Autor: Frank Fraundorf
Fach: Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Details
Institution/Hochschule: Universität Bremen
Jahr: 2004
Seiten: 23
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 261 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-29234-4
Textauszug (computergeneriert)
UNIVERSITÄT BREMEN
STUDIENGANG ERZIEHUNGSWISSENSCHAFT
Gewalt an Schulen - Schulqualität durch Schulberatung
von: Frank Fraundorf
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Definition Gewaltbegriff 3
3. Vorstellung der Studie 4
3.1 Ziele der Studie 4
3.2 Struktur der Untersuchungsgruppe 5
3.3 Ausgewählte Ergebnisse zum Thema Gewalterfahrung und extremistische Deutungsmuster 6
3.3.1 Verbale Gewalt 7
3.3.2 Gewalterfahrung und Erziehung 8
3.3.3 Gewalterfahrungen und Peers 10
3.3.4 Lehrerverhalten 11
3.4 Schlussfolgerungen 12
4. Schulqualität durch Schulberatung 14
4.1 Allgemeine Aufgaben und Ziele der Schulbegleitungsdienste 14
4.2 Theoretische Grundlagen der Schulbegleitung 15
4.2.1 Concerns-Based Adoption Model 16
4.2.2 Organisationsentwicklung 17
4.2.2.1 Organisationsentwicklung für die Schule 18
5. Zusammenfassung / Ausblick 20
6. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit wird sich mit der neu erschienenen und aktuellen Bremer Gewaltstudie1 befassen. Zunächst möchte ich die Studie kurz vorstellen und die meiner Ansicht nach wichtigsten Punkte herausstellen. In der Studie wird neben dem Themenkomplex Gewalt zum Zweiten die Virulenz extremistischer Deutungsmuster unter Schülern erhoben. Der Fokus soll jedoch auf den Themenkomplex Gewalt gelegt werden und anschließend möchte ich aus dieser Zusammenfassung mögliche Konsequenzen und Wege aufzeigen. Hier möchte ich insbesondere auf das Thema Schulberatung eingehen.
In der folgenden Einleitung möchte ich mich mit dem Phänomen „Gewalt an Schulen“ auseinandersetzen. Dieses Thema passt in den aktuellen Trend, über Jugendgewalt zu berichten. Initiator für die Konjunktur waren die Medien, die sich diesem Thema seit Beginn der 90er Jahre widmen. Durch die Massaker an amerikanischen Schulen ist das Thema ins öffentliche Interesse geraten. Dabei wird in der Öffentlichkeit Gewalt immer gleich als körperliche Aggression verstanden, was den Blickwinkel einschränkt. Täter seien meistens nur die Schüler/Innen, nicht die Lehrer oder die Institution Schule. Viele Gewalthandlungen unter Schülern, aber auch zwischen Lehrern und Schülern, bleiben vor Ort verborgen. Präventionspolitiken sind jedoch ohne Informationen über die Arten und Ausmaße von Gewalthandlungen, sowie über die diesen Handlungen zugrunde liegenden Motive, schwer zu entwickeln. Inwieweit Dramatisierung und Sensationalisierung bei der medialen Aufarbeitung eine Rolle spielen, soll bei dieser einleitenden Betrachtung ausgeklammert bleiben.
Wenn die Medien über Jugendgewalt berichten, dann gerät der Blick automatisch auf die Schule als Aufenthaltsort der Jugend. Untersucht man das Gewaltpotential an Schulen, erfährt man etwas über Jugendgewalt allgemein. Diesen Blickwinkel unterstützend, wirkt die Tatsache, dass die Lehrer von einer Gewaltzunahme an Schulen sprechen und sich dadurch in ihrem Berufsalltag gefährdet sehen. Hierdurch wurde 1992 eine schulinterne Diskussion ins Rollen gebracht. In dieser geht es um Demotivierung und Zunahme von Aggressionen, die zu einer höheren Belastung im Unterricht führen und die Anforderungen an die Erziehungsarbeit ansteigen lassen. Zeitgleich begann auch die wissenschaftliche Thematisierung dieses Themas. Dabei konnten die empirischen Ergebnisse keine Bestätigung zunehmender Gewalt ausmachen. Die Wahrnehmung ansteigender Gewalt muss also durch die Sensibilisierung gegenüber Gewalt und der Realitätsverzerrung seitens der Medien erklärt werden. Bisher hat man voreilig familiäre Erziehungsmängel, das Wohnumfeld und Medieneinflüsse als Erklärungsfaktoren herangezogen. Der Einfluss der Schule wird dabei schnell vergessen2. Die Schule stellt eine wichtige Sozialisationsinstanz dar, in der die Jugendlichen einen Großteil ihrer Zeit verbringen müssen. Hier treffen die jungen Leute auf Peer-groups, deren Einfluss, meiner Meinung nach, gerade bezüglich Gewalt nicht unerheblich ist. Wie später zu sehen ist, wird diese Annahme durch die Gewaltstudie bestätigt. Aber auch das Schulklima und die Lernkultur sind wichtige Einflussgrößen. Gut informiert sind wir heute dank der jüngeren Forschung über Formen und Häufigkeiten von Gewalterscheinungen. Die Rangreihe von Gewalthandlungen stimmt bei Lehrern und Schülern überein: Verbale Attacken sind weit verbreitet, während strafrechtlich relevante Delikte selten sind.
Außerdem wissen wir viel über Schulform-, Alters- und Geschlechtsunterschiede beim gewaltförmigen Verhalten: Es gibt massive Geschlechtsunterschiede bei der Gewaltbilligung und -beteiligung, besonders bei körperlicher Gewalt. Hinsichtlich der Schulform tritt körperliche Aggressivität vorwiegend an Sonder- und Hauptschulen auf. Zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr bzw. in der 8./9. Jahrgangsstufe ist die Gewalt am Ausgeprägtesten, danach nimmt sie wieder ab. Schließlich verfügen wir über eine differenzierte Beschreibung der Beziehungen zwischen Opfer-Sein und Täter-Sein: Vor allem bei massiver Gewalt sind Opfer und Täter nicht eindeutig zu unterscheiden. Viel eher kann man zwischen zwei informellen Kulturen differenzieren: jene, die sich von gewalttätigen Auseinandersetzungen fernhalten und jene, die einer aggressiv orientierten Kultur angehören.3
2. Definition Gewaltbegriff
[...]
1 Akademie für Arbeit und Politik an der Universität Bremen (Hrsg.): Ergebnisse einer Bremer Schülerbefragung zum Thema Gewalterfahrungen und extremistische Deutungsmuster. Untersuchung im Auftrag des Bremer Senats. Bremen: Juli 2003. URL: http://www.bildung.bremen.de/sfb/bildung/gewalt.pdf (4.1.2004).
2 Tillmann, Klaus-Jürgen: Gewalt an Schulen. Öffentliche Diskussion und erziehungswissenschaftliche Forschung. In: Die Deutsche Schule 89. Jg 1997 Heft 1. S.36- 49.
3 Ebd., S.40ff.
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