Autor: Niclas Störmer
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Details
Institution/Hochschule: Universität Hildesheim (Stiftung) (Institut für Sozialwissenschaften)
Jahr: 2003
Seiten: 21
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 101 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-28702-9
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hildesheim
Fachbereich I – Erziehungs- und Sozialwissenschaften
Institut für Sozialwissenschaften
Kriegsberichterstattung vom Vietnam bis zum Golfkrieg
von: Niclas Störmer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Die Legende von den verräterischen Medien im Vietnamkrieg Seite 2
3. Weg zur neuen Informationspolitik Seite 4
4. Die neue Informationspolitik am Beispiel des Golfkriegs 1991
4.1 Der Aufbau einer zweiten Front Seite 6
4.2 Wie die Militärs die Medien kontrollierten Seite 9
4.3 Der inszenierte Krieg Seite 11
5. Die gefügigen Medien. Warum sich die Medien nicht wehrten Seite 14
6. Fazit Seite 17
7. Literaturverzeichnis Seite 19
1. Einleitung
„Das erste Opfer eines jeden Krieges ist die Wahrheit“ 1 In der jüngeren Zeitgeschichte spielt nicht nur die Legimitation von Kriegen eine Rolle, sondern ebenso bedeutsam scheint es zu sein, die Öffentlichkeit über den Verlauf der Kriegshandlungen detailliert zu informieren. Dabei wird zu überprüfen sein, inwieweit Informationen über das kriegerische Geschehen den Bürger wirklich über den Fortgang des Krieges in Kenntnis setzen oder ob nicht viel mehr etwas völlig anderes mit den Berichten über Kriegshandlungen beabsichtigt ist. Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Kriegsberichterstattung der amerikanischen Kriege vom Vietnamkrieg bis zum 2. Golfkrieg 1991. Von der absoluten Offenheit des damaligen Kommandanten der US Luftstreitkräfte LeMay, der Vietnam drohte: „[...] we’re going to bomb them back into the Stone Age" (FELTUS 2003), bis hin zu den Sprachregelungen der Militärs von `Chirurgischen Bombenangriffen` und `Kollateralschäden`. Ich möchte zeigen, wie das amerikanische Militär seine Informationspolitik perfektioniert hat, um eine völlig neue, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, Zensur einzuführen. Dabei wird sich im besonderen auf die amerikanische Medien konzentriert. Die Medienreichweite der amerikanische Fernsehgesellschaften und Zeitungen ist von solch einer globalen Bedeutung (im Golfkrieg hatte CNN fast ein alleiniges Monopol auf dem weltweiten Fernsehmarkt), dass deren Berichtererstattung auch für die europäischen Medien einen dominanten Einfluss hat. Erst in jüngster Zeit scheint sich wieder ein Loslösung von der Vorherrschaft der amerikanischen Medien zu vollziehen. Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira könnte ein Beispiel für eine solche Emanzipation von der Informationshoheit des Westens hin zu einer tatsächlichen globalen Medienvielfalt sein.
2. Die Legende von den verräterischen Medien im Vietnamkrieg
Um die Motivation des amerikanischen Militärs hin zu einer neuen Informationspolitik im Kriegsfall zu verstehen, muss man sich mit dem Vietnamkrieg und der Rolle der Medien in diesem befassen. Unter den Militärs und der amerikanischen Rechten herrscht nach wie vor die Meinung, man habe den Vietnamkrieg durch die negative Berichterstattung verloren. Sie werfen der Presse und dem Fernsehen vor, generell gegen das Militär zu sein und diesen Krieg von Anfang an sabotiert zu haben. Der Vietnamkrieg gilt als erster Fernsehkrieg der Geschichte und nach der Legende wurde „zum erstenmal in der modernen Geschichte der Ausgang eines Krieges nicht auf dem Schlachtfeld, sondern [...] auf dem Fernsehschirm entschieden“ (MACARTHUR 1993: 149). Obwohl es sich hierbei um eine „Dolchstoßlegende“ (BEHAM 1996: 79) handelt, war es dieser Mythos, der zur Grundlage einer neuen Informationspolitik wurde. Betrachtet man die Berichterstattung über den Vietnamkrieg genau, so zeigt sich, dass die Medien dem Vietnamkrieg in keiner Weise von Beginn an negativ gegenüber standen. In den ersten Jahren des Krieges kamen die Kriegsbefürworter im Fernsehen weit häufiger als die Kritiker zu Wort. Auch eine „Newsweek“ Befragung von 1967 bestärkt dieses Bild. 64% der Befragten fühlten sich durch die Berichterstattung im Fernsehen in der Unterstützung für den Krieg bestätigt (vgl. MACARTHUR 1993: 151). Die Journalisten stellten nicht die amerikanische Politik im allgemeinen, sondern bestimmte taktische Vorgehensweisen der Regierung in Frage (vgl. KNIGHTLEY 2000: 417). Sowohl die Besitzer der großen Zeitungen und Sendeanstalten als auch die Mehrzahl der Reporter waren überzeugte Antikommunisten, die den Krieg und vor allem dessen Zielsetzung unterstützten.
Betrachtet man nun die Darstellung des Krieges in den Medien, so fällt auf, dass bereits 1965 im Life Magazin Bilder von „Soldaten mit schmerzverzerrten Gesichtern, verwundeten vietnamesischen Kindern“ (MACARTHUR 1993: 141) erschienen. Aber selbst solche Bilder, die schon in den ersten Kriegsjahren in den USA veröffentlicht wurden und die ungeschminkte Grausamkeit des Krieges zeigten, konnten nicht zu einem sofortigen Stimmungsumschwung in den USA führen. Der Truppenausbau in Vietnam ging ungebremst weiter und die Truppenstärke sollte sich bis 1969 fast verdoppeln. Erst die Berichtererstattung über die Tet-Offensive 1968 gilt als wichtiger Wendepunkt in der öffentlichen Meinung. Nach Auffassung des Militärs wurde die Tet-Offensive fälschlicherweise als Sieg des Vietkong dargestellt. Die Berichterstattung über die Offensive verstärkte nur eine wachsende Antikriegsbewegung.
[...]
1 Senator Hiriam Johnson 1917 (MacArthur 1993: 6)
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