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Der Königsfriedhof von Ur und der so genannte Gemdet Nasr-Friedhof

Hauptseminararbeit, 2001, 42 Seiten
Autor: Magister Artium Daniel Hockmann
Fach: Archäologie

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 42
Note: Gut (2)
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V28790
ISBN (E-Book): 978-3-638-30475-7
ISBN (Buch): 978-3-638-64996-4
Dateigröße: 2537 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit beschreibt die Königsgräber und die Privaten Gräber des so genannten Gemdet Nasr Friedhofs zusammen und weist auf die Schwierigkeiten der Datierung dieser Befunde hin. Ein kurzer Überblick zu Grabarchitektur und Bestattungssitten runden die Arbeit ab. 20 Seiten Ausarbeitung, Rest: Abbildungen


Zusammenfassung / Abstract

Der Königsfriedhof von Ur gehört zu den bedeutsamsten Fundorten in Mesopotamien. Obwohl die Ausgrabungen Mitte der 1920er bis in die frühen 1930er Jahre unternommen wurden, ist die Dokumentation außergewöhnlich gut. Seitdem die Funde bekannt wurden, waren der Königsfriedhof von Ur und seine Funde und Befunde Gegenstand vieler Untersuchungen. Gegenstand dieser Arbeit ist es, den gegenwärtigen Forschungsstand zu Fragen der Chronologie und zur Interpretation von Bestattungssitten zu umreißen und die Gräber in ihrem Aufbau und der Architektur zu beschreiben.


Textauszug (computergeneriert)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Vorderasiatische Altertumskunde
Seminar: Das Frühdynastikum Mesopotamiens
7. Fachsemester

Der Königsfriedhof von Ur und der so genannte
Gemdet Nasr-Friedhof

von: Daniel Lau

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 4

2. Forschungsgeschichte  4

3. Topographie  5

4. Stratigraphie / Chronologie  5

4.1. Seal Impression Strata (SIS)  5

4.1.1. Die Schichtenabfolge der SIS mit Belegen  6

4.2. Gemdet Nasr-Friedhof 6
4.3. Privatgräber 7
4.4. Königsgräber 8
4.5. Zusammenfassung  8

5. Grabaufbau und ausgewählte Funde 9

5.1. Gemdet Nasr-Friedhof 9
5.2. Militärfriedhof  9
5.3. Privatgräber 10

5.3.1. PG 755 – Das sogenannte Grab des Meskalamdug  10

6. Architektur und Grabaufbau der Königsgräber  11

6.2. Verknüpfung von Grab 789 und Grab 800  15

7. Grabkult  16

7.2. Literarische Quellen 17
Tod des Gilgame(?)  17
Tod des Ur-Nammu  18

9. Schlußbemerkung  18

10. Abkürzungsverzeichnis 19

11. Literaturverzeichnis  19

12. Abbildungsverzeichnis  22


 

1. Einleitung

Der Königsfriedhof von Ur gehört zu den bedeutsamsten Fundorten in Mesopotamien. Obwohl die Ausgrabungen Mitte der 1920er bis in die frühen 1930er Jahre unternommen wurden, ist die Dokumentation außergewöhnlich gut. Seitdem die Funde bekannt wurden, waren der Königsfriedhof von Ur und seine Funde und Befunde Gegenstand vieler Untersuchungen. Gegenstand dieser Arbeit ist es, den gegenwärtigen Forschungsstand zu Fragen der Chronologie und zur Interpretation von Bestattungssitten zu umreißen und die Gräber in ihrem Aufbau und der Architektur zu beschreiben.

