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Die Geschichtsphilosophie Johann Gottfried Herders - Versuch einer Typologie mit besonderer Berücksichtigung der sprachlichen und ästhetischen Reflexion

Scholary Paper (Seminar), 2004, 27 Pages
Author: Erik Fischer
Subject: History - Theory

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 27
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V28812
ISBN (E-book): 978-3-638-30492-4
ISBN (Book): 978-3-638-69215-1
File size: 266 KB
Notes :
Ein Überblick über die weitreichenden geschichtsphilosophischen Überlegungen Herders mit einer besonderen Berücksichtigung der sprachlichen und ästhetischen Reflexion.


Abstract

Die Herdersche Geschichtsphilosophie ist sehr komplex. Eine ausführliche Darstellung dieser, würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Aus diesem Grund wird sich die Arbeit lediglich mit einem Aspekt näher auseinandersetzen: Mit seinem Verhältnis zur Sprache und Ästhetik als Ausdrucksmittel einer Geschichtsphilosophie. Vorangestellt wird diesen Kapiteln ein allgemein gehaltener Überblick über die Ausformung der Geschichtswissenschaft, und speziell der Geschichtsphilosophie im 18. Jahrhundert, wobei jedoch auf eine detaillierte, historisiernde Ausführung verzichtet wird. Dem schließt sich der Versuch an, die Grundideen der Herderschen Geschichtsphilosophie in einer Typologie darzustellen.


Excerpt (computer-generated)

Die Geschichtsphilosophie Johann Gottfried Herders.
Versuch einer Typologie mit besonderer Berücksichtigung der sprachlichen
und ästhetischen Reflexion

Hausarbeit 

im Teilbereich Neuere Geschichte
Geschichtswissenschaft
Seminar: Das Zeitalter der Aufklärung
Sommersemester 2004

vorgelegt von: 

Erik Fischer

Greifswald im August 2004

 


„Geschichte gestaltet als geistiger Spiegel der Natur wie jene selbst in unendlichen und unberechenbaren Formen: sie übt keine Methode und überspielt verächtlich jedwedes Gesetz. Bald scheint sie zielhaft wie Wasser zu strömen, bald wölkt sie Geschehnisse aus dem lockeren Zufall des Winds. Oft stuft sie Epochen mit der großen Geduld der langsam aufwachsenden Kristalle, dann wieder preßt sie andrängende Sphären dramatisch in einen einzigen Blitz. Immer Bildnerin, enthüllt sie einzig in solchen Sekunden genialer Verkürzung sich als Künstlerin: denn ob Millionen Energien unsere Welt bewegen, immer sind es nur jene wenigen explosiven Augenblicke, die ihr dramatische Formen geben. [...] Wo sie vollends gestaltet, bedarf die Geschichte keiner nachhelfenden Hand, sondern einzig des ehrfürchtig darstellenden Worts.“

Stefan Zweig in der Vorrede zu seinen Sternstunden der Menschheit

 

Inhalt

1. Ziel, Inhalt und Grundlagen der Arbeit Seite 4

2. Die Geschichtswissenschaft in der Aufklärung: Entwicklung einer philosophischen Betrachtung von „Geschichte“ Seite 7

3. Herders Geschichtsphilosophie - Versuch einer Typologie Seite 10
3.1 „Gesetze“ in der Geschichte Seite 11
3.2 Der Ursprungs- und Entwicklungsgedanke Seite 11
3.3 Philosophische Erkenntnis der Geschichte Seite 13
3.4 Die Bestimmung der Gegenwart und Zukunft Seite 14
3.5 Geschichtlichkeit und menschliche Natur Seite 16

4. Sprachliche und ästhetische Reflexion in der Geschichtsphilosophie Herders Seite 17

5. Zusammenfassung und Ausblick. Herder als „Gründervater des Historismus“ Seite 20

Quellen- und Literaturverzeichnis Seite 23

 

1. Ziel, Inhalt und Grundlagen der Arbeit

Diese Arbeit möchte sich mit Johann Gottfried Herder und seinem Verhältnis zur „Geschichte“ 1 auseinandersetzen. Herder war fasziniert von der Geschichte und dem Gedanken sich mit dieser auf einem neuen wissenschaftlichen Niveau zu beschäftigen: „Ob denn, da alles in der Welt seine Philosophie und Wissenschaft habe, nicht auch das, was uns am nächsten angeht, die Geschichte der Menschheit, im ganzen und grossen eine Philosophie und Wissenschaft haben sollte?“2 Auch in seinem Reisetagebuch Journal meiner Reise im Jahre 1769 (künftig: Journal) wird dies deutlich, wenn sich Herder hier in der Rolle des Begründers einer „Metaphysik der Geschichte“3 sieht, mit der er „die verwirrende Vielfalt der sozialen und politischen Entwicklung der Menschheit zu einer systematischen Gesamtschau verbinden“4 möchte. Die Entwicklung einer Geschichtsphilosophie wurde für Herder also die leitende Fragestellung in seinem Schaffen.

