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Examination Thesis, 2004, 104 Pages
Author: Verena Watzal
Subject: Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Details
Tags: Aufgaben, Möglichkeiten, Grenzen, Sportunterricht, Hinblick, Umgang, Gewalt, Aggression
Year: 2004
Pages: 104
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-29134-7
ISBN (Book): 978-3-638-70246-1
File size: 607 KB
vollständiger Titel: Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen von Sportunterricht im Hinblick auf den Umgang mit Gewalt und Aggression: Analyse einer Auswahl aktueller Publikationen im deutsch-sprachigen Raum in Bezug auf H. J. Kornadts kognitiv-emotionaler Motivationstheorie der Aggression und Aggressivität
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Abstract
Gewalt in der Schule ist ein gravierendes Problem innerhalb unserer Gesellschaft. Erschreckende gewalttätige Vorfälle wie zum Beispiel der am Erfurter Gutenberg Gymnasium im Jahre 2002 oder die jüngsten Ereignisse an der Werner von Siemens Berufsschule in Hildesheim beweisen, dass diese Thematik ernst zu nehmen ist und nicht verharmlost werden darf. Um umfassend und langfristig erfolgreich Gewalt vorbeugen und ihr begegnen zu können, sind vielerlei Bereiche der Gesellschaft in der Pflicht, insbesondere auch die gesellschaftliche Institution Schule. Welche Beiträge zum Umgang mit Gewalt und Aggression speziell Sportunterricht in der Schule liefern kann und soll, wird in dieser Arbeit anhand einer Auswahl aktueller Publikationen im deutschsprachigen Raum untersucht. Eine wichtige Bezugsgrundlage für die Analyse dieser Publikationen ist Kornadts kognitiv-emotionale Motivationstheorie der Aggression und Aggressivität. Dieser Ansatz wird u. a. von Leist (1993) als tragfähige, empirisch gut abgesicherte Theorie zur Beschreibung und Erklärung von Aggressionsphänomenen herangezogen. Nach einer zusammenfassenden Darstellung der Theorie Kornadts werden die jeweiligen theoretischen Konzeptionen zur Aggression aus den ausgewählten Publikationen vorgestellt und zu dem Ansatz Kornadts in Beziehung gesetzt. Darüberhinaus werden zentrale Aussagen und Ergebnisse der Publikationen zu Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen des Sportunterrichts im Hinblick auf den Umgang mit Gewalt und Aggression festgehalten. Das abschließende Resümee liefert einen Überblick über die wesentlichen Befunde dieser Arbeit.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität München
Fakultät für Sportwissenschaft
Schriftliche Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien
in Bayern
im Herbst 2004
in München
Analyse einer Auswahl aktueller Publikationen im deutschsprachigen
Raum in Bezug auf H. J. Kornadts kognitivemotionaler
Motivationstheorie der Aggression und Aggressivität.
eingereicht von
Verena Watzal
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 5
1 H. J. Kornadts kognitiv-emotionale Motivationstheorie der Aggression und Aggressivität ... 6
1.1 Unterscheidung von aggressionsmotivierter Aggression und instrumenteller Aggression ... 6
1.2 Aufbau und Abbau einer Aggressionshandlung ... 7
1.2.1 Aggression als Reaktion ... 7
1.2.2 Spontane Aggression ... 10
1.2.3 Drang- und Anreiz-Charakter der Aggression ... 11
1.2.4 Aggressionshemmung ... 12
1.3 Die Entwicklungsbedingungen der Aggression nach H. J. Kornadts Handlungsmodell ... 14