2. Forschungsgeschichte

1919 hatte eine Expedition unter der Leitung von H.R. Hall einen kleinen Teil einer von Nebukadnezar erbauten Umfassungsmauer des Heiligen Bezirks von Ur freigelegt. 1922 wurden von Charles Leonard Woolley weitere Suchschnitte angelegt, um den Verlauf der Mauer zu erfassen. Im Bereich der Südostmauer wurden Gräber gefunden, die reich an goldenen Beigaben waren, so daß der Suchschnitt als „gold trench“ bezeichnet wurde. Die Ausgrabung wurde aufgrund mangelnder Erfahrung der Arbeiter und Archäologen eingestellt. 1926/27 wurde mit erfahreneren Arbeitern und neueren Erkenntnissen über die sumerische Geschichte die Ausgrabungen am Friedhof durch Woolley wieder aufgenommen. Neben einem Friedhof aus akkadischer und jüngerer Zeit fand sich eine Nekropole aus frühdynastischer Zeit mit den sogenannten Königsgräbern. 1 Jährlich wurden weitere Ausgrabungen am Friedhof unternommen. 1929/30 fand die letzte große Kampagne statt, in den Folgejahren 1931/32 und 1933/34 fanden Nachgrabungen statt, die weitere Gräber zutage brachten2, darunter auch den sogenannten Gemdet Nasr-Friedhof (Abb. 3). 1934 erschien die Monographie Ur Excavations Vol. II. The Royal Cemetery. Rund 30 Jahre später bearbeitete Hans Jörg Nissen die Frage der Datierung des Königsfriedhofes neu, seine Monographie Zur Datierung des Königsfriedhofs von Ur erschien im Jahre 1966. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen beschäftigten sich bis heute mit Fragen zu den Themen Datierung, Bestattungssitte, Kunst und Ritual. Darunter wichtige Publikationen wie die Dissertation von Susan Pollock aus dem Jahre 1983. Die Fundstücke der Ausgrabungen befinden sich in den Museen in Baghdad, London und in Philadelphia.

3. Topographie

Ur (Tell el-Muqejjir) liegt im südlichen Irak, rund 15 Kilometer vom Euphrat entfernt und 20 Kilometer südwestlich von Nasirije gelegen (Abb.1). Der Königsfriedhof (Abb.2) liegt am südöstlichen Rand des Tempelgebiets aus der Ur IIIZeit, inmitten eines 9 bis 10 m mächtigen Schuttpakets. Die Bauschutthalde wurde auch zur Zeit der Belegung des Friedhofes weiterhin genutzt. An zwei Seiten wird der Friedhof von Steilhängen begrenzt.3 Die sogenannten Königsgräber formen den Kern der Nekropole, die einfachen Gräber wurden südlich angrenzend angelegt, und ebenso wie die Königsgräber an den Kardinalpunkten orientiert4.

4. Stratigraphie / Chronologie

Es herrscht große Einigkeit darüber, daß der Königsfriedhof von Ur (die Privat- und Königsgräber) über einen Zeitraum von der ED IIIa-Zeit bis zumindest zum Beginn der Ur III-Zeit belegt wurde5. Probleme indes bereitet nach wie vor die innere Chronologie der Anlage, ebenso wie die Frage, wie der sogenannte Gemdet Nasr-Friedhof datiert.

4.1. Seal Impression Strata (SIS)

Woolley nannte den Verfüllschutt im Gebiet des Friedhofs „Seal Impression Strata“ und differenzierte die Schichten I-VIII. Die genaue Datierung der einzelnen Straten bereitet nach wie vor Schwierigkeiten. Es läßt sich jedoch die sichere Aussage machen, daß die Königsgräber jünger als Schicht IV (SIS) und mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht jünger als König (lugal) Mesanepada und seine Frau Ninbanda sind, deren Siegelabrollungen bzw. Siegel in Schicht II-I (SIS) gefunden wurden.

4.1.1. Die Schichtenabfolge der SIS mit Belegen

SIS I-II – Siegel/-abrollungen von König Mesanepada und seiner Frau Ninbanda – immer noch Privatgräber (Datierungsvorschlag: ED IIIb- ?) SIS III (oberer Bereich) – Eanatum von Laga(?) erobert Ur und setzt der „Meskalamdug“- Dynastie von Ur ein Ende (Datierungsvorschlag: Übergang ED IIIa zu ED IIIb ?) SIS III (mittlerer Bereich) – Zeit der Königsgräber (relative Zeitnähe aller Gräber) SIS III (unterer Bereich) – die frühsten Privatgräber, nicht näher datierbar (Datierungsvorschlag: Beginn ED IIIa – Zeit der Fara-Texte / Anzu-dSùd Stufe der Rollsiegel ?) SIS IV – unter den frühesten Gräbern (Tontafeln datieren diese Schicht zwischen die Gemdet Nasr- und die Fara-Zeit = ED II). SIS V-VIII – die Datierung dieser Straten ist problematis ch, vor allem da der sogenannte Gemdet Nasr-Friedhof, der unter diesen Schichten liegen soll, bis in die ED II-Zeit datiert (s.u.) und damit bis in die SIS IV reichen sollte. 4.2. Gemdet Nasr-Friedhof Für die Datierung der Gräber benutzte Woolley polychrom bemalte Gefäße als Leittyp für die Gemdet Nasr-Zeit. Er teilte die Gräber aus der Gemdet Nasr-Zeit in die drei Phasen A, B und C. Die Analyse der Gräber ergab, daß die Gefäße nur in den ältesten und den jüngsten Gräbern enthalten waren. Aus diesem offens ichtlichen Widerspruch folgerte Woolley jedoch eine Gemdet Nasr-Datierung für sämtliche Gräber.6 Noch vor Veröffentlichung von UE IV weist Delougaz7 darauf hin, daß einige der Gräber in ED I Zusammenhang gesehen werden müssen, da sie für diese Zeitstufe typische Keramik enthalten. Auch Nagel8 und Adams9 bezweifeln Woolleys pauschale Datierung aller Gräber in die Gemdet Nasr- Zeit und schlagen zumindest für einige Gräber eine Datierung in die ED IZeit vor.

