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Das Ende der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft? Und: Die Zukunft der Arbeits- und Industriesozioloige

Scholary Paper (Seminar), 2004, 16 Pages
Author: Julian Hamann
Subject: Sociology - Work, Profession, Education, Organisation

Details

Event: PS Einführung in die Arbeits- und Industriesoziologie
Institution/College: Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg (Institut für Soziologie)
Tags: Ende, Zukunft, Arbeits-, Industriesozioloige, Einführung, Arbeits-, Industriesoziologie
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 16
Grade: 1,7
Language: German
Archive No.: V26817
ISBN (E-book): 978-3-638-29043-2

File size: 148 KB
Notes :
Verwendete Literatur: W. Bonß, J. Rifkin, H. Willke, A. Gorz, P. F. Drucker und andere



Excerpt (computer-generated)

FAU Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Soziologie
PS Arbeits- und Industriesoziologie
3. Semester

Das Ende der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft? Und:
Die Zukunft der Arbeits- und Industriesozioloige

von: Julian Hamann

 


Inhalt

1. Einleitung S. 2

2. Arbeit und ihre Bedeutung im Vergesellschaftungsprozess S. 3-4

3. Was wird aus der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft?  S. 5-10

3.1 Das Ende der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft
3.2 Kein Ende der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft
3.3 Mögliche gesellschaftliche Konsequenzen

4. Die Zukunft der Arbeits- und Industriesoziologie S. 11-12

4.1 Die Gesellschaftskritik der Arbeits- und Industriesoziologie
4.2 Auswirkungen von Entwicklungen der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft auf die  Arbeits- und Industriesoziologie

5. Eigene Stellungnahme S. 13-14

6. Verwendete Literatur S. 15




1. Einleitung

Seit dem späten Mittelalter ist eine Ausweitung des Arbeitsbegriffs zu beobachten. Der Aspekt der Arbeit als moralische Verpflichtung wird immer bedeutsamer und erstmals impliziert dieser Begriff auch geistige Tätigkeiten. Die Bezeichnung Arbeit wird aber nur für bezahlte Tätigkeiten verwendet, diese Differenzierung führte zu der Konstitution der Erwerbsarbeitsgesellschaft. Als Abgrenzungsmöglichkeit vom feudalistischen Adel wird Arbeit mehr und mehr Teil des bürgerlichen Selbstverständnisses. Diese Vergesellschaftung durch (Lohn-)Arbeit rückt im 20. Jh. immer weiter in das Zentrum nicht nur westlicher Gesellschaften. Konsummöglichkeiten, sozialer Status und soziale Absicherung werden immer enger an die im Rahmen der Arbeit erbrachten Leistungen gekoppelt (vgl.: Bonß, 1999, S. 148/149), auch die (Selbst-)Verortung des Individuums in der Gesellschaft und sowohl kollektive als auch individuelle Identitäten werden fest an Arbeit gebunden (vgl.: Rifkin, 1996, S. 137). Mit dem Übergang zu einer Erwerbsarbeitskonzeption mit einer pragmatischen Ausrichtung vollzieht sich eine weitere Spezifizierung des Arbeitsbegriffes: dieser bezeichnet nun ausschließlich abhängige bezahlte Tätigkeiten im Sinne kapitalistischer Produktionsverhältnisse, also Lohnarbeit (vgl.: Bonß, 1999, S. 147). Zu Beginn dieser Hausarbeit wird die Rolle, die Arbeit in diesem Vergesellschaftungsprozess spielt (oder gespielt hat) aufgegriffen. Des Weiteren werden die Veränderungen in der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft behandelt und einige verschiedene Auffassungen über den Grad dieser Veränderungen thematisiert. Auch aus dieser Umwälzung resultierende gesellschaftliche Prozesse und mögliche Auswege aus der entstandenen Situation sowie die Konsequenzen für die Arbeits- und Industriesoziologie sollen aufgeführt werden. Gegen Ende der Arbeit wird eine eigene Stellungnahme zu der Thematik zu finden sein.

2. Arbeit und ihre Bedeutung im Vergesellschaftungsprozess

Zunächst ist festzustellen, daß nicht generell von einer Vergesellschaftung durch Arbeit ausgegangen werden kann. Für die Entfaltung des vergesellschaftenden Potentials ist eine positive Besetzung des Arbeitsbegriffes und ein hoher Stellenwert von Arbeit in einer Gesellschaft Voraussetzung. Auch unter diesen Umständen ist Arbeit aber nicht die alleinige vergesellschaftende Instanz (vgl.: Bonß, 1999, S. 147).

