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Zwischen Hitler und Henlein

Scholary Paper (Seminar), 2001, 23 Pages
Author: Nina Dombrowsky
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 23
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V2501
ISBN (E-book): 978-3-638-11526-1

File size: 203 KB


Excerpt (computer-generated)

Zwischen Hitler und Henlein

Nina Dombrowsky

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Begriffsdefinition

1.2. Zur Problematik des Widerstandsbegriffs

2. Von den Anfängen des Aktivismus bis zur Parteispaltung

2.1. Äußere Bedingungen

3. Von der ersten deutschen Regierungsbeteiligung 
bis zum Verbot der DNSAP

3.1. Die Beziehungen der DSAP zur reichsdeutschen
Schwesterpartei SPD

4. Vom Aufstieg der DSAP bis zum Anschluß der
sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich

5. Fazit

5.1. Abkürzungen

5.2. Literaturverzeichnis

 

1. Einleitung

,,Gerade heute, wo eine Lösung der sprunghaft angestiegenen Nationalitätenkonflikte immer mehr auf gewaltsame Art und Weise, im Falle des ehemaligen Jugoslawien sogar wieder mittels sog. ,ethnischer Säuberungen′ angestrebt wird, erlangen die friedlichen Lösungsmöglichkeiten zur Überwindung und Beseitigung nationaler Gegensätze, wie sie die sudetendeutsche Sozialdemokratie bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert dargelegt und in Angriff genommen hat, besondere Aktualität."1
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich in gebotenem Umfang mit dem politischen Wirken der ,,Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei" (DSAP) in der Ersten Tschechoslowakischen Republik in den Jahren von der Gründung der Tschechoslowakei 1918 bis zum Anschluss der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich im September/Oktober des Jahres 1938.
Insbesondere untersucht werden soll der Kampf der DSAP um eine Tschechoslowakische Republik, in der ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben des tschechoslowakischen Volkes mit der sudetendeutschen Minderheit möglich ist. Was tat die sudetendeutsche Sozialdemokratie, um nach der problematischen Staatsgründung die (nationalen) Interessen der Bevölkerung der sudetendeutschen Gebiete angemessen zu vertreten? Wie verhielt sie sich angesichts des aufsteigenden Nationalsozialismus im Deutschen Reich und bald darauf auch in der Tschechoslowakei? Warum war es ihr nicht gelungen, den nationalsozialistischen Rattenfängern mit einem überzeugenden friedlich-demokratischen Politikkonzept Widerstand zu leisten, das die sudetendeutsche Bevölkerung innerhalb der tschechoslowakischen Grenzen staatsrechtlich und nationalpolitisch zufriedenstellte und immun machte gegenüber großdeutschen Anschlussgedanken?
Vor allem in Hinblick auf das deutsch-tschechische Verhältnis seit 1945 ist die Frage nach dem Widerstand der deutschen Parteien in der Tschechoslowakei gegen Faschismus und Nationalsozialismus und dessen Unterstützung durch die Bevölkerung von großer Bedeutung. Denn dieses Verhältnis ist seit der gewaltsamen Vertreibung der Deutschen aus ihrer sudetendeutschen Heimat - zumindest auf persönlicher Ebene - äußerst gespannt. Die Vollstrecker der Austreibung begründen ihr Vorgehen bis heute damit, ,,[...] daß die Sudetendeutschen in ihrer Gesamtheit dem nationalsozialistischen Regime bis zum Schluß bedingungslos Gefolgschaft und keinerlei Widerstand geleistet hätten.".2 Mit der daraus abgeleiteten These von der Kollektivschuld aller Sudetendeutschen rechtfertigten sie die Durchführung der Austreibung ohne einen Unterschied machen zu müssen zwischen ,, [...] Anhängern des nationalsozialistischen Regimes und dessen Opfern und Gegnern, zwischen Schuldigen und Unschuldigen [...].".3 Kann die Kollektivschuldthese gehalten werden? Sind wirklich alle Sudetendeutschen schuldig geworden?
Auch unter geschichtswissenschaftlichem Aspekt ist die Thematik des Widerstands der Sudetendeutschen gegen den Nationalsozialismus interessant, reduziert sich die Beschäftigung mit deutschem Widerstand zwischen 1933 und 1945 doch hauptsächlich auf die im Deutschen Reich wirkenden Widerstandskämpfer. ,,Seine auslandsdeutsche Komponente [...] ist bisher vernachlässigt worden." - stellt Klaus Sator fest. 4
Jörg Kracik bilanziert in seiner Arbeit zum deutschen Aktivismus in der Tschechoslowakei, ausgehend von den Ergebnissen der ,,Gemeinsamen deutsch-tschechischen Historikerkommission" vom Jahr 1996, dass es an einer Untersuchung bezüglich des deutschen Aktivismus, ,, [...] die von seiner Entstehung bis zu seinem Scheitern reicht und seine Nuancen sowie seine vollständige parteipolitische Breite untersucht und darstellt."5 fehlt.
Wissenschaftlich kontrovers diskutiert wird ebenfalls die Definition eines einheitlichen Widerstandsbegriffs, der bisher nicht existiert. Klaus Sator wirft die Frage auf, ob ein Engagement der auslandsdeutschen Arbeiterbewegung gegen den Nationalsozialismus dem deutschen Widerstand zugerechnet werden kann. Auch hiermit beschäftigt sich die vorliegende Arbeit in einem kurzen Kapitel.

