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Arthur Schnitzler - Das Geheimnis in der Traumnovelle

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 25 Pages
Author: Dipl.-Kulturwissenschaftlerin Melanie Grundmann
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Sprache, Traum, Verführung: Arthur Schnitzler in der Wiener Kultur Fin de Siècle
Institution/College: European University Viadrina Frankfurt (Oder) (Kulturwissenschaften)
Tags: Arthur, Schnitzler, Geheimnis, Traumnovelle, Sprache, Traum, Verführung, Arthur, Schnitzler, Wiener, Kultur, Siècle
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V29771
ISBN (E-book): 978-3-638-31207-3
ISBN (Book): 978-3-638-65042-7
File size: 127 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion des Geheimnisses in Arthur Schnitzlers Traumnovelle im Zusammenhang mit der Darstellung des Einflusses des Unterbewussten auf das Verhalten der zentralen Figuren. Arthur Schnitzler lebte im fin de siècle Wien des neunzehnten Jahrhunderts. Diese Epoche ist von einem überragenden Gefühl der Verzweiflung charakterisiert, das aus der Empfindung der lawinenartig heranstürmenden Moderne resultiert. Die Reaktion des Künstlers war die Flucht in eine ästhetische Parallelwelt. Zugleich ist ein zunehmendes Sprachunvermögen zu konstatieren, dass in Sprachverlust und Schweigen mündet. All diese Elemente werden in der Traumnovelle thematisiert. Die Erzählung ist von Dualitäten geprägt, die um Realität und Illusion kreisen. Arthur Schnitzler verwendet verschiedene ineinander verwobene Elemente, um diesen Konflikt zu illustrieren: Ver- und Enthüllung, Realität und Traum, Hell und Dunkel, Spiel und Ernsthaftigkeit, Verführung und Tod, um nur einige zu nennen. Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen Geheimnis, Maskierung, Schweigen und Unterbewusstsein und inwiefern diese Elemente eine neue Form von Bewusstsein provozieren.


Excerpt (computer-generated)

Arthur Schnitzler. Das Geheimnis in der Traumnovelle

von: Melanie Grundmann

 


1. ABSTRACT  3

2. EINLEITUNG  4

3. DAS WIEN DES FIN DE SIÈCLE – ÄSTHETIZISMUS UND DEKADENZ 4

4. DAS GEHEIMNIS IN DER TRAUMNOVELLE 7

5. RESUMÉ  22

LITERATUR  23


 

1. Abstract

This paper will explore the functionality of the secret in Arthur Schnitzlers Traumnovelle as a means to demonstrate the influence of the unconscious to the behaviour of the characters . Schnitzler is a representative of fin de siècle Vienna. This era is characterized by an overwhelming feeling of despair due to the sudden rise of modernization. The artists’ reaction was an escape into an aesthetic counter-world. Along with this appears a so-called loss of language, which results in silence. As will be shown, these characteristics appear in the Traumnovelle. The story is one of dualities focused on reality and illusion. Schnitzler uses different intertwined elements to illustrate this conflict: mask and disguise, reality and dream, dark and light, play and seriousness, seduction and death, to name a few. This paper will examine the connection of secrecy, disguise, silence and unconsciousness and in how far these elements provoke a new awareness.

2. Einleitung

In den Werken Arthur Schnitzlers werden die Figuren immer wieder ihrer Masken entlarvt und ihr Verhalten wird als Pose enttarnt. Viele seiner Figuren leben in einer Scheinwelt oder geben sich Illusionen hin. Aber auch dort erfolgt eine Desillusionierung, ein Lüften des Schleiers hinter dem sich diese Figuren der Realität entziehen. Ich möchte im Folgenden die Problematik dieser Wirklichkeitsflucht anhand der Traumnovelle untersuchen. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der Funktion des Geheimnisses und damit zusammenhängend dem Verdacht und der Maskerade liegen. Das Geheimnisvolle ist bei Schnitzler das Irreale, eine Traum- und Fluchtwelt verbunden mit dem Erotischen, dem Verführerischen, dem Maskierten, der Gefahr, dem Tod. Sprachlich realisiert wird das Geheimnisvolle durch Schweigen, Metaphern, Bilder, Symbole und auch durch die Substitution mit Tanz. Dies verdeutlicht auch die Sprachkrise des damaligen Wiens, denn die Geschichte wird eher durch Stimmungen als durch deskriptive Worte realisiert. Die Sprache wirkt auf stark konnotativer Ebene. Zunächst werde ich einen Überblick über das Wien des Fin de Siècle geben. Eine Beschreibung des Zustandes der Gesellschaft zu dieser Zeit ist unerlässlich wenn man das Agieren und Verhalten der Personen verstehen will. Daraufhin erfolgt die Analyse der Funktion des Geheimnisses innerhalb der Traumnovelle. Zudem erfolgt eine Einordnung der Figuren in die Fin de Siècle-Ära. Charakteristische Züge und Verhaltensweisen sollen herausgearbeitet werden um auf die Attitüde der Menschen dieser Epoche zurückzuverweisen.

