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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 31 Pages
Author: Anke Hetzel
Subject: Communications - Media History
Details
Institution/College: University of Basel (Medienwissenschaft)
Tags: Walter, Benjamins, Rundfunkarbeit, Weimarer, Republik, Seminar, Benjamin
Year: 2004
Pages: 31
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31046-8
File size: 277 KB
Entwicklung des Rundfunks in der Weimarer Republik, Benjamins praktischen und theoretischen Arbeiten, Vergleich mit Brecht
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Excerpt (computer-generated)
Walter Benjamins Rundfunkarbeit in der Weimarer Republik
von: Anke Hetzel
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die Entwicklung des Hörfunks 2
2.1 Technische Voraussetzungen 2
2.2 Vom ersten Weltkrieg bis zum öffentlichen Hörfunk 2
2.2.1 Die Entstehung des Wirtschaftsfunks 2
2.2.2 Die Kontrolle des neuen Mediums 4
2.3 Die Programmentwicklung der Anfangsjahre 4
3 Die Rundfunkarbeit Walter Benjamins 6
3.1 Umfang der Arbeit 6
3.2 Die Rolle Ernst Schoens 7
3.3 Benjamins Arbeit für den Kinder- und Jugendfunk 8
3.3.1 Der Kinder- und Jugendfunk der Weimarer Republik 8
3.3.2 Walter Benjamins Beiträge für Kinder 9
3.3.2.1 Motive und deren Gestaltung 9
3.3.2.2 Das Hörspiel Das kalte Herz 10
3.4 Beiträge für Erwachsene 12
3.4.1 Hörmodelle 12
3.4.2 Literaturkritik 13
3.4.3 Weitere Formen der Rundfunkarbeit Benjamins 15
4 Walter Benjamins Rundfunktheorie 16
4.1 Sprache, Stimme, Rhetorik 16
4.2 Vorstellung vom Publikum 18
4.2.1 Das Publikum und dessen Erwartungen 18
4.2.2 Neue Volkstümlichkeit 18
4.2.3 Gespräch mit Ernst Schoen 20
4.3 Schulung des Hörers 22
4.3.1 Der Einfluss Brechts 22
4.3.1.1 Das epische Theater 22
4.3.1.2 Die Lehrstücke 24
4.3.1.3 Brechts Rundfunktheorie 24
4.3.2 Verarbeitung der Ideen Brechts 25
5 Schluss 27
Literaturverzeichnis 28
1 Einleitung
Mit der Verbreitung des Internets kam gleichzeitig die Diskussion über Sinn, Nutzungsmöglichkeiten und Risiken des neuen Mediums auf. Die Debatte kann bis heute nicht als abgeschlossen gelten. Vor allem auf die vermeintlichen Gefahren und die Verdrängung anderer Medien wird immer wieder hingewiesen. Dabei gerät häufig in Vergessenheit, dass es eine solche Diskussion bei jedem neuen Medium gegeben hat. Die Menschen standen dem Buchdruck ebenso skeptisch gegenüber wie der Zeitung und dem Fernsehen. Und auch in Bezug auf den Rundfunk war nicht von Anfang an klar, inwieweit er genutzt werden könnte und wo seine Nachteile, Vorteile und Risiken lagen. Zwangsläufig gab es viele verschiedene – häufig gescheiterte – Versuche der Verbreitung und Programmgestaltung. Es galt zu klären, wen der Hörfunk erreichen und wem er dienen sollte. Die Ideen kamen dabei von allen Seiten: von den „Vätern“ des deutschen Rundfunks, den Praktikern und Theoretikern aus Literatur, Politik und Gesellschaft.
Eine bis heute unterschätzte Rolle spielte dabei Walter Benjamin. Noch immer ist er vor allem für seine Literaturkritiken und –theorien bekannt. Im Bereich seiner Auseinandersetzung mit den neuen Medien sind allenfalls seine Theorien über Photographie und Film bekannt. Nur langsam werden auch seine Rundfunkarbeiten berücksichtigt. Dies ist insofern dringend notwendig, als Benjamin sowohl als Praktiker für den Hörfunk als auch als Theoretiker tätig war und folglich davon ausgegangen werden kann, dass seine Ideen zum Teil in eine andere Richtung gehen, als die reiner Praktiker oder Theoretiker. Er kannte die Arbeitsweise und die Möglichkeiten des Mediums und konnte somit die Durchführbarkeit seiner Ansätze besser einschätzen. Im Folgenden soll versucht werden, sowohl die praktische als auch die theoretische Rundfunkarbeit Benjamins vorzustellen. Ziel ist dabei nachzuweisen, dass sich beide Bereiche zwangsläufig gegenseitig beeinflussten und deshalb nicht getrennt von einander betrachtet werden sollten. Des Weiteren soll der These nachgegangen werden, dass sich Benjamin von den Ideen anderer Praktiker und Theoretiker beeinflussen ließ, sodass diese bei der Untersuchung seine r Arbeit ebenfalls zu berücksichtigen sind. Bei dieser Betrachtung muss die Zeit eine Rolle spielen, denn der Rundfunk befand sich in seiner Anfangsphase. Es ist deshalb unabdingbar, diese zunächst vorzustellen, um die Rolle und die Ideen Benjamins deutlich machen zu können.
