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Leibniz´ Monadologie

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 11 Pages
Author: M.A. Jens-Philipp Gründler
Subject: Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries

Details

Event: WS 2002/03
Institution/College: University of Münster (Philosophisches Seminar)
Tags: Leibniz´, Monadologie
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 11
Grade: befriedigend
Language: German
Archive No.: V19965
ISBN (E-book): 978-3-638-23981-3

File size: 168 KB


Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität
Philosophisches Seminar
WS 2002/03
Hauptseminar: Leibniz – Monadologie

Die Geistmonaden und ihre Eigenschaften als
Bürger der „Stadt Gottes“ in Leibniz´
Monadologie ( §§ 82 – 90 )

Jens-Philipp Gründler

 

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung ( S. 1 – 3 )

Hauptteil ( S. 3 – 9 )

II.1) Tierseelen, gewöhnliche Seelen und Geister ( S. 3 – 5 )

II.2) Die Gemeinschaft der Geister mit Gott (société des esprits) ( S. 5 – 8 )

II.3) Die letzten Konsequenzen einer vollkommenen Harmonie ( S. 8 – 9 )

Schluss ( S. 9 )

Literaturverzeichnis ( S. 10 )

 

I. Einleitung

In §§ 82 – 90 der Monadologie behandelt Leibniz im Besonderen jene Monaden, welche, dem bis hierher entworfenen Konzept des Monaden-Begriffes zufolge, eine hervorgehobene Stellung in den Beziehungen (rapports) der, das Universum füllenden, einfachen Substanzen haben – die Geister, die vernünftigen Seelen oder die Geistmonaden. Die Prämisse einer Tierseele führt Leibniz zunächst zu einer Unterscheidung jener von der Menschenseele, die durch ihre Begabung zur Vernunft über der ersteren steht. Des weiteren sind die Geister mit der Möglichkeit ausgestattet, das Ich und gleichsam Gott denken zu können. Ein Vorzug, in dem die Fähigkeit zur Vernunft ihre höchsten Blüten treibt. Diese Fähigkeit ermöglicht es den Geistern, „das System des Universums zu erkennen und ... nachzuahmen“1, in einer Art Vater-Kind-Verhältnis zu Gott stehend, den vollkommensten, moralischen Staat bildend, „diese wahrhafte Universalmonarchie“.2 In dem besonderen Zugang, den diese Geister aufgrund ihrer hervorgehobenen Stellung zu Gott haben, manifestiert sich also Gottes Güte, die sich zwar überall, im gesamten Universum, zeigt, und trotzdem insbesondere in der « Cité de Dieu » zur Geltung kommt. Denn hier ist Gottes Ruhm in einem wechselseitigen Verhältnis zu den fürstlichen Individuen insofern gewährleistet, als die Geister jenen erkennen und hochschätzen. In diesem Punkte unterscheiden sich also das Reich der Natur und das moralische Reich der Gnade Gottes, ohne dass es zu einer Disharmonie zwischen beiden kommen könnte. Ist doch die Harmonie als unerlässliches Fundament für alles Geschehen zu begreifen. Dem natürlichen Regelwerk gemäß, dessen Schöpfer Gott ist und für dessen Umsetzung die Geister sozusagen als Vollstrecker des Willen Gottes sorgen, verlangt die herausgehobene Position der Geistmonaden, die sich in ihrer Herrschaft offenbart, sogar eine Art Jüngstes Gericht. Gesetzt den Fall, dass eine Annihilation der Erde, und ihre Neuerschaffung « tout d´un coup »3 angesichts des über alle Maßen zu berücksichtigenden Wohles der Gemeinschaft der Geister unausweichlich werde, diene das zur ausdrücklichen „Züchtigung der einen und zur Belohnung der anderen.“4 Die Sünden tragen danach ihre Bestrafung bereits in, oder besser, mit sich; eine Auffassung, die ich mir inhaltlich mit dem Satz „praedicatum inest subiecto“ in Verbindung zu bringen erlaube und bei der auch die Annahme mitschwingt, dass die „Gegenwart mit der Zukunft schwanger“ gehe. Diese These findet bereits in Platons Dialog „Theaitetos“ im Zusammenhang mit dem Homo-Mensura-Satz des Protagoras Erwähnung, endet dort jedoch in einer Aporie.5 Gute Handlungen ziehen sich naturgemäß, und sogar nach den Gesetzen der Mechanik vielmehr maschinell, ihre Belohnungen zu, während für schlechte Verhaltensweisen Strafen zu erwarten sind, auch wenn dieses selbstregulierende System nicht umgehend in Kraft treten kann und darf. Gottes Allmacht garantiert letztlich, dass es keine gute Handlung ohne Belohnung und keine schlechte ohne Strafe geben kann und darf, weil sich alles um das Wohl der Guten dreht. Gut sind nach diesem Verständnis die, welche mit der universalen Monarchie Gottes vollends zufrieden sind, weil sie den Schöpfer der Natur lieben und bewundern, um ihn in ihren Handlungen nachzuahmen, weil seine Allmacht der Natur der wahrhaft reinen Liebe, « pur amour »,6 entspricht, vermittelst der Freude am Glück dessen, was man liebt. Die weisen und tugendhaften Geister scheinen mit der Richtung des göttlichen Willen überein zustimmen. Sie richten jedes Ziel ihres Willens auf den letzten Grund der Dinge, der mit Gott synonym ist, weil er allein das Glück machen kann. Leibniz nimmt an, dass die Welt in der Form, wie sie ist, die bestmögliche ist, weil sie eben Gottes Güte widerspiegelt sowie die Monaden das Universum repräsentieren. Je deutlicher sie dies in ihren Perzeptionen vermögen, desto umfassender wird die Spiegelung. Es ist in diesem Punkte jedoch keineswegs außer Acht zu lassen, dass selbst den Geistmonaden kein vollkommenes Erkennen des Ganzen möglich ist. Diese absolute Übersicht ist in ihrer Klarheit der Zentralmonade, also Gott, allein vorbehalten.7

