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Wird die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern immer noch besteuert? Eine Querschnittanalyse im Weizen- und Kaffeesektor der afrikanischen AKP-Staaten.

Masterarbeit, 2003, 110 Seiten
Autor: Cyr-Nestor Itoua-Ayessa
Fach: Agrarwissenschaften

Details

Kategorie: Masterarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 110
Note: 2,7
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V27380
ISBN (E-Book): 978-3-638-29443-0

Dateigröße: 469 KB


Textauszug (computergeneriert)

 

Wir die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern immer noch besteuert?
Eine Querschnittsanalyse im Weizen- und Kaffeesektore der afrikanischen AKP-Staaten

Masterarbeit

im wissenschaftlichen Studiengang Agrarwissenschaften an der
Georg-August-Universität Göttingen,
Fakultät für Agrarwissenschaften

von

Itoua-Ayessa Cyr-Nestor

Studienrichtung: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus

Abgabetermin: 17.03.2003

INHALTVERZEICHNIS

0. EINLEITUNG ... 1
0.1 Problemstellung ... 1
0.2 Aufbau der Arbeit ... 3

1. TYPOLOGIE AGRARPOLITISCHER INSTRUMENTE ... 5
1.1 Die direkten agrarpolitischen Instrumente und deren Ziele ... 5
1.1.1 Die direkten agrarpolitischen Instrumente ... 6
1.1.2 Die Ziele der direkten staatlichen Agrarpreispolitik ... 8
1.2 Die indirekten agrarpolitischen Instrumente und deren Ziele ... 9
1.2.1 Die Währungspolitik ... 9
1.2.2 Bedeutung der Wechselkurse für das Wirtschaftswachstum ... 14
1.2.3 Auswirkungen der Wechselkursverzerrungen auf die Landwirtschaft ... 18

2. DARSTELLUNG DES LANDWIRTSCHAFTLICHEN SEKTORS DER AAKP ... 21
2.1 Der Weizensektor ... 26
2.1.1 Der Weltmarkt für Weizen ... 26
2.1.2 Charakteristika des Weizensektors der AAKP ... 30
2.2 Der Kaffeesektor ... 34
2.2.1 Der Weltmarkt für Kaffee ... 35
2.2.2 Charakteristika des Kaffeesektors der AAKP ... 38

3. DIE AGRARPROTEKTION UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DAS WIRTSCHAFTSWACHSTUM ... 41
3.1 Rolle der Landwirtschaft im wirtschaftlichen Entwicklungsprozess ... 41
3.2 Die Bedeutung der Preispolitik für das wirtschaftliche Wachstum ... 43
3.3 Interessenkonflikte in der Agrarpreispolitik ... 46

4. BERECHNUNGSMETHODE ZUR MESSUNG DER AGRARPROTEKTION ... 51
4.1 Messung der direkten Agrarpolitik ... 56
4.2 Messung der indirekten Agrarpolitik ... 57

5. AUSMAß UND ENTWICKLUNG DER PROTEKTION IM WEIZEN- UND KAFFEESEKTOR DER AAKP ... 60
5.1 Ausmaß der nominalen Brutto- und Nettoprotektion im Weizensektor ... 60
5.2 Ausmaß der nominalen Brutto- und Nettoprotektion im Kaffeesektor ... 63

6. AUSWIRKUNGEN DER STRUKTURANPASSUNGS-PROGRAMME DER IWF UND DER WELTBANK AUF DIE AGRARPOLITISCHE INSTRUMENTE ... 68
6.1 Auswirkungen der Reformen auf dem food crops Sektor ... 69
6.2 Auswirkungen der Reformen auf dem cash crops Sektor ... 70

7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ... 76

LITERATURVERZEICHNIS ... 79

ANHANG ... 83

 

0. EINLEITUNG
0.1 Problemstellung
Seit der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen AKP-Staaten (AAKP)1 in den 50er und 60er Jahren und der damit einhergehenden eigenverantwortlichen Determinierung der nationalen Entwicklungsstrategien sowie der dazu einzusetzenden Maßnahmen der Agrarpreispolitik sind mit unterschiedlichen Ansätzen, die zum großen Teil von westlichen Gelehrten propagiert wurden, nur selten Erfolge erzielt worden.

