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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 20 Pages
Author: Sabine Niefer
Subject: Film Science
Details
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Filmwissenschaft)
Tags: Tempest, Derek, Jarman, Shakespeare, Film
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-25615-5
File size: 85 KB
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Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Institut für Theaterwissenschaft
Fachbereich Filmwissenschaft
WS 2001/2002
HS Shakespeare und Film
The Tempest
Derek Jarman
Sabine Niefer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.2
2. Manierismus und Manierismen S.3
3. Manierismus bei Shakespeares The Tempest S.6
4. Rezeption - Regisseur, Schauspieler, Zuschauer S.7
5. Derek Jarman S.9
6. Derek Jarmans The Tempest S.10
6.1 Charaktere S.10
6.2 Plot und Mise en Scène S.13
6.3 Manierismen bei Jarmans The Tempest S.17
Literaturverzeichnis S.20
1. Einleitung
Zwischen 1979 und 1991 wurde The Tempest fünfmal verfilmt, bzw. für Filme adaptiert. Derek Jarman machte 1979 mit einer stark umstrittenen Verfilmung des Stückes in dieser Reihe den Anfang.
Die Premiere des Films fand 1979 auf dem Edinburgh Film- Festival statt und führte bei Publikum und Kritikern zu starken Kontroversen.1 Obwohl der Film insbesondere auf dem nachfolgenden New York Film Festival heftig zerrissen wurde, wurde er zugleich von Kritikern, wie z.B. Diana Harris und Mac Donald Jackson, verteidigt: „Jarman′s movie, though often bizarre, engages the feelings. It is genuinely moving, and the emotions it arouses are essentially those aroused by Shakespeares play.”2
Jarmans Film gilt als eine der kritischsten, nahezu radikalsten Verfilmungen des Shakespeare- Dramas: So bezeichnet Michael O′Pray den Film als „some kind of response to the present political clime - the artist magician abandoned to the cruel seas by a corrupt court.” 3
Durch welche stilistischen und filmischen Mittel bewirkt Jarman diese Aussagekraft und politische Radikalität? Tatsächlich hält sich Jarman, von Kürzungen und Umstellungen des Textes abgesehen, an die literarische Vorlage Shakespeares, indem er ausschließlich den Originaltext verwendet. Dennoch wird der Film durch stilistische Brüche und Verfremdung innerhalb der filmischen Realität geprägt.
In Anbetracht der Tatsache, daß auch das Drama Shakespeares in einer Zeit des gedanklichen Umbruchs entstanden ist und eine stark gesellschaftskritische Aussage impliziert, liegt ein Vergleich der stilistischen Mittel und der politischen und gesellschaftskritischen Aussage sowohl des Originaltextes als auch der Verfilmung durch Jarman nahe.
2. Manierismus und Manierismen
The Tempest von William Shakespeare wurde im Jahr 1611 uraufgeführt. Das Theaterstück fallt somit in die Epoche des Elisabethanischen Theaters, der Epoche der Spätrenaissance, welche auch als Epoche des Manierismus bezeichnet wird. Kennzeichnend für diese Epoche ist, daß es sich weniger um einen Stil als um eine Vermischung von Stilrichtungen handelt:
„Die im Begriff des Manierismus zusammengefaßten künstlerischen Erscheinungen weisen eine außerordentliche Vielfalt und auch Gegensätzlichkeiten in den Gestaltungsprinzipien, Klassenbindungen, nationalen Entwicklung (sic) auf, so daß von einigen Forschern ... Manierismus als Stilbegriff überhaupt abgelehnt wird.” 4 Dieses Paradox einer Definition des Undefinierbaren weist zugleich ein wesentliches Gestaltungsmerkmal des Manierismus auf.
Neben der Problematik der stilistischen und inhaltlichen Beschreibung des Manierismus ist auch die Bestimmung der zeitlichen Abgrenzung des Epochen- Begriffs in der Literatur unstimmig. Die Kernphase des Manierismus jedoch wird im Allgemeinen als Übergangsphase zwischen Renaissance und Barock definiert: „Die ideologische Wurzel (und Substanz) des Manierismus äußerte sich im Zerfall des geschlossenen, harmonischen und historisch- optimistischen Welt- und Menschenbildes der Renaissance. Selbstsicherheit und -bewußtsein dieser anthropozentrischen Weltsicht, diese Diesseitigkeit, Entdeckerkraft und -freude weichen einer relativierten Vorstellung von Natur, Gesellschaft und Mensch.” 5 Der Zerfall der anthropozentrischen Weltsicht der Renaissance, der weltanschauliche Wandel des 16. Und 17. Jahrhunderts, fand sowohl in astronomischer, religiöser und philosophischer, als auch in politischer Hinsicht statt.
In der Astronomie stand dieser Wandel im Zusammenhang mit der Kopernikanischen Wende. Galilei und Kepler hatten für die Thesen des Kopernikus die Beweise erbracht, daß die Erde und die übrigen Planeten sich um die Sonne drehen und nicht umgekehrt. Im Jahr 1609 veröffentlichte Kepler seine Astronomia Nova, in der er Kopernikus′ Hypothesen zu astronomischen Gesetzen ausarbeitete. Ein Jahr später veröffentlichte Galilei Sidereus Nuncius. In diesem Werk setzt Galilei Erde und Mond gewissermaßen gleich, indem er schreibt: „In gerechtem und dankbarem Austausch zahlt die Erde dem Mond eine gleiche Beleuchtung zurück, wie sie auch selbst fast die ganze Zeit über vom Mond im tiefsten Nachtdunkel empfängt.” 6 Somit wurde die menschliche Existenz als „Subjekt aus dem Zentrum der Welt gerückt”.7 Ein perspektivischer Standortwechsel war vollzogen worden, der das geozentrische Weltbild radikal relativierte. Dieser Wechsel der Perspektive gilt als symptomatisch für „die Erkenntnisse der perspektivischen Natur des Denkens”8 in der manieristischen Epoche. The Tempest, welches ein Jahr nach der Veröffentlichung des Sidereus Nuncius uraufgeführt wurde, steht in direktem Einfluß dieser veränderten Weltsicht und einer ideologischen Leere, welche durch den zeitgeschichtlichen Verlust der alten Weltanschauung entstanden und durch die Thesen Luthers verstärkt worden war.
[....]
1 Rothwell, S.205
2 Ebd., S.205
3 O′Pray, Michael, Fierce Visions: Derek Jarman. In: Art monthly, Juni 1988, Nr. 117, S.34
4 Ludger, Alscher et al. (hg). Lexikon der Kunst, 4 Bde., Leipzig 1975, Bd.3, S.137
5 Ebd.
6 Galileo Galilei. Sidereus Nuncius (Der Sternbote), dt. Nachricht von neuen Sternen, Frankfurt a. Main 1965, S.101
7 Schwanitz, Dietrich. Systemtheorie und Literatur. Ein neues Paradigma, Opladen 1990, S.33
8 Hauser, Arnold. Der Manierismus, München 1964, S.45
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