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Diploma Thesis, 2003, 80 Pages
Author: Martin Evers
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Täter-Opfer-Ausgleich, Erwachsenenstrafrecht
Year: 2003
Pages: 80
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-27236-0
ISBN (Book): 978-3-638-84239-6
File size: 417 KB
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Abstract
Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) bietet Täter und Opfer die Gelegenheit zu einer außergerichtlichen Regelung unter Beteiligung eines unparteiischen Dritten. Neben einigen, von vielen Beteiligten als positiv betrachteten Grundintentionen, sind vor allen Dingen die Stärkung der Position des Opfers sowie ein besseres Erreichen des Rechtsfriedens zwischen Täter und Opfer essentielle Punkte, welche durch die Einführung des TOA optimiert werden sollen. Auch für die Soziale Arbeit bietet der TOA neue Arbeitsansätze. Gerade im Umgang mit den Opfern von Straftaten bieten sich hier neue Möglichkeiten, da diese bislang, verglichen mit den Tätern, verhältnismäßig selten in direktem Zusammenhang mit einer Straftat zum Klientel von Sozialarbeitern oder Sozialpädagogen gehörte. Um dem Leser einen ganzheitlichen Überblick über die Entstehung des TOA zu verschaffen, wird in Kapitel 2 zunächst nicht nur ein hierarchischer Überblick über die Entwicklung des TOA gegeben, sondern auch ein Überblick über das klassische Strafverfahren ohne ihn. So sollen Grundintentionen und Ziele des Täter-Opfer-Ausgleichs besser verdeutlicht werden. Ein Überblick über den Einzug des TOA in die deutsche Strafrechtspraxis beendet dieses Kapitel. Nachdem zur besseren Verständlichkeit die themennahen strafrechtlichen Begrifflichkeiten „Mediation“, „Wiedergutmachung“ sowie „Täter-Opfer-Ausgleich“ genauer erläutert werden, wird in Kapitel 4 ausführlich auf das Arbeitsfeld des TOA eingegangen. Hier wird dem Leser nicht nur ein Überblick über den Täter-Opfer-Ausgleich in der Praxis geboten, sondern auch die Sicht aller beteiligten Parteien dargelegt. In diesem Teil der Arbeit werden Zahlen und Ergebnisse von TOA-begleitenden Studien und Umfragen verstärkt Erwähnung finden, da diese für eine weitere Verbreitung des TOA von besonderer Relevanz sind. In Kapitel 5 wird dem Leser ein Überblick über eine Reihe kritischer und problematischer Punkte des TOA in der praktischen Anwendung gegeben. Es wird hervorgehoben, welchen strukturellen, finanziellen und politischen Problemen und generellen Kritikpunkten er sich gegenüber sieht, die ihm den Weg zu einer vermehrten Anwendung bislang verwehren. In einem abschließenden Fazit werden die Kernpunkte der Arbeit nochmals auf den Punkt gebracht und reflektiert.
