Autor: Claudia Rittig
Fach: Pädagogik - Schulpädagogik
Details
Institution/Hochschule: Universität Rostock (Schulpädagogik)
Jahr: 2000
Seiten: 18
Note: 2
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 198 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-30755-0
Textauszug (computergeneriert)
Universität Rostock
Institut für Schulpädagogik
Hauptseminar: Was will, was kann, was sollte Schule leisten?
Die Realschule – Geschichte, Gegenwart und Probleme
von: Claudia Rittig
Inhalt
1. Einführung 3
2. Die Geschichte der Realschule und ihr damaliger Bildungsauftrag 4
2.1. Anfänge und Weiterentwicklung bis zur Weimarer Republik 4
2.2. Die Entwicklung der Realschule nach 1945, ihr heutiger Bildungsauftrag und ihr Bildungsangebot 6
3. Das Differenzierungskonzept 8
4. Veränderungen und Probleme im Schulsystem und Lösungsvorschläge 10
5. Tendenzen und Entwicklungen 14
6. Endbetrachtung 17
7. Literatur 18
1. Einführung
Was ist das eigentlich, die Realschule? Welche Geschichte hat sie? Wie hat sie sich entwickelt und welche Aufgaben soll sie erfüllen? Auf diese Fragen werde ich versuchen, einzugehen. Aber nicht nur darauf, sondern auch auf ihren Bildungsauftrag und die Probleme, die an der Realschule existieren, werde ich eingehen. Da ich nicht selbst dieses Thema gewählt habe, nehme ich an, daß ich mich mit der Realschule beschäftigen sollte, weil sie wahrscheinlich oft „übersehen“ wird innerhalb der Debatte um Schulformen in Deutschland. Die anderen Schulformen Gymnasium und Hauptschule haben im Moment und womöglich ebenso in der Zukunft mit Problemen zu kämpfen, die immer wieder in der Öffentlichkeit und den Medien dargestellt werden. Die Realschule bleibt dabei etwas außen vor, was vielleicht als glückliche Fügung angesehen werden kann, weil sie so fast ungestört arbeiten kann. Mir erschien es sinnvoll, um das Phänomen Realschule gut darstellen zu können, mit ihrer Geschichte zu beginnen und von diesem Aspekt auf heutige Problemstellungen überzuleiten.
2. Geschichte der Realschule und ihr damaliger Bildungsauftrag
2.1. Anfänge und Weiterentwicklung bis zur Weimarer Republik
Bereits zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurden Versuche unternommen, eine Schule den damals vorherrschenden pädagogischen Ideen entsprechend zu errichten. Eine dieser Ideen der damaligen Zeit war der pädagogische Realismus: Er setzte sich für die Übernahme der Realien, also die Fächer Naturkunde, Geographie und Geschichte, ein. Dies ist auch in Zusammenhang mit der beginnenden Industrialisierung und den damit verbundenen nötigen naturwissenschaftlichen Kenntnissen zu sehen. Die vorhandenen Schulen (Elementar-/Volksschule und Gymnasium) konnten den neu entstandenen Bildungsbedürfnissen nicht gänzlich und angemessen Rechnung tragen. An die Öffentlichkeit trat zum Beispiel Christof Semler im Jahre 1705 heran, als er Vorschläge zur Errichtung einer realistischen Schule unterbreitete. Aufgrund dieser Vorbemühungen war es ihm möglich, 1706 die Mathematische und Mechanische Realschule in Halle zu gründen. 1747 konnte unter Johann Julius Hecker in Berlin eine zweite Realschule entstehen, die den Charakter einer ökonomisch-mathematischen Realschule hatte und als Vorbild für weitere Realschulgründungen diente. In Preußen wurde durch die Allgemeinen Bestimmungen des Jahres 1872 der einheitliche Name „Mittelschule“ festgesetzt und für eine einheitliche Gestaltung des mittleren Schulwesens gesorgt. Damit sollte eine solide Ausbildung des Mittelstandes ermöglicht werden. Von der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr die Entwicklung dieser Schulart einen immensen Aufschwung.
Während am Gymnasium besonders auf die alten Sprachen Griechisch und Latein Wert gelegt wurde, nahm man an der Realschule auch die modernen Sprachen Englisch und Französisch in das Curriculum auf. Weiterhin trat an der Realschule der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht, im Gegensatz zum Gymnasium, in den Vordergrund. Die Pädagogen griffen auf die Veranschaulichung als didaktisches Mittel zurück, verlangten eine sorgfältige Berücksichtigung der wirklichen (realen) Welt und versuchten, durch Vermittlung mittels Apparaten, Modellen und Sammlungen ein Verständnis multipler Erscheinungen bei den Schülern zu erreichen (vgl. EXNER-SEEMANN S. 13). Trotzdem wurde der Bildungsauftrag der Realschule als ein allgemeinbildender angesehen. Sie sollte daher auf berufliche und gesellschaftliche Funktionen vorbereiten. So sprach zum Beispiel in Preußen das Ministerium die Empfehlung aus, auf die örtlichen beruflichen Möglichkeiten der Schüler bei der Erstellung des Lehrplanes Rücksicht zu nehmen. (vgl. WOLLENWEBER S. 185) Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Lehrplan so abgestimmt, daß ein Übergang auf ein humanistisches Gymnasium möglich war. Darüber hinaus wurde 1931 von den deutschen Ländern eine Vereinbarung getroffen, die das Zeugnis der mittleren Reife vereinheitlichte und es als „Nachweis des Grades allgemeiner Bildung und geistiger Reife zur Voraussetzung für den Eintritt in Berufe oder Berufslaufbahnen der mittleren Stufe des Berufsausbaues“ auswies (zit. n. WOLLENWEBER S. 10). Es forderte einen zehnjährigen Bildungsgang, bei dem eine Allgemeinbildung vorgesehen war, die nicht unter der in der preußischen Mittelschule vermittelten lag. (vgl. WOLLENWEBER S.10/11). Die zehnjährige Schulzeit der Mittelschule ergab sich erst durch die Reorganisation des Schulwesens in der Weimarer Republik. Alle Schularten hatten bis dahin drei Vor-klassen, diese wurden nun durch vier Grundschulklassen ersetzt. Dazu kam die sechsjährige Zeit des Mittelbaus und man war bei einer Gesamtschulzeit von zehn Jahren angelangt. Jetzt war die Mittelschule dafür da, für die Allgemeinbildung einer breiten Bevölkerungsschicht zu sorgen und nicht, wie es in der Vergangenheit war, nur die berufsbildende Aufgabe für den Mittelstand zu erfüllen. (vgl. WOLLENWEBER S. 186)
2.2. Die Entwicklung der Realschule nach 1945, ihr heutiger Bildungsauftrag und ihr Bildungsangebot
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