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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 15 Pages
Author: M.A. Jens-Philipp Gründler
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Institution/College: University of Münster (Philosophisches Seminar)
Tags: Ausgangspunkt, Denklehre, Hans, Drieschs, Ordnungslehre, Hauptseminar, Rationalismus, Neuzeit
Year: 2003
Pages: 15
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-23980-6
File size: 163 KB
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Excerpt (computer-generated)
Westfälische Wilhelms-Universität
Philosophisches Seminar
SoSe 2003
Hauptseminar: Der Rationalismus der Neuzeit
Der Ausgangspunkt der Denklehre Hans Drieschs in:
„Ordnungslehre“ (1912)
Jens-Philipp Gründler
Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung (S. 1 - 2)
II. Hauptteil (S. 2 – 12)
II.1. Grundlegende Bestimmungen der Ordnungslehre (S. 2 – 8)
II.1.a) Ein methodischer Solipsismus als Ausgangspunkt (S. 2 – 3)
II.1.b) Die Bedeutung von „Selbstbesinnung“ innerhalb der Ordnungslehre (S. 4 – 6)
II.1.c) Die Problematik eines streng immanenten Ausgangs im Verlaufe der Ordnungslehre (S. 6 – 8)
II.2. Die Selbstbesinnung auf Ordnung im Hinblick auf „mein Denken“ (Ich) (S. 8 – 9)
II.3. Die „Setzung“ als Urmittel innerhalb des Weges der Ordnungslehre (S. 10 – 12)
III. Schluss (S. 12 – 13)
IV. Literaturverzeichnis (S. 14)
I. Einleitung
Durch die biologische Problematik der frühen Jahre als Forscher auf dem Gebiete der Naturwissenschaft vor grundlegende philosophische Probleme gestellt, widmet sich Hans Driesch ab 1904 der Ausarbeitung seines ersten rein philosophischen Werkes, der „Ordnungslehre“. Drieschs Neubegründung des Vitalismus, dargelegt in der „Philosophie des Organischen“, eines im Jahre 1909 in deutscher Sprache erschienenen naturphilosophischen Werkes, welches Drieschs Tätigkeit an der schottischen Universität Aberdeen dokumentiert, muss seinem Denken eine logische und erkenntnistheoretische Rechtfertigung der auf Aristoteles zurückgehenden Annahme einer besonderen Lebenskraft, vis vitalis, abverlangt haben. Seinen Vitalismus auf harmonisch-äquipotentiellen Systemen fundierend1, welche die Eigenschaft organischer bzw. embryonaler Teile bezeichnen, das ganze System, dessen Teile sie sind, aus sich selbst erzeugen zu können, was in endgültiger Abkehr vom einstigen Lehrer Ernst Haeckel geschah, der eine von Darwin ausgehende mechanistisch-materialistische Weltsicht bevorzugte, erkannte Driesch umgehend, dass „ohne stete Berührung mit der Erkenntnislehre eine fruchtbare Naturwissenschaft nicht möglich sei.“2 Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte Driesch nun ein System des nicht-metaphysischen Teiles der Philosophie, unter besonderer Berücksichtigung der Lehre vom Werden, so die umfangreiche Ergänzung zum Titel des Werkes „Ordnungslehre“. Innerhalb seiner Denklehre unternimmt Driesch eine „phänomenologische Untersuchung und Klarstellung der Grundbedeutungen und grundlegenden Beziehungen unseres bewussten Erlebens und ihrer Ordnungen“3, womit der Weg Drieschs vom Entwicklungsphysiologen zum Philosophen des Organischen schließlich zum rein philosophischen Denker hinführt. Die an dieser Stelle vorgenommene Einteilung in drei Stadien geistigen Fortschreiten, lässt sich auf eines der wichtigsten Ergebnisse von Drieschs Denklehre anwenden, auf das triale System, nämlich: „Ist bewusst erlebte Ichheit ein besonderer Zustand eines Teiles der Seele (psyche), oder ist diese ein besonderes Wesen (nous), so dass der Mensch kein duales, sondern ein triales, aus Materie, Seele und Ichheit bestehendes Wesen wäre?“4 Erst drei Jahre vor seinem Tode, publiziert Driesch diese vorsichtig formulierte Frage, die dennoch unerlässlich darauf hindeutet, dass ihm der Mensch als dreiteiliges Wesen erscheint. Beschäftigte sich der junge Biologe im Rahmen seiner Experimente an Hydroidpolypen mit der materiellen Seite des Seins, kam er mit der „Philosophie des Organischen“ der Seele - als einer unbewussten, im Sinne von „psyche“ - einen Schritt näher, um sich dann der Ichheit, dem Geiste oder dem Intellekt zuzuwenden. Was Drieschs Arbeit immer fort durchzog, war ihr Anspruch auf Ganzheit. So ist der auf die erste Seite des Werkes gesetzte Leitspruch seiner „Ordnungslehre“ wiederum Ausdruck jenes denkerischen Hintergrundes, wird dort aus Platons Dialog „Parmenides“ zitiert: „Und ganz zermalmt wird notwendig, glaube ich, durch Zerstückelung alles Seiende, was nur irgend jemand in seinem Verstande auffasst“5.
