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Essay, 2004, 15 Pages
Author: Claudia Meiling
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für Sozialwissenschaften)
Tags: Asymmetrie, Kriege, SS2004, Asymmetrie, Kommerzialisierung, Staatszerfall
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 15 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-31067-3
File size: 179 KB
Der Essay enthält kein Inhaltsverzeichnis, umfasst jedoch die neuen Akteure, die Ursachen der Asymmetrie und die Arten der neuen Kriege, sowie einen kurzen Rückblick in die Zeiten der symmetrischen Kriege.
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Excerpt (computer-generated)
Essay zum Hauptseminar:
Neue Kriege. Asymmetrie, Kommerzialisierung, Staatszerfall
SS 2004
Humboldt- Universität zu Berlin
Die Asymmetrie der neuen Kriege
von
Claudia Meiling
HF: Kulturwissenschaften, 8. Semester
1. NF: Politikwissenschaften, 7. Semester
2. NF: Soziologie, 6. Semester
Die Asymmetrie der neuen Kriege
„Ein Krieger tötet keine Gefangenen. Ein Krieger tötet keine Kinder. Ein Krieger vergewaltigt keine Frauen.“
(Ignatieff: S. 197)
Diese Affirmationen sprechen die Ehre des Kriegers an, männliche Tugenden öffentlich zur Schau zu stellen. Zu ihnen gehören nicht nur keine Angst und kein Zögern zu kennen, sondern auch ohne Falschheit zu kämpfen. Sich an Schwächeren, wie Frauen oder Kindern, Kranken und Verwundeten zu vergehen oder aus dem Hinterhalt anzugreifen, war unehrenhaft. Dieses Ethos entspricht moralischen Mindeststandards und schließt die Vorstellung vom Krieg als moralischem Schauspiel ein. Sie sind nötig geworden in den neuen asymmetrischen Kriegen unserer Zeit, in denen nicht mehr unterschieden wird zwischen Zivilbevölkerung und Soldaten, sondern Erstere sogar absichtlich zum Ziel von Angriffen wird.
Aber so neu scheinen sie nicht zu sein, denn außer in der europäischen Kriegsgeschichte vom 17. bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren sie nirgendwo anders auf der Welt je ganz verschwunden.
Van Creveld gibt die Stammeskriege als die Urform kriegerischer Auseinandersetzungen an. Sie wurden zum jeweiligen Nutzen der eigenen Gruppe geführt, nicht stellvertretend für einen Staat, weshalb auch zwischen Volk und Heer, also Kombattanten und Nonkombattanten, nicht unterschieden wurde. Jeder war gleichzeitig Krieger, Zivilist, Opfer. Übertragen auf die heutige Zeit lässt sich Stamm durch die Zugehörigkeit zu einer beliebigen ethnischen oder politisch- ideologischen Gruppe ersetzen. Darin sieht van Creveld die Parallele zum heutigen Terrorismus, also einer Form der neuen Kriegsführung. Sind die neuen asymmetrischen Kriege also nicht einfach nur die technisch ausgefeiltere und moderne Variante der ältesten Form des Krieges? Und wie sah symmetrische Kriegführung aus?
Zu Zeiten der europäischen Staatsbildungskriege, die dem Modell der alten Kriege entsprechen, lag das Macht- und Kriegsmonopol beim Staat. Er rekrutierte die Truppen auf die gleiche Art und Weise, bezahlte sie, bildete und rüstete sie aus. Er disziplinierte sie nach bestimmten kriegsrechtlichen Normen und Regeln, durch harte Strafen, Drill und Rituale. Durch die Kasernierung waren sie räumlich vom Rest der Bevölkerung getrennt.
Symmetrie stellte sich durch die Gleichartigkeit der gegnerischen Staaten ein. Die oben beschriebenen Regelungen endeten also nicht an der Grenze des jeweiligen souveränen Territorialstaates. Sie galten für ein ganzes Gebiet, hier Europa, wodurch man auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Staaten von der Gleichartigkeit der Truppen, Waffen und der Vorgehensweise ausgehen konnte. Es gab also so etwas wie eine etwaige Kenntnis des Gegners und seiner Möglichkeiten, die auch einen Vertrauenskredit bedeutete. Nach Clausewitz gehörten das Kennen und die annährende Berechenbarkeit des Gegners zu den mäßigenden Prinzipien der Gewaltanwendung im Krieg. Auch die Reversibilität einer Kriegsentscheidung und die Tatsache, dass ein eigener, nicht unternommener Schritt auch von der anderen Seite nicht gemacht wird, wirken moderierend auf das Kriegsgeschehen.
Symmetrie im Krieg meint also die Ausgewogenheit der Chance zu töten oder getötet zu werden. Sie ergibt sich aus der ungefähren Gleichartigkeit der Gegner. Beispielhaft hierfür stehen die europäischen Staatsbildungskriege, denn erst die Staatenordnung und Territorialherrschaft haben den Krieg als sozial reguläre Institution möglich gemacht.
Asymmetrie hingegen beschreibt die absolute Chancenungleichheit zwischen zwei Gegnern. An dieser Stelle ist der Terrorismus zu nennen, aber auch innerstaatliche Auseinandersetzungen wie Warlordism und Guerillakriege, die meist ethnisch etikettiert, jedoch ökonomisch begründet sind. Sie haben jene Zweck-Mittel-Rationalität der symmetrischen Kriege eingebüßt.
Was hat sich also geändert an den Kriegen die unsere Zeit beherrschen? Das Ausmaß der Gewalt ist schrecklich. Kriegs-, Völker- oder Menschenrecht scheinen ihre Bedeutung verloren zu haben, wenn paramilitärische Gruppen oder Warlords mit ihren privaten Armeen ganze Landstriche verwüsten und die ansässige Bevölkerung massakrieren, vergewaltigen oder vertreiben. Wie kommt es zu dem Kräfteungleichgewicht?
Die strukturellen Voraussetzungen der neuen Kriege sind politischer, wirtschaftlicher und sozialer Art. Das Neue an ihnen sind also die Akteure und die Form der Gewaltanwendung. Des Weiteren haben sich die Ziele von geopolitisch zu ökonomisch verschoben. Persönliche Bereicherung und Machtstreben haben also oberste Priorität, auch wenn sich bestimmte Gruppen, oft in Afrika, als Befreiungsbewegungen gegen die Ausbeutung ihres jeweiligen Landes von außen ausgeben.
Aus politischer Sicht treten die neuen Kriege vor allem dort in Erscheinung, wo eine Zentralgewalt nur schwach oder gar nicht ausgebildet ist, wie z.B. in Afghanistan. Dazu zählen besonders Staaten an den Bruchstellen ehemaliger Imperien, autokratische, post- koloniale, despotische und korrupte, kleptokratische Regime, beispielsweise in Nigeria. Innerstaatlichen Auseinandersetzungen in diesen Ländern wurden lange für Staatsbildungskriege gehalten. Statt aber zu einer neuen Friedensordnung zu führen und die Macht des Staates zu festigen, gehen sie mit der Fragmentierung und Dezentralisierung eines Staates einher.
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