Jedoch ist bereits die Aussage, die Herdersche Geschichtsphilosophie in ihrer Gesamtheit erfassen zu wollen problematisch, denn das Oeuvres Herders, sowohl sein wissenschaftliches, als auch große Teil seines poetischen Werkes, sind von einer geschichtsphilosophischen Perspektive durchflutet. Zudem hat Herder bei seiner Betrachtung der Geschichte sämtliche philosophischen Diskurse bedient. Er hat sich, erstens, Gedanken gemacht zum Ursprung alles Geschichtlichen, zweitens zur historischen Entwicklung, drittens zu seiner eigenen historischen Gegenwart und schließlich viertens zur Möglichkeit, eine Zukunft der Geschichte zu skizzieren. Über all dem stand die Suche nach einem Sinn, einem inneren Zusammenhang und der Einheit in der Geschichte, wobei hier sehr viel religiöses Denken von dem studierten Theologen in die Überlegungen mit hinein gebracht wurde.
Zusätzlich noch wurden diese Diskurse von einem besonderen Konzept der Geschichtsschreibung getragen, in dem Poesie und Geschichte eine bemerkenswerte Symbiose miteinander eingegangen sind.

Diese Punkte führen zu Schwierigkeiten bei einer Herder-Interpretation. Im Vorwort seines Sammelbandes nannte Martin Bollacher dies eine „Inkommensurabilität“5 der Herderschen Schriften. Aufgrund ständiger Überschneidungen kommt es dazu, dass sich diese „dem systematischen Zugriff der diskursiven Logik ebenso wie den tradierten poetologischen und ästhetischen Konventionen“6 entziehen. Vielen war dies bei der Betrachtung von Herders Schaffen klar: Er war und ist ein umstrittener Denker. Als Beispiel dafür gelten nicht nur seine schwer zugänglichen Schriften, sondern wohl auch die Auseinandersetzungen sowohl mit Schlözer, als auch mit Kant und Herders Nachwirkung, z.B. auf Jacob Burckhardt. Dieser nämlich polemisiert am Anfang seiner Weltgeschichtlichen Betrachtungen gegen die Geschichtsphilosophie, speziell gegen die Hegelsche, und brandmarkt diese als einen „Kentauren“. Geschichte und Philosophie schließen sich seiner Meinung nach aus. Einzig in einem Punkt lenkte er ein: „Immerhin ist man dem Kentauren den höchsten Dank schuldig und begrüßt ihn gerne hie und da an einem Waldesrand der geschichtlichen Studien. Welches auch sein Prinzip gewesen, er hat einzelne mächtige Ausblicke durch den Wald gehauen und Salz in die Geschichte gebracht. Denken wir dabei nur an Herder.“7 Burckhardt ehrte hier, dass Herder die Geschichte nicht in ein dogmatisches, teleologisches System gepresst hat, sondern dem Betrachter der Geschichte gewisse Freiräume in der Interpretation und „Anregung zur problemorientierten Geschichtsbetrachtung“8 gab.

Bereits an diesem kurzen Problemaufriß ist deutlich geworden, dass die Herdersche Geschichtsphilosophie sehr komplex ist. Eine ausführliche Darstellung dieser würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Aus diesem Grund wird sich die Arbeit lediglich mit einem Aspekt näher auseinandersetzen: Mit seinem Verhältnis zur Sprache und Ästhetik als Ausdrucksmittel einer Geschichtsphilosophie. Vorangestellt wird diesen Kapiteln ein allgemein gehaltener Überblick über die Ausformung der Geschichtswissenschaft, und speziell der Geschichtsphilosophie im 18. Jahrhundert, wobei jedoch auf eine detaillierte, historisiernde Ausführung verzichtet wird. Dem schließt sich der Versuch an, die Grundideen der Herderschen Geschichtsphilosophie in einer Typologie darzustellen.

Die Problemstellung des Herderschen Denkens schlägt sich auch in der Forschungsgeschichte nieder, die sich in einer Vielzahl von Publikationen, Kolloquien und Tagungen eben diesem zugewendet hat.9 Dabei wurden sämtliche von Herder behandelten Diskurse abgedeckt. Das Thema ist also sehr gut erschlossen. Einige für den Rahmen dieser Untersuchung wichtige Werke sollen hier nur kurz erwähnt werden:

[....]


1 Im eigentlichen Sinne ist bereits dieser Begriff diskussionswürdig, doch dafür kann in dieser Arbeit kein Raum sein. Vgl. Koselleck, Reinhart, s.v. Geschichte, Historie, in: Geschichtliche Grundbegriffe (künftig: GG) 2 (1979), S. 593-718.

2 Herder im Vorwort zu seinem Werk Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit [künftig: Ideen], zitiert nach: Reill, Peter H., Herder’s Historical Practice and the Discourse of Late Entligthment Science, in: Koepke, Wulf (Hrsg.), Johann Gottfried Herder. Academic Disciplines and the Pursuit of Knowledge, Columbia, SC. 1996, S. 13-21, hier: S. 13.

3 Proß, Wolfgang, Die Begründung der Geschichte aus der Natur: Herders Konzept von „Gesetzen“ in der Geschichte, in: Bödecker, Hans/Reill, Peter H./Schlumbohm, Jürgen (Hrsgg.), Wissenschaft als kulturelle Praxis, 1750-1900, Göttingen 1990, S. 187-225, hier: S. 188.

4 Ebd.

5 Bollacher, Martin (Hrsg.), Johann Gottfried Herder: Geschichte und Kultur, Würzburg 1994, X.

6 Ebd.

7 Jacob Burckhardt, zitiert nach: Koepke, Wulf, Herders Idee der Geschichte in der Sicht des frühen 20. Jahrhunderts, in: Bollacher, Martin (Hrsg.), Johann Gottfried Herder: Geschichte und Kultur, Würzburg 1994, S. 375-392, hier: S. 376.

8 Ebd.

9 Eine der Vielzahl noch nicht angemessene Auswahl an Publikationen gibt die der Arbeit beigefügte Bibliographie wieder.


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