1.3.1 Frühkindliche Ärgeraktivierung als Auslösung von Aggressivitätsentwicklung ... 14
1.3.2 Lernen aggressiver Verhaltensweisen und Handlungsmöglichkeiten ... 15
1.3.3 Entwicklung von feindseliger Intention, Intentionsattribuierung und moralischer Wertung ... 18
1.3.3.1 Aufbau von Aggressionszielen ... 18
1.3.3.2 Aufbau verallgemeinerter Aggressions-Intentionen und Entwicklung abstrakter Zielsysteme ... 19
1.3.3.3 Entwicklung einer wertenden Einstellung von Aggressivitätsentwicklung ... 20
1.3.4 Entwicklung von niedriger Aggressivität und hoher Aggressionshemmung ... 21
2 Aktuelle Untersuchungen zum Thema: „Gewaltprävention und Umgang mit Gewalt und Aggressionen im Sportunterricht“ ... 26
2.1 Untersuchungen nach W. D. Miethling ... 27
2.1.1 Zentrale Fragestellungen ... 27
2.1.2 Vorgehensweise zur Untersuchungen der Fragestellungen ... 27
2.1.2.1 Studien und Erfahrungsberichte zu dem Thema „Gewalt an Schulen“ ... 27
2.1.2.2 Entwicklung einer Theorie des multikausalen Bedingungsgefüges von Aggressionsentstehung ... 29
2.1.3 Das multikausale Bedingungsgefüge der Aggressionsentstehung ... 30
2.1.3.1 Begriffsklärung von Aggression und Gewalt ... 30
2.1.3.2 Psycho-soziale Entstehungsbedingungen ... 32
2.1.3.3 Gesellschaftliche Entstehungsbedingungen ... 35
2.1.3.4 Schulische Entstehungsbedingungen ... 36
2.1.3.5 Sportbezogene Entstehungsbedingungen ... 38
2.1.4 Gemeinsamkeiten und Differenzen der Theorie der Aggressionsentstehung von W. D. Miethling in Bezug zu der Aggressionstheorie von H. J. Kornadt ... 40
2.1.4.1 Terminologie von H. J. Kornadt und W. D. Miethling ... 40
2.1.4.2 Analyse der Entstehungsbedingungen verschieden hoher Aggressionsniveaus ... 40
2.1.5 Für den Sportunterricht relevante Ergebnisse von W. D. Miethling ... 43
2.1.5.1 Ergebnisse der Auswertung von Erfahrungsberichten und empirischen Studien ... 44
2.1.5.2 Neun Leitsätze zur Kultivierung von Aggression im Schulsport ... 47
2.2 Untersuchung nach T. Schmidt-Millard ... 50
2.2.1 Zentrale Fragestellungen ... 50
2.2.2 Vorgehensweise zur Untersuchung der Fragestellungen ... 50
2.2.3 Darstellung von unterschiedlichen Formen von Aggressivität ... 51
2.2.3.1 Die konstruktive Aggressivität ... 51
2.2.3.2 Die destruktive Aggressivität ... 51
2.2.4 Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser Auffassungen in Bezug auf die Aggressionstheorie von H. J. Kornadt ... 52
2.2.4.1 Terminologie von H. J. Kornadt und T. Schmidt-Millard ... 52
2.2.4.2 Analyse der Ursachen der Aggressionsentstehung ... 53
2.2.5 Ergebnisse von T. Schmidt-Millard bezüglich des schulischen Sportunterrichts ... 54
2.2.5.1 Sport als Kampf ... 54
2.2.5.2 Sport als Spiel ... 54
2.2.5.3 Ansatzpunkte einer Gewaltprävention im Sportunterricht ... 55
2.3 Untersuchungen von G. A. Pilz: Gewaltprävention und Aggressionskanalisierung durch spielerisches Kräftemessen im Sportunterricht ... 55
2.3.1 Zentrale Fragestellungen ... 55
2.3.2 Vorgehensweise zur Untersuchung der Fragestellungen ... 56
2.3.3 Ursachen und Motive von Gewaltbereitschaft bei jungen Menschen ... 57
2.3.3.1 Gewalt als Mittel zur Entladung von angestauten Aggressionen durch einen stets kontrollierten Trieb- und Affekthaushalt ... 57
2.3.3.2 Gewalt als Stärkung der persönlichen Identität ... 59
2.3.3.3 Gewalt als Kommunikationsversuch ... 62
2.3.3.4 Gewalt als erfolgversprechendes Instrument zur Durchsetzung eigener Interessen ... 63
