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Thesis (M.A.), 2000, 128 Pages
Author: Olaf Kunde
Subject: Communications: Journalism, Journalism Professions
Details
Tags: Geschichte, Fotojournalismus
Year: 2000
Pages: 128
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-24572-2
ISBN (Book): 978-3-638-73152-2
File size: 616 KB
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Abstract
Das Bild, speziell das fotografische Bild, nimmt als Kommunikationsform in unserer bedingungslos schnellebigen Kultur eine herausragende Position ein. Dem Wahrheitsanspruch der uralten chinesischen Weisheit, der zufolge einem Bild mehr Bedeutung zukommt als tausend Worte, ist wohl auch heute wenig entgegenzusetzen. Eine Fotografie soll vor allem Informationen vermitteln oder eine Geschichte erzählen, eine interessante Geste einfangen, eine besondere Mimik, ein Lächeln zeigen, Gefühle auslösen. Den richtigen, perfekten Moment in Verbindung mit einem geschulten Auge für eine optimale Bildgestaltung, festzuhalten und ihn gewissermaßen Zeit unabhängig erstarren zu lassen, das war und ist der große Vorteil des ambitionierten Fotojournalismus gegenüber den fortlaufenden, unruhigen Fernsehbildern. Diese sind im eigentlichen Sinne auch nur ´bewegte Fotografien´. Wichtig hierbei ist die Wahl des Motivs, aber ob es unsere Aufmerksamkeit fesseln kann, hängt im Besonderen von der Wahl der ästhetischen Mittel, das heißt der Gestaltung der Komposition des Fotos ab. Die Fotografie wird geleitet von gewissen Grundregeln, welche schon lange in Grafik und Malerei gelten. Die Nähe zur Malerei und Grafik erklärt sich durch die Nutzung oder Umkehrung ihrer kunstgeschichtlich gewachsenen Erfahrungswerte in Form der grafischen Gestaltungsmittel, beispielsweise der Bildlinienführung, Perspektiven. Interessant in diesem Kontext ist die Tatsache, dass die meisten frühen Pioniere der Fotografie sich vorher mit Malerei beschäftigt haben. Fraglich ist hier natürlich die enge Beziehung und besondere Nähe zur Kunst oder zu einem Kunstcharakter. Aber haben nicht zum Beispiel Fotos in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen neben der übermittelten Information oder Nachricht oft künstlerische oder werbetechnische Aspekte und Merkmale! Das alles vollzieht sich im Ermessens-Spielraum des Fotografen, der die Redaktion („Zeitungszensur“) durch „ ... Hinzufügen von ästhetischen, politischen und erkenntnis-theoretischen Elementen in sein Bild ... “ nach seinem Sinne ´täuschen´ kann. In diesem Sinne kann die Zeitung oder Zeitschrift ebenso die hinzugefügten Elemente zur Bereicherung ihres spezifischen Profils nutzen . Ein kreativer Prozess kommt in Gang, von dem beide Seiten profitieren können, vorausgesetzt der Fotograf verfügt über bildgestalterische und handwerkliche Kompetenz.
