Franz Kafka - Die Verwandlung

E-Book Cover: ()
Flash Player und JavaScript werden für eine verbesserte Ansicht des Dokuments benötigt. Bitte installieren Sie den Flash Player und aktivieren Sie Javascript.

Install Flash Player

Details

Titel: Franz Kafka - Die Verwandlung
Autor: Süreyya Ilkilic
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Veranstaltung: Hauptseminar Franz Kafkas Erzählungen
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Fachbereich Germanistik)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 1996
Seiten: 26
Literaturverzeichnis: ~ 22  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 179 KB
Archivnummer: V2039
ISBN (E-Book): 978-3-638-11253-6

Textauszug (computergeneriert)

 

RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM
Germanistisches Institut

HAUSARBEIT
Im Hauptseminar:
Franz Kafkas Erzählungen

Thema:
Die Verwandlung


Semester:1995/96
vorgelegt von: Süreyya ILKILIC

 

 

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

Einleitung     .... 2

I. Erster Teil: Die Verwandlung      .... 5

II. Zweiter Teil: Der Vergleich zwischen dem Leben von Kafka und Gregor     ....  14

III. Schluß      .... 22

IV. Literaturverzeichnis      .... 23

 

 

Einleitung

"Die Verwandlung" wurde neben "Urteil" und "Heizer" im Jahre 1912/1913 als die dritte größere Erzählung gebildet. Sie entstand zwischen dem 17.11.1912 und dem 6.1.1913.1 Kafka wollte ursprünglich die oben genannten Geschichten und "Die Verwandlung" unter dem Titel "Söhne" vereinigen. Später wollte er "Das Urteil", Die Verwandlung" und "In der Strafkolonie" unter dem Namen "Strafen" zusammenfassen, was jedoch aus verlegerischen Gründen nicht verwirklicht werden konnte. Da "Die Verwandlung" einige Themen von "Söhne" und "Strafen" beinhaltet, wird es als Mittelpunkt von beiden Büchern gesehen. 2 Die Erzählung ist zum erstenmal im Jahre 1915 in einer Monatsschrift "Die weißen Blätter" (Hrsg. von Rene Schickele) erschienen.3

Der Dichter korrespondiert mit Felice Bauer, seiner Verlobten, vom Anfang bis zum Ende der Niederschrift der Geschichte und teilt es ihr in allen Abschnitten mit. Mit dem Brief, der am 17.11.1912 geschrieben wurde, fängt er an, Felice über die Erzählung zu berichten:



" Ich werde Dir übrigens heute wohl noch schreiben, wenn ich auch noch heute viel herumlaufen muß und eine kleine Geschichte niederschreiben werde, die mir in dem Jammer im Bett eingefallen ist und mich innerlichst bedrängt."4

Obwohl er das Niederschreiben dieser kleinen Geschichte "höchstens mit einer Unterbrechung in zweimal 10 Stunden"5 geschätzt hat, wurde sie bei ihm " in der Stille zu einer größern Geschichte".6 Das Schreiben dauerte in der Nacht vom 6. bis zum 7. Dezember 1912. Am selben Tag schreibt er seiner Verlobten: "Liebste, also höre, meine kleine Geschichte ist beendet, nur macht mich der heutige Schluß gar nicht froh, er hätte schon besser sein dürfen, das ist kein Zweifel."7

In "Die Verwandlung", der längsten Erzählung8 Kafkas, ist die Hauptfigur ein Handlungsreisender namens Gregor Samsa, der seinen fünfjährigen Arbeitsrhythmus9unterbricht, indem er später als gewohnt aufwacht10 und sich in ein "Ungeziefer" verwandelt sieht.

Der Autor verwendet fast in jeder seiner Geschichten als Hauptthema11 eine Tierfigur. Diese Tiere identifizieren sich mit dem Thema der vom Autor geschriebenen Geschichte. Diese Figuren tauchen in seiner Kindheit und Jugendzeit auf, so daß er in späteren Jahren diese in seiner Geschichten als Ausdruck seiner Identifikation12 wiedergibt. Seine Briefe und Tagebücher zeigen, daß die Tiere die Körpergefühle13 widerspiegeln.

Kafka schreibt in einem Brief an Milena: "Mein Körper fürchtet sich und kriecht.... langsam auf die Wand hinauf."14 Der Dichter setzt dieses Tierbild nicht "spontan" oder "zufällig" in seine Geschichten ein, sondern im Gegenteil "überlegt" und sehr "bewußt".15

Sein Vater Hermann Kafka bezeichnete seinen Freund, den Schauspieler Löwy, obwohl er ihn niemals gesehen hat, als ein "Ungeziefer"16 und führte das Sprichwort an: "Wer sich mit Hunden ins Bett liegt, steht mit Wanzen auf."17 Kafka bleibt unter dem Einfluß dieses Vergleichs und identifiziert sich mit diesem Ausdruck, indem er Gregor diese Rolle als "Ungeziefer" spielen läßt.18

