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Die Metamorphose "Ophélies" zu "Ophelia". Die Entwicklungsgeschichte der Figur Georg Heyms und ihr Vorbild bei Arthur Rimbaud.

Scholary Paper (Seminar), 2003, 23 Pages
Author: Julia Ilgner
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 23
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V24076
ISBN (E-book): 978-3-638-27044-1

File size: 303 KB
Notes :
Die Hausarbeit zeigt die Entwicklungsgeschichte des Gedichtes "Ophelia" des expressionistischen Dichters Georg Heym dar und die Einflüsse, die der französische Symbolismus, vor allem Arthur Rimbaud, auf die Gestaltung des Gedichts ausübte.



Excerpt (computer-generated)

Die Metamorphose „Ophélies“ zu „Ophelia“.
Die Entwicklungsgeschichte der Figur
Georg Heyms und ihr Vorbild bei Arthur Rimbaud

 


von: Julia Ilgner

INHALTSVERZEICHNIS

A: EINLEITUNG  S.1

ABDRUCK DER GEDICHTE

1. Arthur Rimbaud: Ophélie  S.3
2. Georg Heym: Die Tote im Wasser  S.4
3. Georg Heym: Der Tod der Liebenden  S.5
4. Georg Heym: Ophelia S.6

B: HAUPTTEIL  S.7

1. Arthur Rimbauds Ophélie: Eigenheiten, Bedeutung und Wirkung auf die Frühexpressionisten  S.7

1.1 Erste Bemerkungen  S.7
1.2 Die Umgebung: Landschaft und Fluss  S.7
1.3 Die Darstellung Opheliés  S.8
1.4 Der Tod Ophelias  S.8
1.5 Fazit und Bedeutung  S.9

2. Die Näherung Ophelias über die Parodie: Georg Heyms Die Tote im Wasser als erste Reaktion auf die französische Vorlage S.9

2.1 Die Vorlage und die mögliche Wirkung anderer Quellen  S.9
2.2 Die Umgebung: Landschaft und Fluss  S.10
2.3 Die Darstellung Ophelias  S.11
2.4 Der Tod Ophelias  S.11
2.5 Fazit und Bedeutung  S.11

3. Die Überwindung der Parodie durch Rückgriff auf die Romantik: Georg Heyms Der Tod der Liebenden (im Meer)1  S.12

3.1 Erste Bemerkungen  S.12
3.2 Die Umgebung: Landschaft und Fluss  S.12
3.3 Die Darstellung der Liebenden  S.12
3.4 Der Tod der Liebenden  S.13
3.5 Fazit und Bedeutung  S.13

4. Georg Heyms Ophelia: Eine Kompromisslösung oder die Etablierung einer Dichtung neuer Art?  S.13

4.1 Erste Bemerkungen  S.13
4.2 Die Umgebung: Landschaft und Fluss  S.14
4.3 Die Darstellung Ophelias  S.14
4.4 Der Tod Ophelias  S.15
4.5 Fazit und Bedeutung  S.15

5, Zusammenfassung der Entwicklungsgeschichte: Der „dialektische Umschlag“ als Mittel zur Überwindung der Tradition und Realisierung einer neuen Dichtung  S.16

5.1 Das Original: Arthur Rimbauds Ophélie  S.16
5.2 Die Parodie: Georg Heyms Die Tote im Wasser  S.16
5.3 Die Zurücknahme: Georg Heyms Der Tod der Liebenden  S.17
5.4 Die Dichtung neuer Art: Georg Heyms Ophelia  S.17

C: SCHLUSSBETRACHTUNG  S.17

BIBLIOGRAPHIE  S.19

1. Primärliteratur   S.19
2. Sekundärliteratur  S.19

 

 

 

 


 

A: EINLEITUNG

„Und nieder fielen die rankenden Trophäen und sie selbst ins weinende Gewässer. Ihre Kleider verbreiteten sich weit und trugen sie Sirenen gleich ein Weilchen noch empor, indes sie Stellen alter Weisen sang, als ob sie nicht die eigne Not begriffe, wie ein Geschöpf, geborgen und begabt für dieses Element.“2

