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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Birte Müller-Heidelberg
Subject: Politics - International Politics - Topic: European Union
Details
Tags: Sind, Polen, Europäer, Eine, Gegenüberstellung, Europaidentität, Einstellung, Volkes, Europäischen, Union
Year: 2004
Pages: 18
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29084-5
File size: 226 KB
Geschrieben im Rahmen des internationalen MAsterstudiengangs "Euromaster".
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Excerpt (computer-generated)
Sind die Polen die besseren Europäer? Eine
Gegenüberstellung der polnischen Europaidentität
und der Einstellung des Volkes zur Europäischen Union
von: Birte Müller-Heidelberg
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Identitätsbegriff
2.1 Die nationale Identität Polens
2.2 Polens Europabild
2.3 Polen und die Europäische Union
3. Die Zukunft einer europäischen Identität innerhalb der Union
4. Fazit 14
Literatur
1. Einleitung
Die „Rückkehr nach Europa“ – einer der meistbenutzten Slogans der frühen 1990er Jahre.1 Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks war die Stimmung in den ehemals kommunistischen Ländern einheitlich pro-westlich. „Die Polen, Tschechen, Slowaken und Ungarn sprachen übereinstimmend von der ‚Rückkehr nach Europa’, sahen die Zukunft ihrer Länder also in der Übernahme der auf den Grundpfeilern Rechtsstaat, parlamentarische Demokratie und Marktwirtschaft beruhenden (west-)europäischen Ordnung.“2
Niemand stellte die Frage, ob oder inwieweit die Visegrad-Länder und ihre Nachbarn zu Europa gehörten. Die Freude über die „Befreiung“ überwog, und dass die ehemaligen Ostblockstaaten nun herzlich willkommen waren, lag auf der Hand. Europa war endlich nicht mehr durch den Eisernen Vorhang und dessen Manifestation, die Berliner Mauer, in der Mitte durchgeschnitten, endlich wieder vereint. Doch nachdem die erste Welle der Eupho rie verklungen war und man sich nicht mehr damit zufrieden gab, einander in den Armen zu liegen, wurden erste Zweifel laut. Mit der Diskussion um einen EU-Beitritt der östlichen Nachbarn kam die Frage auf, wer eigentlich wahrlich europäisch ist. Die Polen hatten nicht nur lauthals von der Rückkehr nach Europa geredet, sie fühlten sich auch historisch unleugbar dem europäischen Kontinent zugehörig. Die ursprüngliche Eile, mit der Polen der Europäischen Union beitreten wollte, macht heutige Eurobarometer-Daten, nach denen die Polen keineswegs überdurchschnittliche Befürworter der EU sind, umso verwunderlicher. “[…U]ntil recently, the idea of a ‘Polish Eurosceptic’ was something of an oxymoron”3, schreibt Szczerbiak und bezieht sich dabei auf die aufkeimende und immer stärker werdende Euroskepsis im Lande. Wie nun stehen sich die Überzeugung der Polen, die wahren, und vielleicht sogar besseren Europäer zu sein, und die nicht nur skeptische, sondern oft regelrecht abweisende Haltung zur EU gegenüber? Der hier vorliegende Aufsatz will nicht nur die in der Überschrift gestellte Frage klären, ob die Polen die „besseren Europäer“ sind, sondern beschäftigt sich hauptsächlich mit den unterschiedlichen Europabildern die in nationalen oder gesamteuropäischen/unionsinterne n Identitäten vorherrschen. Hierzu wird zuerst die Frage zu klären sein, was Identität eigentlich ist, welche Formen von Identität es gibt und worin diese sich manifestieren (Kapitel 2). Darauf folgend wird die historisch gewachsene Identität Polens näher untersucht (2.1) und das darin enthaltene Europabild analysiert werden (2.2). Nach einer Gegenüberstellung der gefundenen Faktoren und dem Bild der Europäischen Union, das in Polen vorherrscht (2.3), sollen Voraussetzungen skizziert werden, die eine polnische Identifikation mit Europa, die sich mit der Identifikation mit der EU deckt, möglich machen würden (3). Im abschließenden Fazit (4) wird eine Erklärung gegeben werden, warum die Polen historisch zwar die überzeugteren Europäer sein mögen, sich diese Einstellung aber nicht in der EU-Begeisterung des Volkes niederschlägt.
2. Der Identitätsbegriff
Um die Identität der Polen und den Einfluss des Europabildes auf eben diese Identität auswerten zu können, muss zuerst die Frage beantwortet werden, aus welchen Komponenten sich Identitäten generell zusammensetzen. Identitäten sind Aushängeschilder, die wir uns selbst geben. Die persönliche Identität eines Menschen reicht von seinem Musikgeschmack über seine politische Einstellung bis hin zu den Werten und Normen, die er vertritt. Durch Sozialisation, die Kultur, in der wir aufwachsen, wird dieses Selbstbild geprägt und verinnerlicht. Über Identitäten definiert der Mensch sich im Umfeld anderer. Neben der persönlichen Identität spielen aber auch kollektive Identitäten eine große Rolle zur Orientierung in der Gesellschaft. Die Debatte, ob multiple Identitäten möglich sind, findet hier im Kleinen schon eine Antwort. Der Mensch ist nicht nur er selbst, sondern identifiziert sich auch mit anderen. Kollektive Identitäten drücken sich in dem Gefühl aus, zu einer Gruppe zu gehören. In konzentrischen Kreisen, in deren Mittelpunkt das Individuum steht, können dies Familien, soziale Klassen, Nationen oder ganze Zivilisationen sein. Die Entstehung kollektiver Identitäten vollzieht sich laut Emcke aus zwei unterschiedlichen Gründen: Entweder aus Not oder aus Enthusiasmus.4 Diese Feststellung lässt sich sehr gut an der Frage erkennen, die deutschen Juden, die nach 1933 nach Palästina kamen, oft gestellt wurde: „Kommt ihr aus Deutschland oder aus Überzeugung?“ Diesem Ansatz folgend gibt es sowohl Modelle kollektiver Identität, die Praktiken und Bedeutungen aktiv und intentional reproduzieren, als auch solche Modelle, in denen Identitäten passiv und unreflektiert gebildet werden.5 Letztere Modelle sind jene, die aus Not geboren, erstere die, die aus und mit Enthusiasmus gezeugt wurden. Die aus dieser Erkenntnis geborene Debatte um bereits bestehende kollektive Identitäten und deren Ursprung setzt sich in der Frage fort, ob die Konstruktion neuer kollektiver Identitäten durch Strategie oder Zufall größere Erfolgschance hat.
Eine Form der kollektiven Identität ist die sogenannte politische Identität, die meist eng mit der nationalen Identität verknüpft ist.
[...]
1 vgl. Kopecký/Mudde, 2002, 298
2 Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, 1994, 9
3 Szczerbiak, 2001, 106
4 vgl. Emcke, 2000, 199
5 vgl. ebd., 199
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