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Rethra

Scholary Paper (Seminar), 2002, 20 Pages
Author: Christian Wienert
Subject: History - Middle Ages, Early Modern

Details

Event: PS Die Bistümer Brandenburg und Havelberg
Institution/College: University of Potsdam (Historisches Institut)
Tags: Rethra, Bistümer, Brandenburg, Havelberg
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 20
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V23226
ISBN (E-book): 978-3-638-26390-0

File size: 91 KB


Excerpt (computer-generated)

Historisches Institut Universität Potsdam
PS Die Bistümer Brandenburg und Havelberg
SS 2002

Proseminararbeit zum Thema:

RETHRA

Christian Wienert

Inhalt

1. Einleitung S. 3

2. Der Lutizenbund
2.1 Gliederung der Westslawen S. 5
2.2 Ursprung und Bedeutung des Namens „Lutizen“  S. 6
2.3 Kurze Geschichte des Lutizenbundes S. 6

3. Die Überlieferungen und deren Deutung
3.1 Thietmar von Merseburg S. 9
3.2 Adam von Bremen S. 10
3.3 Helmold von Bosau S. 10
3.4 Unterschiede und Glaubwürdigkeit der drei Schriftsteller S. 11

4. Ortsbestimmungen für Rethra
4.1 Rethra auf dem Schloßberg bei Feldberg S. 14
4.2 Rethra im südlichen Tollenseseebereich S. 16

5. Resümee S. 20

6. Literatur S. 21

 

1. Einleitung

Buko von Halberstat,
Bring doch minen Kinde wat!
„Wat sall ik em denn bringen?“
Goldne Schoh mit Ringen!1

Dieser alte niederdeutsche Kinderreim besingt Burchard von Halberstadt, den vermutlichen Bezwinger des sagenhaften Rethra. Von ihm, dem Eroberer des Tempelschatzes, konnte man durchaus eine Goldgabe erwarten, sagten sich die Menschen damals.

Seit dem 14. Jahrhundert suchen eifrige Forscher nach der slawischen Burg Rethra, einem großen Heiligtum der Slawen. Sagenhafte Schätze soll es dort gegeben haben. Doch leider blieben bisher alle Versuche, Rethra zu finden, erfolglos. Zwar fand man zahlreiche Überreste slawischer Burgen und Siedlungen, doch eindeutige Hinweise auf Rethra waren nie darunter. Die erhofften Schätze blieben immer aus. Mittlerweile erhofft man sich von den Ausgrabungen zwar keine Reichtümer mehr, dennoch hat das Rätsel um die verschollene Burg eine große Anziehungskraft. Man möchte wenigstens sicher sein können, wo der sagenhafte Tempel gelegen hat.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich vorhandenes Wissen über die Lage, die Gestalt und das Schicksal Rethras zusammentragen und auswerten. Natürlich wird auch diese Arbeit die letzten Geheimnisse der Burg nicht lüften. Nach Rethra muß weiterhin gesucht und gegraben werden. Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in die Geschichte des Lutizenbundes, dessen geistlicher Mittelpunkt der Tempel Rethras darstellte. Hierbei habe ich mich besonders auf die Aussagen der Werke Wolfgang Brüskes und Joachim Herrmanns gestützt.

Des weiteren werde ich einen zweiten Schwerpunkt auf die drei uns bekannten Überlieferungen Thietmars von Merseburg, Adams von Bremen und Helmolds von Bosau legen. Welcher dieser Schriftsteller ist in Hinsicht auf die Informationen über Rethra am glaubwürdigsten? Besonders beeinflußt ist diese Wertung von dem Werk Carl Schuchhardts „Arkona Rethra / Vineta“, das eine sehr gute Analyse der Textpassage Thietmars über Riedegost (Rethra) liefert.

Schließlich werde ich in dieser Arbeit zwei Örtlichkeiten, an denen Rethra bisher gesucht wurde, vorstellen. Darunter ist eine noch immer aktuelle Ausgrabungsstelle, nämlich die Gegend um den Tollensesee. Der andere Ort, der Schloßberg bei Feldberg, ist als mögliche Lokalisierung von Rethra zwar verworfen, wird aber wegen der ausführlichen und logischen Begründung Schuchhardts für diesen Ort, von mir trotzdem in dieser Arbeit vorgestellt. Als J. Herrmann 1967 auf dem Schloßberg Ausgrabungen durchführte, fand er Beweise, daß es sich zwar um ein wichtiges slawisches Stammeszentrum gehandelt hatte, jedoch aus dem 7.-9. Jahrhundert. Damit war der Schloßberg als möglicher Standort Rethras ausgeschlossen.

Darüber hinaus werde ich meine Meinung darlegen, indem ich die Argumente für bzw. gegen die jeweiligen Orte miteinander abwäge. Gern wäre ich noch intensiver auf das Ausgrabungsgebiet der Lieps eingegangen. Die Inseln der Lieps, des südlich an den Tollensesee grenzenden Sees, lieferten nämlich ebenfalls höchst interessante Funde. Doch die ausführliche Beschäftigung damit, hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt.

Inspiriert für die Arbeit haben mich die Legenden um Rethra. Je tiefer man in dieses Thema einsteigt, um so mehr Fragen tauchen auf. Besonders der Enthusiasmus Schuchhardts, der in seinem Bericht über die Ausgrabungen zu erkennen ist, hat mich mitfühlen lassen und für die Arbeit motiviert. Erzählen uns die Volkssagen vielleicht doch die Wahrheit?

„dörch water is de stadt unnergan [...] de ganze stadt is mit eens rinsackt na de ier, de drög see in Ballwitz is hochgahn as Schöne Reda wegsackt is“2

2. Der Lutizenbund

2.1 Gliederung der Westslawen

Das Lexikon des Mittelalters schreibt über Rethra: „Tempelburg der Slawen auf dem Gebiet der Redarier. Ihre genaue Lage ist unbekannt; nach 983 politisch-ideologisches Zentrum des Lutizenbundes, wo sich sein commune placitum versammelte...“3 Um Rethra näher auf die Spur zu kommen, muß man sich demzufolge mit der Geschichte des Lutizenbundes befassen. Bei den Lutizen haben wir es eindeutig mit Westslawen zu tun. Die slawische Philologie trennt hierbei drei Gruppen: 1. Tschechen und Slowaken, 2. Sorben, 3. Lechen. Die lechische Völkergruppe wiederum teilt sich ebenfalls in Zweige, die sich sprachlich jedoch nahestanden: 1. Elbslawen, 2. Pomoranen und 3. Polen. Ursprünglich ist bei den Lechen jedoch eine Sprachgemeinschaft von Elb- und Ostseeslawen anzunehmen, zu denen auch die Lutizen gezählt werden müssen.

[....]


1 Schuchhardt, Carl: Arkona Rethra / Vineta, Ortsuntersuchungen und Ausgrabungen, Berlin 1926, S. 36

2 ebenda: S. 37

3 Angermann, Norbert (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters Band VII, Planudes bis Stadt (Rus’), München 1995, S. 264


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