Details

Veranstaltung: Vernunftbegriff und Gesellschaftstheorie bei Jürgen Habermas
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 1998
Seiten: 16
Note: 1.0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 225 KB
Archivnummer: V29348
ISBN (E-Book): 978-3-638-30879-3
ISBN (Buch): 978-3-638-78936-3
Anmerkungen :
Habermas diagnostiziert in modernen, kapitalistischen Gesellschaften pathologische Phänomene der kulturellen Verarmung und der systemisch induzierten Verdinglichung . Um die Sozialpathologie der Moderne überwinden zu können, hat Habermas mit der „Theorie des kommunikativen Handelns“ den Lösungsversuch unternommen.

Zusammenfassung / Abstract

Die verschiedenen Ebenen der kritischen Gesellschaftstheorie von Habermas laufen in den Grundbegriffen Lebenswelt und System zusammen. Sie bezeichnen jeweils nicht nur einen gesellschaftlichen Ort rationalen Handelns, sondern auch verschiedene Theorieperspektiven, aus denen heraus der Gesellschaftszusammenhang beschrieben wird. Er spricht deshalb von den Paradigmen Lebenswelt und System, die durch ein zweistufiges Konzept der Gesellschaft miteinander verbunden werden sollen. Das Verhältnis von Lebenswelt und System stellt sich einmal als Zweistufigkeit unmittelbarer Handlungszusammenhänge und daran angebundener Entlastungsmechanismen dar; ein anderes Mal bilden sie konkurrierende Bereiche, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Nach der Zusammenfügung der Diskussion über System und Lebenswelt wird im nächsten Schritt auf die Gesellschaftsanalyse von Habermas eingegangen. Dass Lebenswelt und System jeweils als Elemente eines zweistufigen Konzepts, als Perspektiven hinsichtlich des Gesellschaftsganzen und als Orte sozialen Handelns auftreten, ist zunächst ebenso verwirrend wie die Tatsache, dass die Lebenswelt gleichzeitig als ein durch Kolonialisierungsprozesse bedrohter Bereich erscheint. In einem letzten Schritt wird der Ausweg der Sozialpathologie der Moderne d.h. der Kolonialisierung der Lebenswelt durch das System und Lebensweltkonzept mit der Theorie des kommunikativen Handelns diskutiert.

Textauszug (computergeneriert)

Zweistufiges Modell der Gesellschaft bei Jürgen Habermas:
Lebenswelt und System

von: Mansoon Ahn

 


Inhalt

I. Einleitung  2

II. Die Theorie des kommunikativen Handelns 3

III. Der Paradigmawechsel von Bewußtseinsphilosophie zur Kommunikationstheorie  4

IV. Zweistufiges Modell der Gesellschaft 7

4.1. Lebenswelt  8
4.2. System 9

V. Kolonialisierung der Lebenswelt durch das System 10

VI. Schlußfolgerung  12

VII. Literaturverzeichnis  15


 

I. Einleitung

Habermas diagnostiziert in modernen, kapitalistischen Gesellschaften pathologische Phänomene der kulturellen Verarmung und der systemisch induzierten Verdinglichung1. Um die Sozialpathologie der Moderne überwinden zu können, hat Habermas mit der „Theorie des kommunikativen Handelns“ den Lösungsversuch unternommen. Die Theorie des kommunikativen Handelns von Habermas enthält den Grundriß einer Gesellschaftstheorie, die den Ort einer Einheit der Vernunft in der Gesellschaft zu bestimmen versucht und zeigt, wie moderne Krisenphänomene als Ausdruck eines vereinseitigten Rationalisierungsprozesses begriffen werden können. Ich halte es für sinnvoll, zunächst die zentralen Motive und dann die wichtigen Begriffe von Habermas´ Theorie des kommunikativen Handelns herauszuarbeiten. Um diesen Zusammenhang zu erfassen, schlägt Habermas einen Paradigmawechsel von der Bewußtseinsphilosophie zur Kommunikationstheorie vor. Darüber werde ich im nächsten Abschnitt sprechen.

