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Die Zukunft ist nicht mehr das was sie war. Eine Abhandlung über die Geschichte der Prophezeiungen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 27 Pages
Author: Anna Maresa Starkowski
Subject: Cultural Studies

Details

Event: Projekt Zukunftsvisionen
Institution/College: University of Bremen (FB KuWi)
Tags: Zukunft, Eine, Abhandlung, Geschichte, Prophezeiungen, Projekt, Zukunftsvisionen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 27
Grade: 1-2
Language: German
Archive No.: V25169
ISBN (E-book): 978-3-638-27879-9

File size: 413 KB
Notes :
Überblick über die historische Entwicklung der Prophetie; über die rein christliche Perspektive hinaus;



Excerpt (computer-generated)

Veranstaltungsname: Zukunftsvisionen - Projekt Zukunft
Wintersemester 2002/2003 Universität Bremen

Die Zukunft ist nicht mehr das was sie war.
Eine Abhandlung über die Geschichte der Prophezeiungen

von: Anna Maresa Starkowski

 


EINLEITUNG 5

1. ZUR BEGRIFFLICHKEIT UND TYPOLOGISIERUNG DES PROPHETEN 6

2. EIGENSCHAFTEN UND FÄHIGKEITEN EINES PROPHETEN  7

2.1 Aussagen zur Persönlichkeit 8
2.2 Soziale Beziehungen 8
2.3 Beziehung zu Gott oder geistigem Führer  9

3. DREI FORMEN VON PROPHETISMUS  9

3.1 Biblischer Prophetismus  9
3.2 Außerbiblischer Prophetismus  10
3.3 Mischprophetismus  11

4. PROPHETIE IM GESCHICHTLICHEN WANDEL  11

4.1 Die Antike  12
4.2 Das Mittelalter  13
4.3 Das 17. Jahrhundert  13
4.4 Das 18. Jahrhundert  14
4.5 Das 19. Jahrhundert  16
4.6 Das 20. Jahrhundert  18

5. FUTUROLOGIE ALS MODERNES MITTEL DER VORHERSAGE 20

5.1 Zukunftsforscher Matthias Horx als moderner Prophet?  21

6. GIBT ES DEN MODERNEN PROPHETEN?  23

LITERATURVERZEICHNIS  28


 

 

 

Klage
Wem willst du klagen Herz?
Immer gemiedener ringt sich dein Weg
durch die unbegreiflichen Menschen.
Mehr noch vergebens vielleicht,
da er die Richtung behält,
Richtung zur Zukunft behält,
zu der verlorenen.
(Rainer Maria Rilke)

Einleitung

Das Leben zwingt uns ständig, eine Wahl zu treffen. Daher ist es eine grundlegende Dimension des menschlichen Lebens, Voraussagen über die Zukunft zu machen, die uns helfen in der Gegenwart zu handeln. Zukunft zu verkünden, macht aber nur dann Sinn, wenn sie noch nicht feststeht, beziehungsweise wenn sie unvorhersehbar ist. Diese Tatsache macht die „Voraussage“ zu einem magischen Akt, dem die Menschheit seit Jahrtausenden große Wichtigkeit beimisst. Tatsächlich klärt uns die Vorhersage allerdings nicht über die Zukunft auf, sondern spiegelt die Gegenwart wider. Sie gibt Aufschluss über Mentalitäten, die Kultur einer Gesellschaft und einer Zivilisation, aus der heraus sie gedeutet wurde. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es in allen Gesellschaften Experten für Voraussagen gegeben hat. Nur ihre Namen und Techniken variieren: von den Sehern bis zu den Futurologen, Auguren, Sybillen, Astrologen, Orakeln, Wahrsagern und Propheten.