3. Das Wien des Fin de Siècle – Ästhetizismus und Dekadenz

Arthur Schnitzler (1862-1931) lebte im Wien des Fin de Siècle, dessen Künstler sich durch Ästhetizismus und Dekadenz charakterisieren lassen. Beides sind Erscheinungsformen des Impressionismus zu dessen wichtigsten Vertretern in Wien Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr, Richard Beer- Hoffmann sowie Arthur Schnitzler zählen. Die Fin de Siècle-Autoren Arthur Schnitzler. Das Geheimnis in der Traumnovelle. 5 zeichnen sich durch eine innere Verunsicherung aus, die in den enormen sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen wurzelt. Wien befand sich zu dieser Zeit in einem gesellschaftlichen Umbruch, denn die Habsburger Monarchie zerfiel ebenso wie der Adel, der vom entstehenden Großbürgertum verdrängt wurde. Hinzu kommt die fortschreitende Industrialisierung und Modernisierung, die auch das Wort zur Massenware macht und damit die Sprachkrise erst verursacht. Die Menschen sehen sich unzähligen Neuerungen ausgesetzt, die erst einmal verarbeitet werden müssen. Die impressionistischen Künstler reagieren darauf mit einer Realitätsflucht hinein in eine Scheinwelt. Diese Flucht in Illusionen wird von Schnitzler immer wieder herausgearbeitet und als solche enttarnt. Eine ganz entscheidende Konsequenz dieser Verunsicherung ist der Verlust von Identität, die neue Suche nach dem Selbst. Daraus resultiert auch die intensive Auseinandersetzung mit Thematiken wie Tod, Krankheit und Flucht. Die Flucht führt dazu, dass Innen- und Außenwelt nicht mehr zu unterscheiden sind. Die eigenen Empfindungen lassen sich kaum noch von den Dingen unterscheiden. In diesem Moment des gesellschaftlichen Umbruchs greifen die Wiener Künstler auf die englischen und französischen Vorbilder des Ästhetizismus zurück.1 Sie idealisieren die Kunst zu einer Gegenwelt, die ihnen eine Fluchtmöglichkeit vor der Realität bietet. Die auf Nietzsches Kritik am anthropozentrischen Denken basierende Kunstauffassung ersetzt die ganzheitliche Kunstkonzeption durch eine rein ästhetische der gewollten Künstlichkeit. Charakteristika des Ästhetizismus sind die Auffassung vom Leben als Spiel2, das Tragen einer Maske, die Gestaltung des Lebens als Kunstwerk, Flucht in Traumwelten, Verweigerung gegenüber und Verachtung für das Alltägliche, Melancholie, Agonie, Langeweile, Distanz. Der gesellschaftliche und industrielle Fortschritt wird als barbarisch und degenerativ beurteilt, die Orientierung auf das konsequent Künstliche dagegen als progressiv. Der Ästhetizismus ist damit geprägt von der paradoxen Auffassung von Authentizität als Schein und Kunst als Lebensersatz. Die Flucht in eine scheinbar geordnete Welt. Die Kunstwerke wirken authentisch aufgrund ihrer ästhetischen Form, ebenso wie das Ich nur durch Pose und sprachliche Verstellung Bedeutung hat. Erst diese Entwicklung führt zu Phänomenen wie dem Dandy, eine Extremform des Ästheten.

[...]


1 Baudelaire als einer der Ur-Dandies sowie die englischen Präraffaeliten.

2 Ein Rückgriff auf das barocke Theatrum Mundi-Motiv. Das Leben als wahrheitsverbergendes Spiel.


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