Die verschiedenen Ebenen der Kritischen Gesellschaftstheorie von Habermas laufen in den Grundbegriffen Lebenswelt und System zusammen. Sie bezeichnen jeweils nicht nur einen gesellschaftlichen Ort rationalen Handelns, sondern auch verschiedene Theorieperspektiven, aus denen heraus der Gesellschaftszusammenhang beschrieben wird. Er spricht deshalb von den Paradigmen Lebenswelt und System, die durch ein zweistufiges Konzept der Gesellschaft miteinander verbunden werden sollen. Das Verhältnis von Lebenswelt und System stellt sich einmal als Zweistufigkeit unmittelbarer Handlungszusammenhänge und daran angebundener Entlastungsmechanismen dar; ein anderes Mal bilden sie konkurrierende Bereiche, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Nach der Zusammenfügung der Diskussion über System und Lebenswelt werde ich im nächsten Schritt auf die Gesellschaftsanalyse von Habermas eingehen. Daß Lebenswelt und System jeweils als Elemente eines zweistufigen Konzepts, als Perspektiven hinsichtlich des Gesellschaftsganzen und als Orte sozialen Handelns auftreten, ist zunächst ebenso verwirrend wie die Tatsache, daß die Lebenswelt gleichze itig als ein durch Kolonialisierungsprozesse bedrohter Bereich erscheint. In einem letzten Schritt wird der Ausweg der Sozialpathologie der Moderne d.h. der Kolonialisierung der Lebenswelt durch das System und Lebensweltkonzept mit der Theorie des kommunikativen Handelns diskutiert.

II. Die Theorie des kommunikativen Handelns

Im Ausgangspunkt des Habermas´schen Werkes „Die Theorie des kommunikativen Handelns (1981)“ steht Max Webers theoretisch zentrale Frage, „wie der okzidentale Rationalismus erklärt werden kann“2. Habermas will mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns hauptsächlich den Vernunftbegriff kritisch komplementieren oder reformieren, der in Webers Zentralkategorie „Zweckrationalität“ halbiert wurde, und von Horkheimer als „instrumentelle Vernunft“ einseitig erfaßt wurde. Des öfteren pocht Habermas beharrlich darauf, daß er von einer Konvergenz zwischen der Weber´schen `Rationalisierungsthese´ einerseits und der Horkheimer´schen `Kritik der instrumentellen Vernunft´ andererseits ausgeht und darüber hinaus die Defizite der beiden gesellschaftlichen Theorieansätze zu überwinden versuchen will. Weber und Horkheimer sind sich einig in ihrer Zeitdiagnose der modernen Rationalisierungsprozesse in der Auffassung, daß die modernen Rationalisierungsprozesse im Endeffekt in „Sinnverlust“ einerseits und in „Freiheitsverlust“ anderseits münden. Für Weber endet der moderne formale Rationalisierungsprozeß im „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“ der Bürokratie, für Horkheimer und Adorno in der „verwalteten Welt“3 . Habermas zielt durch seine kritische Auseinandersetzung mit Weber, Horkheimer und Adorno darauf ab, erstens die Paradoxien oder Dilemmata der Kritik der instrumentellen als zweckrational angedeuteten Vernunft zu überwinden und zweitens vor allem den angeblichen Fallstricken der Bewußtseinsphilosophie - Monologizität, Transzendentale Reflexion und der Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt- zu entrinnen: Das Programm der frühen Kritischen Theorie ist, so sagt Habermas, „nicht an diesem oder jenem Zufall, sondern an der Erschöpfung des Paradigmas der Bewuß tseinsphilosophie gescheitert“4.

[...]


1 Habermas, Jürgen: Die Theorie des kommunikativen Handelns. Bd.2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Ffm 1987, S. 483 (Im folgenden TKH II abgekürzt).

2 Habermas, Jürgen: Die Theorie des kommunikativen Handelns. Bd.1, Ffm. 1987, S. 23 (Im folgenden TKH I abgekürzt)

3 Vgl. Gripp, Helga: Jürgen Habermas, Paderborn 1984, S.77.

4 Habermas, TKH I, S.517f.

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