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Zivilreligion - Moral und Grenzen einer Idee

Seminararbeit,  2004, 14 Seiten
Preis: 5,99 EUR (E-Book), 10,99 EUR (Buch)
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Details zum Text

Beschreibung

Veranstaltung:
Einführung in die Angewandte Ethik
Institution / Hochschule:
Autor:
Archivnummer:
V29313
ISBN (E-Book):
978-3-638-30861-8
ISBN (Buch):
978-3-638-76074-4
DOI:
10.3239/9783638308618
Dateigröße:
432 KB

Kategorie:
Seminararbeit
Jahr:
2004
Seiten:
14
Note:
1,3
Sprache:
Deutsch

Schlagworte:

Zusammenfassung / Abstract

Mit dieser Hausarbeit möchte ich eine schlaglichtartige Beleuchtung ausgewählter Aspekte zu dem Thema der Zivilreligion bzw. Civil Religion geben. Im ersten Abschnitt wird versucht den Begriff der Zivilreligion umfassend darzustellen und dessen Voraussetzungen zu klären. Der zweite Abschnitt erläutert die mit der Zivilreligion verknüpften moralischen Werte und den Zusammenhang mit der Ideengeschichte des Kommunitarismus. Wozu das Konzept der Zivilreligion fähig ist und wo sich die Grenzen dieser Fähigkeiten befinden bzw. welche Merkmale der Zivilreligion einer kritischen Betrachtung bedürfen, soll im dritten Abschnitt geklärt werden. Obwohl es mir wichtig ist, das Phänomen der Zivilreligion geografisch übergreifend darzustellen, ist dies nicht möglich, ohne in dieser Arbeit häufig auf die beispielhafte Entwicklung in den USA zu verweisen, wo eine umfassende Civil Religion am ehesten zu finden ist. Darüber hinaus versuche ich die Abstraktheit des Modells durch veranschaulichende Beispiele innerhalb dieser Arbeit abzumildern. Unter den Autoren lege ich einen Schwerpunkt auf die Arbeiten von RICHARD N. BELLAH, der den Begriff mit seinem Aufsatz „Civil Religion in America“ aus dem Jahre 1967 prägte. Als Mensch vereinigt BELLAH die Seelen eines Wissenschaftlers und gläubigen Christen, was zur Folge hat, dass er der wissenschaftlichen Welterkenntnis (vgl. SCHIEDER 1987, S.85,86) eindeutige Grenzen zuweist, andererseits seine Erkenntnisse erst die Basis für sein gesellschaftli-ches Engagement darstellen. Er will Zustände verändern, nicht nur analysieren. Seine Arbeiten sind in gewissen Maße selbstbezüglich. Dennoch, im Laufe der zeitgeschichtlichen Entwicklung und seiner eigenen menschlichen Reifung relativiert auch er viele seiner normativen Ansichten.

Textauszug (computergeneriert)

Zivilreligion - Moral und Grenzen einer Idee

von: Christian Bacher

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 2

I. Definition und Voraussetzungen einer Zivilreligion 2

II. Zivilreligiöse Werte und Kommunitarismus 7

III. Leistungsfähigkeit und Grenzen der Zivilreligion 9

Fazit 12

Literaturverzeichnis 13

 

 

Einleitung

Mit dieser Hausarbeit möchte ich eine schlaglichtartige Beleuchtung ausgewählter Aspekte zu dem Thema der Zivilreligion bzw. Civil Religion1 geben. Im ersten Abschnitt wird versucht den Begriff der Zivilreligion umfassend darzustellen und dessen Voraussetzungen zu klären. Der zweite Abschnitt erläutert die mit der Zivilreligion verknüp ften moralischen Werte und den Zusammenhang mit der Ideengeschichte des Kommunitarismus. Wozu das Konzept der Zivilreligion fähig ist und wo sich die Grenzen dieser Fähigkeiten befinden bzw. welche Merkmale der Zivilreligion einer kritischen Betrachtung bedürfen, soll im dritten Abschnitt geklärt werden.

Obwohl es mir wichtig ist, das Phänomen der Zivilreligion geografisch übergreifend darzustellen, ist dies nicht möglich, ohne in dieser Arbeit häufig auf die beispielhafte Entwicklung in den USA zu verweisen, wo eine umfassende Civil Religion am ehesten zu finden ist. Darüber hinaus versuche ich die Abstraktheit des Modells durch veranschaulichende Beispiele innerhalb dieser Arbeit abzumildern. Unter den Autoren lege ich einen Schwerpunkt auf die Arbeiten von RICHARD N. BELLAH, der den Begriff mit seinem Aufsatz „Civil Religion in America“ aus dem Jahre 1967 prägte. Als Mensch vereinigt BELLAH die Seelen eines Wissenschaftlers und gläubigen Christen, was zur Folge hat, dass er der wissenschaftlichen Welterkenntnis (vgl. SCHIEDER 1987, S.85,86) eindeutige Grenzen zuweist, andererseits seine Erkenntnisse erst die Basis für sein gesellschaftliches Engagement darstellen. Er will Zustände verändern, nicht nur analysieren. Seine Arbeiten sind in gewissen Maße selbstbezüglich. Dennoch, im Laufe der zeitgeschichtlichen Entwicklung und seiner eigenen menschlichen Reifung relativiert auch er viele seiner normativen Ansichten.

