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Der Einfluß der Sprechgeschwindigkeit auf segmentale Gegebenheiten von Synsemantika

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 27 Pages
Authors: Dr. Frank Lorenz, Stefanie Baumgartl
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 27
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V20025
ISBN (E-book): 978-3-638-24027-7
ISBN (Book): 978-3-638-64639-0
File size: 180 KB

Abstract

Betrachtet man die Einflüsse, die eine Veränderung in der Realisation von Worten bedingen, birgt die Variation der Sprechgeschwindigkeit einen wesentlichen Einfluß. Der Einfluß des Sprechtempos wurde 1975 durch Claus Gnutzman in Kiel untersucht. In einem Experiment wurden Sätze mit verschiedenen Geschwindigkeiten produziert und reproduziert, um Reduktionserscheinungen bei Synsemantika zu untersuchen. Inwiefern eine Wiederholung dieses Versuches nach nunmehr 25 Jahren vergleichbare Ergebnisse bringt, liegt im Interesse dieser Arbeit. Neben theoretischen Vorbetrachtungen wird der Aufbau beider Versuche und deren Differenzen erläutert. Eine genaue Analyse der Reduktionsphänomene soll darlegen, inwiefern die Ergebnisse des Gnutzmanschen Versuchs zu bestätigen sind.


Excerpt (computer-generated)

Der Einfluß der Sprechgeschwindigkeit auf
segmentale Gegebenheiten von Synsemantika

Frank LORENZ -Stefanie BAUMGARTL

 

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG (STEFANIE BAUMGARTL UND FRANK LORENZ) 3

2. THEORETISCHE VORBETRACHTUNGEN (STEFANIE BAUMGARTL) 4
2.1 BESCHREIBUNG VERSUCH GNUTZMAN (STEFANIE BAUMGARTL) 6
2.2 BESCHREIBUNG VERSUCH JENA (FRANK LORENZ) 12
2.3 FEHLERANALYTISCHE BETRACHTUNG (FRANK LORENZ) 13
2.4 LÄNGENMESSUNGEN (FRANK LORENZ) 14

3. AUSWERTUNG 15
3.1 SPRECHERVERGLEICH (STEFANIE BAUMGARTL) 15
3.2 ASSIMILATIONEN DER UNTERSUCHTEN WORTE IM VERGLEICH (FRANK LORENZ) 18
VORBETRACHTUNG: REDUKTIONSSTUFEN DES DEUTSCHEN 18
ASSIMILATIONEN DER UNTERSUCHTEN WORTE IM VERGLEICH 19

4. ABSCHLIESSENDE BETRACHTUNG (STEFANIE BAUMGARTL UND FRANK LORENZ) 24

5. ANHANG 25
5.1 LÄNGENMESSUNG 25
5.2 TRANSKRIPTION DER UNTERSUCHTEN WORTE 26

6. LITERATUR 27

1. Einführung

Betrachtet man die Einflüsse, die eine Veränderung in der Realisation von Worten bedingen, birgt die Variation der Sprechgeschwindigkeit einen wesentlichen Einfluß. Der Einfluß des Sprechtempos wurde 1975 durch Claus Gnutzman in Kiel untersucht. In einem Experiment wurden Sätze mit verschiedenen Geschwindigkeiten produziert und reproduziert, um Reduktionserscheinungen bei Synsemantika zu untersuchen. Inwiefern eine Wiederholung dieses Versuches nach nunmehr 25 Jahren vergleichbare Ergebnisse bringt, liegt im Interesse dieser Arbeit. Neben theoretischen Vorbetrachtungen wird der Aufbau beider Versuche und deren Differenzen erläutert. Eine genaue Analyse der Reduktionsphänomene soll darlegen, inwiefern die Ergebnisse des Gnutzmanschen Versuchs zu bestätigen sind.

2. Theoretische Vorbetrachtungen

Der Einfluß der Sprechgeschwindigkeit auf die Qualität der Vokale und der Formantveränderung wurde in Grunwalds Arbeit über .Reduktion und Kompensation als Funktion der Sprechgeschwindigkeit im Deutschen. betrachtet. Da eine detaillierte Diskussion der verschiedenen Untersuchungen zu weit führen würde, sollen im folgenden einige Erklärungsmöglichkeiten abgehandelt werden, die den Einfluß der Sprechgeschwindigkeit auf die Artikulation thematisieren.

