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Mit Fremdheit leben - Entwicklungen in der Integrationsarbeit

Diploma Thesis, 2004, 112 Pages
Author: Katrin Lemper
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2004
Pages: 112
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 91  Entries
Language: German
Archive No.: V26167
ISBN (E-book): 978-3-638-28588-9

File size: 313 KB


Excerpt (computer-generated)

Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen
- Abteilung Münster -

Diplomarbeit

 im Rahmen der Diplomprüfung für den Fachbereich Sozialwesen
Studiengang Sozialpädagogik

Mit Fremdheit leben – Entwicklungen in der Integrationsarbeit

von:

Katharina Lemper

am: 05.04.2004

 

Inhaltsverzeichnis 

Einleitung ...  1

1 Migration nach Deutschland ...  4
1.1 Einführung in das Migrationsgeschehen  ...  4
1.2 Zuwanderungsgruppen ...  6
1.3 Rechtliche Grundlagen ...  9
1.4 Geschichte der Migration  ...  11

2 „Einwanderungsland Deutschland“  ...  17
2.1 Das geplante Zuwanderungsgesetz ...  21
2.2 Streitpunkte  ...  26

3 Diskussionen um Fremdheit und Integration ...  31
3.1 Die soziale Konstruktion von Fremdheit ...  31
3.2 Ausgrenzung und nationale Identität ...  34
3.3 Die Dimensionen von Integration ...  38
3.4 Handlungsmöglichkeiten  ...  43

4 Die Umsetzung der Integrationsziele ...  47
4.1 Das Beispiel Niederlande ...  47
4.1.1 Das kleine Land nebenan  ...  47
4.1.2 Zuwanderergruppen und wesentliche rechtliche Bedingungen  ...  50
4.1.3 Integrationspolitische Maßnahmen ...  52
4.1.4 Das WIN ...  56
4.2 Integration in Deutschland  ...  60
4.2.1 Allgemeine Kennzeichen der Förderstruktur  ...  60
4.2.2 Integrationspolitische Maßnahmen ...  62
4.2.3 Die besondere Rolle der Wohlfahrtsverbände  ...  65
4.3 Unterschiede der Integrationsansätze  ...  67

5 Integration vor Ort – Best Practices  ...  70
5.1 Das Gemeinschaftsprojekt in Münster und Enschede  ...  71
5.2 Projektbeispiel „Verständnis der Kulturen“  ...  74

6 Integration und Soziale Arbeit ...  79
6.1 Veränderte Aufgabenstellung für die Migrationsdienste  ...  81
6.2 Interkulturelle Öffnung der sozialen Regeldienste  ...  82
6.3 Qualifikationsmerkmal: Interkulturelle Kompetenz ...  84
6.4 Bedeutung für den Aus- und Weiterbildungsbereich Sozialwesen  ...  89

7 Auswertung und Schlussbetrachtung ...  92

Literatur  ...  96

Internetquellen  ...  106

 

Einleitung

„Mit Fremdheit leben“ heißt es im ersten Teil des Titels dieser Diplomarbeit. Ist es eine Feststellung oder eine Frage? Zunächst ist es keines von beidem. Im ersten Augenblick könnte diese Aussage ambivalente Assoziationen hervorrufen. Der Begriff „Fremdheit“ ist für die meisten negativ besetzt, weil er Unsicherheit, für den ein oder anderen sogar Bedrohung bedeutet. Aber Fremdheit kann auch faszinierend sein. Ich denke da beispielsweise an den Karneval in Rio oder die Verbotene Stadt in Beijing. Allerdings stellt sich die Frage, wie wir mit der Fremdheit vor unserer Haustür umgehen. Können wir mit Fremdheit leben? Und wollen wir das überhaupt? Oder wäre es nicht sinnvoller, sie zu überwinden?

Migration ist zu einem weltbewegenden Thema geworden und hat auch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten sehr stark an Bedeutung gewonnen. In der Debatte um Zuwanderung geht es auch immer um Fremdheit. Allerdings steht meistens im Mittelpunkt, wer und wie viele Menschen nach Deutschland kommen dürfen. Ein sehr anschauliches Beispiel hierfür war die Einführung des Begriffes der „Leitkultur“ in die öffentliche Diskussion im Jahr 2000 durch den CDU-Politiker Friedrich Merz. Dahinter stand der Versuch, Kriterien dafür zu finden, wer zuwandern darf, und diese Kriterien an einer nationalen Kultur festzumachen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage danach gestellt, wie viel Fremdheit Deutschland eigentlich verträgt. Und mit eher unrealistischen Zahlen von Zuwanderern wurde die Angst vor der „Überfremdung“ der Deutschen und „ihrer“ Kultur geschürt.

Mittlerweile ist die Diskussion etwas sachlicher geworden. Dazu hat nicht zuletzt die Feststellung beigetragen, dass im Hinblick auf die demografische Entwicklung Deutschlands Zuwanderung gebraucht wird. Allerdings findet dies in der Debatte um das geplante Zuwanderungsgesetz wenig Berücksichtigung. Hier schwingt unterschwellig immer noch die Prämisse mit, dass Deutschland kein Einwanderungsland ist. 

