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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 26 Pages
Author: Rohland Schuknecht
Subject: History - Postwar Period, Cold War
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für Asien- und Afrikawissenschaften)
Tags: DDR/Afrika/Simbabwe/ZAPU/ZANU/Machtpolitik
Year: 2001
Pages: 26
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 29 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11349-6
File size: 222 KB
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Excerpt (computer-generated)
Humboldt Universität zu Berlin
Hauptseminar - Deutsche Afrikapolitik
Rohland Schuknecht
Hauptseminararbeit zum Thema:
Die DDR und die simbabwische Befreiungsbewegung
Inhalt
I. Einleitung 3
II. Der Weg in die Unabhängigkeit
I. Die ,,Kolonie" Rhodesien 5
II. Die DDR im Rhodesienkonflikt 8
III. Die Spaltung der Befreiungsbewegung 13
III. Antiimperialistische Solidarität oder Machtpolitik?
I. Zwischen Ideologie und Realismus 16
II. Der Realpolitische Aspekt 20
IV. Schluß 22
Quellen und Literatur 24
I. Einleitung
Zimbabwe erreichte im Jahre 1980 als einer der letzten Staaten Afrikas seine Unabhängigkeit. Unter den ausländischen Unterstützern des zimbabwischen Unabhängigkeitskampfes nahm die DDR über einen langen Zeitraum hinweg eine wichtige Position ein. Die vorliegende Arbeit möchte das Engagement des zweiten deutschen Staates in diesem Teil Afrikas näher beleuchten.
Im ersten Teil stehen die konkreten Fakten im Vordergrund. Einleitend wird auf die Sonderrolle des Gebietes, das bis 1980 Rhodesien hieß, unter den Kolonien in Afrika eingegangen. Die nähere Beleuchtung der Verhältnisse im Land, seiner politischen und wirtschaftlichen Struktur ist Grundlage für das Verständnis des Folgenden.
Bei der Analyse des DDR-Engagements stehen Art und Umfang der Hilfe, die die DDR der zimbabwischen Unabhängigkeitsbewegung zukommen ließ im Mittelpunkt, wobei allerdings nur die, meiner Einschätzung nach, wichtigsten Punkte behandelt werden. Es sollen Phasen der Intensität der Unterstützung angerissen und deren Existenz begründet werden. Ein wichtiger Punkt ist die Gewichtung der DDR-Hilfe und die Prioritäten, die man dabei setzte, im Hinblick auf die Spaltung der Befreiungsbewegung. Das führt uns zu der Frage, warum die DDR, trotz ihres großen Einsatzes im zimbabwischen Befreiungskampf, nicht zu den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten am 18. April 1980 eingeladen wurde und diplomatische Beziehungen zu Zimbabwe erst Monate später aufgenommen wurden. Die offensichtliche Fehlkalkulation der Verantwortlichen in der DDR und die Einwirkung äußerer Faktoren auf die Entscheidungsprozesse ist in diesem Zusammenhang problematisiert.
In Verbindung damit erfolgt auch eine Einschätzung der Befreiungsbewegung selbst und ihrer Führer, die sich ansatzweise auch auf die Zeit nach der Unabhängigkeit erstreckt.
Im zweiten Teil sollen Motive, Ziele und Nutzen des DDR-Engagements in Zimbabwe analysiert werden. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:
I.) Wie wurde die Unterstützung der zimbabwischen Befreiungsbewegung politisch instrumentalisiert?
II.) Welchen konkreten Nutzen erhoffte man sich für die Zukunft, d.h. für die Zeit nach der Unabhängigkeit?
III.) Inwiefern war das Engagement in Zimbabwe Teil der Strategie des östlichen Bündnisses, in dem die DDR integriert war?
IV.) Wie weit ging die Autonomie der DDR in diesem Feld der Außenpolitik, und in welchem Maße verfolgte sie eigene Ziele?
V.) Wie weit ging man in der Verfolgung dieser Ziele?
Die Beantwortung dieser Fragen setzt voraus, daß die DDR-Politik in Zimbabwe nur ein Teil des Gesamtkonzeptes in Afrika war und sich in die größeren Zusammenhänge einfügte, die hier ebenfalls umrissen werden sollen. Dabei gilt es, immer auch die "anderen", d.h. die westliche Seite und die afrikanische Befreiungsbewegung kritisch zu bewerten. Insofern soll, am Beispiel Zimbabwes, sowohl das DDR-Konzept, als auch die Rolle Afrikas im weltweiten politischen Kalkül beleuchtet werden.