Grunwalds Diskussion der Undershoot-Theorie von Lindbolm stellt einen interessanten Diskussionspunkt dar. Die aufgestellte Hypothese besagt, daß .mit steigender Sprechgeschwindigkeit die Geschwindigkeit, mit der sich die Artikulatoren in Richtung ihrer Zielposition während des Vokalmittelpunkts zu bewegen, nicht ansteigt, wodurch die Reduktionserscheinungen in der akustischen Vokalqualität hervorgerufen werden.. (Grunwald, S. 22) Mit anderen Worten, die Artikulatoren verfehlen die angestrebte Zielposition. Eine Beschleunigung der Sprechgeschwindigkeit bedingt nicht eine Beschleunigung der Bewegung der Artikulatoren, es ist lediglich eine Verkürzung der Dauer des Vokalanglitts meßbar und die dem target entsprechende Ansatzrohrkonfiguration wird nicht erreicht. Die Bewegungen der Artikulatoren sind bei unterschiedlichen Sprechtempi prinzipiell die gleichen, nur die verkürzte Dauer des Vokals bewirkt einen undershoot. Grunwald faßt die Thematik der Undershoot - Theorie wie folgt zusammen: .Festzuhalten bleibt jedoch, [...] daß die Bewegungen der Artikulatoren bei unterschiedlichen Sprechgeschwindigkeiten prinzipiell die gleichen sind und nur die verkürzte Dauer des Vokals einen undershoot bewirkt.. (Grunwald, S. 24)

Dennoch wurde Kritik an dieser Theorie geäußert. So fand beispielsweise Harris (1974) heraus, daß bei der Produktion von Vokalen mit schnellerem Tempo tatsächlich keine Beschleunigung der Artikulatoren erkennbar ist, er führt dies jedoch nicht auf die Trägheit der Artikulationsorgane sondern vielmehr auf andere zugrundeliegende Targets zurück. Mit anderen Worten, die Lautumgebung beeinflußt das Ausmaß der Reduktionen. Neben dem Einfluß des Sprechtempos auf die Vokalqualität wird auch der Einfluß auf die Formanten und deren Veränderung thematisiert. Man fand zum Beispiel heraus, daß tendenziell der erste Formant des Vokals [i:], wenn auch nur gering, von der Vokaldauer beeinflußt wird. Deutlich signifikanter ist der Einfluß der Vokaldauer auf den zweiten Formanten bei der Realisation von [i:]. Wird die Geschwindigkeit gesteigert und somit die Vokaldauer gekürzt, lassen sich niedrigere Frequenzwerte messen. Dieses Zusammenspiel beider Tendenzen bewirkt eine .Verschiebung des Vokals innerhalb des Vokalsystems in Richtung Neutralvokal und stellt somit eine Reduktion im Sinne einer Neutralisation dar.. (Grunwald, S. 122) Überdies wird die Annahme geäußert, daß Reduktionserscheinungen für den zweiten Formanten bei geschlossenen Vokalen eher zu erwarten sind als bei offenen Vokalen.

Die quantitativen Auswirkungen des Sprechtempos auf die Formantverläufe wurden in einer Hypothese zusammengefaßt: .Eine Steigerung der Sprechgeschwindigkeit wird immer reflektiert durch eine zeitliche Kürzung der quasi- stationären Vokalanteile.. Hierbei werden als .quasi-stationär. jene Vokalsegmente verstanden, während derer kein Formant deutliche Verlaufsänderungen aufweist. (Grunwald, S. 179) Außerdem kann die Dauer der Transition, muß jedoch nicht von einer Temposteigerung betroffen sein. Mit anderen Worten, quantitative Unterschiede sind hauptsächlich auf Differenzen der stationären Anteile zurückzuführen. Wird das Sprechtempo gesteigert, werden diese Segmente stark gekürzt, so daß sie schließlich vollständig verschwinden können. Eine Untersuchung der zeitlichen Extension der Formantverläufe bei unterschiedlicher Sprechgeschwindigkeit ergab, daß eine Temposteigerung immer eine Kürzung der quasi- stationären Vokalanteile bedingt, die allerdings nicht immer proportional sein muß. Die nicht.stationären Anteile, also Onset- und Offset.Transitionen hängen weitaus geringer, aber immer noch feststellbar, von der Gesamtdauer des Vokals ab.

Zusammenfassend seien Charakteristika des Sprechtempos erwähnt: eine Steigerung des Sprechtempos bewirkt eine Verkürzung von Artikulationszeit und Pausenzeit. Als Kenngrößen der Geschwindigkeit gelten das Verhältnis von Artikulationszeit und Pausenzeit (Phonationsquotient), sowie die Artikulations- geschwindigkeit in Silben pro Sekunde. Beide nehmen mit der Sprechgeschwindigkeit zu.

2.1. Beschreibung des Versuches von Claus Gnutzman


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