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Die Kriegsberichterstattung - Militainment aus dem Krisengebiet? Eine Tendenzanalyse am Beispiel der Kriegsberichterstattung während des Golfkrieges 1991 sowie während des Irak-Krieges 2003.

Scholary Paper (Seminar), 2004, 23 Pages
Authors: Heiner Hoffmann, Kristin Hansen
Subject: Communications: Journalism, Journalism Professions

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V26728
ISBN (E-book): 978-3-638-28974-0

File size: 287 KB


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT LEIPZIG
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Allgemeine und Spezielle Journalistik

Die Kriegsberichterstattung – Militainment aus dem
Krisengebiet? Eine Tendenzanalyse am Beispiel der
Kriegsberichterstattung während des Golfkrieges
1991 sowie während des Irak-Krieges 2003

von: Heiner Hoffmann

 


Gliederung

1. Die Kriegsberichterstattung – Militainment aus dem Krisengebiet?

2. Die Kriegsberichterstattung im Golfkrieg 1991 und im Irak-Krieg 2003

2.1. Die Darstellung des Golfkriegs im Fernsehen – eine Gegenüberstellung amerikanischer und deutscher Berichterstattung

2.1.1. Die Umstände für die Berichterstattung aus dem Irak
2.1.2. Die Kriegsberichterstattung während des Golfkriegs in den USA
2.1.3. Die Kriegsberichterstattung während des Golfkriegs in Deutschland

2.2. Der Irak-Krieg in den Medien – die Berichterstattung zweier Länder im Vergleich

2.2.1. Einführung
2.2.2. Die Kriegsberichterstattung während des Irak- Krieges in den USA
2.2.3. Die Kriegsberichterstattung während des Irak- Krieges in Deutschland

3. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Kriege – ein Vergleich zwischen Golfkrieg und Irak-Krieg

4. Quellen- und Literaturverzeichnis


 

 

1. Die Kriegsberichterstattung – Militainment aus dem Krisengebiet?

Krieg und Medien stehen stets in enger Korrelation. Nicht selten ist gar von Kriegen auf zweiter Ebene, so genannten Medienkriegen, die Rede: der Kampf um das beste Bild läuft parallel zum militärischen Geschehen. Gerade unter diesem Aspekt kann die journalistische Qualität leiden, ihr stehen Quotendruck und Boulevardisierungstendenzen entgegen. Zu diesen innermedialen Störfaktoren kommen externe Komponenten, wie Zensur durch die Streitmächte (direkt oder indirekt) sowie technische und geografische Einflüsse hinzu. Kriegsberichterstattung erfolgt somit stets unter schwierigen Bedingungen, nimmt gleichzeitig aber eine hohe Verantwortung wahr. Schließlich ist der Rezipient den Fernsehbildern gewissermaßen ausgeliefert, alternative Quellen bestehen in den seltensten Fällen. Somit wird der Meinungsbildungsprozess in Kriegsfällen in erheblichem Maße von den Medien gestaltet.

Der Fokus unserer Arbeit liegt daher auf der Einhaltung journalistischer Qualität unter eben diesen Rahmenbedingungen. Dazu haben wir die Berichterstattung unter anderem im Hinblick auf Boulevardisierung und Unabhängigkeit von den Kriegsparteien untersucht. Es spielten sowohl inhaltliche als auch methodische Aspekte eine Rolle. Unser Ziel dabei war es, einen Trend in der Kriegsberichterstattung festzustellen. Dies verlangt die Beschäftigung mit zwei verschiedenen Ereignissen mit entsprechendem zeitlichen Abstand. Wir entschieden uns, nicht zuletzt aufgrund der ähnlich gelagerten Konfliktsituation, zu einem Vergleich der Berichterstattung im Golfkrieg 1991 sowie im Irak- Krieg 2003. Dabei bot sich das Gegenüberstellen der Beiträge aus Deutschland und den USA an, um die eventuellen Differenzen zwischen einer direkt beteiligten und einer außen stehenden Nation aufzeigen zu können. In den Teilen 2.1 und 2.2 werden zunächst beide Kriege separat analysiert, anschließend liefern wir ein kurzes Fazit, welches eventuelle Tendenzen impliziert.