Die eingangs schon erwähnte Differenzierung zwischen abhängiger, bezahlter und unabhängiger, unbezahlter Tätigkeit ist bei der Untersuchung des vergesellschaftenden Moments von Arbeit elementar. Während abhängige, bezahlte Tätigkeit, also Lohnarbeit, eine große Bedeutung im Vergesellschaftungsprozess hat, kommt unabhängiger und unbezahlter Tätigkeit der Status eines Privatvergnügens zu, sie wird nicht als Arbeit wahrgenommen und hat somit auch keine vergesellschaftende Funktion. Diese Unterscheidung hat zwei Folgen: zum einen unterstützt sie die begriffliche Gleichsetzung von Arbeit und Lohnarbeit, aber die weitreichendere Konsequenz ist die aus dieser Aufspaltung hervorgehende Wertminderung der Tätigkeiten jenseits von Lohnarbeit (vgl.: Bonß, 1999, S. 148). Das die Vergesellschaftung durch Erwerbsarbeit nicht für die ganze Bevölkerung gilt und gelten kann, zeigt Wolfgang Bonß am Konzept des Normalarbeitsverhältnisses. Diese Form der sozialen Organisation der Lohnarbeit ist im wesentlichen männlich ausgerichtet und geht so von einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung aus. Sie sieht eine unbefristete Vollzeitbeschäftigung der Männer vor, welche dadurch einen festen Platz in der Stammbelegschaft ihres Betriebes haben und somit eine sehr stabile Erwerbsbiographie vorweisen können. Eine solche Konzentration des Mannes auf die Erwerbsarbeit kann aber nur gewährleistet werden, weil die Frauen in diesem Modell vor allem unbezahlte, unabhängige, häusliche Tätigkeiten, also „Familienarbeit“, verrichten. Die Anerkennung dieser Tätigkeiten in der Gesellschaft (und somit die soziale Stellung der Frau) ist, wie zuvor ausgeführt, nicht gesichert (vgl.: Bonß, 1999, S. 149/150). Laut Bonß hat die Bedeutung dieses traditionellen Familienmodells in den letzten 30 Jahren kontinuierlich an Bedeutung verloren: „Während die Erwerbsbeteiligung bei den Männern [...] Anfang der sechziger Jahre mehr als 45% über der der gleichaltrigen Frauen lag, hat sich der Abstand inzwischen auf unter 20% verringert.“ (Bonß, 1999, S. 150). Die beschriebene Entwicklung hat eine Universalisierung der Vergesellschaftung durch Erwerbsarbeit zur Folge. Die im Modell des Normalarbeitsverhältnisses familienbezogene Ausrichtung der Organisation der Erwerbsarbeit macht der individualisierten Orientierung der Vollbeschäftigungsgesellschaft Platz. Dieses Modell geht von einer weit höheren Erwerbsquote aus, da immer mehr Frauen in den „Erwerbspersonenpool“ drängen, die Zielsetzung ist eine Beschäftigung aller Erwerbspersonen. Da durch mechanisierungsbedingte Produktivitätszuwächse und Rationalisierung das Arbeitsvolumen sinkt, muß immer weniger Erwerbsarbeit auf immer mehr Erwerbspersonen verteilt werden. Es können demnach immer mehr Menschen immer weniger (er-)arbeiten. Als Folge dieser Entwicklungen betrifft die Vergesellschaftung durch Erwerbsarbeit immer mehr Individuen, aber aufgrund sinkender Arbeitszeiten, eines schwindenden Arbeitsvolumens, steigender Ausbildungszeiten und zunehmender Freizeiten, also einer sinkenden Verweildauer des Einzelnen im System, sinkt die Intensität des Vergesellschaftungsmoments der Arbeit (vgl.: Bonß, 1999, S. 151-153). Die abnehmende Bedeutung und Intensität von Arbeit im Prozess der Vergesellschaftung lässt die Frage nach einem integrierenden, statuszuweisenden „Ersatz“ in diesem Bereich aufkommen.

3. Was wird aus der (Erwerbs-)Arbeitsgesellschaft?

[...]


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