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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 26 Pages
Author: Melanie Kehr
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für deutsche Literatur)
Tags: Bild, Afrikas, Afrikaners, Tania, Blixens, Afrika, Welt, Afrika, Asien
Year: 2004
Pages: 26
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-28861-3
File size: 272 KB
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Excerpt (computer-generated)
Humboldt-Universität zu Berlin
Philosophische Fakultät II
Institut für deutsche Literatur
HS: Afrika und Asien in der KJL bis 1945
9. Fachsemester
Das Bild Afrikas und des Afrikaners in
Tania Blixens "Afrika, dunkel lockende Welt"
von: Melanie Maase
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung 3
1) Kenia – Historischer und sozialer Kontext 4
2) Tania Blixen in Afrika 7
3) Afrika, dunkel lockende Welt – Entstehung und Einordnung 9
4) Tania Blixens Bild Afrikas und des Afrikaners 10
4.1) Afrika als Zufluchtsort – Zeitlosigkeit und Verklärung 10
4.2) Herrscher & Diener 13
4.3) Das überlegene Abendland 15
4.4) Tiervergleiche und Verallgemeinerungen 17
4.5) Kitoschs Geschichte 19
Exkurs: Afrika, dunkel lockende Welt als Film – Jenseits von Afrika 21
5) Schlussbemerkung 23
Literaturverzeichnis 25
Vorbemerkung
Das 1937 erschienene Werk Afrika, dunkel lockende Welt der dänischen Autorin Tania Blixen gilt als sehr umstritten, und „[t]he scholary debate about Dinesen´s status as a colonial writer is lively“1. Lange wurde wenig Kritik an Blixens Bild von Afrika geübt, das Werk galt als eines der wenigen Bücher, das frei sei von Vorurteilen und Rassismus. Blixen beschreibt Afrika und die Afrikaner mit anscheinender Affinität, bewundert ihren Stolz und kreiert das Bild des „edlen Wilden“. Erst seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde Blixen zunehmend für ihre Schilderungen kritisiert, besonders von afrikanischer Seite. So löste z.B. ein Vortrag des kenianischen Schriftstellers Ngugi wa Thiong´o, in dem er Blixen offen des Rassismus beschuldigte, in ihrem Heimatland Dänemark große Empörung aus. Ngugi hält sogar Afrika, dunkel lockende Welt für „eines der gefährlichsten Bücher, das jemals über Afrika geschrieben wurde“2. Die US-amerikanische Verfilmung des Werkes von Sydney Pollack aus dem Jahr 1985, die in dieser Arbeit im Rahmen eines Exkurses behandelt werden soll, führte ebenfalls dazu, dass man sich verstärkt mit diesem Aspekt auseinanderzusetzen begann. Die Meinungen sind nach wie vor geteilt, und Blixen „has been called on the one hand a rascist, and on the other hand a radical liberal“3. Diese Arbeit unternimmt den Versuch, einen Überblick über verschiedene Kritikpunkte am Afrikabild in Tania Blixens Afrika, dunkel lockende Welt zu geben. Da es sich bei diesem Werk um eine vermeintliche Autobiographie handelt, soll zunächst der historische und soziale Kontext Kenias und Blixens Leben in Afrika näher betrachtet werden. Der Hauptteil wendet sich dem Bild Afrikas und des Afrikaners zu. Hierbei sollen aber weniger Blixens eindeutig positiven Schilderungen Thema sein, sondern vielmehr die in vielen Äußerungen versteckte koloniale Ideologie. Ziel ist es, zu zeigen, dass Afrika, dunkel lockende Welt trotz des scheinbar positiven Bildes nicht frei ist von Vorurteilen und Überlegenheitsgefühlen. Blixen versucht, eine feudale koloniale Gesellschaft wiederzubeleben und vermeidet als Nutznießerin des kolonialen Systems fast jegliche Kritik. Es soll im Rahmen dieser Arbeit sichtbar werden, dass Afrika, dunkel lockende Welt „an autobiography that represented Kenya far removed from the realities of rascism, black discontent, and the nascent nationalist movement“4 ist und Blixen die reale Situation in der Kolonie verklärt und romantisiert. Es soll aufgezeigt werden, dass auch Blixen eine Autorin ist, die „easily seduced by colonial privileges and profits and forced by various ideological factors“ 5 wird. Das Verhältnis Blixens zu den Afrikanern war feudal und ihr Blickwinkel ein eurozentristischer. Die Schlussbemerkung widmet sich noch einmal genauer dem unterstellten Rassismus Blixens und soll verdeutlichen, dass sowohl eine Verurteilung als auch ein Freispruch vom Vorwurf des Rassismus schwierig zu unternehmen ist.
