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Alphabetismus und Analphabetismus - die psychologischen Aspekte des Lesens

Hausarbeit, 2004, 20 Seiten
Autor: M.A. Sandra Kemerle
Fach: Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Details

Veranstaltung: Geschichte und Gegenwart der Alphabetisierung
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Tags: Alphabetismus, Analphabetismus, Alphabetisierung, Lesen, Psychologie
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V27422
ISBN (E-Book): 978-3-638-29476-8

Dateigröße: 246 KB
Anmerkungen :
Alphabetisierung als Element einer Grundbildung


Zusammenfassung / Abstract

Lesen und Lesenlernen ist ein psychologisch und neurobiologisch höchst komplexer Vorgang. Um den Begriff und den Sachverhalt Analphabetismus nicht naiv zu verwenden, gibt es auch spezifische Verständniswege aus naturwissenschaftlicher und medizinischer Perspektive, die den Leseprozess verdeutlichen. Ob jemand alphabetisiert ist oder nicht, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab. Solche Einflussfaktoren sind beispielsweise allgemein kulturpolitische Zielvorgaben einer Gesellschaft, die ökonomische Lage, die soziale Struktur, aber auch demographische Verhältnisse. Um aber die psychologischen Vorgänge beim Lesen erklären zu können, gehe ich zuerst auf den Begriff Alphabetismus bzw. Analphabetismus ein. Weiterhin versuche ich die Begriffe Schriftspracherwerb und Grundbildung im Hinblick auf die Alphabetisierung zu klären. Im weiteren Teil (Kapitel 3, 4 und 5) gehe ich dann speziell auf die psychologischen Aspekte, „gehirnphysiologische“ Abläufe beim Lesevorgang und auf die Interaktionsverhältnisse im Leseprozess ein und beziehe mich dabei auf die drei großen wichtigen Teilaspekte der Kognition, Motivation/subjektive Beteiligung und Reflexion.


Textauszug (computergeneriert)

Universität Leipzig
Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Wintersemester 2003/04
Seminar: „Geschichte und Gegenwart der Alphabetisierung“

Alphabetismus und Analphabetismus –
die psychologischen Aspekte des Lesens

von: Sandra Kemerle

 


Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltsverzeichnis 1

2. Alphabetisierung als Element einer Grundbildung 2

3. Kognition 5

3.1. Leseprozesse auf Wort-, Satz- und Textebene 5
3.2. Erste Ebene: Prozesse der Wort- und Satzidentifikation 6
3.3. Zweite Ebene: Satzebene - Verknüpfung von Satzfolgen 7
3.4. Dritte Ebene: Textebene - Satzübergreifende Integrationsmechanismen (globale Kohärenzherstellung) 8
3.5. Vierte Ebene: Makrostrukturbildung auf der Basis von Textsortenkenntnis 9
3.6. Fünfte Ebene: Das Erkennen von Darstellungsstrategien im Hinblick auf die Textintention 10

4. Motivation / subjektive Beteiligung 11

5. Reflexion 12

6. Abschluss 13

7. Anhang 16

8. Literaturverzeichnis 18

8.1. Internetquellen 18


 

 

2. Alphabetisierung als Element einer Grundbildung

„Lesen" und „Lesenlernen" ist ein - psychologisch und neurobiologisch - höchst komplexer Vorgang. Um den Begriff und den Sachverhalt Analphabetismus nicht naiv zu verwenden, gibt es auch spezifische Verständniswege aus naturwissenschaftlicher und medizinischer Perspektive, die den Leseprozess verdeutlichen. Ob jemand alphabetisiert ist oder nicht, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab. Solche Einflussfaktoren sind beispielsweise allgemein kulturpolitische Zielvorgaben einer Gesellschaft, die ökonomische Lage, die soziale Struktur, aber auch demographische Verhältnisse. Um aber die psychologischen Vorgänge beim Lesen erklären zu können, gehe ich zuerst auf den Begriff Alphabetismus bzw. Analphabetismus ein. Weiterhin versuche ich die Begriffe Schriftspracherwerb und Grundbildung im Hinblick auf die Alphabetisierung zu klären. Im weiteren Teil (Kapitel 3, 4 und 5) gehe ich dann speziell auf die psychologischen Aspekte, „gehirnphysiologische“ Abläufe beim Lesevorgang und auf die Interaktionsverhältnisse im Leseprozess ein und beziehe mich dabei auf die drei großen wichtigen Teilaspekte der Kognition, Motivation/ subjektive Beteiligung und Reflexion.