Eine intakte Vater - Sohn und Schwester - Bruder Beziehung gibt es in der Familie Samsa nicht, sondern Gregor wird als "Ernährer seiner Familie"19 betrachtet. Daher wird er als "Opfer der Familie"20 angesehen und als "Ungeziefer" in eine ekelhafte Gestalt21 verwandelt. Diese Handlung stellt das Paria - Dasein22 und die Sklaverei23 in der Familie dar. Er wird von anderen Menschen "zur Seite geschoben" und "niedergeschlagen".24 In der Geschichte zeigen sich Parallelen im Leben der Hauptfigur Gregor und dem Autor Kafka auf. In der Zeit als Kafka "Die Verwandlung" schreibt, lebt er ebenfalls mit seiner Familie zusammen. Die Verhältnisse dazu seiner Familie waren begrenzt. Er mußte zum Familienunterhalt verdienen. Da auch Kafka in den Augen seines Vaters ein Nichts war, spiegelt sich seine innere Welt in der Geschichte wider.

Der Grund für das Schreiben Kafkas besteht darin, daß er sich vom Einfluß seines Vaters befreien und so seine Freiheit gewinnen möchte.25 Auch die Verwandlung zum "Ungeziefer" bedeutet für Gregor ein Ausweg aus seiner Familie und seiner Arbeit.26

Im ersten Teil der Erzählung wird von Gregors Verwandlung und dementsprechend von seiner Art der Fortbewegung, Eßgewohnheiten und seiner Empfindlichkeit gegenüber Nässe berichtet.27 Im zweiten Teil erfolgt die Rückverwandlung von Herrn Samsa, ein alter und schwacher Mann, der seine Kraft wiedererlangt und zu arbeiten beginnt.28 Im letzten Teil der Geschichte wird berichtet, wie Grete, seine Schwester, sich zunächst liebevoll um ihren Bruder kümmert, später jedoch wird sie mächtig und duldet nicht mehr, daß Gregor mit im Haus wohnt.29

In der vorliegenden Arbeit habe ich versucht, im ersten Teil allgemein "Die Verwandlung", im zweiten Teil die Familienverhältnisse und die Arbeit Kafkas darzustellen, das von ihm mit dem Leben von Gregor in der Geschichte in Verbindung gesetzt wird. Und am Ende meiner Arbeit habe ich die Bedeutung von Literatur, Musik und vor allem des Schreibens für Kafka untersucht.

[...]


1 Scholz; Ingeborg: Franz Kafka. "Das Urteil", "Die Verwandlung", "Ein Hungerkünstler", "Vor dem Gesetz", "Eine kaiserliche Botschaft", "Ein Bericht für Akademie", "In der Strafkolonie". -3., überarb. Aufl. Beyer: 1991 S. 33

2 Ulf; Abraham: Franz Kafka. Die Verwandlung - Grundlagen und Gedanken zum Verständnis- 1. Aufl. Frankfurt/ Main, Diesterweg: 1993. S. 60

3 Scholz; S. 34

4 Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit. Hg. Erich Heller und Jürgen Born. Frankfurt/ Main, Fischer: 1976. S. 102. (abgekürzt BF)

5 ebd. S. 125

6 ebd. S. 116

7 ebd. S. 163

8 Weber Albrecht: Interpretationen zu Franz Kafka. Das Urteil, Die Verwandlung, Ein Landarzt, Kleine Prosastücke / von Albrecht Weber, Carsten Schlingmann, Gert Kleinschmidt. -6. Aufl. Münschen: Oldenbourg 1987. S.82

9 Ulf: S. 34 f.

10 Meuer; Reinhard: Franz Kafka, Erzählungen: Interpretationen. -1. Aufl. Münschen: Oldenbourg 1984. S. 47

11 Deleuze, Gilles; Guattari, Felix: Kafka, Für eine kleine Literatur. Frankfurt/ Main: Suhrkamp Verlag 1976. S. 49

12 Meuer; S. 46

Fingerhut, Karl- Heinz: Die Funktion der Tierfiguren im Werke Franz Kafkas. Bonn: 1969. S. 43

13 Fingerhut; S. 43

14 Brief an Milena: Hg. Jürgen Born und Michael Müller. Erw. und neu geordn. Frankfurt/ Main: Fischer 1983. S. 239

15 Fingerhut; S. 53

16 Brief an den Vater. Hg./ Michael Müller, Reclam, Stuttgart 1995. S. 15

17 ebd.

18 Fingerhut; S. 212 f.

19 Meuer; S. 49

20 Fingerhut; S. 168

21 Kafka, Franz: Sämtliche Erzählungen. Hg. Paul Raabe. Frankfurt/ Main: Fischer Taschenbuch 1970. S. 85

22 Fingerhut; S. 112

Politzer, Heinz; Franz Kafka, Der Künstler. Frankfurt/ Main: Fischer 1965. S. 127 f.

23 Politzer; S. 106

24 Fingerhut; S. 214

25 Fingerhut; S. 110  Briefe 1902- 1924, Hg. Max Brod. Copyrigt 1958 by Schocken Books, New York. Frankfurt/ Main: Fischer. S. 337

26 Deleuze/ Guattari; S. 49 f.

27 Ulf; S. 36

28 ebd. S. 38 f.

29 ebd. S. 39 f.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/2039/