Excerpt (computer-generated)
Diplomarbeit
zur Diplomprüfung
an der Fachhochschule Dortmund
Fachbereich Sozialpädagogik
Wiedergutmachung statt Vergeltung
Der Täter-Opfer-Ausgleich im Erwachsenenstrafrecht
Sommersemester 2003
vorgelegt von:
Martin Evers
1. Einleitung ... 4
2. Entwicklung des TOA ... 7
2.1. Geschichtliche Entwicklung der Wiedergutmachung ... 7
2.2. Klassisches Strafverfahren ohne TOA ... 10
2.3. Einführung des TOA in die deutsche Strafrechtspraxis ... 12
3. Begriffsdefinitionen ... 15
3.1. Mediation ... 15
3.2. Wiedergutmachung ... 16
3.3. Täter-Opfer-Ausgleich ... 17
4. Der Täter-Opfer-Ausgleich im Erwachsenenstrafrecht ... 18
4.1. Was beim TOA genau geschieht ... 18
4.1.1. TOA ohne Vermittlungsgespräch ... 20
4.2. Ziele und Nutzen des TOA ... 21
4.3. Fallzuweisungskriterien ... 23
4.4. Institutionelle Rahmenbedingungen ... 27
4.5. Der TOA aus der Sicht der Bevölkerung ... 30
4.6. Der TOA aus der Sicht von Tätern und Opfern ... 32
4.6.1. Der TOA aus der Sicht der Opfer ... 32
4.6.2. Der TOA aus der Sicht der Täter ... 35
4.7. Die Vermittlungsperson beim TOA ... 38
4.7.1. Sozialarbeiter/Sozialpädagogen als TOA Vermittler ... 43
4.8. Die „Auftraggeber“ – Der TOA aus der Sicht der Staatsanwaltschaft ... 46
4.9. Zwischenfazit ... 49
5. TOA in der Praxis – Herausforderungen einer vermehrten Anwendung des TOA – Kritikpunkte, Diskussionen und Meinungen ... 51
5.1. Der TOA als „Gegenbewegung“ zur Strafverhärtung ... 51
5.2. Der TOA als Weg aus der Legitimationskrise unseres Strafsystems? ... 53
5.3. TOA vor dem Aus? TOA zu teuer?
- Finanzielle Hürden des TOA - ... 55
5.4. Zu niedrige TOA Erfolgsquoten und zu lange Verfahrensdauer? ... 57
5.5. Bundeseinheitliche TOA-Richtlinien ... 59
5.6. Allgemeine Gefahren der praktischen TOA Anwendung ... 60
5.7. Berufsbezogene Bewertung - Der TOA aus der Sicht von Sozialarbeitern/Sozialpädagogen ... 62
5.7.1. Der TOA als Chance für das Berufsfeld der Sozialarbeiter/Sozialpädagogen? ... 63
6. Fazit ... 65
7. Literaturliste ... 67
8. Verzeichnis der Abbildungen ... 74
9. Anhang ... 75
1. Einleitung
Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) bietet Täter und Opfer die Gelegenheit zu einer außergerichtlichen Regelung unter Beteiligung eines unparteiischen Dritten. Neben einigen, von vielen Beteiligten als positiv betrachteten Grundintentionen, sind vor allen Dingen die Stärkung der Position des Opfers sowie ein besseres Erreichen des Rechtsfriedens zwischen Täter und Opfer essentielle Punkte, welche durch die Einführung des TOA optimiert werden sollen.
„Eine rundum gute Sache“ ist in den allermeisten Fällen die Reaktion, wenn jemand zum ersten Mal Informationen über die Zusammenhänge des TOA erhält. Aber auch viele der direkt beteiligten Berufsgruppen wie Rechtsanwälte, Staatsanwälte oder Richter sehen den TOA in vielen Fällen als höchst sinnvollen und richtigen Weg der deutschen Strafjustiz an.1
Auch für die Soziale Arbeit bietet der TOA neue Arbeitsansätze. Gerade im Umgang mit den Opfern von Straftaten bieten sich hier neue Möglichkeiten, da diese bislang, verglichen mit den Tätern, verhältnismäßig selten in direktem Zusammenhang mit einer Straftat zum Klientel von Sozialarbeitern oder Sozialpädagogen gehörten2.
Trotz dieser recht positiven Kurzansicht bewegen sich die Mitarbeiter und Verantwortlichen der TOA-Servicebüros und Außenstellen auf einem höchst steinigen Pfad. Das Programm findet nach wie vor nur in verhältnismäßig wenigen Fällen Anwendung. Kritische Stimmen werfen ihm genau genommen eine Anwendbarkeit in zu wenigen Fällen vor, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TOA-Büros müssen vielerorts in regelmäßigen Abständen um ihre Arbeitsplätze fürchten, da die Verantwortlichen für den Landeshaushalt mit umfassenden Kürzungen der Fördermittel drohen.3 Was also ist und bedeutet der TOA für unser Rechtssystem? Ist er tatsächlich der lang ersehnte Weg in ein produktiveres Strafsystem oder nicht mehr als ein gescheiterter Versuch in diese Richtung? Kreist der Rotstift der Länder nur durch den sprichwörtlichen „Würfelentscheid“ über den TOA Büros, oder gibt es tatsächlich Gründe, ihn als„nicht lohnend“ wegzurationalisieren? Welchen sonstigen Herausforderungen sieht sich der TOA gegenüber?
