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Thesis (M.A.), 1996, 135 Pages
Author: Jörg Schweigard
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Details
Tags: Aufklärung, Revolutionsbegeisterung, Universität, Mainz
Year: 1996
Pages: 135
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-24756-6
ISBN (Book): 978-3-638-71329-0
File size: 438 KB
Die Arbeit wurde mit dem Wilhelm-Zimmermann-Preis für die beste historische Abschlußarbeit eines Jahrgangs an der Universität Stuttgart ausgezeichnet.
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Abstract
Die Arbeit untersucht den Verlauf der geistigen und politischen Strömungen an der Universität Mainz am Vorabend der Mainzer Republik von 1792/93. Die Reform der Universität durch den Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal (1782-84) führte dazu, daß bedeutende aufgeklärte Gelehrte wie zum Beispiel Georg Forster nach Mainz gerufen wurden, wodurch die Universität über das katholische Deutschland hinaus erheblich an Bedeutung gewann. Die Konzentration aufgeklärter Gelehrter in Mainz als Folge der Reform machte sich nicht nur in der Gründung aufgeklärter Sozietäten bemerkbar, sondern auch an der Universität. Dort kam es noch vor Ausbruch der Revolution in Frankreich zu Spannungen zwischen den Aufklärern und der Mainzer Obrigkeit. Die wachsende Kritik an geistlicher und weltlicher Herrschaftsform setzte nicht mit dem Ausbruch der Revolution 1789 ein, sondern bereits nach den kulturellen Reformen. Wesentlich später als die Professoren politisierten sich die Studenten. Erst 1791 traten diese aus der Verschwiegenheit ihres geheimen Zirkels hervor. Ihre letzte Zurückhaltung legten die Studenten allerdings erst ab, als sich die Franzosen Mainz näherten, und die Regierung zu keinen Sanktionen mehr fähig war. Erst mit dem Einzug der Franzosen in Mainz und der Gründung des Jakobinerklubs, der "Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit", fanden Professoren und Studenten ein gemeinsames Forum zur Verwirklichung ihrer politischen Absichten. Die Energie, mit der Studenten und Gelehrte nun darangingen, politische Umgestaltungen vorzunehmen, läßt sich nicht allein aus der neuen Situation verstehen, sondern kann nur durch die Vorgeschichte der Mainzer Republik erklärt werden. Ohne die frühere Rezeption der Französischen Revolution an der Mainzer Universität wäre die Resonanz zur politischen Umgestaltung geringer gewesen.
Excerpt (computer-generated)
Aufklärung und Revolutionsbegeisterung
an der Universität Mainz 1782-1792
Vorgelegt von Jörg Schweigard
Schrift zur Erlangung des akademischen Grades
Magister Artium
an der Universität Stuttgart
Fakultät für Geschichts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Historisches Institut / Neuere Geschichte
Januar 1996
Inhalt
Einleitung ... 4
1 Forschungs- und Quellenlage ... 6
2 Der Kurstaat unter der Regierung Friedrich Karl Erthals ... 9
3 Die Reform der Universität ... 13
3.1 Vorbereitungen der Reform 1782-84 ... 13
3.2 Die Reform ... 15
3.3 Reaktionen auf die Universitätsreform ... 18
3.4 Grenzen der Reform ... 20
4 Organisationsformen der Mainzer Aufklärer ... 26
4.1 Freimaurer ... 26
4.2 llluminaten ... 28
4.3 Lesegesellschaften ... 31
4.3.1 Die "Gelehrte Lesegesellschaft" ... 31
4.3.2 Der "Korrespondierende literarische Zirkel" ... 38
4.4 Zusammenfassung ... 40
5 Die Gelehrten am Vorabend der Mainzer Republik ... 42