Excerpt (computer-generated)
TU Dresden
Fotojournalismus
Magisterarbeit
von
Olaf Kunde
29.11.2000
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
1.1. Problemstellung, Aufbau und Literaturlage der Untersuchung ... 2
1.2. Begriff und Definition: Fotojournalismus/ Fotojournalist ... 3
2. Historische Entwicklung fotojournalistischer Ansätze bis zum 1.Weltkrieg ... 8
2.1. Historische Frühformen und Vorläufer des modernen Fotojournalismus ... 8
2.2. Gründung der ersten Illustrierten im 19.Jahrhundert ... 12
2.3. Fotojournalistische Tendenzen um 1900 bis zum 1.Weltkrieg ... 14
3. Einflüsse, Bedingungen, Voraussetzungen - Das Entstehen des modernen Fotojournalismus in Deutschland (1914-1927) ... 22
3.1. Einfluss des 1.Weltkrieges und gesellschaftliche Bedingungen ... 22
3.2. Kunst in Berührung mit der Fotografie und deren Einflüsse ... 26
3.2.1. Übergang von der Kunstfotografie zu den verschiedenen Linien der Neuen Fotografie ... 29
3.2.2. Einflüsse des Surrealismus und des Bauhaus ... 34
3.3. Aufschwung der deutschen Illustrierten in den 20er Jahren ... 36
3.3.1. Die Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ) und die Arbeiterfotografen ... 37
3.3.2. Die illustrierte Presse der liberalen und nationalistischen Kreise ... 40
3.4. Die Erfindung und Markteinführung der neuen Kleinbildkameras ... 41
3.5. Ein neuer Typus des Fotoreporters ... 44
3.6. Tendenzen des neuen Fotojournalismus in anderen Ländern ... 50
4. Geburt, Höhepunkt und Ende des modernen Fotojournalismus in der Weimarer Republik (1928-1933) ... 52
4.1. Geburt des modernen Fotojournalismus ... 52
4.2. Die neuen Fotoagenturen: Dephot und Weltrundschau ... 54
4.3. Die moderne Fotoreportage ... 56
4.4. Die Fotoreporter ... 61
4.4.1. Der erste Star der Szene: Dr. Erich Salomon ... 62
4.4.2. Felix H. Man: Der Vielseitige ... 65
4.4.3. Die anderen Fotoreporter der ersten Generation ... 66
4.5. Fotograf und Apparatur: Innovation und Anwendung ... 72
4.6. Der Wandel der Themen im deutschen Fotojournalismus ... 73
4.7. Kritik am modernen Fotojournalismus ... 76
4.8. Gleichschaltung und des Fotojournalismus im nationalsozialistischen Deutschland sowie die Emigration seiner Vertreter ... 79
5. Die Entwicklung des modernen Fotojournalismus in anderen Nationen und der Einfluss der deutschen Emigranten ... 81
5.1. Die französische Variante: Die Illustrierte ′VU′ ... 82
5.2. Der moderne Fotojournalismus in Grossbritannien ... 85
6. Der moderne Fotojournalismus in den USA ... 87
6.1. Gründung der Illustrierten LIFE 1936 ... 87
6.2. Programm und Arbeitsweise der Illustrierten LIFE ... 89
6.3. Struktur und Aufbau von LIFE ... 91
7. Die Farm Security Administration (1936-1972) ... 93
8. Der 2.Weltkrieg und sein Einfluss auf den Fotojournalismus ... 95
9. Der Fotojournalismus in der Nachkriegszeit ... 96
9.1. Neue Tendenzen und Hochphase der Illustrierten in den 50er Jahren ... 96
9.2. Die Fotokooperative Magnum ... 98
9.3. Profil eines wichtigen Fotojournalisten der Nachkriegsära: Henri Cartier-Bresson ... 100
10. Herausbildung, Weiterentwicklung und Theorie der Live-Fotografie ... 102
11. Der langsame Niedergang der Illustrierten und deren Auswirkung auf den Fotojournalismus in den 60er Jahren ... 107
12. Theorie und Kritik zum Fotojournalismus ... 110
13. Aktuelle Tendenzen im Fotojournalismus ... 113
14. Resümee ... 116
Quellenverzeichnis der Abbildungen ... 120
Literaturverzeichnis ... 122
1. Einleitung
Das Bild, speziell das fotografische Bild, nimmt als Kommunikationsform in unserer bedingungslos schnellebigen Kultur eine herausragende Position ein. Dem Wahrheitsanspruch der uralten chinesischen Weisheit, der zufolge einem Bild mehr Bedeutung zukommt als tausend Worte, ist wohl auch heute wenig entgegenzusetzen. Eine Fotografie soll vor allem Informationen vermitteln oder eine Geschichte erzählen, eine interessante Geste einfangen, eine besondere Mimik, ein Lächeln zeigen, Gefühle auslösen. Den richtigen, perfekten Moment in Verbindung mit einem geschulten Auge für eine optimale Bildgestaltung, festzuhalten und ihn gewissermaßen Zeit unabhängig erstarren zu lassen, das war und ist der große Vorteil des ambitionierten Fotojournalismus gegenüber den fortlaufenden, unruhigen Fernsehbildern. Diese sind im eigentlichen Sinne auch nur ´bewegte Fotografien´. Wichtig hierbei ist die Wahl des Motivs, aber ob es unsere Aufmerksamkeit fesseln kann, hängt im Besonderen von der Wahl der ästhetischen Mittel, das heißt der Gestaltung der Komposition des Fotos ab. Die Fotografie wird geleitet von gewissen Grundregeln, welche schon lange in Grafik und Malerei gelten. Die Nähe zur Malerei und Grafik erklärt sich durch die Nutzung oder Umkehrung ihrer kunstgeschichtlich gewachsenen Erfahrungswerte in Form der grafischen Gestaltungsmittel, beispielsweise der Bildlinienführung, Perspektiven. Interessant in diesem Kontext ist die Tatsache, dass die meisten frühen Pioniere der Fotografie sich vorher mit Malerei beschäftigt haben.
