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Die kritische Darstellung des Bürgertums und des Adels in Lessings 'Emilia Galotti'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 17 Pages
Author: Martin Abrahams
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Hauptseminar: Das bürgerliche Trauerspiel
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz (Deutsches Institut)
Tags: Darstellung, Bürgertums, Adels, Lessings, Emilia, Galotti, Hauptseminar, Trauerspiel
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 17
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V25334
ISBN (E-book): 978-3-638-27995-6

File size: 211 KB


Excerpt (computer-generated)

Johannes Gutenberg – Universität Mainz
Wintersemester 2002/03
Fachbereich Germanistik
Hauptseminar: Das bürgerliche Trauerspiel
7. Semester

Die kritische Darstellung des Bürgertums
und des Adels in Lessings ′Emilia Galotti′

von: Martin Abrahams

 


Inhalt

Einleitung 3

1. Kritik am herrschenden Adel 4

1.1 Fürstliche Macht und Willkür 4
1.2 Die Unvereinbarkeit von fürstlicher Macht und Empfindsamkeit 5

2. Hinterfragung des Bürgertums 9

2.1 Familiäre Disharmonien 9
2.2 Kritik an bürgerlichen Tugend - und Moralprinzipien 11

3. Zur Mehrdeutigkeit der Kritik in Emilia Galotti 14

Bibliographie 17

 

 

 

Einleitung

Die heroische Tragödie bezog ihre Stoffe aus Geschichte und Mythos. Könige und Helden repräsentierten den Menschen gleich welchen Standes und das Unglück das sie befiel, war das durch Menschenkraft Unabwendbare, Absolute. Die zentrale Thematik war in der Regel das Verhältnis des Menschen zum Übermenschlichen.
Das Auftreten des bürgerlichen Trauerspiels um 1755 bringt einen grundlegenden Wandel des Tragischen mit sich. Nicht mehr Märtyrertum und Welthaltigkeit stehen nun im Vordergrund, sondern das Moralische, Private und der Mensch in seiner Bindung an die Gemeinschaft. Darüber hinaus soll ihn nicht länger ein durch das Jenseits determiniertes Schicksal ereilen: ein grausames, undurchschaubares Verhängnis kann nicht mehr Tragik begründen. Die Verursachung des Tragischen wird in den Menschen und in dessen Welt verlegt. Entsprechend verknüpft das bürgerliche Trauerspiel Unglück, Schuld und Charakter; man legt Wert auf Kausalität und lückenlose Motivation. Religiöse Fragen spielen noch eine Rolle, das Metaphysische ist jedoch nicht mehr der Gehalt des Tragischen, denn maßgebend ist das Diesseits. Ein Bezug zur Säkularisation kann hergestellt werden: „Ihr Träger ist das Bürgertum, das seine humanitäre Ideologie im Widerspruch gegen die transzendenten Deutungen der institutionalisierten Religion ausbildet“ (Guthke 1994, S. 19). Eine bürgerliche und nicht-bürgerliche Gesinnung ist im bürgerlichen Trauerspiel allerdings nicht an Standesgegensätze gebunden.
Mit Emilia Galotti (1772) finden Konflikte zwischen den Ständen und gesellschaftskritische Elemente Einzug in das bürgerliche Trauerspiel. In erster Linie richtet sich die darin enthaltene Gesellschaftskritik an die Aristokratie, das Bürgertum wird allerdings ebenfalls einer kritischen Prüfung unterzogen. Auch hier werden also moralische Gegensätze nicht verschiedenen Ständen zugeordnet, vielmehr ist vermeintliches Fehlverhalten durch standestypische Verhaltensweisen bedingt (vgl. Guthke 1994, S. 75).

1. Kritik am herrschenden Adel

1.1 Fürstliche Macht und Willkür

Der Prinz in Emilia Galotti ist einer der zahlreichen Gebieter von kleinen Fürstentümern, die die politische Wirklichkeit zu Lessings Lebzeiten dominierten. Trotz des italienischen Schauplatzes und ungeachtet der Tatsache, dass das von Lessing gewählte Geschlecht bereits ausgestorben war, müssen die dargestellten Zustände, die Form der Konflikte und deren Austragung Lessings Zeitgenossen durchaus gegenwärtig gewesen sein: „Lessing stellt ein Exemplar des Herrschers auf die Bühne, wie dieser damals prinzipiell, seiner gesellschaftlichen Funktion nach beschaffen war, wie er in Italien ebenso vorkam wie in Deutschland“ (Bauer 1987, S. 11).
Der fürstlich-feudale Absolutismus wird in Lessings Stück als unberechenbar dargestellt, teilweise trägt er sogar menschenverachtende und barbarische Züge. Spontan tut es dem ablenkbaren und unentschlossenen Prinzen durchaus Leid um Appiani; In der selben Szene (IV, 1) wird er sich jedoch auch über den Nutzen des Anschlags bewusst und lässt sich von Marinellis Denkweise beeinflussen. Im übrigen schrecke auch er vor einem „kleinen Verbrechen“ nicht zurück, wenn es nur ein „stilles“ und „heilsames“ sei (VI, 1). Sei es ein solches Verbrechen, das passive Gewährenlassen Marinellis oder die Tatsache, dass er in völliger Zerstreutheit „recht gern“ (I, 8) ein Todesurteil unterschreibt: Angesichts einer solchen Herrschaftsstruktur erscheinen die Vertreter des Bürgertums geradezu ausgeliefert. Lessings Intention, das Bild einer teils grausamen, teils jämmerlichen fürstlichen Willkürherrschaft zu zeichnen, scheint unübersehbar.

[...]


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