5.1 Oppositionelle Gelehrte ... 43
5.1 1 Felix Anton Blau ... 44
5.1.2 Anton Josef Dorsch ... 48
5.1.3 Andreas Joseph Hofmann ... 52
5.1.4 Georg Forster ... 55
5.2 Mainzer Schmähschriften und französische Propaganda ... 60
5.3 Geheime Organisationsformen der oppositionellen Gelehrten ... 63
5.3.1 Der sogenannte ′Propagandaklub" ... 63
5.3.2 Ein Mainzer Zirkel ... 66
5.3.3 Der Plan einer "Akademie" ... 68
5.4 Zensur und Dissimulationspolitik der Regierung ... 69
5.5 Zusammenfassung ... 73
6 Studenten am Vorabend der Mainzer Republik ... 75
6.1 Traditionelle Studentenunruhen ... 76
6.2 Politisierung der Studenten ... 82
6.2.1 Maßnahmen der Regierung ... 83
6.2.2 Studentische Aktivitäten gegen französische Emigranten ... 85
6.2.3 Die Memoiren Johannes Weitzels ... 88
6.2.4 Tagebuchaufzeichnungen Josef Schlemmers ... 93
6.2.5 Studentenkreise um Lehne und Emerich ... 94
6.2.6 Der Zumbachsche Lesezirkel ... 97
6.3 Die Politisierung am Beispiel von Stammbucheinträgen Mainzer Studenten ... 99
6.3.1 Stammbücher als Quelle ... 99
6.3.2 Stammbucheinträge vor der Französischen Revolution ... 100
6.3.3 Stammbucheinträge zur Zeit der Französischen Revolution ... 101
6.3.4 Zusammenfassung ... 108
6.4 Die Studenten unmittelbar vor Ankunft der Franzosen ... 109
6.4.1 Die akademische Legion ... 109
6.4.2 Spionagetätigkeiten der Revolutionsanhänger ... 110
6.4.3 Sympathiekundgebungen ... 112
6.5 Zusammenfassung ... 114
7 Die Studenten während der Mainzer Republik ... 116
8 Schlußbemerkungen ... 122
9 Quellen- und Literaturverzeichnis ... 125
9. 1 Ungedruckte Quellen ... 125
9.2 Gedruckte Quellen ... 126
9.3 Literatur ... 129
Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit ist die Geschichte der aufklärerischen und revolutionsfreundlichen Strömungen an der Universität Mainz in den Jahren 1782 bis 1792.
Der zeitliche Rahmen des Themas ergibt sich aus zwei Ereignissen, die nicht nur für die Geschichte der Universität, sondern auch für die des Kurfürstentums Mainz von Bedeutung waren:
I. Die kulturelle Reform in den Jahren 1782-84, die zu einer Modernisierung und Förderung der Universität führte, und in deren Folge namhafte aufgeklärte Gelehrte nach Mainz kamen.
II. Die Übergabe der Residenzstadt Mainz am 21. Oktober 1792 an die französischen Revolutionstruppen und damit der Beginn der Mainzer Republik von 1792/93.
In der Mainzer Republik wurde zum ersten Mal in Deutschland der Versuch unternommen, eine demokratische Ordnung zu konstituieren. An diesem Vorhaben war maßgeblich der Mainzer Jakobinerklub beteiligt, unter dessen Mitgliedern sich vor allem die Gelehrten und Studenten durch ihr Engagement auszeichneten. Die Mainzer Republik wurde zwar erst durch die französische Besatzung ermöglicht, es muß aber bereits früher das Bestreben nach grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen vorhanden gewesen sein, ohne die sich diese sofortige Bereitschaft zu einer politischen Umgestaltung nicht erklären ließe.
In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, ob bereits in den Jahren vor der Mainzer Republik eine Politisierung der Studenten und Professoren stattgefunden hatte. Es stellt sich die Frage, welche konkrete Entwicklung dazu führen konnte, daß die Bildungselite im aufgeklärten Absolutismus keine politische Alternative mehr sah und deshalb zur Verbreitung demokratischer Prinzipien überging.