Korbel und Youzan führten eine Keramikanalyse der Schächte W und X durch und kamen zu dem Ergebnis, daß es eine jüngere und eine ältere Keramikgruppe gäbe und zahlreiche durchlaufende Typen, die jeweils mit der jüngeren und der älteren Gruppe zusammen angetroffen werden können. 10 Insgesamt bestätigen sie Woolleys Dreiteilung des Materials und die Datierung der Gräber in die Gemdet Nasr-Zeit. Susanne Kolbus kam bei ihrer Bearbeitung des Material zu einem anderen Ergebnis. Sie schlägt vor, daß der Unterschied im Material beider Schächte W und X sozio-ökonomischer Natur ist.11 Sie kritisiert Korbels Vorgehen und weist gezielt auf Fehler in seinen Analysen hin12. Aufgrund von Vergleichsstücken in der Keramik, von Steingefäßen, der Abfolge der Schichten (in Schicht E läßt sich Keramik mit denen aus den Gruben X und W vergleichen und in der unmittelbar darüber liegenden Schicht D – ohne, daß ein Hiatus erkennbar wäre – befindet sich bereits Keramik, die in Zusammenhang mit dem Königsfriedhof zu datieren ist) und einem Vergleich mit dem Diyala-Gebiet, in dem in der ED-II-Zeit verstärkt Steingefäße genutzt worden sind, datiert sie die Gräber in einen Zeitraum von der Gemdet Nasr- bis zur ED II-Zeit13. Gockel wiederum plädiert dafür, daß das Material aus Schacht W jünger ist, als das aus Schacht X. 14 Eickhoff15 datiert Pit X von der Spätstufe der frühsumerischen Zeit bis zum Beginn der Frühdynastischen Zeit und Pit W von der ED I- bis in die ED II-Zeit und zitiert Forest16, der die Gräber aufgrund von Keramikvergleichen in die Gemdet Nasr- bis ED II- Zeit datiert (Pit X: GN bis Anfang ED II; Pit W: ED I bis ED II).

4.3. Privatgräber

Susan Pollock konnte anhand einer Keramikseriation, die sie mit stratigraphischen Befunden Keramikfunden aus der Diyala-Region, Abu Salabikh, Ki(?) und Fara, und Rollsiegeln verglich, 6 signifikante Phasen unterscheiden. Phasen I-II datieren nach ED IIIa, Phase III nach ED IIIb und Phasen IV-VI datieren in die Akkadzeit17. 241 Gräber wurden anhand der Seriation datiert, weitere Gräber wurden anhand von anderen Datierungsmethoden (vergleichende Stratigraphie, Keramik- und Metallgefäße, Rollsiegel)18. Damit steht für die Belegung der Privatgräber eine Zeitraum von der ED IIIa- bis zur Akkadzeit fest.

4.4. Königsgräber

[...]


1 Woolley, Ur of the Chaldees 51-52.

2 Nissen, Datierung 8.

3 Ebd. 143.

4 Woolley, UE II 141.

5 Pollock, Chronology 129.

6 Kolbus, Gemdet Nasr 1.

7 Delougaz, Diyala 138.

8 Nagel, Buntkeramiker 18, Taf. 37.7.

9 Adams, Evolution 96.

10 Korbel, Keramikanalyse 16; Ders., EDV-gestützter Gliederungsvorschlag 81.

11 Ebd. 36. 55.

12 Kolbus, EDV-gestützer Gliederungsvorschlag 135-139.

13 Kolbus, Gemdet Nasr-Friedhof 6-7; Vértesalij/Kolbus, Protodynastic Development 88-89.

14 Korbel, EDV-gestützter Gliederungsvorschlag 55; Gockel, Ur und Al-‚Ubaid 35.

15 Eickhoff, Grab und Beigabe 156, Anm. 202.

16 Forest pratiques funéraires 119.

17 Pollock, Chronology 135-140.

18 Ebd. 141-143.


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