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"Auf jeden Fall wäre das angenehmer, als sie verhungern zu lassen." Die Verfolgung der Juden im Dritten Reich vom Frühjahr 1941 bis zur Wannsee-Konferenz

Hauptseminararbeit, 2003, 24 Seiten
Autor: Matthias Thiele
Fach: Geschichte - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 24
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V21818
ISBN (E-Book): 978-3-638-25342-0
ISBN (Buch): 978-3-638-64490-7
Dateigröße: 222 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die Frage, wie es zur Vernichtung von Millionen Juden in ganz Europa kommen konnte, wird sich wohl nie beantworten lassen können. Dieses Buch versucht, die entscheidenden Mechanismen des Dritten Reiches zu erklären und sich der Frage zumindest zu nähern.


Textauszug (computergeneriert)

Die Wannseekonferenz

 


von: Matthias Thiele

Inhalt

1. Einleitung 4

2. Beginn der Vernichtung 4

2.1. Die Utopie des Madagaskar-Plans 4
2.2 Die Konzentration der jüdischen Bevölkerung im Generalgouvernement 6
2.3. Der „Fall Barbarossa“  7
2.4 Zwischenbilanz  8

3. Die Radikalisierung der Vernichtung im Krieg gegen die Sowjetunion  8

3.1. Die Einsatzgruppen schalten sich ein  9
3.2. Zwischenbilanz  10

4. Das Scheitern des Blitzkriegs und die Suche nach einer neuen Lösung der Judenfrage 11

4.1. Die Phase der Entstehung der Pläne, jüdische Menschen massenhaft umzubringen 11
4.2. Warum die Juden nicht gleich umbringen, wenn sie ohnehin verhungern?  12
4.3. Experimente mit „humanen“ Vernichtungsmethoden 14

5. Aus „Regionalen Lösungen“ wird die „Endlösung“  18

5.1. Die Einberufung der „Wannsee-Konferenz“; ihre Verschiebung  18
5.2. Die „Wannsee-Konferenz“ am 20. Januar 1942  19

6. Bilanz  21

7. Literatur  24

 

 

 


1. Einleitung

Die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 steht in einer Reihe von Ereignissen, die von der Ausgrenzung der Juden über Vertreibung und Deportation hin zur ihrer Vernichtung führte. Viele Historiker haben versucht, die Verantwortlichkeit für den Mord an der jüdischen Bevölkerung zu rekonstruieren. Die Chronologie der Geschehnisse beschreibt eine äußerst unglückselige Entwicklung, die in der sogenannten Wannsee-Konferenz einen vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Die Maßnahmen gegen die Juden in den von Deutschland besetzten Gebieten verschärften sich in diesen Monaten derart, dass am Ende der beschriebenen Zeit alle Voraussetzungen für den systematischen Genozid geschaffen worden waren. Dabei, und auch das wird diese Arbeit zeigen, spielten weder zentrale Entscheidungen der Führung um Adolf Hitler die entscheidende Rolle, noch war der Weg zum Holocaust eine zufällige Entwicklung: Vielmehr führte ständiges Wechselspiel zwischen Befehlsrahmen und Eigeninitiative niederrangiger NSEntscheidungsträger vor Ort zur Steigerung der Maßnahmen und der Wahl immer grausigerer Mittel – im Hinblick auf die Massenvernichtung von Menschenleben. Die Vernichtung jüdischer Menschen erreichte auf diese Weise ein bis heute ungekanntes Ausmaß.

Dass diese Entwicklung ohne Impulse und Billigung der obersten Reichsführung um Hitler, Himmler und Göring nicht möglich gewesen wäre, bleibt dabei unbestritten. Aber es waren eben auch wichtigere kleinere Rädchen im System ständig in Bewegung, die die Walze der Vernichtung des jüdischen Volkes über Europa rollen ließen.

2. Beginn der Vernichtung

2.1. Die Utopie des Madagaskar-Plans

Noch am 2. Juni 1941, also gut ein halbes Jahr vor der Versammlung der Staatssekretäre am Berliner Wannsee, erklärte Hitler dem italienischen Duce Benito Mussolini, dass alle Juden Europa verlassen müssten und dass sie „vielleicht“ in Madagaskar unterkommen könnten.1 Auch wenn wir Hitlers Pläne zu diesem Zeitpunkt nicht explizit kennen, sind sich Historiker weitgehend einig, dass in dieser Zeit die mit dem Beginn des Krieges im Herbst 19392 begonnene Phase der Vertreibung und Ghettoisierung der Juden andauerte.3 Das Wort Vertreibung bedarf in diesem Zusammenhang einer Erläuterung, weil es für sich genommen zu harmlos klingt: Einkalkuliert war schon zu diesem Zeitpunkt eine „natürliche Dezimierung“ der jüdischen Bevölkerung durch die Strapazen der Deportation und die Zustände in den Ghettos. Das nationalsozialistische Regime trieb zwar noch nicht die physische Vernichtung der Juden voran, nahm Todesfälle aber bewusst in Kauf.4

Hatten die Planer der „Endlösung der Judenfrage“ also zunächst die utopische Lösung einer Massendeportation nach Madagaskar ins Auge gefasst, so wurde der Name dieser Insel im Kriegsverlauf und mit der immer schlechter werdenden Aussicht auf einen schnellen Sieg über England spätestens seit Herbst 1940 (Scheitern der Luftangriffe und Aufgabe des Plans zur Invasion Englands) zum Synonym für eine „territoriale“ Lösung der Judenfrage im „Irgendwo“. Zu diesem Zweck sollten die Juden Europas, mögliche Opfer auf den Transporten in Kauf nehmend, zunächst in Ghettos konzentriert werden, um sie später - wie Götz Aly schreibt - im Sumpf, Eismeer oder in Sibirien durch Arbeit vernichten zu können.5 Mit dem Nisko-Lubin Plan hatte Eichmann bereits 1939 mit Ausbruch des Krieges erfolglos erste Deportationsabläufe getestet, um die polnischen Juden in Ghettos zu konzentrieren.6

[...]


1 Philippe Burrin, Hitler und die Juden.Die Entscheidung für den Völkermord, Frankfurt a. M. 1993, S. 96
2 Götz Aly, „Endlösung.Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen Juden, Frankfurt a.M. 1995, S. 31
3 Vgl. Philippe Burrin, Hitler und die Juden, a.a.O., S. 96ff ; Hans Mommsen, Auschwitz, 17. Juli 1942.Der Weg zur Europäischen „Endlösung der Judenfrage, München ²2002, S.107 ff, Mark Roseman, Die Wannsee-Konferenz.Wie die NS -Bürokratie den Holocaust organisierte, München 2002, S. S.33 f., Götz Aly, „Endlösung“, a.a.O., S. S. 254f, S. 299f, Peter Longerich, Politik der Vernichtung.Eine Gesamtdarstellung der nazionalsozialistischen Judenverfolgung, München 1998, S. 277-292
4 vgl. z.B. Augenzeugenschilderung Chaim Kaplan in: Götz Aly, „Endlösung“, a.a.O., S. 258-262 und ebenda, S. 33, Mark Roseman, Die Wannsee-Konferenz, a.a.O., S. 59
5 Götz Aly, „Endlösung“, a.a.O., S. 273
6 Peter Longerich, Politik der Vernichtung, a.a.O., S. 256-261, Hans Mommsen, Auschwitz, 17. Juli 1942, a.a.O., S. 97-100, Richard Breitmann, Der Architekt der „Endlösung“.Himmler und die Vernichtung der europäischen Juden, Paderborn, München, Wien, Zürich 1996, S. 106-108,


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