Zu Beginn der Arbeit ist es deshalb nötig, die Universitätsreform, ihre Leistungen und Grenzen näher zu beleuchten. Außerdem soll die Beschäftigung mit den öffentlichen und geheimen Organisationen der Aufklärer am Vorabend der Mainzer Republik eine Antwort auf die Frage geben, inwieweit eine Affinität zwischen diesen aufgeklärten Sozietäten und dem Jakobinerklub von 1792/93 bestand.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Untersuchung über die Aktivitäten der Gelehrten und Studenten am Vorabend der Mainzer Republik. Dabei werden besonders die Biographien einzelner Gelehrter berücksichtigt, die innerhalb des zu betrachtenden Zeitraumes an der Mainzer Universität beschäftigt waren. Außerdem soll der Anteil der Gelehrten an der Mainzer Opposition sowie die Reaktionen der Mainzer Regierung herausgefunden werden.
Das umfangreiche Quellenmaterial über die Studenten und deren von den Gelehrten weitgehend eigenständige Politisierung bieten es an, die Geschichte der Studenten in einem großen, eigenen Teil der Arbeit zu untersuchen. Neben der Politisierung der Studenten am Vorabend der Mainzer Republik sollen auch ihre Aktivitäten in den folgenden ersten Monaten des Bestehens der Mainzer Republik thematisiert werden.
1 Forschungs- und Quellenlage
Die Mainzer Republik von 1792/93 und ihre Vorgeschichte fand in der Forschung lange keine adäquate Beachtung. Bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts wurde sie von der Historiographie als Randerscheinung behandelt und von der Lokalgeschichtsschreibung einseitig verfälschend dargestellt. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts taten sich vor allem Mainzer Historiker dadurch hervor, daß sie die Mainzer Republik und ihre Vorgeschichte abqualifizierten und die Jakobiner diffamierten.1 Dies gelang ihnen, indem sie sich auf die gegenrevolutionäre Publizistik des 18. Jahrhunderts stützten und die revolutionären Quellen übergingen. Dieser Zustand änderte sich nicht wesentlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, einzig die von Joseph Hansen herausgegebene Quellensammlung2 ist aus dieser Zeit hervorzuheben. Hansen faßt darin chronologisch geordnet hauptsächlich Zeitungsberichte, Regierungs- und Diplomatenakten über die rheinischen Kleinstaaten am Ende des 18. Jahrhunderts zusammen.
Erst in den 60er Jahren dieses Jahrhunderts begannen sich erneut Historiker beider deutscher Staaten des Themas anzunehmen. Seit 1968 wurde in der Bundesrepublik dazu übergegangen, die Mainzer Republik unter demokratiegeschichtlichen Aspekten zu betrachten. Unter der sich etablierenden Jakobinerforschung - als bekanntester Vertreter sei hier Walter Grab3 genannt - erfuhr die Mainzer Republik als Thema eine wesentliche Aufwertung. Gleichzeitig trat der Mainzer Landeshistoriker Helmut Mathy mit mehreren Biographien über führende Mainzer Jakobiner sowie zahlreichen Detailstudien hervor.