In den hoch-industrialisierten Ländern ist es nur in seltenen Ausnahmen möglich, erfolgreich, anerkannt und relativ selbständig zu leben, zu arbeiten, ohne die verschiedenen schriftsprachlichen Mittel des Kommunizierens und Arbeitens in einem gewissen Umfang und auf einem gewissen Niveau zu beherrschen. Die Relativierungen lassen bereits erkennen, dass Umfang und Niveau der notwendigen Alphabetisierungen relativ sind und von Bedingungen abhängen. Aus welchen Gründen auch immer, der Alphabetisierung wird ein hoher Stellenwert zugeschrieben für jede Art von Entwicklung, sei es eine Gesellschaft oder einen Menschen betreffend. Darüber hinaus wird in unserer Gesellschaft der Grad an Alphabetisierung (eigentlich die Beherrschung der Normen der Rechtschreibung) als Indiz, beinahe als Synonym für Intelligenz und Klugheit aufgefasst. Auch wenn diese Auffassung unter linguistischen, psychologischen und pädagogischen Gesichtspunkten nicht haltbar ist, sie existiert dennoch und beeinflusst ihrerseits die subjektive Bedeutung, die das Beherrschen, vor allem aber das Nicht-Beherrschen des Rechtschreibens für viele Menschen hat. Literat sein inklusive des orthographischen Schreibens ist eine objektive Notwendigkeit für das Teilnehmen an den meisten gesellschaftlichen Aktivitäten.

Die Notwendigkeit allgemeiner Alphabetisierung sagt, „diese befähige die Menschen zu selbständigem Lernen“1. Die Ausbildung des selbständigen Lernens und das Lernen des Lernens sollten vom Lesen und Schreiben unterschieden werden und beide sollten in eine „Grundbildung“ integriert werden. Unverzichtbar im Sinne einer Grundbildung, die zum selbständigen Lernen befähigen soll, sind die dazu notwendigen Haltungen, wie das Entwickeln und Setzen von Lernzielen, die den eigenen Motiven entsprechen. Lernen muss erfahren werden als ein Prozess, der in der eigenen Verantwortung liegt und bei dem Mann, Frau und Kind selbst aktiv ist. Es gibt in Deutschland mit seiner weitgehend durchgesetzten allgemeinen Schulpflicht viele Menschen, denen das Erwerben einer Literarität größte Schwierigkeiten bereitet. Es gibt verschiedene Bezeichnungen für sie, solange sie noch schulpflichtig sind: „Legastheniker, Lese-Rechtschreib-Schwache, Teilleistungsgestörte, Lernbehinderte etc. Sobald diese Menschen nicht mehr schulpflichtig sind, heißen sie meist Analphabeten, häufig mit dem Zusatz „funktional", was anzeigt, dass sie die Schule besucht haben und erste Bekanntschaft mit dem Lesen und Schreiben und seinen Schwierigkeiten gemacht haben.“2 Was ist nun Analphabetismus genau und was bedeutet „funktionaler“ Analphabetismus? In Marion Döbert und Peter Hubertus Ihr Kreuz ist die Schrift. Analphabetismus und Alphabetisierung in Deutschland. werden folgende Definitionen gegeben. Danach unterscheiden Döbert und Hubertus zwischen primärem, sekundärem und funktionalem Analphabetismus.3

„Primärer Analphabetismus liegt vor, wenn eine Person keinerlei Lese- und Schreibkenntnisse erworben hat. Eine andere Bezeichnung ist natürlicher Analphabetismus. Davon betroffen sind vor allem Menschen in Staaten mit einem wenig ausgebauten Schulsystem, die keine Gelegenheit zum (regelmäßigen) Schulbesuch hatten.“4 (http://www.alphabetisierung.de/). „Von sekundärem Analphabetismus spricht man, wenn nach mehr oder minder erfolgreichem Schulbesuch ein Prozess des Vergessens einsetzt, bei dem einmal erworbene Schriftkenntnisse wieder verloren gehen. Die Kinder haben während der Schulzeit lesen und schreiben gelernt, als Jugendliche oder Erwachsene haben sie dies wieder verlernt.“5 (http://www.alphabetisierung.de/). „Analphabetismus ist ein relativer Begriff. Ob eine Person als Analphabet gilt, hängt nicht nur von ihren individuellen Lese- und Schreibkenntnissen ab. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, welcher Grad an Schriftsprachbeherrschung innerhalb der konkreten Gesellschaft, in der diese Person lebt, erwartet wird. Wenn die individuellen Kenntnisse niedriger sind als die erforderlichen und als selbstverständlich vorausgesetzten Kenntnisse, liegt funktionaler Analphabetismus vor.“6 (http://www.alphabetisierung.de/). Durch diese Definitionen wird nochmals betont, dass Analphabeten keineswegs als faul oder gar unintelligent dargestellt werden sollten.

[...]


1 http://www.eugwiss.udk-berlin.de/kamper/publikationen/
buch97_leseproben/buch97_einleit.htm

2 http://www.eugwiss.udk-berlin.de/kamper/publikationen/
buch97_leseproben/buch97_einleit.htm

3 Döbert, Marion / Hubertus, Peter (2001). (Kap. 1) „Definition und Erscheinungsbild von funktionalem Analphabetismus“. Aus Ihr Kreuz ist die Schrift. Analphabetismus und Alphabetisierung in Deutschland.

4 http://www.alphabetisierung.de/01-Definition.pdf S. 20.

5 http://www.alphabetisierung.de/01-Definition.pdf S. 23.

6 http://www.alphabetisierung.de/01-Definition.pdf S. 21.


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