Heikel ist der westlich-wissenschaftliche Prophetenbegriff. Bis in das 19. Jahrhundert galt ein Prophet hauptsächlich als israelisches Phänomen, der Begriff wurde fast ausschließlich in christlich-religiösem Sinne genutzt. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auch andere Religionsvertreter, wie Mohammed für den Islam und Zarathustra für den Parsismus, als göttliche Propheten akzeptiert. In der Volkskultur dagegen wurden Menschen, die sich einen besonderen Ruf als Künder künftiger Ereignisse gemacht hatten, schon seit langem als Propheten betitelt. In der heutigen Umgangssprache ist ein Prophet eine Person, die Zukünftiges voraussagt. Dies können Ökonomen, Meteorologen, Künstler oder geistige Führer sein, der spezifisch religiöse Aspekt ist verloren gegangen. Weshalb die Kenntnis der Zukunft für die Menschheit derartige Wichtigkeit hat und wie sie diese zu erlangen sucht, möchte ich anhand dieser Arbeit herausstellen. Zusätzlich wird untersucht, ob, nach den herkömmlichen Beurteilungsmechanismen, die modernen Propheten noch die ursprünglichen Ansprüche an ihre Person erfüllen können. Zunächst ist daher die Klärung der Begrifflichkeit „Prophet“, sowie seine Ty- pologisierung notwendig. Auch die Eigenschaften und Fähigkeiten eines Propheten sollen betrachtet werden. Ausgehend von drei unterschiedlichen Kategorien des Prophetismus, wird im folgenden der Wandel im Umgang des Menschen mit der Zukunft anhand historischer Epochen – von der Antike bis zur Moderne – aufgezeigt werden. Im Mittelpunkt werden, neben der Prophetie, die Wahrsagerei, die Utopie, die Science-Fiction und die Futurologie stehen. Allerdings werde ich mich nicht spezifisch einzelnen Personen widmen, da die Thematik schon an sich eine derartige Komplexität besitzt, dass einzelne Portraitierungen den Rahmen sprengen würden. Der heutigen Situation der Prophetie wird sich Punkt Fünf dieser Arbeit mit einer Beschreibung der Futurologie widmen. Die grobe Zusammenfassung und Auswertung der Thematik, unter dem Gesichtspunkt ob es tatsächlich moderne Propheten gibt, bildet den Abschluss dieser Arbeit.

1. Zur Begrifflichkeit und Typologisierung des Propheten

Das Wort „Prophet“ stammt aus dem Griechischen. Es gestaltet sich wahrscheinlich aus verschiedenen Wortstämmen: So ist es zum einen aus dem Verb pro-phêmi herzuleiten, welches etwas heraus- oder hervorsagen bedeutet, zum anderen kommt auch das Verb phánai in Betracht, welc hes sprechen oder verkünden ausdrückt. Bedeutend ist auch das Verb prophesí, welches für einen anderen sprechen bedeutet. In klassisch griechischer Zeit wurden diese Begriffe für Dichter, Orakelgeber, Tempeldiener und vor allem auch für Priester verwandt. Im hebräisch arabischen Sprachgebrauch war das Wort nâbî üblich, es bezeichnete einen von Gott Berufenen.1 Schon anhand der Bedeutungen der Wortstämme aus beiden Kulturkreisen, lässt sich ein Unterschied feststellen: Während im Griechischen als Voraussetzung nicht unbedingt notwendig, kommt die Wichtigkeit der göttlichen Berufung besonders bei der altisraelitischen Wortwahl zum Vorschein. Propheten gelten also als „Geisteserfüllte Menschen, die mit göttlichem Auftrag und Vollmacht den Willen Gottes öffentlich verkünden sowie Rettung oder Strafgericht ankündigen.“2 Dies bezeichnet auch die Formel „So spricht der Herr“, die in der Bibel gleich 3808 mal erwähnt wird.3

[...]


1 M. Sturm-Berger, Merkmale und Wesen von Prophetentum – Eine religionsvergleichende Studie, Berlin 1997

2 Harenberg Kompaktlexikon, Band 4, Dortmund 1994

3 S. Németh, Die Propheten und die Apokalypse, www.ger.hit.hu/h3-06s03.shtml , Stand Mai 2002


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