Die Historiker der Deutschen Demokratischen Republik widmeten der Mainzer Republik bereits einige Jahre früher ihre Aufmerksamkeit. Den Anfang machte Claus Träger, der 1963 eine Quellenauswahl über die Mainzer Republik veröffentlichte.4 Ihm folgte Heinrich Scheel unter anderem mit der bis heute umfassendsten Quellensammlung zum Mainzer Jakobinerklub und dem Rheinisch-deutschen Nationalkonvent.5 Scheel stellt den Verlauf der Mainzer Republik anhand der von ihm edierten Protokolle des Jakobinerklubs und des Nationalkonvents dar. Daß er die Quellen seiner marxistischen Geschichtsauffassung entsprechend interpretiert, vermindert den Quellenwert der beiden Bände nicht. Die Darstellungsform - Quellen mit ergänzenden und kommentierenden Anmerkungen - bietet dem Leser die Möglichkeit, die Kluboder Konventsprotokolle einzusehen. Verdient machte sich die ostdeutsche Forschung zudem durch die Herausgabe der Werke Georg Forsters, dessen zahlreiche Korrespondenz mit befreundeten Gelehrten eine wichtige Quelle für die Mainzer Verhältnisse in den Jahren 1788- 92 darstellt.6
In der Bundesrepublik erschienen 1982 zwei Darstellungen der Mainzer Republik von den Historikern Dumont und Tervooren.7 Während Tervooren sich in seiner Darstellung auf die bekannte Literatur stützt und diese neu zu akzentuieren versucht, zieht Dumont eine Fülle von neuen Quellen heran. Dumonts Arbeit unterscheidet sich von der oben genannten Arbeit des ostdeutschen Historikers Scheel vor allem dadurch, daß er in größerem Maß die gegenrevolutionären Quellen heranzieht und Sachverhalte entgegengesetzt zu Scheel bewertet, so daß beide zu großen Unterschieden in der Darstellung und Interpretation gelangen. Im Gegensatz zu Scheel hat Dumont eine eher distanzierte Haltung gegenüber der Mainzer Republik und ihren demokratischen Zielsetzungen.8
Obwohl die Mainzer Republik durch Quelleneditionen und größere Darstellungen recht gut erforscht ist, mangelt es mit Ausnahme einiger Biographien an ausführlichen Untersuchungen der aufklärerischen und politischen Strömungen, die in den davorliegenden Jahren an der Universität Mainz herrschten. Dieser Mangel besteht, obwohl die Forschung den überproportionalen Anteil der Gelehrten und Studenten im Mainzer Jakobinerklub bereits mehrfach konstatierte, man es aber vor allem bei den Studenten völlig unterließ, deren Verhältnis zur Französischen Revolution vor der Mainzer Republik eingehender zu untersuchen.
In Quellen wie den Regierungsakten, der diplomatischen Korrespondenz oder der regierungstreuen Presse findet man relativ wenig über die politische Haltung der Studenten nach 1789, weil diese - im Gegensatz zu manchem Gelehrten - in der Öffentlichkeit nur selten auffällig wurden.
Hinweise auf die Revolutionsbegeisterung der Studenten sind hauptsächlich in privaten Aufzeichnungen zu finden, zum Beispiel in Tagebucheinträgen, Gedichten, Briefen oder in den späteren Memoiren der Studenten, vor allem aber in deren Stammbucheinträgen, die sich für diese Arbeit als sehr ergiebig erwiesen haben. Auch mehrere zeitgenössische Reiseberichte haben sich als nützliche Quelle herausgestellt, da die Autoren teilweise sehr detailliert über die Verhältnisse an der Mainzer Universität berichteten.
Einige dieser Quellen, insbesondere die studentischen Stammbücher, wurden bislang von der Forschung nicht herangezogen; ein anderer Teil der Quellen wurde lediglich in Biographien oder Detailstudien eingearbeitet und in keinen größeren Zusammenhang gestellt.
Anmerkung zur sprachlichen Wiedergabe der Texte
Um die bestmögliche Lesbarkeit zu gewährleisten, wurde die Orthographie und Interpunktion der Texte aus dem 18. und 19. Jahrhundert der heute gebräuchlichen Schreibweise angeglichen.
[...]
1 Klein, Geschichte; Bockenheimer, Klubisten.
2 Hansen Bde.1-2.
3 Z.B. Grab, Eroberung.
4 Träger, Mainz.
5 Scheel, Bde.1-2.
6 Forster, Bde.15-18.
7 Dumont, Republik; Tervooren, Republik.
8 Grundsätzliche Kritik an der Position Dumonts übt unter anderem Keller. Vgl. Keller, Freiheitsbaum, S.108f.
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