Fraglich ist hier natürlich die enge Beziehung und besondere Nähe zur Kunst oder zu einem Kunstcharakter. Aber haben nicht zum Beispiel Fotos in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen neben der übermittelten Information oder Nachricht oft künstlerische oder werbetechnische Aspekte und Merkmale! Das alles vollzieht sich im Ermessens-Spielraum des Fotografen, der die Redaktion ("Zeitungszensur") durch " ... Hinzufügen von ästhetischen, politischen und erkenntnis-theoretischen Elementen in sein Bild ... "1 nach seinem Sinne ´täuschen´ kann. In diesem Sinne kann die Zeitung oder Zeitschrift ebenso die hinzugefügten Elemente zur Bereicherung ihres spezifischen Profils nutzen . Ein kreativer Prozess kommt in Gang, von dem beide Seiten profitieren können, vorausgesetzt der Fotograf verfügt über bildgestalterische und handwerkliche Kompetenz. Genau auf diesen Prozess der Kreativität setzen beispielsweise die Bildredakteure von GEO, die Fotojournalisten der traditionsreichen Fotoagentur Magnum oder das frühe amerikanische Magazin LIFE oder das britische National Geographic. Sie geben dem Fotojournalisten Raum und Zeit. Sie haben die Möglichkeit dazu, da sie nicht primär dem Nachrichtenwert ,Aktualität′ verpflichtet sind. Das grenzt sie von der alltäglichen Pressefotografie ab. Im Vordergrund bleibt die dokumentarische Funktion als Bildmedium für die Vermittlung von Informationen.
Jeder technisch versierte Fotograf hat das Können perfekte Aufnahmen zu machen, aber es ist nicht von der neuesten Kamera auf dem Markt abhängig. Eine nur technisch perfekt ausgeführte Aufnahme kann " ...das langweiligste Bild der Welt sein ... ", stellt der berühmte Fotograf Andreas Feininger fest.2 Der kreative Fotograf muss die Apparatur beherrschen und nach eigenem Ermessen benutzen, sonst beherrscht die Apparatur ihn selbst, beschränkt ihn auf der ´Suche´.
1.1. Problemstellung, Aufbau und Literaturlage der Untersuchung
Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen folgende forschungsleitende Fragestellungen:
Wie und wann entstand der moderne Fotojournalismus und wer prägte ihn? Wie verlief die Entwicklung des Fotojournalismus bis in die jüngere Zeit? Was ist moderner Fotojournalismus überhaupt?
Für die vollständige Beantwortung dieser Fragen sind die folgenden inhaltlichen Nebenaspekte des Fotojournalismus relevant: Was waren die Entstehungsgründe für ihn? Was sind seine Akteure? Welche Ausprägungen, Beeinflussungen und Stilarten existieren im Fotojournalismus? In welchen Verhältnis stehen Kritik und relevante Theorien zum Fotojournalismus? Wie differenzieren sich die Merkmale und Kriterien eines ambitionierten, engagierten Fotojournalismus aus? Werden sie von Fotojournalisten bewusst angewendet und benutzt, abzulesen an ihren spezifischen Produkten? Wie können diese Fotojournalisten überhaupt charakterisiert werden? Was sind typische Themenfelder des Fotojournalismus? Wo gibt es Abgrenzungsprobleme oder Berührungspunkte des Fotojournalismus speziell mit anderen Kanälen wie der Kunst? Gestaltet sich die Nähe zur ästhetischen Bildgestaltung zum trennenden Widerspruch, in dem sich der Anspruch auf Wahrheit, Objektivität, Authentizität im Fotojournalismus und dem der Subjektivität und ´Schönheit´ gegenüberstehen oder hat sich dieser Dualismus aufgelöst? Haben sich Maßstäbe und Stilistik innerhalb des Fotojournalismus im Laufe der Zeit geändert und in welcher Form?