I. Definition und Voraussetzungen einer Zivilreligion

Eine umfassende und begrenzende Definition von Begriffen wie Religion im Allgemeinen und Zivilreligion im Besonderen ist nicht einfach. Es ist allgemeine Praxis, dass Zuschreibungen versucht werden, d.h. den genannten Begriffen Merkmale zuzuordnen, welche in einem bestimmten Zeitalter, für einen begrenzten geografischen Raum und eine bestimmte Kultur zutreffen. Dabei fließt in die Religionszuschreibungen eher die Meinung, die Öffentlich- keit und Medien vertreten ein, der theologisch-kirchliche Einfluss auf den Religionsbegriff ist dabei eher gering. Ermittelt werden diese Merkmale innerhalb von Diskursen, als Ergebnisse von fortwährenden Kommunikationsprozessen innerhalb der Gesellschaft. „I conceive [...] of the American civil religion […] as the subordination of the nation to ethical principles that transcend it in terms of which it should be judged.” (BELLAH 1967, S.1) Was BELLAH hier mit „ethical principles” beschreibt, ist nicht weniger als ein Mindestmaß an gesellschaftlich übergreifenden, gemeinsam geteilten, normativen Grundwerten und -überzeugungen, die nicht nur den Staat, sondern auch das Individuum an eine Gemeinschaft binden und für den Zusammenhalt dieser Gemeinschaft sorgen. Für den religiösen Bezug der Zivilreligion sorgt ein „von den Menschen in dieser Gesellschaft geteiltes religiöses Weltbild, das die moralischen Regeln des Gemeinwesens begründet und legitimiert“ (HASE 2001, S.53), denn auch BELLAH (1967, S.1; Hervorh. von mir) meint, „every nation and every people come to some form of religious self-understanding“. Eine weiterführende Erläuterung von Civil Religion ermöglicht die Trennung und separate Beschreibung von Civil und Religion. Der Religionsbegriff BELLAHS basiert auf einem integrativen, aber abstrakt-autonomen, von EMILE DURKHEIM entlehnten, Religionsbegriff. Zunächst ist der Glaube an eine übergeordnete „Macht oder Kraft“2, der das menschliche Leben unterliegt, für eine Religionsentstehung notwendig. Zweite Voraussetzung ist, „dass ein religiöses System Vorstellungen mit auf diesen Vorstellungen bezogenen Handlungen verbindet, und dass sowohl die Handlungen als auch die Vorstellungsinhalte für den einzelnen verpflichtenden Charakter haben“3 (HASE 2001, S.31). Drittens müssen diese Wertevorstellungen und Praktiken kollektiv, von einer Gemeinschaft, getragen werden. Repräsentiert wird die Religion dabei durch Institutionen, Kulte und Riten, in welchen der religiösen Mythen gedacht wird. BELLAH (1967, S.3) meint dazu: „This public religious dimension is expressed in a set of beliefs, symbols, and rituals that I am calling American civil religion.“4 Dabei entsteht keine Religion aus dem Nichts, jedes Mitglied der Gemeinschaft findet sich bereits in einer bestimmten Tradition und Historie wieder (vgl. SCHIEDER 2001a, S.12). Individuell findet Religion auch eine Entsprechung in den Begriffen Weltanschauung, Überzeugung oder Sinnstiftung, auf welchen individuelle Handlungen basieren.

[...]


1 Civil Religion wird hier gleichbedeutend mit Zivilreligion verwendet, obgleich der deutsche Kontext vom amerikanischen abweicht. Insbesondere wird auf Civil Religion zurückgegriffen, wenn sich der Text auf den USamerikanischen Kontext, z.B. in Beispielen oder hervorzuhebenden Entwicklungen, bezieht.

2 DURKHEIM sieht den Ursprung dieser Kraft in der Ausdifferenzierung einer Gesellschaft. Auf Basis von gegenseitigen Abhängigkeiten der Individuen und der sozioökonomischen Umstände des gemeinschaftlichen und arbeitsteiligen Zusammenlebens setzt im Laufe der Zeit ein kultureller Interpretationsprozess bezüglich der ‚gesellschaftlichen Macht’ ein, der als Ergebnis Phänomene wie Götter und Geister auswirft (vgl. HASE 2001, S.31).

3 Auch SCHIEDER (2001a, S.12) reflektiert DURKHEIM, indem DURKHEIM Religion als Zwang gegenüber ihren Mitgliedern ausweise, welche einen aus kollektiven Anschauungen verbindlichen Charakter für das Individuum habe. Für individuelle Wirklichkeitsdeutungen ist somit kein Platz.

4 Zitate wie „bringing hope to the oppressed, and delivering justice to the violent“, „ I believe that God has planted in every human heart the desire to live in freedom.“, „Our aim is a democratic peace - a peace founded upon the dignity and rights of every man and woman.”, „We can trust in that greater power who guides the unfolding of the years. And in all that is to come, we can know that His purposes are just and true.” aus der ‚State of the Union Adress’ (BUSH 2004, S.1-9) , deuten auf die Mythen über Gründung und Bestimmung der USA hin, wobei beide in dem immer wiederkehrenden Ritus der Rede zum ‚State of the Union’ verankert sind.

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