herrschte diese neue Frauenbild lediglich in der Fiktion der Dichtung. Statt dessen war das reale Leben der Frauen im Mittelalter vom christlichen Glauben und dessen übermächtiger Tradition der Frauenunterdrückung geprägt. Nicht nur, dass Frauen innerhalb der christlichen Gemeinschaft keine Ämter bekleiden und keinen Beruf erlernen durften, und somit vollständig aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen waren, auch innerhalb der Familie war die Rolle der Frau dem Mann untergeordnet. Als Rechtfertigung galten sowohl Bibelstellen, wie beispielsweise der Sündenfall Evas oder auch der Schöpfungsbericht, aber auch die römischen Klassiker wie Vergil, Ovid und Juvenal. Die Frauenfeindlichkeit in dieser Zeit ging sogar so weit, dass die Unterordnung der Frau unter den Mann im Grundbuch des Kirchenrechts, dem „Decretum“ von Gratian, festgeschrieben wurde und scholastische Theologen wie Thomas von Aquin wissenschaftliche Begründungen verfassten, um die Minderwertigkeit der Frau zu beweisen.

Überraschend ist, dass Frauenverehrung und Frauenverachtung durchaus nebeneinander einhergehen konnten. So verfassten Autoren wie der Bischof Marbod von Rennes und Hildebart von Lavardin sowohl Schriften, in denen die Frauen ihrer Lasterhaftigkeit angeklagt wurden, als auch solche, die in denen die höfischen Damen ihrer Schönheit und Moral gepriesen wurden. Auch innerhalb der höfischen Dichtung spielte die Minderwertigkeit der Frau, neben dem neuen Schönheitsideal, eine große Rolle, wobei die deutsche Dichtung, im Vergleich mit der französischen, die Frauenverachtung nicht ganz so krass betrieb. Trotzdem griff die höfische Epik häufig zu Negativdarstellungen und so finden sich hier viele Motive, die die moralische Verderbtheit wiederspiegeln sollen, z. B. wundersame Kleidungsstücke, die die Fähigkeit besaßen, Unkeuschheit aufzudecken. Auch von körperlicher Gewalt von Männern an Frauen wird an mehreren Stellen berichtet. Dies erscheint in der höfischen Epik jedoch als gerechtfertigte Verfügungsgewalt des Ehemannes und eine Frau handelt danach richtig, wenn sie die körperliche Züchtigung gutheißt. Entsprachen höfische Damen jedoch dem Keuschheitsideal konnten sie in der Dichtung vor allem bei der Schilderung der höfischen Festgesellschaft eine schmückende Rolle einnehmen und zur Unterhaltung beitragen. Dabei galten ihre Schönheit und Tugend jedoch nicht als Werte, sondern dienten lediglich als Ansporn für den Mann zum Minnedienst oder zum Kampf.

b) Lehre für Frauen. Erziehung und Bildung

[...]


1 Bumke, Joachim (2002): S. 451
2 Ebd.: S.453

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