Heinrich von Kleist "Die Hermannsschlacht" close

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 13
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 147 KB
Archivnummer: V28742
ISBN (E-Book): 978-3-638-30438-2
ISBN (Buch): 978-3-640-13963-7

Zusammenfassung / Abstract

Eingebettet zwischen der Darstellung bestimmter Aspekte sowohl der Entstehungs- als auch der Rezeptionsgeschichte werden verschiedene Interpretationsansätze für Kleists umstrittenes Stück entwickelt.

Textauszug (computergeneriert)

Humboldt-Universität zu Berlin
Seminar für Theaterwissenschaft/Kulturelle Kommunikation
Wintersemester 2002/2003

HS „Hauptkurs Dramaturgie – Kleist“

Heinrich von Kleist,
Die Hermannsschlacht

von

Andreas Gründel

 

Inhaltsverzeichnis

I. Aspekte der Entstehungsgeschichte  3

II. Interpretatorische Ansätze  5

III. Rezeptionsgeschichte  10

Literaturangaben  12

 

I. Aspekte der Entstehungsgeschichte

Kleists Hermannsschlacht ist vermutlich im Jahre 1808 entstanden und muss in einem relativ kurzen Zeitraum niedergeschrieben worden sein.1
Das Stück behandelt eine hochaktuelle Problematik anhand eines historischen Modells. Es ist wie Kleist selbst in einem Brief an den Österreichischen Hofsekretär und Schriftsteller Collin sagt „für den Augenblick berechnet“.2
Der Text ist ein Kommentar zu dem aktuellen Zeitgeschehen, zum Eroberungsfeldzug Napoleons in Europa, hier insbesondere natürlich in den deutschen Staaten. Im Dezember 1808 gab es Anlass zur Hoffnung, dass Deutschland von den Franzosen befreit werden könne. Napoleon zog seine Truppen weitgehend aus Preußen zurück, um spanische Aufstände niederzuschlagen, der preußische König konnte kurzzeitig sogar nach Berlin zurückkehren. Die Rebellion der Spanier gab auch der deutschen Freiheitsbewegung Auftrieb.3 Außerdem hatte Österreich eine moderne Armee aufgebaut, um Norddeutschland im Kampf zu unterstützen.4

An diesem Hoffnungsmoment setzt Kleists stofflich verschlüsselte Utopie eines Befreiungsschlags an. Die Bedrohung Germaniens durch die Römer, die Uneinigkeit unter den vielen deutschen Stammesfürsten, der Wunsch nach Revolte, der Hass auf die Besetzernation, etc., für alles gibt es eine aktuelle Entsprechung. Wobei nicht durchgängig eindeutige Vergleiche hergestellt werden können: Die Römer stehen für die Franzosen, das ist eindeutig. Die uneinigen, zerstrittenen deutschen Stammesfürsten finden ihr entsprechendes aktuelles Pendant in den Staaten des Rheinbundes, so wie die mit Rom verbündeten Stämme, vor allem die Ubier unter dem Fürsten Aristan, etwa für die Staaten Bayern oder Sachsen stehen, die auf Napoleons Seite standen. Ob man nun in Hermann und den Cheruskern Preußen und in Marbod und den Sueven Österreich sehen soll oder gerade umgekehrt, bleibt nicht eindeutig aufzulösen.

Kleists Vertrauen in die Fähigkeit des preußischen Königs, in dem er eine mögliche, Hermann ähnliche Führerfigur sah, den entsprechenden und nötigen „Nationalgeist“5 zu entfachen, schwankte bald auf den österreichischen Kaiser über.6 Das Zögern des preußischen Königs passt auch nicht zu Hermann, der klar die Initiative ergreift. Die historischen Abweichungen sind teilweise also sehr stark. Das Stück ist somit ein Idealbild Kleists, besonders deutlich wird dies selbstverständlich auch durch die Vereinigung der verschiedenen, zu Beginn rivalisierenden Stämme am Schluss.

Als stoffliche Quelle diente Kleist wohl Klopstocks Bardiet (ein religiös-kriegerisches Lied im Ton der germanischen und keltischen Zeit) Hermanns Schlacht von 17697 und Caspar von Lohensteins Roman Arminius von 1689/1690.8 Sein politisches Programm hatte er schon in den Vaterländischen Gedichten entwickelt, die zur selben Zeit entstanden und in engem inhaltlichen Zusammenhang mit dem Stück stehen.

Im Januar 1809 bietet Kleist das Stück dem Wiener Burgtheater mit dringender Empfehlung zur Aufführung an. Im April reist er sogar selbst nach Österreich. Die österreichische Armee mit dem Erzherzog Karl als Befehlshaber galt als Hoffnungsträger, besonders nach ihrem Sieg über die Franzosen in der Schlacht von Aspern.9

Kleist verfolgte mit der Hermannschlacht also konkrete politische Wirkungsabsichten. Es ging ihm darum, im Moment des Kraftschöpfens von der Bühne aus die Hoffnung auf einen Sieg und auf eine Befreiung patriotisch zu stärken und somit auch den Willen zur Rebellion und zum Kampf bei der Bevölkerung aufzubauen.10 Resignation würde nur zu Schwäche und somit zur endgültigen Etablierung der Eroberer führen. Deswegen dringt er immer wieder beim Burgtheater darauf, sich mit dem Stück zu beschäftigen. Er besucht Schlachtfelder und liest den Soldaten patriotische Gedichte vor.11 Er sah seine „Dichtung als ein Mittel im politischen Kampf“.12

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1 Vgl. Reuß, Roland: Zu dieser Ausgabe (Nachwort). In: Heinrich von Kleist: Sämtliche Werke. Brandenburger Kleist-Ausgabe, Band I/7. Hg. v. Roland Reuß und Peter Staengle. Frankfurt a.M.: Stroemfeld Verlag, 2001, S. 191.

2 Ebd., S. 192.

3 Vgl. Michaelis, Rolf: Heinrich von Kleist. Velber: Erhard Friedrich Verlag, 1965, S. 69.

4 Vgl. Hohoff, Curt: Heinrich von Kleist. Hamburg: Rowohlt Verlag, 1958, S. 90ff.

5 Ryan, Lawrence: Die >vaterländische< Umkehr in der „Hermannsschlacht“. In: Kleists Dramen. Neue Interpretationen. Hg. v. Walter Hinderer. Stuttgart: Reclam, 1981, S. 191.

6 Vgl. Ryan, S. 191.

7 Vgl. Drews, Jörg: „Deutschlands große Sache“. Inhalt und Wirkung der „Hermannsschlacht“. In: „Die Hermannsschlacht“ von Heinrich von Kleist. Programmheft. Hannover: Schauspiel Hannover, Spielzeit 2001/2002, S. 8.

8 Vgl. Streller, Siegfried: Das dramatische Werk Heinrich von Kleists. Berlin: Verlag Rütten und Loening, 1966, S. 174.

9 Vgl. Hohoff, S. 90ff.

10 Vgl. Michaelis, S. 69.

11 Vgl. Hohoff, S. 90.

12 Streller, S. 175.

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