2.3.3.5 Gewalt als Versuch zur Herstellung von Eindeutigkeit ... 63
2.3.3.6 Erfahrung der persönlichen Grenzen durch Gewalt ... 63
2.3.3.7 Erfahrung eines rauschartigen Zustands durch Gewaltanwendung ... 63
2.3.4 Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser Auffassungen in Bezug auf die Aggressionstheorie von H. J. Kornadt ... 63
2.3.5 Ergebnisse von G. A. Pilz: Sport hat naturale, personale und soziale Dimensionen ... 65
2.3.5.1 Gewaltpräventive Wirkungen des Sports ... 68
2.3.5.2 Forderung der Umsetzung der gewaltpräventiven Bedeutung des Sports in der Schule ... 70
2.3.5.3 Kanalisierung destruktiver Impulse über die ritualisierten Aggressionsformen im Ringen und Raufen ... 72
2.3.5.4 Forderung von Vernetzung und Nachhaltigkeit der Gewaltprävention ... 74
2.4 Untersuchung nach E. Balz ... 75
2.4.1 Zentrale Fragestellungen ... 75
2.4.2 Vorgehensweise zur Untersuchung der Fragestellungen ... 75
2.4.3 Verbindung der Trieb- und Instinkttheorie mit der Lern- und Sozialisationstheorie sowie der Frustrations-Aggressions-Hypothese ... 76
2.4.3.1 Begriffsklärung von Aggression und Gewalt ... 76
2.4.3.2 Gesellschaftliche Entstehungsbedingungen ... 77
2.4.3.3 Institutionelle Entstehungsbedingungen ... 77
2.4.3.4 Individuelle Entstehungsbedingungen ... 77
2.4.3.5 Sportbezogene Entstehungsbedingungen ... 78
2.4.4 Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser Auffassungen in Bezug auf die Aggressionstheorie von H. J. Kornadt ... 78
2.4.4.1 Terminologie von E. Balz und H. J. Kornadt ... 78
2.4.4.2 Analyse der Entstehungsbedingungen von Aggression ... 79
2.4.5 Ergebnisse von E. Balz ... 80
2.4.5.1 Warnung vor Orientierung des Schulsports auf der Grundlage von emotionaler Vereinnahmun ... 80
2.4.5.2 Ablehnung der Gewaltprävention im Schulsport als zentrale Aufgabe ... 82
2.4.5.3 Warnung vor Überforderung der Schule als Reparaturbetrieb für gesellschaftliche Fehlentwicklungen ... 84
2.4.5.4 Bevorzugung von gemeinschaftsbildenden Aktivitäten gegenüber erfolgs- und konkurrenzorientierten Sportangeboten als Mittel zur Gewalthemmung ... 84
2.5 Graphische Darstellungen der Ergebnisse der Aggressionstheorien-Analyse ... 86
3 Resümee ... 89
3.1 Ganzheitlicher Ansatz der Gewaltprävention ... 89
3.2 Erfolgreiche Maßnahmen des Sportunterrichts zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt ... 89
3.3 Entwicklung von Fairness-Verhalten als Beitrag zur Sozialerziehung ... 90
3.4 Kritische Anmerkungen ... 93
Literaturverzeichnis ... 94
Abbildungsverzeichnis ... 100
Einleitung
Gewalt in der Schule ist ein gravierendes Problem innerhalb unserer Gesellschaft. Erschreckende gewalttätige Vorfälle wie z. B. der am Erfurter Gutenberg Gymnasium im Jahre 2002 oder die jüngsten Ereignisse an der „Werner von Siemens“ Berufsschule in Hildesheim beweisen, dass diese Thematik ernst zunehmen ist und nicht verharmlost werden darf.
Um umfassend und langfristig erfolgreich Gewalt vorbeugen und ihr begegnen zu können, sind vielerlei Bereiche der Gesellschaft in der Pflicht, insbesondere auch die gesellschaftliche Institution Schule.
Welche Beiträge zum Umgang mit Gewalt und Aggression speziell Sportunterricht in der Schule liefern kann und soll, wird in dieser Arbeit anhand einer Auswahl aktueller Publikationen im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema vorgenommen.