Politiker waren der Meinung, dass private Unternehmen nur die Ausbeutung verfolgten und, dass die Märkte nicht mit der wichtigen Aufgabe der Nahrungsmittelbereitstellung vertraut werden könnten. Weiterhin setzten sie wirtschaftliche Entwicklung mit Industrialisierung gleich und drängten die Landwirtschaft in die einfache Rolle von Lieferanten von Arbeit, Rohmaterialen und billigen Nahrungsmitteln für die städtischen Bevölkerungen. An der Effizienz der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe wurde gezweifelt, weil ungebildete Bauern angeblich unfähig oder unwillig waren, moderne Techniken wie Mechanisierung anzuwenden.

Auf Grund dieser Sichtweise übernahmen staatliche Unternehmen (oft Erbe der Kolonisation) die Verantwortung der Organisation von Nahrungsmittelmärkten und die Festlegung von landesweiten Konsumenten- und Produzentenpreisen. Sie leiteten auch die Produktion von Exportprodukten, indem sie Kredite bereitstellten, die Produktpreise festlegten und die Verarbeitung und den Export monopolisierten. Wie es aus der Studie von KRUEGER, SCHIFF und VALDÉS (1991a) und später GORN (1994) hervorgeht, haben staatliche Preisinterventionen in ihrer Gesamtheit den landwirtschaftlichen Sektor in den Entwicklungsländern, insbesondere in den AAKP im Zeitraum von 1960 bis 1984 stark und in zunehmenden Maße diskriminiert. Dabei hatten indirekte Politiken (Industrieprotektion, makroökonomische Politiken), die die Produktionsanreize in der Landwirtschaft relativ zu denen in anderen Sektoren der Volkswirtschaft reduzieren den stärksten Einfluss. Die Erzeugerpreise waren aus diesem Grund in vielen dieser Länder gewöhnlich niedrig und die ermittelten Durchschnittspreise kleiner als die Weltmarktpreise. Der Import und die Verteilung von Dünger- sowie anderen Produktionsmitteln, die meistens an Landwirte zu subventionierten Preisen und auf Kredite geliefert wurden, waren ebenso von den staatlichen Unternehmen monopolisiert. (vgl. KRUEGER, SCHIFF und VALDÉS 1991a, S. 1)

Über die bedeutende Rolle der Landwirtschaft im Wirtschaftswachstum der Entwicklungsländer sind sich die meisten Ökonomen einig. Das belegten bereits JOHNSON und MELLOR in einem vielbeachteten Artikel aus dem Jahr 1961 mit dem Titel “The Role of Agriculture in Economic Development“.

Um die Entwicklungsbarrieren zu beseitigen und dem Wachstumsprozess neue Schubkraft zu verleihen, werden seit Beginn der 80er Jahre ständig weiter entwickelte Strukturanpassungsprogramme (SAP) von Weltbank und Internationale Währungsfund (IWF) initiiert.

Das Ziel dieser Arbeit ist es anhand von nominalen Protektionskoeffizienten (NPK) herauszufinden, ob die Landwirtschaft in dieser Ländergruppe immer noch diskriminiert wird. Dabei werden zwei wichtige landwirtschaftliche Produkte untersucht: Weizen, nicht nur als wichtiges Grundnahrungsmittel (food crop)2, sondern auch als eines der bedeutendsten landwirtschaftlichen Handelsprodukte weltweit3 und Kaffee, als typisches Exportprodukt (cash crop)4. Für diese Studie hätte sich Mais auch geeignet, da er im Gegensatz zu Weizen in allen untersuchten Ländern angebaut wird, aber die Bedeutung von Weizen in den Ballungszentren Afrikas für Brot und andere Produkte ist seit den 70er weiter gestiegen (vgl. AFRISTAT 2003). In der Vergangenheit wurden die Regierungen außerdem auf Druck der städtischen Bevölkerung dazu gezwungen eine Höchstpreispolitik durch Importsubventionen einzuführen, um die Preise für Grundnahrungsmitteln wie zum Beispiel Weizen durch eine Importsubvention niedrig und stabil zu halten.

Die Unterscheidung zwischen den beiden Produkten ist sehr wichtig, da in den weniger entwickelten Ländern - ein großer Anteil der AAKP gehören zu den am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) – die Politiken für die beiden Produktgruppen möglicherweise unterschiedlich sind.

