Autor: Marcel Naujoks
Fach: Wirtschaft - Wirtschaftspolitik
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Wirtschaftspolitischer Lehrstuhl Prof. Dr. Dr. h.c. Starbatty)
Jahr: 2004
Seiten: 24
Note: 1,3
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 230 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-29828-5
Textauszug (computergeneriert)
Wechselkursstrategien im Hinblick auf den
EWU-Beitritt der osteuropäischen Staaten
von: Marcel Naujoks
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Wechselkurssysteme der osteuropäischen Beitrittsländer 2
2.1 Fester Wechselkurs 3
2.2 Flexibler Wechselkurs 5
3. Mögliche Probleme auf dem Weg zum Euro 7
3.1 Balassa-Samuelson-Effekt 7
3.2 Kapitalzuflüsse, spekulative Attacken und Finanzkrisen 8
3.3 Big Bang oder step-by-step? 10
4. Euroisierung als dritter Weg? 12
5. Konklusion 13
Anhang 15
Literaturverzeichnis 20
1. Einführung
Am 1.Mai 2004 hat sich die bislang größte Erweiterungsrunde der Europäischen Union (EU) vollzogen. Acht osteuropäische, vormals kommunistische Staaten (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn) sowie Malta und der griechische Teil Zyperns sind nun Mitglieder der Europäischen Union. Durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und die Übernahme des Europäischen Gemeinschaftsrechts (acquis communautaire) haben sich die neuen Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, der Europäischen Währungsunion (EWU) zu einem späteren Zeitpunkt beizutreten.1 Damit verbunden ist die Einführung des Euro. Im Gegensatz zu Großbritannien und Dänemark müssen die neuen Mitgliedsstaaten aufgrund einer fehlenden Opting-Out-Klausel den Euro einführen, sobald sie die nominalen Konvergenzkriterien des Maastrichter Vertrages erfüllen.2 Diese sehen unter anderem ein hohes Maß an Preisstabilität, nachhaltig tragbare öffentliche Finanzen, gemessen an der Defizit- und Schuldenquote, sowie niedrige langfristige Zinssätze vor.3
Ein Konvergenzkriterium von besonderer Bedeutung bezieht sich auf den Wechselkursmechanismus II (WKM II) des Europäischen Währungssystems (EWS). Es besagt, daß sich der Wechselkurs der betreffenden Währung während der letzten zwei Jahre vor dem Eintritt in die EWU innerhalb der Standardbandbreite von ± 15 % zur vorher fixierten Euro-Parität bewegt haben muß.4 Darüber hinaus darf der Leitkurs in diesem Zeitraum nicht abgewertet werden. Der Euro-Leitkurs soll in Verhandlungen zwischen dem Beitrittsland und der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegt werden.5
Da die EWU-Beitrittskandidaten sich von einer Teilnahme an der Europäischen Währungsunion ökonomische Vorteile versprechen, möchten viele von ihnen schnellstmöglich an der Währungsunion teilnehmen.6 Infolgedessen stehen die neuen EU-Mitgliedsstaaten vor einem anhaltenden wirtschaftlichen Konvergenzprozeß und der Frage nach der optimalen Wechselkursstrategie. Dabei ist der Rahmen der möglichen Wechselkurssysteme schon durch den ECOFIN-Rat 7 eingeschränkt worden. Dieser schließt mit Blick auf den Beitritt in den WKM II Crawling Pegs, also Festkurssysteme mit vorher angekündigter Auf- oder Abwertungsrate, Pegs zu einer anderen Währung als dem Euro und ein freies Floaten aus.8 Schließlich lehnt die EU eine unilaterale Euroisierung, also eine einseitige, offizielle Einführung des Euro ohne vorherige Konvergenzprüfung, als mögliche Alternative zum WKM II ab.9 In diesem Zusammenhang beleuchtet diese Hausarbeit die Vor- und Nachteile der verschiedenen Wechselkursstrategien im Hinblick auf den EWU-Beitritt der neuen osteuropäischen Mitgliedsstaaten (im folgenden: Beitrittskandidaten) und zeigt mögliche Probleme auf dem Weg zur Euro-Einführung auf. “No single currency regime is right for all countries or all time.“ 10
2. Wechselkurssysteme der osteuropäischen Beitrittsländer
Das Ziel des EWU-Beitritts eint die Beitrittskandidaten. Jedoch unterscheiden sich ihre Wechselkursstrategien auf dem Wege dorthin erheblich. Bereits ein kurzer Blick auf die offiziellen Wechselkurssysteme der Beitrittskandidaten (siehe Abb.1) verdeutlicht, wie kontrovers ihre Rolle im wirtschaftlichen Aufholprozeß beurteilt wird. Eine Gruppe von Beitrittskandidaten betreibt die Politik eines festen Wechselkurses gegenüber einer Referenzwährung. Estland, Litauen und Ungarn haben ihre Währung gegenüber dem Euro stabilisiert, was vor dem Hintergrund des erhofften EWU-Beitritts und der damit verbundenen Pflichtteilnahme am WKM II nicht verwundert. Lettland bildet einen Spezialfall, da es seine Währung (noch) gegenüber dem Sonderziehungsrecht (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) stabilisiert. Allerdings hat die lettische Zentralbank beschlossen, in Vorbereitung auf die Aufnahme in den WKM II ihre Währung zum 1.Januar 2005 gegen den Euro zu stabilisieren.11 Auf der anderen Seite erhofft sich eine zweite Gruppe (Polen, Slowakische Republik, Slowenien und die Tschechische Republik), Vorteile durch die Anwendung eines (offiziell) flexiblen Wechselkurssystems zu erlangen.12 Im folgenden werden die Vor- und Nachteile der einzelnen Wechselkurssysteme erörtert.
2.1 Fester Wechselkurs
[...]
1 Belke/Hebler (2003), S.191
2 EZB (2001), S.48 u. S.115
3 Art. 121, I EGV i. V. m. dem Protokoll über die Konvergenzkriterien
4 Für Diskussionsstoff sorgte der damalige Währungskommissar Pedro Solbes in einem Interview vom 20.Mai 2003, wonach für die neuen Beitrittskandidaten eine Bandbreite von ± 2,25 % gelten könne. Er berief sich dabei auf eine frühere Entscheidung der Kommission, nach der das Wechselkurskriterium erfüllt sei, falls die betreffende Währung sich innerhalb des engeren WKM I-Bandes von ± 2,25 % bewegt habe. Siehe dazu: EZB (2004), S.6; Kenen/Meade (2003), S.1-2
5 Ruckriegel/Seitz (2003), S.94
6 De Grauwe/Schnabl (2003), S.3
7 Europäischer Wirtschafts- und Finanzministerrat
8 Hochreiter/Wagner (2002), S.10
9 Belke/Hebler (2003), S.190 und Deutsche Bundesbank (2001), S.28
10 Frankel (1999)
11 EZB (2004), S.7
12 Schnabl (2003), S.3
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