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Kultur als Beute - Identität durch Medien und Konsum im Hinblick auf René Pollesch

Hauptseminararbeit, 2003, 30 Seiten
Autor: Nils Wiegand
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 30
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V22959
ISBN (E-Book): 978-3-638-26176-0

Dateigröße: 593 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit umfaßt Aspekte aus soziologischen, werbepsychologischen und theatertheoretischen Diskursen und reflektiert die moderne Subjektkonstitution am Beispiel von René Polleschs Theater.



Textauszug (computergeneriert)

Kultur als Beute –
Identität durch Medien und Konsum

 

 

von: Nils Wiegand

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 3

2. „Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich.“ Seite 3

2.1. Die Postmoderne – Ende der Moderne? Seite 3
2.2. Medialität - Tod der Kunst: Hyperrealität? Seite 5
2.3. „Alles was du hast, hat irgendwann dich!“ – Normativität und Identität Seite 8

3. Generation @: Schleichende Übernahme des Subjekts? Seite 10

3.1. Nationen, Konzerne, Marken, Subjekte Seite 10
3.2. Identität, Individualität, Subjektivität Seite 12
3.3. Soziale Mimesis: Denn sie wissen, was sie nicht leben wollen Seite 16

4. René Polleschs (postdramatisches) Theater: „Perform Normativität!“ Seite 17

4.1. „Verdammte Scheiße. Ich bin in einer Soap gelandet!“ Seite 17
4.2. smarthouse: Die Ekstase der Kommunikation Seite 19
4.3. Kokain und Mascara: ICH WILL DAS NICHT LEBEN! Seite 21

5. Schlussbetrachtung Seite 23

6. Bildanlagen: Daniele Buetti Seite 24

7. Literaturverzeichnis Seite 26

 

 

 

 


1. Einleitung

„Was meine Natur ist, bestimme ich immer noch selbst, IHR VERDAMMTEN FICKSÄUE!“ Mit diesem Slogan warb das Staatstheater Stuttgart für René Polleschs Stück „Smarthouse 1+2“. Er lotet darin anhand von vier hysterischen Subjekten der Globalisierung die Grenzen der Identität, bzw. Subjektivität aus und stellt die Frage nach ihrer Penetrier- und Lenkbarkeit im Zeitalter von Medien, Globalisierung und Turbokapitalismus. Die Gegenwart erfordert ihm zufolge neue „Darstellungsformen von Subjektivität“1. Zu untersuchen, wie eine Kultur charakterisiert werden könnte, dessen Diskursteilnehmer zwischen User-Profilen switchen, anstatt ihre Identitäten gegen die Medien zu vertreten, soll Ziel dieser Hausarbeit sein. Die Frage nach Identität, Individualität und Subjektivität wird auf der Folie der Diskussion um die hyperreale, beschleunigte Postmoderne und ihrer Gesellschaft kulturkritisch reflektiert, wodurch sich eine mitunter pessimistische Diagnose ergibt: Ihre Kultur verkommt zum Trash, wenn sie sie lediglich performt (Pollesch). In diesen Diskurs sind werbe - psychologische, theatertheoretische, (architektur- und kunst-) soziologische sowie gesellschafts- und kulturkritische Aspekte aufgenommen, die wiederum im Werk Polleschs ihren Widerklang finden, und exemplarisch in diesem diskutiert werden.

2. „Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich.“2

2.1 Die Postmoderne – Ende der Moderne?

„Moderne Zeiten herrschen dort, wo man sich beschwert, dass nicht alle Uhren gleich gehen. Postmoderne Zeiten findet man da, wo man sich aufregt, dass alle Uhren gleich gehen.“3 (Karlheinz Geißler)

Der Begriff der Postmoderne ist ein Konstrukt, das maßgeblich von Jean-Francois Lyotard beeinflusst wurde. Das Präfix post verweist auf einen ungefähren Status unserer Gegenwart: dass wir in einer Zeit nach der Moderne, in einer Zeitenwende leben. Zu Recht führt Peter Zima aus: „Die Postmoderne als ‚Ding’ gibt es nicht, sondern nur konkurrierende Konstruktionen, vo n denen man hofft, dass sie sich irgendwann vergleichen lassen.“4 Ein gemeinsamer Nenner dieser konkurrierenden Konstruktionen müsste allerdings klären, ob es sich hierbei um die Vorstellung einer Epoche oder einer Ideologie handelt. In Anlehnung an den Begriff Posthistorie wurde postmodern als Synonym für eine Epoche nach der Zeit der großen Ideologien (Kommunismus, Faschismus) gebraucht, was eine stark westlich geprägte Sicht darstellt. Als Opposition zur Moderne versteht es Lyotard als „kritische Durchdringung der Moderne selbst“5, als Kritik an ihren Ansätzen und dessen Utopien.

Wesentlich ist Lyotards kunstsoziologischer Ansatz, der in der Postmoderne eine Sphäre der Undarstellbarkeit in den Künsten, vornehmlich durch die Avantgarde, diagnostiziert, auf den hier hauptsächlich Bezug genommen werden soll. In Analogie zu Polleschs Postulat nach neuen Darstellungsformen von Subjektivität sei der Anspruch an Künstler, sich „der Herausforderung durch die Massenmedien zu stellen6“ als Kern dieser Arbeit verstanden: Der Realismus der Moderne erlebt eine Penetraition durch kapitalistische Erscheinungen, so dass die Wirklichkeit durch realistische Abbilder nicht mehr darstellbar ist. Postmodernismus ist insofern kritische Reflektion der Ansätze der Moderne durch die Avantgarde und als künstlerischer Ansatz eine Absage an eine „klassische Darstellungsform“, die „keinen Stoff mehr für Erfahrung gewährt, wohl aber für Erkundung und Experiment.7“

[...]


1 Kemper, Hella: Nicht nur wegen Möllemann: Wir leben im Faschismus. In: http://www.welt.de/daten/2002/06/07/0607hk336706.htx?search=pollesch&searchHILI=1 (02.09.2003).
2 Beigbeder, Frederic: 39,90. Reinbek bei Hamburg 2001, S. 13.
3 Geißler, Karlheinz A.: Wart’ mal schnell: minima temporalia. Stuttgart; Leipzig 2002, S. 43.
4 Zima, Peter: Moderne–Postmoderne: Gesellschaft, Philosophie, Literatur. Tübingen; Basel 1997, S. 4.
5 Reese-Schäfer, Walter: Lyotard zur Einführung. 3. Aufl. Hamburg 1995, S. 46.
6 Lyotard, Jean-Francois: Beantwortung der Frage: Was ist postmodern?. In: Postmoderne für Kinder: Briefe aus den Jahren 1982-1985. Wien 1987, S. 11-31, hier S. 18.
7 Ebd., S. 16.


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