Bei GRIN registrieren oder einloggen

Your e-mail-address or password is wrong
Jetzt registrieren
Für neue Autoren: kostenlos, einfach und schnell
Dies wird Ihr Benutzername, bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse an

Passwort vergessen

Your e-mail-address or password is wrong

Neues Passwort anfordern
Aufführungsanalyse 'Meister und Margarita'. von Michail Bulgakow in der Inszenie... close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Aufführungsanalyse 'Meister und Margarita'. von Michail Bulgakow in der Inszenierung von Frank Castorf. Spielzeit 2002/03 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin. Koproduktion mit den Wiener Festwochen. Szene 21: Afranius

Seminararbeit, 2003, 12 Seiten
Autor: Wilma Renfordt
Fach: Theaterwissenschaft

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2003
Seiten: 12
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V29799
ISBN (E-Book): 978-3-638-31230-1

Dateigröße: 217 KB


Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin
Institut für Theaterwissenschaft
Wintersemester 2002/03
PS Einführung in die Aufführungsanalyse:
Volksbühne I: Film/Schauspieler auf der Bühne

Aufführungsanalyse

„Meister und Margarita“
von Michail Bulgakow in der Inszenierung von Frank Castorf
Spielzeit 2002/03 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
Koproduktion mit den Wiener Festwochen
Szene 21: Afranius

von

Wilma Renfordt

Hauptfächer: Theaterwissenschaft
Kunstgeschichte
1. Fachsemester

 

Inhalt

1. Was ist ein Vorgang? S. 3

2. Was geht hier vor? – Szenenanalyse S. 4

3. Warum geht hier vor, was vorgeht?

Zur Frage von Feigheit, Schuld und Gewissen S. 9

4. Literaturverzeichnis S. 12

 

1. Was ist ein Vorgang? Und warum überhaupt Vorgangsanalyse?

„Aus dem Film kommt [...] die von Castorf verwendete Methode, innere Vorgänge durch die Erfindung eines äußeren Vorgangs optisch (quantitativ) und assoziativ (qualitativ) in den Zuschauerraum zu transportieren.“1

In der Inszenierung von „Meister und Margarita“ wird das Bühnengeschehen häufig parallel auf dem Bildschirm wiedergegeben. So auch in der von mir analysierten Szene 21. Mit Hilfe der Kamera kann Castorf den Zuschauern Nahaufnahmen der Schauspieler zeigen und bestimmen, welche Ausschnitte des Bühnengeschehens sie aus welcher Perspektive sehen. Diese Methoden eignen sich besonders zur Darstellung von Vorgängen, da diese sich vor allem im Innern der Personen abspielen und häufig nur durch minimale Zeichen deutlich werden, die mit Hilfe der Kamera besonders akzentuiert werden können.

In dieser Arbeit werde ich die Vorgänge in Szene 21 der Inszenierung analysieren. Abschließend befasse ich mich mit dem Hintergrund des hier dargestellten Vorgangs – der Frage von Feigheit, Schuld und Gewissen.
Laut Manfred Wekwerth ist „die Sprache des Theater [...] der Vorgang [...]. Er bestimmt (oder bezeichnet) auch die Bedeutung des Textes.“2 Maßgeblich geprägt wurde der Begriff von Bertolt Brecht.

„Der Vorgang entsteht aus dem handelnden Sich-in-Beziehung-Setzen der Figuren in der Situation. Er entfaltet sich, indem eine Figur in einem bestimmten Gestus handelt, beispielsweise einen Text äussert [sic!]. Handlung und Gestus ergeben den Vorgang.“ 3 Der Gestus ist dabei zu verstehen als „Ausdruck realen Verhaltens, realer Haltungen, realer Einstellung, auf die sich Sprache, Geist, Gefühl einstellen sollen.“4 Laut Brecht zeichnet „ein Gestus [...] die Beziehungen von Menschen zueinander.“5

Diese Haltungen, Beziehungen und Einstellungen können oftmals im Widerspruch zum gesprochenen Text und zur Handlung stehen, wie es auch in der von mir analysierten Szene der Fall ist. Was Pilatus äußerst, stimmt in keiner Weise mit seinen tatsächlichen Absichten überein. Dies ist ein weiterer Grund, warum ich mich der Szene mittels einer Vorgangsanalyse nähern möchte – denn nur so lässt sich die tatsächliche Bedeutung der Szene ermitteln. 
Brecht bezog seine Äußerungen zu Gestus und Vorgängen zwar vor allem auf größer gefasste, gesamt-gesellschaftliche Vorgänge - doch: „Die kleinste gesellschaftliche Einheit ist nicht der Mensch, sondern zwei Menschen.“6 Den zwei Menschen Pilatus und Afranius möchte ich mich in dieser Analyse nähern.

