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DIE SWING KIDS - Getanzte Freiheit (Wahre Rebellion gegen das NS Regime oder nur eine gewöhnliche Jugendkultur?)

Autor: Christoph Zehetleitner
Fach: Amerikanistik - Kultur und Landeskunde

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Details

Veranstaltung: Proseminar "Jazz ist Pop - Musik und Kultur der Swing Era"
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Amerika Institut)
Tags: SWING, KIDS, Getanzte, Freiheit, Rebellion, Regime, Jugendkultur, Proseminar, Jazz, Musik, Kultur, Swing
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 12
Note: 2,2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 161 KB
Archivnummer: V28210
ISBN (E-Book): 978-3-638-30060-5
Anmerkungen :
Meine Arbeit erörtert inwieweit sich die Swing-Kultur als Jugendbewegung während des Dritten Reiches von anderen Jugend- und Wiederstandsbewegungen dieser Zeit unterscheidet. Handelte es sich hierbei um eine wahre Rebellion gegen das vorherrschende totalitäre System oder lediglich um eine unpolitische und mode-orientierte Jugendkultur.

Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilias-Universität München, Amerika-Institut
Proseminar: “Jazz ist Pop – Musik und Kultur der Swing Era”

DIE SWING KIDS – Getanzte Freiheit (Wahre Rebellion
gegen das NS Regime oder nur eine gewöhnliche
Jugendkultur?)

von: Christoph Zehetleitner

 


GLIEDERUNG

I. Einleitung 3

II. Jazz in Deutschland 3

1. Ein kurzer geschichtlicher Abriss 3
2. Das Jazzverbot durch die Nazis 4

III. Die Swing Kids 5

1. Herkunft und Entstehung 5
2. Mode und Lebensstil 6
3. Jargon und Umgangssprache 7
4. Widerstand gegen das NS Regime 7

VI. Vergleich zu anderen jugendlichen Widerstandsbewegungen des Dritten Reiches 8

1. Edelweißpiraten 8
2. Die Weiße Rose 9
3. Sonstige Gruppen 10

V. Resümee 11


 

 

Einleitung

Individualismus, das Ausleben der persönlichen Freiheit und ein bestimmter Musik- und Modestil bilden seit jeher den Grundstock einer Jeden Jugendbewegung. Aber was passiert wenn diese Jugendbewegung zu einer Zeit entsteht in der Menschenrechte ignoriert, Minderheiten verfolgt und Nichtkonformität unter Strafe gestellt wird? Das Dritte Reich ließ keinerlei Freiräume für die individuelle Entfaltung von Jugendlichen, ganz besonders nicht wenn diese mit den Werten und Idealen der Hitler Diktatur kollidierte. Im Folgenden werde ich darstellen in wie weit sich die „Swing Kids“ dem nationalsozialistischen Regime entgegenstellten, und worin genau der Unterschied zwischen ihrem Widerstand und dem anderer oppositioneller Jugendbewegungen dieser Zeit bestand.

Jazz in Deutschland

Bedingt durch den Ersten Weltkrieg und die Blockade durch die Siegermächte kam der Jazz erst um 1919, also sehr spät, nach Deutschland. Vermutlich brachten USSoldaten und Seemänner Notenmaterial und Schallplatten mit. Die neue Musikrichtung fand zunächst relativ wenig Zuspruch und die ersten deutschen „Jazzbands“ hatten es wahrlich schwer beim Publikum. Doch mit der Zeit wurden mehr und mehr ausländische Jazz-Musiker & Bands eingeladen in deutschen Tanzcafés und Bars aufzutreten, was den Boden für inländische Künstler kontinuierlich ebnete. Der neue Trend erfuhr auch Unterstützung durch das deutsche Radio, zu Beginn durch Live -Bands, ab 1927 dann auch von Schallplatte. Die Definition von „Jazz“ war jedoch sehr ungenau. Gespielt wurde ein breites Spektrum von Foxtrott über Tango bis Blues, wahre Jazz-Größen der Zeit, wie Duke Ellington und Louis Armstrong, bekam man jedoch relativ selten zu Gehör. Der Deutsche Jazz konnte seinen ersten Höhepunkt mit Paul Whiteman in den Jahren 1925-28 feiern. Mit seinem „Symphonic Jazz“ wurde er als Prophet einer neuen Musik gefeiert, der es geschafft hatte den „wilden Jazz“ zu „kultivieren“ und zu „zähmen“.1

Auch wenn der Jazz inzwischen großen Zuspruch beim Publikum fand, wurde er durch die Presse fast ausschließlich abgelehnt. Das konservative Musikmagazin „Zeitschrift für Musik“ (ZfM) veröffentlichte regelmäßig diffamierende Artikel über die neue Musikrichtung und ihre Vertreter. Viele Artikel dieser Art dienten später den Nationalsozialisten als Grundlage für ihren Kampf gegen den Jazz und wurden zum Teil sogar in Gesetzen und Verlautbarungen der NS-Regierung zitiert. Während der Weltwirtschaftskrise 1929 erfuhr der Deutsche Jazz eine schwere Zeit. Viele Spielstätten für Jazzmusik mussten schließen und zahlreiche Plattenfirmen meldeten Konkurs an. Die wenigen die überlebten konzentrierten sich zunehmend auf englische und amerikanische Künstler.

Jazz war bei den Nazis seit jeher als „Negermusik“ verpönt. Kritisiert wurden Klangfarben, Instrumentarium, „sinnlose Anwendung von Synkopen“, „Schlagzeugorgien“, „künstlerische Zuchtlosigkeit“ und „Verlotterung und Verschlampung im musikalischen Ausdruck“.2 Die erste offizielle Maßnahme gegen den Jazz fand bereits vor der Machtergreifung Hitlers statt. 1930 veröffentlichte der nationalsozialistische, thüringische Volksbildungs- und Innenminister, Wilhelm Frick, den „Erlass wider die Negerkultur für deutsches Volkstum“3 , der jedoch kein explizites Verbot von Jazz Musik beinhaltete. 1933 folgte dann das Verbot des „übertriebenen Hot-Rhythmus“, der „melodiöse“ Jazz blieb ausdrücklich erlaubt. Es folgten eine Reihe unstrukturierter, und unklar definierter lokaler Jazz-Verbote, die bei den Musikern große Verunsicherung hervorriefen. Das erste Landesweite Verbot wurde am 12.10.1935 erlassen, als Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky das „endgültige Verbot des Niggerjazz für den ganzen deutschen Rundfunk“4 verkündete.

 [...]


1 Horst H. Lange, Jazz in Deutschland. Die deutsche Jazzchronik von 1900-1960, Berlin 1966.

2 Vgl. Joseph Wulf, Musik im Dritten Reich - Eine Dokumentation, Gütersloh 1963.

3 Vgl. BR Online, http://www.br-online.de/kultur-szene/thema/jazzimdrittenreich/nach_wk1.xml, 29.12.2003.

4 Vgl. Heribert Schröder: Zur Kontinuität nationalsozialistischer Maßnahmen gegen Jazz und Swing in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, Bad Honnef 1988.

Kommentare

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