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Methoden Journalistischen Widerstands - eine rhetorische Untersuchung am Beispiel der Frankfurter Zeitung im 3. Reich

Termpaper, 2003, 28 Pages
Author: Toni Weis
Subject: Rhetoric / Elocution / Oratory

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 28
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V19904
ISBN (E-book): 978-3-638-23933-2

File size: 252 KB
Notes :
Ausgehend von einer allgemeinen Betrachtung der persuasiven Funktionen totalitärer Kommunikation heißt die Fragestellung: "Welche grundsätzlichen Möäglichkeiten bestehen, im Rahmen einer gelenkten Presse Widerstand zu leisten?" Das hierauf entwickelte System wird anschließend am Beispiel der Frankfurter Zeitung im 3. Reich konkretisiert. Für Historiker und Germanisten ebenso interessant wie für Rhetoriker!



Excerpt (computer-generated)

Methoden journalistischen Widerstands
Eine rhetorische Untersuchung am Beispiel
der Frankfurter Zeitung im Dritten Reich

 

 


Verfasst von Toni Weis

Inhaltsverzeichnis

1. Totalitarismus und Widerstand S. 3

2. Eine rhetoriktheoretische Grundlegung S. 5

2.1 Die Problematik des Widerstandsbegriffs
2.2 Ansätze des Widerstands – systematische Überlegungen

3. Journalistischer Widerstand im Dritten Reich – das Beispiel der Frankfurter Zeitung S. 10

3.1 Eine bürgerliche Zeitung im Nationalsozialismus
3.2 Methoden journalistischen Widerstands

3.2.1 Methoden der Sprache und Textgestaltung S. 13

3.2.1.1 Hervorhebungen
3.2.1.2 Gewichtung im Layout
3.2.1.3 Distanz durch Sprache

3.2.2 Methoden der Vermittlung von Objektivität S. 16

3.2.2.1 Die „Kurzen Meldungen“
3.2.2.2 Auslandspresse und Korrespondenten

3.2.3 Methoden der Vermittlung fremder Botschaften S. 11

3.2.3.1 Mehrdeutigkeit und Anspielung
3.2.3.2 Ausweichen in unpolitische Sektoren
3.2.3.3 Offenlegung des Anweisungscharakters
3.2.3.4 Übererfüllung von Anweisungen

3.2.4 Methoden der Vermittlung eigener Botschaften S. 21

3.2.4.1 Direkte Kritik
3.2.4.2 Sinnverkehrte Berufung auf politische Autoritäten
3.2.4.3 Berufung auf moralische und historische Autoritäten
3.2.4.4 Ignorieren der Wirklichkeit
3.2.4.5 Allegorisches Schreiben

4. Eigenart und Methode S. 26

5. Bibliographie  S. 27

 

 

 

 


1. Totalitarismus und Widerstand

Der Vorwurf wiegt schwer: „Gut gedient“ habe die Frankfurter Zeitung den Nationalsozialisten, urteilt der britische Historiker William Shirer1. Wer heute in den alten Artikeln des Blattes stöbert, für den scheint diese Meinung nur allzu verständlich – Distanz zum Regime und seinen Standpunkten wird aus den Texten kaum deutlich.

Dennoch ist Shirers Ansicht falsch. Wer urteilt wie er, der macht den Fehler, die Zeitung aus dem Kontext des Dritten Reichs herauszunehmen und im sterilen Labor der modernen Forschung zu betrachten. Er täuscht sich über das Wesen des Totalitarismus, und er täuscht sich über die Fesseln, die er dem täglichen Leben, vor allem aber der autonomen Gesellschaft anlegte. „Totalitäre Bewegungen sind bewegungssüchtig; der geregelte Ablauf [...] gesellschaftlicher Vorgänge ist für sie lebensgefährlich“2, schreibt Hagemann. Die These vom wirklich totalitären Staat ist umstritten. Sicher ist aber: in der Ideologie der Regime gibt es nur eine, die eigene Wahrheit, und sie muss in alle Bereiche des Lebens Einzug finden. Der Pluralismus ist der Feind der Totalität und ihre größte Bedrohung. Organisation, Propaganda und Terror sind dabei die zentralen Werkzeuge der ideologischen Diktatur, um das eigene System zu installieren und dem Andersdenkenden die Stimme zu nehmen. „Insofern totalitäre Bewegungen in einer Welt existieren, die selbst nicht totalitär ist, sind sie auch gezwungen, das zu tun, was wir gewöhnlich unter Propaganda verstehen“3, schreibt Hannah Arendt. Die besondere Rolle, die der Propaganda in diesem Zusammenhang zukommt, erklärt sich aus ihrer doppelten Funktion: Eugen Hadamovsky bezeichnet sie als „Kunst der Machtbildung ohne Besitz der Machtmittel“4 und deutet damit ihren Stellenwert vor allem in der Phase der Machtergreifung an. Eine zweite Funktion kommt später hinzu: die der Legitimation. Die Diktaturen der Moderne haben ein groteskes Bedürfnis, ihr verbrecherisches Wesen vor anderen zu rechtfertigen und als legitim darzustellen; die Kontrolle der öffentlichen Meinung ist ihnen dazu unerlässlich.

Wer es wagt, sich dem System entgegenzustellen, begibt sich automatisch in Gefahr. Ein Abweichen von der staatlich vorgegebenen Linie ist für das Regime inakzeptabel, und die Geschichte hat gezeigt, dass Terror und willkürliche Gewalt solcher Provokation meist auf den Fuß folgten. Diese Arbeit beschäftigt sich mit einer besonderen Form des Widerstands: dem kritischen Journalismus. Sie fragt, in wieweit es möglich war, im rigorosen System der NS-Presselenkung den Archimedischen Punkt der Meinungsbildung zu verteidigen und einen Rest an Objektivität vor dem Diktat der Staatspropaganda zu bewahren. Oft ist behauptet worden, der publizistische Widerstand sei dabei keiner Methode gefolgt, ja, es könne eine solche Methodik überhaupt nicht geben. Das ist nicht der Fall. In dieser Arbeit soll im Gegenteil gezeigt werden, dass der Widerstand sehr wohl „Methode hatte“. Ohne Zweifel besaß er eine ganze Fülle an Erscheinungsformen; den einen, gleichförmigen Widerstand gab es nicht. Es ist aber dennoch möglich, einzelne journalistische Kunstgriffe zu abstrahieren und in eine Methodik einzuordnen. Dass diese Methodik im beschränkten Rahmen dieser Arbeit nicht vollständig sein kann, versteht sich; dieser Anspruch soll hier auch nicht erhoben werden. Anspruch dieser Arbeit ist es aber, eine solche Methodik journalistischen Widerstands zu entwerfen und am Beispiel der Frankfurter Zeitung im Dritten Reich mit Inhalt zu füllen. Ihr Interesse ist dabei auch ein rhetorisches. Da die Rhetorik des Widerstands wissenschaftlich aber ein wenig erschlossenes Feld ist, müssen zunächst einige grundlegende Überlegungen angestellt werden.

2. Eine rhetoriktheoretische Grundlegung

2.1 Die Problematik des Widerstandsbegriffs

[...]


1 Shirer, William: The Rise and Fall of the Third Reich. London 1961, S. 245. Nach: Gillessen 1986, S. 528.
2 Hagemann 1970, S. 11.
3 Arendt 1962, S. 510.
4 Hadamovsky, Eugen: Propaganda und nationale Macht. O.A. 1933, S. 16. Nach: Arendt 1962, S. 535.


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