0.2 Aufbau der Arbeit
Die AAKP präsentieren sich geographisch als eine heterogene Zusammenstellung demographisch und wirtschaftlich höchst unterschiedlicher Länder, die dennoch teilweise eine starke gemeinsame Tradition haben. Jedoch sind unter anderem je nach kolonialer Vergangenheit Unterschiede in der Ausgestaltung ihrer Agrarpolitiken festzustellen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der Einfluss der direkten Agrarpolitik sowie der Wechselkurspolitik, die zu der indirekten Agrarpolitik gezählt wird, auf die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise.

Die Arbeit ist in sieben Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel wird das Instrumentarium der direkten und indirekten Agrarprotektion beschrieben, ausgehend von den Instrumenten der Protektion und deren Ziele, wobei eine größere Gewichtung auf den Wechselkurs und auf die Auswirkungen der Wechselkurspolitik auf die Landwirtschaft gelegt wird.

Das zweite Kapitel ist der Darstellung des landwirtschaftlichen Sektors der AAKP gewidmet. Hier wird der Weltmarkt für Weizen beziehungsweise Kaffee sowie der Weizenbeziehungsweise Kaffeesektor der AAKP-Länder dargestellt.

Im dritten Kapitel soll zunächst allgemein die Rolle der Landwirtschaftlich im Entwicklungsprozess, sowie speziell die Bedeutung der Preispolitik für die wirtschaftliche Entwicklung untersucht werden. Schließlich werden die Interaktionen zwischen den Hauptinteressengruppen, die von der Agrarpolitik betroffen sind, untersucht.

Im vierten Kapitel dieser Arbeit wird die Vorgehensweise zur Berechnung von nominalen Netto- beziehungsweise Bruttoprotektionskoeffizienten erläutert, dabei wird ebenso über die Problematik zur Bestimmung eines gleichgewichtigen Wechselkurses eingegangen.

Im fünften Kapitel werden die errechneten Protektionskoeffizienten analysiert, um Aussagen über Ausmaß und Entwicklung der Protektion im Weizen- und Kaffeesektor dieser Ländergruppe im betrachteten Zeitraum von 1986 bis 2000 machen zu können. Dabei wird untersucht, ob Unterschiede zwischen food crops und cash crops in der Protektion auftreten beziehungsweise, ob seit den sechzigen Veränderungen in dem Ausmaß der Protektion festzustellen sind.

Im sechsten Kapitel wird, nach einer kurzen Beschreibung der SAP der IWF und der Weltbank, über die Auswirkungen der SAP beziehungsweise der Agrarreformen auf den food und cash crops Sektoren eingegangen.

Im Abschluss dieser Arbeit wird eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse für das Ausmaß der Protektion im food crops, beziehungsweise im cash crops Sektoren gestellt, wobei ein Ausblick hinsichtlich zukünftigen Reformbedarfs unternommen wird.

1. TYPOLOGIE AGRARPOLITISCHER INSTRUMENTE
Wie es in der Vergangenheit in den Entwicklungsländern zu beobachten war, wurde der Agrarsektor auch in den AAKP häufig zumindest zum Teil diskriminiert mit dem Ziel, Mittel für die industrielle Entwicklung freizusetzen.

[...]


1 Der Begriff AAKP-Staaten soll dazu dienen die afrikanischen Länder Südlich der Sahara einzugrenzen. Da die Handelspräferenzen in dieser Arbeit nicht untersucht werden.

2 Unter food crops versteht man Grundnahrungsmittel, zum Beispiel Mais, Reis, Millet, Weizen usw. die auf nationalen sowie internationalen Märkte gekauft oder verkauft werden (vgl. STREETEN 1987, S.8).

3 Weizen ist für die meisten AAKP-Staaten ein Importprodukt.

4 Cash crops wie Kaffee, Kakao oder Tee dienen hauptsächlich dazu Devisen zu erwirtschaften. Sie werden in erster Linie für den Export produziert (vgl. STREETEN 1987, S.8). Die Begriffe food crop und cash crop sind unpräzise Begriffe, die aber eine wichtige Stelle in der Entwicklungsliteratur eingenommen haben und deshalb auch hier Verwendung finden.


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