Neben einer allgemeinen Vorstellung des TOA und der Bedeutung für die an ihm beteiligten Personengruppen sind dies die Hauptfragen, mit denen sich die vorliegende Ausarbeitung kritisch beschäftigt. Auch werde ich immer wieder Ergebnisse von Umfragen und empirischen Untersuchungen, sowie Praxisberichte und Fallbeispiele einfließen lassen um die Ausführungen zu untermauern. Auch die Bedeutung des TOA für den Berufsstand des Sozialarbeiters/Sozialpädagogen wird in der vorliegenden Ausarbeitung berücksichtigt.
Um dem Leser einen ganzheitlichen Überblick über die Entstehung des TOA zu verschaffen, wird in Kapitel 2 zunächst nicht nur ein hierarchischer Überblick über die Entwicklung des TOA gegeben, sondern auch ein Überblick über das klassische Strafverfahren ohne ihn. So sollen Grundintentionen und Ziele des Täter-Opfer-Ausgleichs besser verdeutlicht werden. Ein Überblick über den Einzug des TOA in die deutsche Strafrechtspraxis beendet dieses Kapitel.
Nachdem ich zunächst zur besseren Verständlichkeit die themennahen strafrechtlichen Begrifflichkeiten „Mediation“, „Wiedergutmachung“ sowie „Täter-Opfer-Ausgleich“ genauer erläutere, werde ich in Kapitel 4 ausführlich auf das Arbeitsfeld des TOA eingehen. Hier wird dem Leser nicht nur ein Überblick über den Täter-Opfer-Ausgleich in der Praxis geboten, sondern auch die Sicht aller beteiligten Parteien dargelegt. In diesem Teil der Arbeit werden Zahlen und Ergebnisse von TOA-begleitenden Studien und Umfragen verstärkt Erwähnung finden, da diese für eine weitere Verbreitung des TOA von besonderer Relevanz sind.
In Kapitel 5 wird dem Leser ein Überblick über eine Reihe kritischer und problematischer Punkte des TOA in der praktischen Anwendung gegeben. Es wird hervorgehoben, welchen strukturellen, finanziellen und politischen Problemen und generellen Kritikpunkten er sich gegenüber sieht, die ihm den Weg zu einer vermehrten Anwendung bislang verwehren.
In einem abschließenden Fazit werde ich die Kernpunkte meiner Arbeit nochmals auf den Punkt bringen und, meine persönliche Meinung einbeziehend, reflektieren.
2. Entwicklung des TOA
2.1. Geschichtliche Entwicklung der Wiedergutmachung
Wer die Gegenwart verstehen will und für die Zukunft plant, dem sei ein Blick in die Vergangenheit empfohlen. Wer Perspektiven und aktuelle Zusammenhänge des TOA beschreiben möchte, muss sich zunächst automatisch auch diese alte Weisheit zu Herzen nehmen und einen Blick in die Vergangenheit werfen.
Dabei wird dem Leser recht schnell auffallen, dass Wiedergutmachung kein Element der Strafrechtspraxis ist - welches es erst seit der Neuzeit gibt -, sondern schon immer und in einer Reihe von Kulturen ihren Platz hatte.
[....]
1 Vgl. z.B. die Erhebung von Kurze, Martin: Täter-Opfer-Ausgleich und allgemeines Strafrecht, Eigenverlag Kriminologische Zentralstelle, Wiesbaden 1997, S. 22 ff
2 Eine Ausnahme bildet hier „Der Weiße Ring“
3 Dies war u. a. auf einem vom „Verein sozialintegrativer Projekte“ herausgegebenen Flugblatt zu lesen, welcher hiermit, aufgrund der drohenden Kürzungen, am 13.11.2002 zu einer Protestaktion vor dem Düsseldorfer Landtag aufrief.
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