1) Kenia – historischer und sozialer Kontext
Um die zeitgenössische Situation in der britischen Kolonie Kenia einordnen und bewerten zu können, soll zunächst eine Darstellung des historischen und sozialen Kontextes unternommen werden. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts stand die ostafrikanische Küste unter der Herrschaft des Sultans von Oman. Bereits 1859 unterzeichneten die Hansestädte einen Handelsvertrag mit dem Sultan. Der Einfluss der europäischen Mächte wurde mehr und mehr spürbar, so erschlossen z.B. britische und deutsche Missionare, Forscher und Abenteurer das ostafrikanische Festland. Ostafrika wurde zunehmend der Schauplatz europäischer Rivalität. Wilfried Westphal bemerkt hierzu: „Denn anders als Westafrika war Ostafrika stets unter dem Einfluß der Araber gewesen, zumindest seit Mohammed im 7. Jahrhundert seinen neuen Glauben verkündet hatte, und als die Weißen sich niederließen – zuerst die Portugiesen, dann die Engländer und schließlich die Deutschen - , hatte dieser Teil Afrikas schon eine lange Geschichte der Ausbeutung hinter sich gehabt.“6 Die Entwicklung von Britisch-Ostafrika begann mit der British East Africa Company, die einen Streifen Land an der Küste vom omanischen Sultan Sayyid Said gepachtet hatte. 1895 übernahm die britische Regierung offiziell die Interessen der Gesellschaft und proklamiert „a protectorate called the East Africa Protectorate“7. Gleichzeitig wurde in Konkurrenz zu den Deutschen eine Eisenbahnlinie von Mombasa zum Viktoriasee gebaut.
Das Hauptaugenmerk in der Kolonie lag aber nicht wie in der kolonialen Praxis üblich auf der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Landes, sondern: „Unlike the colonial economic policy in Nigeria and other West African colonies, where the primary thrust was on mining and trading, the British policy in Kenya was focused on the attempt to settle the best farming lands with English and European migrants.“8 Im Jahr 1902 wurde der Lands Ordinance Act erlassen, der besagte, dass alles „freie“ Land von der britischen Regierung in Besitz genommen werden durfte. Allerdings wurde völlig ignoriert, dass z.B. der Volksstamm der Kikuyu aus Nomaden bestand, die von einer fruchtbaren Stelle des Landes zur nächsten zogen. Ihr Aufenthaltsort zur Zeit der Erlassung des Lands Ordinance Act wurde als der permanente angesehen, und so verloren viele „the very lands they were cultivating, and they were quickly and dramatically turned into an agricultural proletariat for European farmers“9. Die sogenannten White Highlands wurden 1906 ausschließlich für weiße, meist adelige Farmer reserviert, „where the British colonial regime was then seeking to create an area of exclusive European settlement“10. Bis 1915 bemächtigten sich die Briten so insgesamt über 4,5 Millionen Morgen Land, die an weiße Siedler weitergegeben wurden, und dieses Verhältnis hat „sich bis in die 50er Jahre nicht wesentlich geändert“11.
[...]
1 Brantly, Susan C.: Understanding Isak Dinesen. Columbia 2002, S. 75 (künftig zitiert als: Brantly: Understanding).
2 Ngugi wa Thiong´o: Moving the Centre. Essays über die Befreiung afrikanischer Kulturen. Münster 1995, S. 165 f. (künftig zitiert als: Ngugi: Moving).
3 Pelensky, Olga Anastasia: Isak Dinesen. The Life and Imagination of a Seducer. Athens 1991, S. 97 (künftig zitiert als: Pelensky: Seducer).
4 Cooper, Brenda: Through the Eyes of Gender and Hollywood: Conflicting Rhetorical Visions of Isak Dinesen´s Africa. Dissertation. Ohio 1991, S. 51 (künftig zitiert als: Cooper: Eyes).
5 JanMohamed, Abdul R.: The Economy of Manichean Allegory: The Function of Racial Difference in Colonialist Literature, in: Critical Inquiry 12(1985), S.59-87, hier: S. 63.
6 Westphal, Wilfried: Ein Weltreich für den Kaiser. Geschichte der deutschen Kolonien. Köln 2001, S. 68.
7 Tignor, Robert L.: The Colonial Transformation of Kenya. The Kamba, Kikuyu, and Maasai from 1900 to 1939. Princeton 1976, S. 18 (künftig zitiert als: Tignor: Kenya).
8 JanMohamed, Abdul R.: Manichean Aesthetics. The Politics of Literature in Colonial Africa. Massachusetts 1983, S. 55 (künftig zitiert als: JanMohamed: Aesthetics).
9 Tignor, a.a.O., S. 4.
10 Foster Jr., John Burt: Cultural Multiplicity in Two Modern Autobiographies: Friedländer`s When Memory Comes and Dinesen`s Out of Africa, in: Southern Humanities Review 29(1993), S. 205-218, hier: S. 211.
11 Thurman, Judith: Tania Blixen. Ihr Leben und Werk. Reinbek 1991, S. 182 (künftig zitiert als: Thurman: Blixen).
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