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Autor: Ines Pollex
Fach: Kulturwissenschaft
Details
Tags: Ansätze, Verständnis, Film-, Filmproduktionskultur, Deutschland, Konzept, Firma, X-Filme, Creative, Pool
Jahr: 2001
Seiten: 110
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 525 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-29554-3
Textauszug (computergeneriert)
Fachhochschule Potsdam
Studiengang: KulturArbeit
DIPLOMARBEIT:
Ansätze für ein neues Verständnis von Film- und Filmproduktionskultur in Deutschland -
Das Konzept der Firma X-Filme Creative Pool
eingereicht von
Ines Pollex
Eingereicht am: 21.5.2001
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Filmkulturelles Verständnis der Oberhausener ... 4
2.1. Der gesellschaftlich-kulturelle Kontext ... 4
2.2. Die deutsche Filmkultur in den fünfziger Jahren ... 6
2.3. Das Filmkonzept der Oberhausener Gruppe ... 9
2.3.1. Gründungsgeschichte/ Geistige Grundlagen ... 9
2.3.2. Filmästhetische Vorstellungen ... 13
2.3.3. Überlegungen zur Filmherstellung ... 17
2.4. Kritische Anmerkungen unter Berücksichtigung der Entwicklungen ... 20
3. Exkurs zur Filmauffassung der US-Independents in Abgrenzung zum Hollywood-Produzentenkino ... 24
4. Ansätze für ein neues Verständnis von Film- und Filmproduktionskultur in Deutschland ... 31
4.1. Der kulturelle Kontext im Wandel ... 31
4.2. Die Situation des deutschen Films Anfang der neunziger Jahre ... 34
4.3. Das Konzept von X-Filme Creative Pool ... 39
4.3.1. Filmkultureller Hintergrund der X-Film-Gründer/ Gründungsgeschichte ... 39
4.3.2. Das Gestaltungskonzept: X-Filme als Autoren- und Publikumsfilme ... 43
4.3.2.1.Tykwers Autorenfilm ... 47
4.3.2.2.Tykwers Publikikumsfilm ... 55
4.3.3. Das Produktionskonzept: Qualitätsfilme zwischen Autoren- und Produzentenkino ... 64
4.3.3.1.Ausgangspunkt: Autorenkino ... 64
4.3.3.2.Ableitungen - Verbindungen zum Produzentenkino ... 67
4.3.4. Der Kooperationsgedanke im Zentrum der Produktionskultur ... 84
5. Schlussbetrachtung ... 93
5.1. Zwei Autorenfilmer-Generationen ... 93
5.2. Kritische Betrachtung des Konzeptes und der Entwicklungen von X-Filme ... 95
5.3. Schlusswort ... 99
6. Literaturverzeichnis ... 101
1. Einleitung
„In Deutschland ist eine ganz neue Generation zugange, die auf eine ganz andere Art ein Publikum gefunden hat, als es meiner Generation – Herzog, Fassbinder und noch ein paar andere – je gelungen ist. Ich finde es toll, daß ein Mißverständnis zwischen den Deutschen und ihren eigenen Geschichten endlich aufgehoben ist. (...) Dani Levy, Wolfgang Becker und Tom Tykwer, die X-Filme gegründet haben, finde ich toll. Ihre Idee ist ja auch nicht so unähnlich, wie unsere Idee damals mit dem Filmverlag der Autoren.“1
Wim Wenders
Seit jeher begleitet das Kino die Frage, ob Film Kunst oder Kommerz ist. Schon die großen Stummfilmpioniere wie Chaplin oder Fritz Lang bewegten sich mit ihrer Arbeit zwischen künstlerischem Anspruch und ökonomischen Zwängen. Dieses Spannungsfeld ist so alt wie das Medium selbst.
In den USA ist die Filmindustrie der zweit stärkste Wirtschaftszweig. Trotzdem kommen auch aus Hollywood Filme, die höchsten künstlerischen Ansprüchen genügen.
Dagegen sind viele deutsche Filme, die heute unbestritten zur Filmgeschichte gehören, in ihrer Zeit nie große Publikumserfolge gewesen. Trotzdem haben die Filmkünstler stets neue Impulse für die Innovation des Kinos geschaffen. Die Industrie nimmt in vielen Fällen ästhetische Neuerungen auf, um sie kommerziell zu verwerten.
Das bundesdeutsche Nachkriegskino produzierte in den fünfziger Jahren kommerziell sehr erfolgreiche Filme. Die meisten waren zwar technisch perfekt, aber formal einfallslos und inhaltlich konservativ. Anfang der sechziger Jahre formierte sich Widerstand gegen die Dominanz der Heimat- und Schlagerfilme, die jeglichen Bezug zur Wirklichkeit verloren hatten. Das „Oberhausener Manifest“ von 1962 markierte einen Wendepunkt in der bundesdeutschen Filmgeschichte. Eine Generation junger gesellschaftskritischer Filmemacher wollte das Künstlerische wieder in den Mittelpunkt des Filmschaffens stellen. Inspiriert durch die Bewegungen Nouvelle Vague in Frankreich und Free Cinema in Großbritannien
strebten sie ein Kino an, daß sich der Gegenwart auf neue und unkonventionelle Weise stellte.