Der Aufbau meiner Arbeit erfolgt nach dem Prinzip eines chronologischen Korsetts in Hinsicht auf die geschichtliche Entwicklung des Fotojournalismus. In den einzelnen Etappen der historischen Entwicklung im Fotojournalismus werden jeweils Abschnitte über Akteure, Entstehungsbedingungen, Einflüsse, Themen, Merkmale, Ausprägungen und relevante Theorie eingebunden.
Die Literaturlage zur Fotografie im allgemeinen ist sehr umfangreich. Im speziellen Gegenstandsbereich des Fotojournalismus sieht die Präsenz an Literatur schon weniger günstig aus. Es gibt viele große Abhandlungen über die Geschichte der Fotografie, in denen, der Fotojournalismus mit unterschiedlich gewichteter Bedeutung behandelt wird. Beaumont Newhall, Michel Frizot, Naomi Rosenblum, Petr Tausk, Liz Wells u.a. sind hier anzuführen. Gisele Freunds Abhandlung Photographie und Gesellschaft, ausführlich im Bereich des Fotojournalismus, war besonders relevant für meine Arbeit. Die Arbeiten zum Fotojournalismus direkt, die ich verwendet habe, werden repräsentiert von den Autoren Jose Macias, Bernd Weise und Tim N.Gidal. Diese drei Autoren, besonders aber Gidal, erlaubten mir einen sehr informativen Einblick in den deutschen Fotojournalismus. Die amerikanische Perspektive auf den Fotojournalismus repräsentieren hier Fred Ritchin, Beverly Bethune, Wendy Kozol, um nur einige zu nennen. Einige Bücher von verschiedenen Fotojournalisten dienten mir als Dokumente fotojournalistischer Praxis wie Henri Cartier-Bresson, John Loengard, Kenneth Kobre, Felix H.Man, Peter Hunter Salomon. Hinsichtlich des Zugriffs von Theorien unterschiedlichsten Ansatzes war die Anthologie Theorie der Fotografie (Teil 2 und 3) von Wolfgang Kemp sehr hilfreich. Die Abhandlungen von S. Kracauer, W. Benjamin, K. Pawek, S. Sontag und R. Barthes müssen in diesem Kontext genannt werden. Die Bücher von Herbert Molderings (Kunsttheorie, Kunstgeschichte), Roland Günter (Dokumentarische Fotografie) und Klaus Honnef (Emigration) brachten viele wichtige Aspekte ein. Dann sind noch viele Abhandlungen und Bücher zu den verschiedensten relevanten Einzelaspekten verwendet worden, die ich hier nicht erwähnen möchte.
1.2. Begriff und Definition: Fotojournalismus/Fotojournalist
Fotojournalismus bedeutet die visuelle Erweiterung des Wort-Journalismus durch die Fotografie. Sein Aufgaben liegen nicht in erster Linie bei den tagesaktuellen Printmedien, sondern bei den illustrierten Zeitschriften und Magazinen, den sogenannten ‚Illustrierten` und ganz genau in den dort ersichtlichen Einzelfotografien, Fotoreportagen, Foto-Features und Foto-Essays.3
[...]
1 Flusser, Vilem (1983): Für eine Philosophie der Fotografie. Göttingen, S.50.
2 Feininger, Andreas (1995): Das ist Fotografie. Schaffhausen, S.7.
3 Gidal, Tim N. (1993): Chronisten des Lebens. Die moderne Fotoreportage. Berlin, S.9.
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