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Hausarbeit, 2002, 27 Seiten
Autor: Martine Schreiber-Bleurvacq
Fach: Germanistik - Gattungen
Details
Institution/Hochschule: Universität Potsdam (Germanistik)
Tags: Gattungstheorie, Maere, Gattung, Konrad, Würzburg, Kleine, Erzählungen
Jahr: 2002
Seiten: 27
Note: 3
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-25194-5
Dateigröße: 1342 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Gattungstheorie: Ist das Maere eine Gattung?
Konrad von Würzburg: Kleine Erzählungen
Verfasserin: Martine Schreiber-Bleurvacq
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort 3
I. Das Problem mit der Vielfalt der mittelalterlichen Erzähldichtung 4-5
II. Die allgemein gültigen Theorien 5-6
1. Die Ständeklausel 5
2. Die drei Gattungen 6
3. Die Definition 6
III. Die Märendichtung 6-8
1. Das Problem 6
2. Die Märenforschung 7-8
IV. Auf dem Weg zu neuen Theorien? 8-12
1. Zum "Entwurf einer neuen Theorie der mittelalterlichen Kurzerzählung" 8-10
2. Zur Bildung einer Theorie 11
V. Über die gegenwärtigen Ansätze zu einer Erneuerung der Mediävistik 12-14
VI. Was bleibt? 14-16
Anhang 17-26
Literaturverzeichnis 27
VORWORT
"Es gibt nur drei echte Naturformen der Poesie: die klar erzählende, die enthusiastisch aufgeregte und die persönlich handelnde: Epos, Lyrik und Drama. Diese drei Dichtweisen können zusammen oder abgesondert wirken. In dem kleinsten Gedicht findet man sie oft beisammen, und sie bringen eben durch diese Vereinigung im engsten Raume das herrlichste Gebild hervor, wie wir an den schätzenswertesten Balladen aller Völker deutlich gewahr werden". Johann Wolfgang Goethe, Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans www.uni.bielefeld.de: Gattungstheorie ...Die neue Poétique médiévale zeigt sowohl die mittelalterliche wie die moderne Lyrik in neuem Licht: die erstere kann nunmehr in der "circularité du chant" als Spiel der Sprache mit sich selbst und über sich hinaus, gewürdigt, die letzte damit konfrontiert werden, dass der mittelalterliche Dichter sich unversehens als noch moderner erweist als es sich die Autoren träumen ließen. Hans Robert Jauß, 23 [23]
I. DAS PROBLEM MIT DER VIELFALT DER MITTELALTERLICHEN ERZÄHLDICHTUNG
Wohin (...) mit dem nicht gesungenen Spruch, der Reimrede, mit der Fabel, mit all den Typen, die ohne Grenze Didaktik, Novellistik, Allegorie von Kleinstformen bis in Großformen hinüberspielen? Soll das geistliche Spiel als Tragödie, das Fasnachtspiel als Komödie fungieren? Können die Didaktik und die religiöse Literatur aller Formen eigene Gattungen bilden, da sie doch als "episch", "lyrisch" oder "dramatisch" nur Pseudotypen sind? Kuhn 796, 7: Jauß, 108 [328] Schließt die moderne Systematik der drei Grundarten oder "Naturformen der Dichtung" nicht allein die Mehrzahl mittelalterlicher Gattungen als unreine oder pseudopoetische Formen aus? Jauß, 108 [328] Anhand der im Literaturverzeichnis genannten Forschungsliteratur stelle ich hier die Problematik und die verschiedenen Standpunkte dar bzw. die Schwerpunkte, die mir wichtig erscheinen, um auf diese Weise die Zentralprobleme der Diskussion in der Mediävistik rund um die Kurzerzählung herauszukristallisieren und die Frage zu klären, ob das Maere als Gattung bezeichnet werden kann. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts tritt plötzlich und sogleich in größerer Anzahl eine neue Gattung auf, der Typus der kürzeren weltlichen Verserzählung, dessen Beliebtheit sich über drei Jahrhunderte erstreckt. Frey, 155 Die mittelalterlichen Theoretiker haben Dichtung vornehmlich nach Stilen, nicht nach Gattungsnormen beurteilt 1.
Über das Maere, das hier behandelt wird, gibt es gemischte Ansichten: Die Heidelberger Pergamenthandschrift 341 (erstes Drittel des 14. Jhdts.) stellt die Maeren zwischen Marienmirakel, religiöse Lehrgedichte, Tierfabeln und weltliche Didaxe; Die Wiener Papierhandschrift 2885 (Ende des 14. Jhdts.) enthält neben den Maeren Minnereden, geistliche Gedichte und weltliche Lehrgedichte; Die Karlsruher Papierhandschrift 408 (um 1430) bringt unterschiedslos durcheinander Maeren, Bispel, Wundergeschichte, Streit- und Scherzreden sowie geistliche Erzählungen und Reden. Hieraus kann man zumindest erkennen, dass dem Mittelalter jedenfalls wenig gelegen ist an einer scharfen Trennung zwischen (...) den Formen des Maeres (erzählend) und der Rede (erörternd). Frey, 157 Daher muss bei einer heutigen Zuordnung von der mittelalterlichen Erzählung und deren Analyse ′von Null an′ begonnen werden. Bei den Forschungsanalysen - für oder gegen eine Gattungsbezeichnung des ′Maere′ - stellen sich zunächst grundsätzliche Fragen: Ist das Maere überhaupt eine Kurzerzählung, eine ′kleinere Erzählform′, eine kleinepische Dichtung, ein ′Erzähl- Gedicht′ oder eine ′lyrische Erzählung′? oder ganz einfach ein ′Maere′? Wo unterscheidet sich das ′Wie′ des Erzählens von den anderen Formen? Mit anderen Worten: erfüllt das Maere alle Kriterien, die es von den anderen so abgrenzt, dass man von eigenständiger Gattung sprechen kann? Welche Theorie wird dafür benötigt, um eine These halten zu können?
Bei meinen Studien hat mich besonders die folgende Aussage von Croce - die Hanns Fischer, Mediävistikforscher in seinem Werk zitiert und die ich als Leitgedanke für die folgenden Ausführungen zugrunde lag - beeindruckt: "Jedes wahre Kunstwe rk hat eine festgelegte Gattung verletzt und auf diese Weise die Ideen der Kritiker verwirrt, die dadurch gezwungen wurden, die Gattung zu erweitern..." Croce, 766, 40: Jauß 109 [329] Demnach bedarf es zu beweisen, ob ein Verstoß gegen die bestehenden Gattungsnormen vorliegt, um einem Werk die Bezeichnung ′Gattung′ zuzusprechen.
II. DIE ALLGEMEIN GÜLTIGEN THEORIEN
[...]
1 Anhang, S. 17: ′Übersicht über die kleinen literarischen Gattungen der exemplarischen rede im Mittelalter′ (Jauß, 1977, 47).
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