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Political Correctness - ein streitbares Thema

Scholary Paper (Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Sixta Quaßdorf
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Proseminar: Pragmatische, soziale und psychologische Aspekte des Deutschen
Institution/College: University of Basel (Deutsches Seminar)
Tags: Linguistik, Soziologie, Streitkultur
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V2305
ISBN (E-book): 978-3-638-11410-3

File size: 199 KB


Excerpt (computer-generated)

Political Correctness - 
ein streitbares Thema

Sixta Quaßdorf

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Vorgehensweise
1.2. Zuordnungsprobleme

2. Die "Befürworter"
2.1. Die Anfänge
2.2. Sprachstrategien der PC-Bewegung in den USA
2.2.1. Speech Codes
2.2.2. Empfehlungen zum nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch
2.2.3. Weitere Varianten sprachlichen PC-Gebrauchs
2.3. Erfolge

3. Die "Kritiker"
3.1. Die PC-Definition im Brockhaus
3.2. Das Argument "PC schränkt die Meinungsfreiheit ein"
3.3. Das Argument "PC ist lächerlich"
3.4. Das Argument "PC führt zu ′reverse discrimination′"

4. Schluss

5. Bibliographie

 

1. Einleitung

Die Ausdrücke "Political Correctness"1 oder "politically correct" scheinen zu jenen Begriffen zu gehören, die von vielen benutzt, aber von jedem anders interpretiert werden. Verstand ich z. B. zunächst eine lästige Sprachpolitik darunter, stellte sich bei einer kleinen Umfrage unter Freunden und Bekannten heraus, dass sie den Begriff mehrheitlich positiv belegen und Kategorien wie Ethik und Moral, Toleranz, Fairness und Respekt damit verbinden. PC stellt für sie eine gute Norm für das friedliche Zusammenleben der Menschen dar. Da hiermit die meisten Lebensbereiche berührt sind, wird PC vielfältig applizierbar. Neutral wurde PC von niemanden bewertet.

Auch wenn diese improvisierte Umfrage nicht valide ist, scheint sie darauf hinzuweisen, dass PC auch eine emotionale Komponente mit einschließt. Nehme ich das Ergebnis meiner Lektüre hinzu, scheint PC in die Kategorie "Schlagwort" zu gehören. Dies sind

- "Wörter, bei denen die emotionale Komponente stärker als deren logische und designative ist,
- Wörter, die an weitverbreitete, positive oder negative Emotionen anknüpfen und damit positive oder negative Bewerter (Appraisoren) und Verhaltensregulatoren (Preskriptoren) mobilisieren,
- Mittel der Beeinflussung, d. h. Wörter, die zu bestimmten Handlungen und Verhaltensweisen führen sollen." (Klaus, in Lewandowski, S. 919)

Diese Definition impliziert, dass bei einem Schlagwort die Proposition in der Kommunikation stark vom illokutiven und perlokutiven Akt überlagert wird. Im folgenden will ich zeigen, was dies für Illokutionen sind und mit welchen Mitteln versucht wird, die gewünschte Perlokution zu realisieren.

1.1. Vorgehensweise

Entsprechend der emotionalen Aufspaltung in positive und negative Konnotationen, wollte ich eine Typisierung der Benutzer2 in PC-Befürworter und PC-Kritiker vornehmen. Dabei stieß ich auf eine Schwierigkeit: Im Gegensatz zu den zahlreichen kritischen Schriften zu PC, war mir Literatur von PC-Anhängern über PC nicht zugänglich. Dies wird ebenso von Schenz in ihrem Buch "Political Correctness - Eine Bewegung erobert Amerika" festgestellt (S. 127)3.

Infolgedessen verfolge ich zwei Wege: in einem ersten Schritt möchte ich aufzeigen, wo PC herkommt, welche Inhalte prinzipiell PC zugerechnet werden und welche Strategien zur Umsetzung dieser Inhalte gewählt wurden. In einem zweiten Schritt werde ich einige, mir immer wieder begegnende Argumentationslinien der Kritiker in der PC-Debatte analysieren.

Ich bin mir bewusst, dass hier der Eindruck von Unausgewogenheit entstehen kann. Bei meiner Recherche zum Thema PC fiel mir allerdings auf, dass die Mehrheit der PC-kritischen Publikationen von einer starken Einseitigkeit und Voreingenommenheit geprägt ist bzw. dass andere, sachlichere Aufsätze m. A. n. zweifelhafte Argumente von "PC-Gegnern" recht unkritisch übernehmen. Aus diesem Grund halte ich es für wichtig, anhand einiger Beispiele aufzuzeigen, welche sprachlichen Mittel in der strategisch geführten Debatte Verwendung finden.

1. 2. Zuordnungsprobleme

Folgt man Guido Stolles These, dass es - zumindest in Deutschland - gar keine PC-Vertreter gebe, so ist der Mangel an PC-Literatur von PC-Befürwortern nicht verwunderlich. Ebenso vermutet Karsta Frank, dass "PC das erfolgreiche Produkt eines medialen Diskurses" ist, bei dem sich die Kritiker der PC "ihren Gegner (′die PC′) gleichsam selbst erschaffen" (in Stolle, S. 3). Feldstein und Brennan argumentieren ähnlich. Sie sind der Meinung, dass PC ein Begriff der Rechten für linke Werte und Ziele sei - und sich die Linke höchstens in Verteidigung ihrer Ziele genötigt sah, auch PC zu verteidigen. Also scheint es auch im Mutterland der Political Correctness fraglich, ob es wirkliche PC-Vertreter gibt (Feldstein, S. X).

Obwohl ich diese Thesen für plausibel halte, spreche ich im Folgenden der Einfachheit halber doch von "PC-Befürwortern", auch wenn es vermutlich korrekter wäre, sie als Personen, denen PC zugeschrieben wird, zu bezeichnen.

[...]

1 im folgenden mit "PC" abgekürzt, wie in der Fachliteratur üblich

2 ab jetzt verstehe ich als Benutzer diejenigen, die sich öffentlich, in zumeist schriftlicher Form, zum Thema PC äußerten, also keine "Laien", wie bei meiner kleinen Umfrage unter Bekannten.

3 Natürlich gibt es Schriften über Feminismus oder linksorientierte Gesellschaftstheorien, die gemeinhin der PC zugerechnet werden. Doch stellen diese a) wenn dann höchstens einen Teil von PC dar und b) bezeichnen sie sich nicht selbst als PC-Anhänger.


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