In gewisser Weise kann man das „Oberhausener Manifest“ als Geburtstunde des deutschen Autorenfilms bezeichnen. Wenders und Fassbinder, die zur zweiten Generation der deutschen Autorenfilmer zählen, verwirklichten den Traum vom deutschen Kino mit deutschen Geschichten, der international Anerkennung fand.
Nachdem in den achtziger Jahren Hollywood die deutsche Filmproduktion fast vollständig von Hollywood verdrängt hatte, begann Anfang der neunziger Jahre ein neuerliches Interesse des Publikums an deutschen Filmen. Die Komödienwelle war nur von kurzer Dauer, bereitete aber den Weg für junge engagierte Filmemacher, die mit deutschen Geschichten die Zuschauer erreichen wollten. Eine herausragende Rolle in der neuen deutschen Produktionslandschaft nimmt die Firma X-Filme Creative Pool ein, die sich in der Tradition des Autorenfilms sehen. Publikumserfolge wie Lola rennt oder Das Leben ist eine Baustelle zeugen vom Erfolg des Konzeptes der Firma.
Andere deutsche Filmschaffende der neunziger Jahre lehnen das Autorenkino ab, weil er zum Niedergang der deutschen Filmindustrie beigetragen hat. X-Filme verbindet den Anspruch künstlerisch hochwertiger Filme mit dem Interesse, ein breites Publikum zu erreichen. Insofern ist Wenders‘ Äußerung aufschlußreich, der die Filmemacher von X-Filme in seine Tradition stellt.
Ausgehend vom Autorenfilmkonzept der Oberhausener Gruppe untersuche ich am Beispiel von X-Filme Ansätze für ein neues Verständnis von Film- und Filmproduktionskultur in Deutschland.
In die Arbeit fließen kulturelle, soziologische, filmästhetische und filmwirtschaftliche Überlegungen ein. Der Aspekt der Rezeption durch die Kinozuschauer wird dabei nicht aus den Augen verloren. Ausgangspunkt für diese komplexe Herangehensweise ist die Tatsache, daß in der Literatur häufig einzelne Gesichtspunkte isoliert betrachtet werden. Filmschaffen ist ein komplexer Prozeß, der sowohl ästhetische, ökonomische als auch kulturelle Komponenten beinhaltet.
Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte. Zunächst wird das filmkulturelle Verständnis der Oberhausener als erster Generation deutscher Autorenfilmer untersucht. Ausgehend vom gesellschaftlichen Kontext werden die geistigen Grundlagen und filmästhetischen Ideen der Oberhausener betrachtet. Auch die Überlegungen zur Filmproduktion beziehe ich in diesen Abschnitt ein. Einige kritische Anmerkungen schließen das Kapitel ab.
Ein Exkurs über die US-Independents in Abgrenzung zum Hollywood-Produzentenkino leitet zum nächsten Abschnitt über. Dies ist notwendig, weil sich die X-Filmer auch in der Tradition der US-Independents sehen.
Die Arbeitsweise unabhängiger amerikanischer Filmfirmen ist ein Vorbild für ihr Produktionskonzept. Außerdem ist dieser Abschnitt hilfreich, um Wirkungsweisen heutiger Filmproduktion besser zu verstehen.
Der größte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der neuen Sichtweise auf Film und Filmproduktion der X-Filmer. Ausgehend vom kulturellen Wandel und der Situation des deutschen Films Anfang der neunziger Jahre steht das Konzept der Firma im Mittelpunkt. Dabei wird der filmkulturelle Hintergrund der X-Filmer einbezogen. Von besonderem Interesse ist, wie sich ihr inhaltlicher Anspruch im Produktionskonzept niederschlägt. Die Bezüge zum Autorenfilmkonzept der Oberhausener werden stets berücksichtigt.
In der Schlußbetrachtung werden die Veränderungen zusammengefaßt und das Konzept von X-Filme kritisch beleuchtet.
Aufgrund der interdisziplinären Herangehensweise ist es nicht möglich, alle Aspekte im Rahmen dieser Arbeit ausführlich zu behandeln. Hauptaugenmerk wurde auf die größeren Zusammenhänge gelegt.
2. Filmkulturelles Verständnis der Oberhausener
2.1. Der gesellschaftlich-kulturelle Kontext
Entpolitisierung: Konzentration auf materielle Aspekte
Nachdem Deutschland vor und während der Nazizeit ideologisch politisiert war, beschäftigten sich die Deutschen nach dem Krieg hauptsächlich mit dem Wiederaufbau der Wirtschaft.2 Der Wohlstand wuchs von Jahr zu Jahr, das Bruttosozialprodukt vervielfachte sich.3
[...]
1 Wenders im Interview mit Günter H. Jekubzik unter http://www.arena.de/FILMtabs/archiv/Personen/Wenders%20in%20Aachen.html S.2
2 1951 bekannten sich bei einer Umfrage 87% der Deutschen zu ihrem Desinteresse am politischen und gesellschaftlichen Leben. Vgl. Peter, Antonio; Wolff, Werner: Arbeit, Amis, Aufbau. Ffm., 1989, S.323
3 Koch, Krischan: Die Bedeutung des „Oberhausener Manifestes“ für die Filmentwicklung in der BRD, Ffm., 1985, S.58
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