2. Die Kriegsberichterstattung im Golfkrieg 1991 und im Irak-Krieg 2003

2.1 Die Darstellung des Golfkriegs im Fernsehen – eine Gegenüberstellung amerikanischer und deutscher Berichterstattung

Bei dem Golfkrieg von 1991 prallten zwei Kontrahenten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein können: zum einen die USA als historisch begründete Weltmacht, zum anderen der wirtschaftlich desolate und nach Vormachtstellung im Nahen Osten strebende Irak. Der offizielle Grund für ein Einschreiten der USA war der vorherige Einmarsch Iraks in Kuwait. Inoffiziell stellte sich aber heraus, dass Amerika offensichtlich noch andere Gründe für einen Krieg hatte: schon damals hatte man es auf die Ölvorkommen im Irak abgesehen. Zudem wollte man dem Popularitätsverlust von Präsident Bush entgegen wirken. Vor allem aber konnten die USA ein weiteres Mal ihre Vormachtstellung beweisen: durch Luftangriffe und später auch Bodentruppen wurde der Irak überwältigt und die USA gingen als Sieger aus dem Krieg hervor.1 Der Golfkrieg dauerte kaum mehr als einen Monat, dennoch ging er im Nachhinein in die Geschichte ein: als Medienkrieg. Dazu beigetragen haben zum einen technische Neuerungen. Hochentwickelte Aufklärungs- und Kommunikationssysteme ermöglichten es, dass Nachrichten aus dem Irak fast zeitgleich in alle Welt übertragen werden konnten. Nicht weniger bedeutend für das bis dahin größte Medienereignis der Geschichte2 war allerdings die Art und Weise, wie von den Journalisten Bericht erstattet wurde. In diesem Teil der Arbeit werde ich zusammenfassend erläutern, wie der Krieg am Golf im Fernsehen dargestellt wurde. Dabei halte ich es für notwendig, nicht ausschließlich auf die Bedingungen für eine Berichterstattung aus dem Krisengebiet einzugehen, sondern auch aufzuzeigen, wie die Journalisten damit umgingen und wie sich die Bedingungen auf die Qualität ihrer Arbeit niedergeschlagen hat. Um eventuelle Unterschiede in der Berichterstattung zwischen einer unmittelbar beteiligten Kriegspartei und einem zumindest militärisch unbeteiligten Land herauszustellen, werde ich die USA und Deutschland in meiner Untersuchung gegenüberstellen.

2.1.1 Die Umstände für die Berichterstattung aus dem Irak

Direkt vom Krieg aus Bericht zu erstatten gestaltet sich immer schwierig. Der Journalist im Krisengebiet begibt sich in unmittelbare Gefahr, will er die Kriegshandlungen aus nächster Nähe verfolgen. Doch nur wenn man ganz nah am Geschehen ist, ist es möglich, eine realistische Berichterstattung zu gewährleisten, sollte man zumindest meinen. Im Golfkrieg waren über 1200 Journalisten im Irak1, um „von der Front“ berichten zu können. Obwohl sie vor Ort waren, kann die Berichterstattung im Nachhinein größtenteils als realitätsfern eingestuft werden. Das lag vor allem daran, dass sich die Bedingungen für umfassende Nachrichten aus dem Kriegsgebiet schwierig gestalteten: die US-Regierung nahm in großem Maße Einfluss auf das, was berichtet wurde. Die Militärzensur vom Pentagon aus kann nicht mit der klassischen Zensur, wie sie etwa in den ersten beiden Weltkriegen ausgeübt wurde, verglichen werden. Die Berichte der Journalisten wurden, anders als damals, nicht vor Veröffentlichung von Zensoren kontrolliert.2 Dennoch war die Zensur im zweiten Golfkrieg wirksam, vielleicht gerade deshalb, weil sie auf eine andere Art und Weise ausgeübt wurde. Es gab Kontrollinstanzen, sogenannte C3Is, die bestimmte Regeln für das Arbeiten der Journalisten festlegten. 3 Auch, wenn solche Bestimmungen nicht explizit als eine Art „Arbeitsvertrag“ der Journalisten festgeschrieben wurden, zeigte sich in der Umgehensweise der Militärs mit den Medienvertretern, in welche Richtung die Berichterstattung laufen sollte. Zunächst einmal gab es einige Regeln, die in der Berichterstattung umgesetzt werden sollten: zum einen durfte, verständlicherweise, bei Recherchearbeiten die Sicherheit des Militärs nicht gefährdet werden. Doch darüber hinaus forderte man von den Medien, die Welt weiterhin von der Gerechtigkeit und Notwendigkeit des Krieges zu überzeugen und dadurch die Leute vor den Fernsehern dazu zu bringen, den Krieg zu befürworten. Natürlich durfte zu diesen Zwecken nichts berichtet werden, was die Koalition hätte riskieren können. 4 Die Hintergründe dafür kann man schon an den Vorschriften selbst ablesen: man wollte die Medien für das Militär und die amerikanische Propaganda rekrutieren. Um das durchzusetzen, gab es einige Bestimmungen, die die Journalisten bei ihrer Arbeit im Irak einhalten mussten.

[...]


1 Vgl. NAVARRO RAMIL. Der Krieg am Golf und seine Präsentation im Fernsehen. S. 5ff

2 Vgl. MILES/STANIER. War and the media: a random searchlight. S. 209

1 Vgl. MacARTHUR. Die Schlacht der Lügen: wie die USA den Golfkrieg verkauften. S. 163

2 Vgl. SCHLIMPER. Kriegspropaganda im zweiten Golfkrieg 1991. In: http://www.mdr.de/nachrichten/irak/174019.html

3 Vgl. VIRILIO. Krieg und Fernsehen. S. 124

4 Vgl. HUDSON/STANIER. War and the media: a random searchlight. S. 222


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