2 Die Entwicklung des Hörfunks
2.1 Technische Voraussetzungen
Zwar kann der Hörfunk in Deutschland erst ab Mitte der zwanziger Jahre als ein dem heutigen ähnliches Medium gelten, die Entwicklung begann jedoch schon sehr viel früher. Als Basis der Technik des Rundfunks können laut Behrens sogar die Versuche Luigi Galvanis aus dem Jahre 1798 betrachtet werden, „bei denen er das Phänomen elektrischer Wellen beobachtete“1. Es folgten weitere Erkenntnisse, bis Heinrich Hertz schließlich der experimentelle Nachweis elektrischer Wellen gelang. Allerdings begann die „Geschichte der drahtlosen Telegrafie […] eigentlich erst damit, dass einige Physiker und Ingenieure versuchten, die von Hertz gemachten Erfahrungen anzuwenden“2. Dies gelang, und die Hertzschen Erkenntnisse konnten ausgebaut und verfeinert werden. „Eine der entscheidenden Entwicklungen für die Funktechnologie war die Elektronenröhre. Sie wurde im Jahre 1906 sowohl von Robert von Lieben (1878 – 1913) als auch von Lee de Forest (1873 – 1961) entdeckt. […] Die Erfindung der Elektronenröhre war besonders wichtig für den Tonfunk bzw. später für den Tonrundfunk und wurde erst 1948 durch die Erfindung des Transistors vom Markt verdrängt.“3 Diese Erkenntnisse wurden zunächst für das drahtlose Telefonieren und den Sprech- funk genutzt, erst während des ersten Weltkriegs wurde die verbesserte neue Technik auch für Musikübertragungen und zur Information genutzt.
2.2 Vom ersten Weltkrieg bis zum öffentlichen Hörfunk
2.2.1 Die Entstehung des Wirtschaftsfunks
Wie bereits angedeutet, wurde der Funk bereits während des ersten Weltkriegs für publizistische Zwecke genutzt. Dies hatte zunächst vor allem wirtschaftliche Gründe. „Der durch Kriegsbeginn stark eingeschränkte Außenhandel der deutschen Industrie sollte mit Hilfe propagandistischer Aktivitäten neu angekurbelt werden. Besonders die ausländische Presse sollte durch die Belieferung mit Nachrichten und Berichten aus Deutschland veranlaßt werden, positiv über Deutschland zu berichten.“4 Aber auch das propagandistische Potential wurde schnell erkannt. So sollten im Ausland positive Nachrichten über Deutschland verbreitet werden, die eigenen Soldaten sollten mit Hilfe von Musik, Informationen und Unterhaltung zum Durchhalten bewogen werden.
Wieder einmal war die Entwicklung in Deutschland damit deutlich langsamer als die in den USA, wo schon im Jahre 1906 „die mit Funkgeräten ausgestatteten Schiffe im New Yorker Hafen klassische Musik und Bibelzitate“5 empfingen. Ab 1920 gab es auch in der neu gegründeten Weimarer Republik immer wieder Bestrebungen, die Funktechnik kommerziell oder publizistisch zu nutzen. Begonnen wurde dann damit, die Technik für die schnelle Verbreitung von Wirtschafts- nachrichten einzusetzen. Im Jahre 1922 schließlich wurde erstmals eine Lizenz für den Wirtschaftsrundfunk vergeben, der circa 400 Kunden erreichte. Von Beginn an war Heinrich Bredow einer der Initiatoren des Ausbaus der Technik. Er war zunächst „Technische[r] Staatssekretär im Reichspostministerium und frühere[r] Direktor des Elektro-Konzerns Telefunken“6. So war er auch an der Entwicklung des Wirtschaftsrundfunks beteiligt. Erst als dieser „sicher organisiert war, ging Bredow daran, auch den Rundfunk für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen, weil sich die Funktechnologie, insbesondere durch den qualitativen Sprung vom Morse- zum Sprechfunk anbot, noch weitere Funktionen politischer und ökonomischer Art zu übernehmen“7.
So sehr die Entstehung des öffentlichen Rundfunks hier als logische Entwicklung und Konsequenz erscheinen mag, so muss doch darauf hingewiesen werden, dass es stets Rückschläge und Hürden gab. So galt es vor allem, die Fragen der Rechte und Kontrolle sowie der Verantwortung zu klären. Die Lizenzvergabe durch die Post gestaltete sich schwierig8. Endlich ging 1923 der erste öffentliche Rundfunk auf deutschem Boden auf Sendung.
2.2.2 Die Kontrolle des neuen Mediums
[...]
1 Behrens, Tobias: Die Entstehung der Massenmedien in Deutschland. Ein Vergleich von Film, Hörfunk und Fernsehen und ein Ausblick auf die Neuen Medien. Frankfurt am Main 1986, S. 106
.
2 Ebenda, S. 107.
3 Ebenda, S. 110.
4 Behrens: Die Entstehung der Massenmedien, S. 369.
5 Donsbach, Wolfgang; Mathes, Rainer: Rundfunk. In: Fischer Lexikon Publizistik und Massenko mmunikation. Hg. v. Elisabeth Noelle-Neumann, Winfried Schulz, Jürgen Wilke. Frankfurt am Main 1971, S. 547.
6 Ebenda, S. 548.
7 Behrens: Die Entstehung der Massenmedien in Deutschland, S. 371.
8 So gab es unter anderem zwei konkurrierende Unternehmen, die Deutsche Stunde und die Rundfunk GmbH, die verschiedene Lizenzanträge stellten. Ende 1922 einigten sie sich schließlich auf einen gemeinsamen Weg.
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