Mit der sich – zwar nur langsam - einstellenden Erkenntnis, dass viele Zugewanderte nicht nur für eine bestimmte Zeit bleiben, wird die Frage nach dem Umgang mit dem bzw. den Fremden hochbrisant. Welche Wege in diesem Zusammenhang beschritten werden (können), ist Hauptanliegen dieser Arbeit. Dabei gehe ich davon aus, dass Integration der einzig gewünschte Weg ist. Was Integration allerdings genau bedeutet und wie sie aussehen sollte, scheint noch klärungsbedürftig. Die Integrationsbereitschaft und -fähigkeit eines Landes stehen in enger Verbindung mit der Politik. Innenpolitische Problemstellungen beeinflussen die Einstellung der Mitglieder einer Gesellschaft zur Integration. Darüber hinaus bilden Migrations- und Integrationspolitik die Grundlage für Integrationsarbeit. Die Betrachtung der Integrationsversuche anderer Länder kann hilfreich sein, um das Blickfeld für bestehende Möglichkeiten zu erweitern. 
Die Niederlande werden oft als positives Beispiel für eine gelingende Integration von Minderheiten herangezogen. Deshalb möchte ich einen Blick auf die Entwicklungen in unserem Nachbarland werfen.

Die Begriffe Fremdheit und Integration möchte ich vor dem Hintergrund der Migration miteinander verbinden. Zuvor soll der rechtliche und politische Kontext hergestellt werden, in dem sich diese Themen bewegen. Darauf aufbauend werde ich die politische und die praktische Dimension der Integrationsarbeit beleuchten, um daraus Konsequenzen für die Soziale Arbeit zu ziehen.

Im ersten Kapitel werde ich einige wichtige Grundlagen darstellen, die für die Einordnung des Themas in nationale und internationale Zusammenhänge notwendig sind. Dazu werden wesentliche Aspekte der Migration beschrieben, um danach, bezogen auf die Situation in Deutschland, einen Überblick über die verschiedenen Zuwanderungsgruppen und ihre rechtliche Position zu geben. Zusätzlich werde ich den geschichtlichen Rahmen abstecken, in dem sich die deutsche Migrations- und Integrationspolitik entwickelt hat. 
Dadurch kann die Verbindung zur aktuellen Diskussion hergestellt werden, die im darauf folgenden Kapitel wiedergegeben wird. Sie beinhaltet einerseits die Frage, ob sich Deutschland als Einwanderungsland versteht, und andererseits, wie diese Einwanderung gesteuert und wie mit den hier lebenden MigrantInnen umgegangen werden kann. Dazu werde ich das geplante Zuwanderungsgesetz und die dadurch hervorgerufene Kontroverse beleuchten.

Diese Diskussion wird im dritten Kapitel in Bezug auf die Begriffe Fremdheit und Integration eine theoretische Einbettung erfahren. Ich werde den Fragen nachgehen, wie mit Fremdheit umgegangen wird, was Integration bedeuten kann und welche Konsequenzen dies für die zukünftige Integrationspraxis in einem Land wie Deutschland hat.

Im vierten Kapitel werde ich die Integrationsmaßnahmen der Niederlande und Deutschland darstellen, die vor allem auf der staatlichen Handlungsebene vorzufinden sind. Dazu werden kurz geschichtliche, rechtliche und kulturelle Zusammenhänge beschrieben. Das nachfolgende Kapitel gibt anhand von zwei Beispielen einen Eindruck, wie Integration auf der lokalen Ebene praktiziert werden kann.

Zum Schluss wird im sechsten Kapitel zum Einen darauf eingegangen, welche Entwicklungen sich in der Sozialen Arbeit durch Migration ergeben haben und was sie leisten kann, um Integration wirkungsvoll zu unterstützen. Im letzten Kapitel werde ich eine anschließende Betrachtung vornehmen.

1 Migration nach Deutschland

Wanderungsbewegungen prägen nicht nur die wandernden Menschen, sie haben auch Auswirkungen auf die Gesellschaften und Regionen, in die gewandert wird. Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen beschäftigen sich mit den Folgen, Ursachen und der Handhabung von Migration und kommen daher zu unterschiedlichen Definitionen. 
Die Betrachtungsweisen bewegen sich zwischen verschiedenen Ebenen. Während es aus sozialwissenschaftlicher Sicht vor allem um die Ursachen und die Folgen von Migration geht, so werden z. B. aus demographischer Perspektive die Bevölkerungsentwicklung und der Einfluss von Wanderung auf dieselbe in den Blick genommen. Rechtlich betrachtet steht Migration im Zusammenhang mit staatlicher Regulierung durch entsprechende Gesetze sowie deren internationalen Einbettung.

Im Folgenden soll zunächst ein grundlegender Zugang geschaffen werden. Danach werde ich anhand der verschiedenen Migrationsgruppen und den rechtlichen Grundlagen einen Überblick über das Migrationsgeschehen in Deutschland gegeben. Dies wird dann in einen geschichtlichen Kontext gebracht, um im zweiten Kapitel eine Verknüpfung mit der aktuellen Diskussion herzustellen.

1.1 Einführung in das Migrationsgeschehen

Migration von Menschen ist ein Phänomen, auf das man nicht nur speziell in der Moderne stößt. Die gesamte Geschichte der Menschheit ist durch die Bewegung von Menschen über Regionen und Kontinente hinweg geprägt. Für das vergangene Jahrhundert wird aber von einem starken Anstieg ausgegangen. Exakte Zahlen liegen hierfür jedoch nicht vor, da ein Großteil der Migrationsbewegungen nicht registriert werden kann. Schätzungen aus dem Jahr 2003 vorgenommen durch IOM und UNHCR1 liegen bei etwas 183 Mio. Menschen. Davon ist ein Anteil von ca. 7,5% auf der Flucht vor politischer Verfolgung, Krieg oder Bürgerkrieg (vlg. Praschma 2003).

[....]


1 International Organisation for Migration und United Nations High Commissionar for Refugees


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