Die Todesdarstellung der Königin im vierten Akt des Drama bildet häufig den Ausgangspunkt für die zahlreichen folgenden Nachbearbeitung der Figur und vor allem – ihres Todes.3 Denn was an Ophelia, der Königstochter und Geliebten Hamlets fasziniert, ist vor allem ihr unglückliches Ende und ihr Wesen, welches schon zu Lebzeiten nicht irdisch wirken wollte. So beginnt ihr Wandel durch die Literatur: als Kindsbraut, Jungfrau, als Madonna oder engelähnliche Gestalt, meist gehüllt in weiße Kleidung, ermüdet und bleich, aber dennoch anmutig und wunderschön. Als Femme Fragile, als zerbrechliches Wesen wird sie zum Sinnbild eines Opfers der als feindlich erfahrenen Welt - eine Allegorie der Sehnsucht.4

Doch auch ihre Gestaltung hat im Verlauf der Epochen Veränderungen erfahren. Konnte die Kunst noch vor 1800 nicht ohne eine Frauenfigur – die Muse – eine Botin des Himmels auskommen, welche die Verbindung von Diesseits und Jenseits, also von Welt und Dichtung, übermitteln sollte, erlag sie zunehmend dem Bedeutungsverlust. Noch an der Wirksamkeit des Bildes festhaltend, wurde sie rasch säkularisiert und wenig später durch andere Figurengruppen5 ersetzt, zu denen auch Shakespeares Ophelia gehörte.6

Dem Übergang dieser Figuren in eine andere Welt folgte zugleich eine Erhöhung. Als „Musae absconditae“7 verkörperten sie von nun an Gestalten, die prophetisch vorausgegangen waren in eine andere Welt, in das Reich absoluter Dinge und des reinen Gesangs. Dieser doppelseitige Prozess, die Schaffung durch die Dichtung einerseits wie die Aufhebung in ihr andererseits, verlieh Ophelia die Ambivalenz, die sie der Welt fortwährend als ein Mysterium erscheinen ließ.8 Diese erhält sich folglich bis ins 20. Jahrhundert, in diem die Gesellschaft beginnende Emanzipationskämpfe mit einem radikalen Antifeminismus zu unterdrücken suchte. Der Dämonisierung der Frau wird jedoch gleichzeitig eine Infantilisierung entgegengesetzt, die der Opheliagestalt das Überleben sicherte.9

[...]


1 Georg Heym hat dieses Gedicht in zw. Georg ei Fassungen bearbeitet: 1. Fassung (06.11 Heym.1910), 2. Fassung (13.11.1910).
2 Shakespeares Dramatische Werke. Übersetzt von A.W. Schlegel und Ludwig Tiek. Hrsg. Von Alois Brandl, Bd.6, Leipzig/Wien o.J., S.240.
3 Vgl. Weinhold, Ulrike: Bemerkungen zu Ophelia, in: Gemert, Guillaume van/Ester, Hans (Hgg.): Grenzgänge. Literatur und Kultur im Kontext (Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur 88), Amsterdam/Atlanta 1990, S.297-309, S.297. Regenberg, Anton: Die Dichtung Georg Heyms und ihr Verhältnis zur Lyrik Charles Baudelaires und Arthur Rimbauds. Neue Arten der Wirklichkeitserfahrung in französischer und deutscher Lyrik, Diss. phil., München 1961, S.34.
4 Vgl. Brokoph-Mauch, Gudrun: Salome and Ophelia. The Portrayal of Women in Art and Literature at the Turn of the Century, in: Berg, Christian/Durieux, Frank/Lernout, Geert (Hgg.): The Turn of the Century. Modernism and Modernity in Literature and the Arts. (= Le Tournant du Siècle. Modernisme et Modernité dans la Literature et les Artes) (European Cultures. Studies in Literature and the Arts 3), Berlin/New York 1995, S. 466-474.S.466-467.
5 Zu diesen lassen sich Gestalten wie Rilkes Engel, Hebbels Klara und eben Ophelia zählen.
6 Vgl. Gees, Marion: “Um Ophelia wob etwas?” Weibliche Theatralität und Szenarien poetischer Entgrenzung, in: Borchmeyer, Dieter: Robert Walser und die moderne Poetik, Frankfurt am Main 1999, S.187-208., S.188.
7 Würffel, Stefan Bodo: Ophelia. Figur und Entfremdung, Bern 1985, S.14.
8 Vgl. Weinhold, S.299/301. Weinhold betont, dass die „Undeutlichkeit von Ophelia“ im Hamlet angelegt sei und diese Eigenschaft in ihrer Weiterverarbeitung beibehalte.
9 Vgl. Brokoph-Mauch, S.467,474. Dem Frauentyp der Femme fragile wie Ophelia lässt sich konträr die Femme Fatale, wie sie kategorisch durch die Gestalt Salomes verkörpert wird, gegenüberstellen.


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