II. Hauptteil
II.1. Grundlegende Bestimmungen der Ordnungslehre
II.1.a) Ein methodischer Solipsismus als Ausgangspunkt
Die Einordnung seiner Ordnungslehre als „System des nichtmetaphysischen Teiles der Philosophie“, nimmt Driesch keineswegs vor, um die Möglichkeit einer Metaphysik zu leugnen, will er diese vielmehr als eine künftige vorbereiten. Tatsächlich folgen in den Jahren 1917 und 1924 zwei zur Metaphysik zählende Werke, wobei das erste mit „Wirklichkeitslehre. Ein metaphysischer Versuch“ und das zweite mit „Metaphysik“ betitelt ist. Es ist also anzunehmen, dass Driesch sich bereits zu Beginn seiner Arbeit an der „Ordnungslehre“ darüber gewiss war, dass ihm diese durchaus als Vorbereitung eines künftigen Auseinandersetzens mit einem überpersönlichen Wirklichen, unter rationalistischen Vorzeichen, erschien. Daher liegt innerhalb der ersten Kapitel der „Ordnungslehre“ die besondere Betonung auf einem streng immanenten Ansatz, den Driesch als „methodischen Solipsismus“ definiert und folgendermaßen begründet: „Dass unsere Ordnungslehre ... nur vom `ich erlebe denkend´ und von nichts anderem ausgehen darf, ist für uns klar. Ohne diesen gleichsam methodischen Solipsismus – der da freilich nicht sagt `Alles IST nur als von mir Erlebtes´, wohl aber `Jedenfalls IST alles von mir Bedachte ein von mir Erlebtes – ohne ihn wäre schon ihr Ausgang dogmatisch.“6 In diesem Sinne bezeichnet Driesch nun auch die Philosophie als eine Lehre von einem „bewusst mir gegenüberliegendem Haben“.
II.1.b) Die Bedeutung von „Selbstbesinnung“ innerhalb der Ordnungslehre
[....]
1 Vgl. Driesch, Hans – Mein System und sein Werdegang. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen, Leipzig 1923, S. 52: „Harmonisch-äquipotentielle Systeme nennen ich solche in der Embryologie oder bei der Wiederherstellung der gestörten Organisation (Restitution) auftretenden Zellgesamtheiten, für deren organisatorische Leistung es nichts ausmacht, ob man ihnen beliebige Teile nimmt oder ihre Teile verlagert.“
2 Ebd.
3 Driesch, Hans – Ordnungslehre. Ein System des nicht-metaphysischen Teiles der Philosophie. Mit besonderer Berücksichtigung der Lehre vom Werden, Jena 1912, S. 9
4 Driesch, Hans – Alltagsrätsel des Seelenlebens, Stuttgart 1938, S. 35
5 Platon – Parmenides, In: Eigler, G. (Hg.) Platon. Werke in acht Bänden. Fünfter Band, Darmstadt 1981, S. 165a
6 Driesch, Hans – Ordnungslehre, Jena 1912, S. 3
7 ebd., S. 14
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