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Scholarly Essay, 2003, 23 Pages
Author: Jörg Schweigard
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Details
Year: 2003
Pages: 23
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-24600-2
ISBN (Book): 978-3-638-70092-4
File size: 130 KB
Der interdisziplinäre Aufsatz beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Novalis' Studienzeit in Jena (1791/1792)und die dortigen politischen Strömungen seine späteren politischen Schriften beeinflußt haben. Der Aufsatz ist erschienen in: Mitteilungen der Internationalen Novalis-Gesellschaft. Hg. von der Forschungsstätte für Frühromantik. Heft 3, Wiederstedt 2003, S. 14-37.
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Abstract
Die Universität Jena zählte in den 1790er Jahren zu den Hochburgen der deutschen Studentenbewegung. Der Aufsatz behandelt die Einflüsse der studentischen Verbindungen und politischen Strömungen auf die Weltanschaung des Dichters Friedrich von Hardenberg (Novalis).
Excerpt (computer-generated)
“Männerstolz vor Königsthronen”
Einflüsse der Jenaer Studienzeit (1790/91)
auf Novalis‘ Weltanschauung
(Erschienen in: Mitteilungen der Internationalen
Novalis-Gesellschaft. Hg. von der Forschungsstätte für
Frühromantik. Heft 3, Wiederstedt 2003, S.14-37.)
Jörg Schweigard
1. Einleitung ... 1
2. Studentendasein am Ende des 18. Jahrhunderts: Mentalitäten und Verbindungswesen ... 2
3. Literarische Einflüsse und Vorbilder ... 8
4. Stammbücher als Quelle für studentische Mentalitäten und Weltanschauungen ... 10
4.1 Politische Einträge in Novalis‘ Stammbuch ... 11
4. 2 Politische Einträge in Stammbüchern der Kommilitonen ... 12
5. Novalis und die Jenaer Gelehrten ... 14
6. Exkurs: Soldatendasein als Alternative? ... 16
7. Die politische Haltung Novalis in den Jahren nach Jena (1791-1801) ... 18
8. Einflüsse der Jenaer Studienzeit auf Novalis Weltanschauung ... 22
1. Einleitung
Ende des 18. Jahrhunderts war ein Studium an einer der Hochschulen des heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation eine sehr exklusive Angelegenheit. Die Studienzeit galt als letzter Freiraum zwischen der Schulzeit und dem "Philisterdasein", wie die Studenten das bürgerliche Erwerbsleben mit allen Rechten und Pflichten scherzhaft nannten. Die “akademischen Jahre” stellten für viele einen kurzen aber sehr intensiven Lebensabschnitt dar, in dem sie in völliger Freiheit, oft ausgestattet mit dem Scheck des Vaters, aber entfernt von dessen Einfluss, nicht nur ihre Kenntnisse vertieften, sondern auch ihre Weltanschauung ausbildeten.
War die Studienzeit folglich ohnehin schon ein prägendes Ereignis in der Biographie eines jungen Mannes, so kam 1789 noch die politische Umbruchzeit der Französischen Revolution hinzu, die auch in den Staaten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation für politische Unruhe sorgte.
In dieser Umbruchzeit trat auch der junge Novalis (Friedrich von Hardenberg) sein Studium an. Novalis starb vergleichsweise jung mit 28 Jahren. Seine späteren politischen Schriften sind vielleicht in noch stärkerem Maße von den Eindrücken der Studienzeit geprägt als bei anderen Intellektuellen, denen ein längeres Leben beschieden war. Novalis studierte vom Oktober 1790 bis Juni 1794 an drei deutschen Universitäten: in Jena, Leipzig und Wittenberg. Es ist unschwer anzunehmen, daß Novalis‘ Weltanschauung in besonderem Maße im Jahr 1790/911 beeinflußt wurde, als er an der Universität Jena studierte. Die berühmten Gelehrten wie Schiller oder Reinhold, aber auch das fast berühmt-berüchtige Studentemilieu haben bei Novalis nachweislich bleibende Eindrücke hinterlassen. Hinzu kommt, daß die Politisierung der Studenten und auch der Professoren in den 1790er Jahren an den deutschen Hochschulen besonders ausgeprägt war.2
Ziel dieser Studie ist es, das Umfeld und die politischen Strömungen der Jenaer Studienzeit näher zu beleuchten, um so Erkenntnisse zu gewinnen, inwieweit diese Einflüsse Konsequenzen für Novalis‘ politische Haltung hatten. Bislang wurde in verschiedenen Arbeiten besonders auf den Einfluß der Jenaer Gelehrten und deren Philosophie abgehoben. Dies war aber nur ein geringerer Teil der Kontakte, die Novalis in Jena hatte, auch wenn er die Gespräche mit solchen Geistesgrößen schätzte und suchte. Den meisten Teil verbrachte er aber wie alle anderen Studenten im studentischen Milieu mit all seinen Einflüssen, die im folgenden näher beleuchtet werden sollen.
2. Studentendasein am Ende des 18. Jahrhunderts: Mentalitäten und Verbindungswesen
In welche Welt trat Novalis ein, als er sich im Oktober 1790 in Jena immatrikulierte? Bei den Studenten an den deutschen Universitäten am Ende des 18. Jahrhunderts handelte es sich um eine durch ihren Status abgrenzbare und homogene Gruppe. Das durchschnittliche Alter bei Studienbeginn lag zwischen 16 und 22 Jahren, etwa drei Jahre dauerte im Durchschnitt das Studium. Novalis hatte mit knapp drei Jahren und acht Monaten vergleichsweise lange studiert, dafür sein Studium aber auch abgeschlossen, was damals seltener der Fall war als heute. Der sozialen Herkunft nach zerfiel die Studentenschaft im 18. Jahrhundert vor allem in eine kleine adlige und eine große bürgerliche Gruppe.3 Der Anteil der aus ärmeren Schichtenstammenden Studenten, der sogenannten “pauperes”, war gering und gegen Ende des Jahrhunderts eher rückläufig.4
[....]
1 Novalis immatrikulierte sich in Jena am 23.10.1790 und in Leipzig am 24.10.1791.
2 Vgl. zur Politisierung an katholischen Universitäten neuerdings Schweigard, Jörg: Aufklärung und Revolutionsbegeisterung. Die katholischen Universitäten in Mainz, Heidelberg und Würzburg im Zeitalter der Französischen Revolution (1789-1792/93-1803). (“Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle ´Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770-1850´”, Bd. 29). Frankfurt am Main, Berlin, Oxford u.a. 2000 (=Schweigard, 2000).
3 An protestantischen Universitäten stammten ein Drittel der Studenten aus dem Kleinbürgertum gegenüber etwa 40 Prozent an katholischen Universitäten. Etwa die Hälfte aller Studenten kam aus dem Bürgertum. Vgl. Jarausch, Konrad H.: Deutsche Studenten 1800-1970. Frankfurt/Main 1984. (=Jarausch, 1984), S.16.
4 Vgl. Jarausch, 1984, S.16. Dennoch sahen sich Staaten genötigt, verschärfte Studienbeschränkungen für die niederen Stände einzuführen (Hessen-Kassel 1774, Württemberg 1780/88, Preußen 1792/94). Vgl. Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 1. Vom Feudalismus des Alten Reiches bis zur defensiven Modernisierung der Reformära 1700-1815. München 1987 (=Wehler 1987), S.297.
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