II. Hauptteil

II.1) Tierseelen, gewöhnliche Seelen und Geister

In § 83 der Monadologie wird der von mir in der Einleitung angeschnittene Unterschied von gewöhnlichen Seelen und Geistern expliziert: Erstere seien im allgemeinen „lebende Spiegel oder Abbilder des Universums der Geschöpfe“8, analog zum Entwurf jeglicher Monaden als „Spiegel des Universums“, letztlich in der prästabilierten Harmonie mündend, der zufolge alles mit allem verknüpft ist, was dazu führt, dass sich jede Regung der einfachen Substanz auf alle anderen Monaden, die den Raum „voll machen“, auswirkt (agir). Letztere, namentlich Geister, sind „auch noch Abbilder der Gottheit selbst“.9

[....]


1 Leibniz, G.W. – Monadologie (1714) in: Krüger, G. – Leibniz. Die Hauptwerke, Stuttgart 1949, S. 130- 150, § 83

2 ebd.

3 Vgl. § 6 „So kann man sagen, dass die Monaden nur auf einen Schlag zu beginnen und zu enden vermögen. D.h., sie können nur durch Schöpfung beginnen und durch Annullierung aufhören...“

4 Vgl. Leibniz, G.W. – Das neue System (Système nouveau de la nature et de la communication des substances, aussi bien que l´union qu´il y a entre l´ame et le corps (1695), in: Holz, H.H. (Hg.) – Kleine Schriften zur Metaphysik, Frankfurt a. M. 1965, S. 209-211 „So haben die Geister ihre besonderen Gesetze, die sie vermöge der Ordnung selbst, die Gott ihnen verliehen hat, über die Umwälzungen der Materie stellen, und man kann sagen, dass alles übrige nur ihretwegen gemacht ist, da diese Umwälzungen selbst der Glückseligkeit der Guten und der Bestrafung der Bösen angepasst sind.“ (§5), „Indessen folgen die vernünftigen Seelen weit höheren Gesetzen und sind von all dem befreit, was sie ihre Eigenschaft als Bürger der Gesellschaft der Geister « la societé des esprits » verlieren lassen könnte...“ (§8)

5 Platon-Theaitetos, in: Hülser, K. – Platon. Sämtliche Werke Bd. VI, Frankfurt a. M. 1991. Hier wird der Satz des Protagoras, der Mensch sei das Maß aller Dinge, von Sokrates und seinem Schüler Theaitetos auf die Zukunft angewandt. Theaitetos nimmt an, dass, wenn der Mensch das Maß der gegenwärtigen Dinge sei, er auch zutreffende Aussagen über das Künftige tätigen könne. In diesem Zusammenhang fällt der Satz, dass die „Gegenwart mit der Zukunft schwanger gehe“.

6 Mon. § 90

7 vgl. Liske, M.-Th. – Descartes und Leibniz, in: Gniffke, F. und N. Herold (Hrsg.) – Münsteraner Einführungen. Klassische Fragen der Philosophiegeschichte Bd. II. Neuzeit und Moderne, Münster 2000, S. 27 „Auch Gott unterscheidet sich als Zentralmonade von den anderen ... nur durch den unendlichen Grad, dass er allumfassend die ganze Fülle positiver Inhalte in sich beschließt, dass er alles klar und deutlich perzipiert.“

8 Mon. § 83

9 Ebd.


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