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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 25 Pages
Author: Julia Siebert
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Kassel (Fachbereich Germanistik)
Tags: kafka, urteil, brief an den vater
Year: 2001
Pages: 25
Grade: 1
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-11415-8
File size: 225 KB
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Excerpt (computer-generated)
Franz Kafka: Das Urteil.
Vier Interpretationsansätze
Julia Siebert
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Das Urteil 3
3. Vier Interpretationsansätze 5
3.1 Biographischer Interpretationsansatz 5
3.1.1 Die Protagonisten 5
3.1.2 Das Heiratsthema im Urteil 8
3.1.3 Die Beziehung zwischen Vater und Sohn 10
3.2 Psychologischer Interpretationsansatz 13
3.2.1 Der ödipale Konflikt 13
3.2.2 Das ,,Korrespondenzverhältnis" zwischen Georg und dem Freund 14
3.3 Soziologischer Interpretationsansatz 17
3.3.1 Die Sprache der Macht 18
3.4 Dekonstruktiver Interpretationsansatz 22
Literatur 26
1. Einleitung
Die Vielzahl unterschiedlicher Deutungsversuche, die im Laufe der Zeit unternommen worden sind, um die Werke Kafkas im besten Sinne zu begreifen, deuten bereits darauf hin, dass es den Interpretationsansatz schlechthin nicht zu geben scheint. Es liegt ja eben in der Natur literarischer Texte, dass in ihnen unterschiedliche Sinnsysteme vereint sind, die sich überlagern und ineinander verflochten sind, so dass sie gleichermaßen auf unterschiedlichen Ebenen wirken. Eine ganzheitliche Interpretation kann also nur als ein aus vielen unterschiedlichen Lesarten bestehendes Geflecht verstanden werden. Dies gilt im Besonderen auch für Das Urteil, dessen Untersuchung hinsichtlich unterschiedlicher Lesarten Gegenstand dieser Arbeit sein soll.
Aus diesem Grund werde ich im Folgenden auf die vier gängigsten Interpretationsansätze des Urteils eingehen. Diese sind der biographische, der soziologische, der psychologische bzw. psychoanalytische und der dekonstruktive Ansatz.
2. Das Urteil
Die Erzählung Das Urteil ist in der Nacht vom 22. September 1912 entstanden. Über diesen Tag schreibt Kafka ein halbes Jahr später an seine Verlobte, Felice Bauer, er wollte ,,nach einem zum Schreien unglücklichen Sonntag" anfänglich ,,einen Krieg beschreiben"1. Im Zusammenhang mit dieser Grundstimmung ist es nicht verwunderlich, dass sich im Verlauf der Geschichte tatsächlich ein Krieg zwischen Vater und Sohn entwickelt, der auf dem Schlachtfeld der verbalen und nonverbalen Kommunikation ausgetragen wird.
Dass Kafkas Texte häufig von Begriffen wie Schuld, Urteil, Strafe und Verhör geprägt sind, ist sicherlich auch seiner Tätigkeit als Jurist und der damit einhergehenden intensiven Auseinandersetzung mit diesen Begriffen zu-zuschreiben. Besonders Titel wie Der Prozeß, Vor dem Gesetz, In der Strafkolonie und eben auch Das Urteil lassen die enge Verbindung Kafkas mit einer juristisch geprägten Sprache erkennen. Häufig begegnet der Leser Figuren, die in irgendeiner Form verurteilt werden, wobei es sich bei der urteilenden Instanz sowohl um konkrete Personen handeln kann, wie dies im Urteil, in Elf Söhne oder auch beim Amerika-Roman der Fall ist, als auch um eine unbestimmbare und somit unberechenbare Menge von Urteilsinstanzen, deren Richtgewalt sich sogar auf Leben und Tod bezieht, wie es sich im Prozeß abspielt.
Dass Kafka seinen eigenen Vater als urteilende Instanz betrachtet hat, wird dadurch deutlich, dass in Verbindung mit ihm häufig von Urteil, Verurteilung und Schuld die Rede ist. Im Brief an den Vater heißt es bereits zu Beginn:
[...]
1 Franz Kafka: Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit. Hrsg. Erich Heller und Jürgen Born. Frankfurt a. M.: Fischer 1967, S. 394.
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