Im wesentlichen gliedert sich die Arbeit in drei Teile.
Im ersten wird die Politik der DSAP ab der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 bis zur Parteispaltung 1921 dargestellt und die Frage untersucht, ob es sich - trotz des Fehlens einer konkreten nationalsozialistischen Gefahr, wie sie sich später in Parteien wie der DNSAP und SHF/SdP sowie in der Machtergreifung Hitlers im benachbarten Deutschen Reich manifestierte - schon um eine Politik des Widerstands handelte. Auch die Rahmenbedingungen, in denen die DSAP ihre Politik in den schwierigen Anfangsjahren der jungen Republik entwickeln musste, werden hier kurz vorgestellt.

Der zweite Teil greift die Zeit ab dem Eintreten sudetendeutscher Parteien in die Prager Regierung im Jahr 1926 bis zum Verbot der ,,Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei" (DNSAP) 1933 auf. Hier begegnete die DSAP das erste Mal der realen Bedrohung durch den aufsteigenden Nationalsozialismus und musste sich angesichts erheblicher Stimmenverluste kritisch mit der eigenen Politik auseinandersetzen. Ob dies gelungen war, wird hier kurz zu zeigen versucht. In einem zweiten Abschnitt beschäftigt sich dieser Teil auch mit den Beziehungen, die ab der Machtübernahme Adolf Hitlers zu der reichsdeutschen Schwesterpartei bestanden.

Der Aufstieg der ,,Sudetendeutschen Heimatfront" (SHF) und der Kampf der sudetendeutschen Sozialdemokratie gegen eine gewaltsame großdeutsche Lösung der ,,Sudetenfrage" bis zum Anschluss der sudetendeutschen Gebiete an das faschistische ,,Dritte Reich" ist Bestandteil des dritten und letzten Teils meiner Arbeit.

[...]

1 Sator, Klaus: Anpassung ohne Erfolg. Die Sudetendeutsche Arbeiterbewegung und der Aufstieg Hitlers und Henleins 1930 - 1938. Darmstadt, 1996, S. 20.

2 Grünwald, Leopold: Sudetendeutscher Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Für Frieden, Freiheit, Recht. Benediktbeuern, 1986, S. 9.

3 Grünwald, S. 9.

4 Sator, S. 1.

5 Kracik, Jörg: Die Politik des deutschen Aktivismus in der Tschechoslowakei 1920 - 1938. Frankfurt/Main, 1999, S. 10.


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