Die Tatsache, daß die meisten Publikationen zu diesen Themen aus der Zeit des Kalten Krieges stammen, setzt die kritische Gewichtung der Literatur voraus, die ja, besonders von DDR-Seite, auch Mittel des politischen Kampfes war. Auch westliche Kommentatoren argumentierten z.T. polemisch und spekulativ (hier sind besonders die Veröffentlichen H. von Löwis′ und Melvin Croans zu erwähnen). Eine relativ unvoreingenommene Behandlung des Gegenstandes findet sich nur in wenigen Publikationen. Insofern ist diese Literatur zugleich Quelle für die Konkurrenz der Systeme in Afrika und der Dritten Welt. Dieser Umstand erschwert die Arbeit, und ich habe mich zumeist auf gesicherte und überprüfbare Informationen und Einschätzungen gestützt und mich bemüht, polemisch behandelte und überbetonte Positionen (z.B. die Militär- und sicherheitsdienstliche Präsenz der DDR in Afrika, ein Lieblingsthema der westlichen Kommentatoren) durch die Fakten zu entkräften oder herauszufiltern. Ebenso muß die Bewertung der ideologischen Erklärungsmuster und der offiziellen politischen Positionen in der DDR-Literatur und in den offiziellen Erklärungen zur Rhodesienfrage unter starken Vorbehalten erfolgen.
Die einzigen Publikationen zum DDR-Engagement in Zimbabwe, die nach dem Ende des Kalten Krieges erschienen, sind bisher die Arbeiten Hans-Georg Schleichers, auf die sich meine Ausführungen zur konkreten Unterstützung des Befreiungskampfes durch die DDR stützen.
Hilfreich für die unmittelbare Beurteilung des Befreiungskampfes und des Konfliktverlaufs waren Presseberichte des "Spiegel" aus den Jahren 1978 bis 1980, die allerdings oftmals den Konflikt vom Standpunkt der weißen Minderheit beurteilten aber in der detaillierten Schilderung der Vorgänge die Verhältnisse in Rhodesien/Zimbabwe verdeutlichten. Auch bei der Verwendung von Informationen aus der Presse habe ich mich vornehmlich auf die Fakten gestützt.
Die von mir verwendeten Arbeiten zur politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Entwicklung in Rhodesien/Zimbabwe und zum Befreiungskampf sind im Literaturverzeichnis gesondert aufgeführt.
II. Der Weg in die Unabhängigkeit
I. Die "Kolonie" Rhodesien
Bevor ich auf die Rolle der DDR im zimbabwischen Befreiungskampf eingehe, scheint es mir unumgänglich, die eingangs erwähnte Sonderstellung, die Rhodesien bzw. Zimbabwe unter afrikanischen Kolonien einnahm, genauer zu definieren. Zu diesem Zweck sei mir ein knapper historischer Überblick und der Versuch einer (zwangsläufig recht oberflächlichen) Aufschlüsselung der spezifischen Zusammenhänge gestattet. Eingedenk der Tatsache, daß dieser Exkurs nicht primär mit dem Thema der Arbeit in Verbindung steht, erachte ich ihn dennoch als notwendig für das Verständnis des Folgenden.1 Zimbabwe, das bis 1980 Rhodesien bzw. Südrhodesien hieß, ist das Konstrukt eines Mannes, der davon träumte, ein britisches Kolonialreich vom Kap der guten Hoffnung bis nach Kairo zu errichten. Cecil John Rhodes, Gründer der British South Africa Company war Geschäftsmann und Politiker zugleich, und in der langen Reihe seiner Erfolge im Dienste des britischen Imperialismus kommt der Inbesitznahme des Gebietes zwischen Sambesi und Limpopo eine besondere Bedeutung zu.
Der Prozeß der Kolonisierung am Ende des neunzehnten Jahrhunderts als eine Abfolge von Verträgen mit den lokalen Machthabern um Landnutzung und Schürfrechte, eine Serie von Vertragsbrüchen, Zwangsmaßnahmen, Agressionsakten und des gewaltsamen Niederringens der Widerstandsbewegungen der Shona und Ndebele ähnelt in vielen Aspekten den gängigen Praktiken in anderen Teilen Afrikas. Eine Sonderstellung nimmt Zimbabwe jedoch aufgrund seiner spezifischen Entwicklung danach ein, die einen wesentlichen Anteil daran trug, daß das Land erst im Jahre 1980 als eine der letzten Kolonien Afrikas seine formale Unabhängigkeit erlangte. Hier sind vor allem zwei Punkte besonders zu betonen.
Zum ersten handelte es sich bei dem Gebiet des früheren Rhodesien um eine Siedlungskolonie, d.h. es gab eine starke weiße Siedlerschaft, die vorwiegend britischer Herkunft war. Der weiße Bevölkerungsanteil machte zur Zeit des Unabhängigkeitskampfes gerade fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus, besetzte jedoch alle Schlüsselpositionen in Wirtschaft, Politik, Militär und Verwaltung.
[...]
1 Die folgenden Angaben zur Geschichte und Entwicklung Rhodesiens beruhen auf R. Kent Rasmussen/Stephen C. Rubert: Historical Dictionary of Zimbabwe, (2. Aufl.),London/Metuchen 1990 sowie T.O. Ranger: The Nineteenth Century in Southern Rhodesia, in: T.O. Ranger (Hrsg.): Aspects of Central African History, London/Ibadan/Nairobi 1968, S. 112-153.
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