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Termpaper, 2002, 16 Pages
Author: Nora Pröfrock
Subject: German Studies - Comparative Literature
Details
Institution/College: University of Bonn (Germanistisches Institut)
Tags: Freud, Leser, Jensens, Gradiva, Proseminar, Freud, Literatur
Year: 2002
Pages: 16
Grade: sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-24215-8
ISBN (Book): 978-3-638-75920-5
File size: 189 KB
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Abstract
Die folgende Arbeit beschäftigt sich im wesentlichen mit der Leseweise des Menschen und Psychoanalytikers Sigmund Freud in Bezug auf Wilhelm Jensens Novelle Gradiva (Ein pompejanisches Phantasiestück). Sowohl als Vorkämpfer der Psychoanalyse als auch als individuelle Persönlichkeit hatte Sigmund Freud einen ganz bestimmten Hintergrund für seine Leseweise und Auffassung der Novelle, die sich dann auch in seiner Studie Der Wahn und die Träume in W. Jensens „Gradiva“ niederschlug. Dieser Hintergrund, vor allem die Frage, worin für Freud das Interesse an der Novelle und die Motivationsgründe für eine psychoanalytische Interpretation dergleichen lagen, soll im Folgenden beleuchtet werden. Was sprach den Leser Freud persönlich an, und welche Möglichkeiten sah er durch die Arbeit mit der Novelle für die Psychoanalyse?
Excerpt (computer-generated)
Freud als Leser von W. Jensens Gradiva
vorgelegt von Nora Pröfrock
Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 1
1. Der Leser Freud als Privatperson Seite 1
2. Der Leser Freud als Vorkämpfer der Psychoanalyse Seite 8
3. Der Leser Freud als Teilnehmer in der Diskussion um Psychiatrie und Dichtung Seite 10
Zusammenfassung Seite 13
Literaturverzeichnis Seite 14
Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich im wesentlichen mit der Leseweise des Menschen und Psychoanalytikers Sigmund Freud in Bezug auf Wilhelm Jensens Novelle Gradiva (Ein pompejanisches Phantasiestück). Sowohl als Vorkämpfer der Psychoanalyse als auch als individuelle Persönlichkeit hatte Sigmund Freud einen ganz bestimmten Hintergrund für seine Leseweise und Auffassung der Novelle, die sich dann auch in seiner Studie Der Wahn und die Träume in W. Jensens „Gradiva“ niederschlug. Dieser Hintergrund, vor allem die Frage, worin für Freud das Interesse an der Novelle und die Motivationsgründe für eine psychoanalytische Interpretation dergleichen lagen, soll im Folgenden beleuchtet werden. Was sprach den Leser Freud persönlich an, und welche Möglichkeiten sah er durch die Arbeit mit der Novelle für die Psychoanalyse?
1. Der Leser Freud als Privatperson
In verschiedener Hinsicht kann angenommen werden, dass W. Jensens Novelle einen persönlichen Wiedererkennungswert für den Leser Sigmund Freud hatte. In der Hauptperson, dem Archäologen Norbert Hanold, ist beispielsweise Freuds eigenes Interesse für Archäologie wiederzufinden. In einem Brief an Stefan Zweig schrieb Freud, er habe „mehr Archäologie als Psychologie gelesen“1, außerdem besaß er eine umfangreiche Antiquitätensammlung, die von Heinz und Carina Weiß für einen Artikel im Jahrbuch der Psychoanalyse im einzelnen untersucht und als der „Spiegel seiner Vorliebe für alles Prähistorische im Menschen“2 bezeichnet wurde. Sein archäologisches Interesse war sogar so groß, dass es bedeutenden Einfluss auf seinen schriftlichen Sprachgebrauch hatte. Wie Walter Schönau feststellt, wird in Freuds wissenschaftlicher Prosa „die Bilderwelt der Archäologie [...], verglichen mit allen anderen Bildsphären, am reichsten entfaltet.“3 Vor dem Hintergrund, dass Freud mit Metaphern und Symbolen aus dem Bereich der Archäologie sehr gut vertraut war, da er solche selbst aufgrund eines starken persönlichen Interesses an Archäologie oft in seiner eigenen Prosa verwendete, wird also auch sein Interesse an der Gradiva und an einer Deutung der Novelle, die hauptsächlich in Pompeji, dem „Mekka der Altertumsforscher“4 spielt, verständlich.
Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen der Hauptperson der Novelle und deren Leser Sigmund Freud ist die Reiselust. So wie Norbert Hanold in der Gradiva einen merkwürdigen Drang verspürt, nach Italien zu reisen, zieht es auch Freud Zeit seines Lebens immer wieder in den Süden, besonders nach Rom, wobei sowohl Hanolds Reise nach Pompeji, als auch Freuds „Sehnsucht, nach Rom zu kommen“5, die lange unbefriedigt blieb, verborgene Motive zugrunde liegen. Erst als sich Norbert Hanold bereits in Pompeji befindet, wird ihm plötzlich bewusst, dass er ohne selbst von dem Antrieb in seinem Innern zu wissen, deshalb nach Italien und ohne Aufenthalt von Rom und Neapel bis Pompeji weitergefahren [sei], um danach zu suchen, ob er hier Spuren von ihr [der Gradiva] auffinden könne.6
Entsprechend fand Freud, der seine Romsehnsucht in der Traumdeutung selbst analysierte, heraus, dass sein „Wunsch, nach Rom zu kommen, für das Traumleben zum Deckmantel und Symbol für mehrere andere heiß ersehnte Wünsche geworden“7 war. Es scheint sich also, wie aus dieser Feststellung Freuds hervorgeht, hinter dessen Romsehnsucht ein ganzer Komplex anderer Sehnsüchte und Wünsche verborgen zu haben, für die Rom nur ein Symbol war. Was sich hinter diesem Rom- Symbol verbarg, soll nun im Folgenden ansatzweise untersucht werden.
[...]
1 Freud, Briefe 1873- 1939, S. 399
2 Weiß/ Weiß, „Eine Welt wie im Traum- S. F. als Sammler antiker Kunstgegenstände“, S. 213
3 Schönau, Freuds Prosa, S. 192
4 Ebd., S. 179
5 Freud, Traumdeutung, S. 205
6 Jensen, Gradiva, in: Freud, Der Wahn und die Träume in W. Jensens „Gradiva“, S. 162
7 Freud, Traumdeutung, S. 208
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