Eine wichtige Bezugsgrundlage für die Analyse dieser Publikationen ist Kornadts kognitiv-emotionale Motivationstheorie der Aggression und Aggressivität. Dieser Ansatz wird u. a. von Leist (1993) als tragfähige, empirisch gut abgesicherte Theorie zur Beschreibung und Erklärung von Aggressionsphänomenen herangezogen. Nach einer zusammenfassenden Darstellung der Theorie Kornadts werden die jeweiligen theoretischen Konzeptionen zur Aggression aus den ausgewählten Publikationen vorgestellt und zu dem Ansatz Kornadts in Beziehung gesetzt. Darüber hinaus werden zentrale Aussagen und Ergebnisse der Publikationen zu Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen des Sportunterrichts im Hinblick auf den Umgang mit Gewalt und Aggression festgehalten. Besonders geeignet im Zusammenhang mit der gewählten Themenstellung erscheinen die Veröffentlichungen von W. D. Miethling (1996, 2002), T. Schmidt-Millard (1996), G. A. Pilz (1995, 2003) und E. Balz (1997). Ihnen allen gemeinsam ist, dass es sich um aktuelle Untersuchungen handelt. Jede einzelne Publikation geht von einem individuellen Ansatz aus. Insgesamt spiegeln sie damit das breite Spektrum der vielfältigen Meinungen der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion wieder.
Das abschließende Resümee liefert einen Überblick über die wesentlichen Befunde dieser Arbeit.
1 H. J. Kornadts kognitiv-emotionale Motivationstheorie der Aggression und Aggressivität
H. J. Kornadts motivationstheoretischer Ansatz (1982) stellt eine integrative und noch nicht abgeschlossene Theorie dar. In ihr werden unterschiedliche Befunde und unvereinbar erscheinende aggressionstheoretische Grundprinzipien zusammengefasst. Diese werden dabei zu einer funktionellen Einheit systematisch verknüpft. Neue Befunde und theoretische Erkenntnisse können in ihr integriert werden. Kornadts entwickeltes Handlungsmodell (1982) soll Erklärungsansätze für die Fragestellung: „Warum kommt ein Mensch aktuell zu dem Entschluss, sich gegenüber einem anderen feindselig-aggressiv zu verhalten oder nicht?“, liefern. Dieses Modell wird im Folgenden genauer erläutert. Dabei werden auch die von Kornadt aufgeführten Entwicklungsbedingungen für aggressives Verhalten berücksichtigt. Zunächst wird dargelegt, welche Differenzierung Kornadt für das breite Spektrum von Aggressionsphänomenen vornimmt.
1.1 Unterscheidung von aggressionsmotivierter Aggression und instrumenteller Aggression
Kornadt (1982) hält eine Abgrenzung der feindselig-motivierten Aggression von der
instrumentellen Aggression für sinnvoll. Er definiert die feindselige Aggression als eine
„motivierte Handlung, die [sowohl] zielgerichtet [als auch] anreizgesteuert ist (Kornadt,
1982, S. 340).
Um den Vorteil einer Unterscheidung von aggressionsmotivierter und instrumenteller Aggression zu illustrieren, liefert Kornadt (1982) folgendes Beispiel: Für das Bedürfnis eines Schülers, einen Lehrer im Unterricht ärgern zu wollen, gibt es zweierlei Erklärungsmöglichkeiten:
Zum einen kann der Schüler einen generalisierten Hass auf den Lehrer besitzen. Dies entspricht einer feindselig-motivierten Aggression. Zum anderen kann der Schüler den Lehrer auch ärgern wollen, um Anerkennung und Ansehen bei seinen MitschülerInnen zu bekommen. Dabei handelt es sich um eine instrumentelle Aggression.
Um aggressionsspezifische Handlungsbedingungen analysieren zu können, müssen zunächst die Funktionen unterschieden werden: Welches sind die genauen Intentionsbedingungen, von denen eine feindselig-motivierte Aggressionshandlung abhängt? Zielt z. B. eine freche Bemerkung eines Schülers auf eine Schädigung des Lehrers ab oder wird damit Anerkennung bei den MitschülerInnen beabsichtigt?
Natürlich ist eine partielle Überlappung dieser Intentionsbereiche möglich. Im Alltag trifft man oft auf Mischformen von instrumenteller und feindselig-motivierter Aggression, was für eine Unterscheidung dieser Aggressionsarten problematisch ist. Kornadt besteht daher in seinen Untersuchungen auch nicht vehement auf einer solchen strikten Trennung. Dennoch möchte er nicht aufgrund der oben genannten Gründe auf eine Differenzierung dieser Bereiche verzichten.
Um die genaue Definition von Kornadts (1982) feindselig-motivierter Aggression nachvollziehen zu können, ist es geboten, zunächst sein Handlungsmodell des Auf- und Abbaus einer Aggressionshandlung zu erläutern.
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