2. Was geht hier vor? – Szenenanalyse

Die Szene liegt im zweiten Teil der Inszenierung. Es spielen Martin Wuttke als Pontius Pilatus, Henry Hübchen als dessen Geheimdienstchef Afranius und Irina Potapenko als Nisa, Geliebte des Judas. In anderen Szenen verkörpert Wuttke den Meister, Hübchen den Teufel Voland, Potapenko die Teufelsgehilfin Gella.

Im Lauf der Szene wird Pilatus Afranius den Auftrag erteilen, Judas vor Rächern zu schützen. Bei Analyse der Vorgänge wird allerdings deutlich, dass Pilatus Afranius mit dem Mord an Judas beauftragt – oder zumindest damit, den Mördern durch Ablenkung der Wachen freies Spiel zu verschaffen. Damit will er einen Skandal um den Hohepriester Kaiphas auslösen, der Jeschua in den Tod geschickt hat: „Es war aber Kaiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk.“ (Johannes, 18,14)

So könnte Pilatus sich einerseits an Judas und Kaiphas rächen und andererseits auch sein schlechtes Gewissen beruhigen. Denn er weiß, dass es falsch und feige war, Jesus nicht vor dem Tod zu retten. Eigentlich ist er „einer der heimlichen Freunde von Ha-Nozri“7
Die Schauspieler agieren auf der Hinterbühne und sind für die Zuschauer zunächst nur auf dem Bildschirm sichtbar. So beginnt die Szene mit dem Einblenden der Kamerasicht auf die Hinterbühne.

Die Szene enthält sieben Vorgänge. Der erste Vorgang beginnt mit dem Anfang der Szene und endet mit Afranius Worten: „Das war nicht ersichtlich.“8 Er wird unterbrochen durch den zweiten Vorgang. Dieser beginnt, wenn Pilatus auf Afranius zugeht, und endet mit Pilatus‘ Worten: „Eine seltsamere Architektur hat die Welt noch nicht gesehen!“9

[....]


1 Wilzopolski, Siegfried: Das Assoziative im Theaterspiel. In: ders.: Theater des Augenblicks. Die Theaterarbeit Frank Castorfs. Eine Dokumentation. Berlin 1992, S. 48

2 Manfred Wekwerth: Brecht-Theater heute. Stockholmer Seminar 1978. http://www.geocities.com/paris/2427/btheute.html (Stand 23. März 2003)

3 Universität Bern, Institut für Theaterwissenschaft:
http://www.theaterwissenschaft.unibe.ch/Deutsch/Studium/Grundbegriffe_d.htm (Stand: 23. März 2003)

4 Knopf, Jan: Brecht-Handbuch. Theater. Stuttgart 1980, S. 392

5 Brecht, Bertolt: Gesammelte Werke. Band 16. Frankfurt am Main 1967 ff., S. 753

6 Brecht, Bertolt: Kleines Organon für das Theater. In: ders.: Schriften zum Theater. Frankfurt am Main 1957, S. 159

7 Regiebuch MEISTER UND MARGARITA, Szene 21 (Wien) IRINA, HENRY, MARTIN, S. 147

8 ebd., S. 146

9 ebd., S. 145


Kommentare

Bisher keine Kommentare

Kommentar hinzufügen
Ihr Kommentar wird redaktionell geprüft und dann freigeschaltet

Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:

Feindbild Islam

Autor: Patrick Nitsch
Politik - Int. Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 8,99 EUR

Kompetenzentwicklung vs. Qualifikation

Autor: Christian Schäfer
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 12,99 EUR

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/29799/auffuehrungsanalyse-meister-und-margarita-von-michail-bulgakow-in-der
please wait Bitte warten