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Gender und Migration

Scholary Paper (Seminar), 2004, 43 Pages
Author: MMag. M.A. Gisela Spreitzhofer
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 43
Grade: Sehr gut
Bibliography: ~ 28  Entries
Language: German
Archive No.: V30617
ISBN (E-book): 978-3-638-31834-1
ISBN (Book): 978-3-638-74860-5
File size: 439 KB

Abstract

Gängige migrationstheoretische Ansätze wurden in den vergangenen Jahren in zunehmendem Maße wegen ihrer "gender blindness" kritisiert. Vorwiegend männliche Forscher gingen vom Postulat des jungen, männlichen, abenteuerlustigen Migranten aus, der allein in der Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard aufbricht; Frauen wurden allenfalls als begleitende oder nachwandernde "Anhängsel" ihrer Männer wahrgenommen. Diese Arbeit zeigt u.a. auf, welch großes Wanderungspotenzial in Frauen steckt – schließlich nimmt seit einigen Jahrzehnten bei allen Migrationsformen in sämtlichen Regionen die "Feminisierung" der internationalen Migration zu. Anschließend wird erläutert, wie "Gender" als analytische Kategorie allmählich in die feministisch orientierte Forschung bzw. in die Migrationsforschung im Besonderen einfloss. In der Folge entstanden Theorien, die weibliche Migration zu erklären versuchten. Breiter Raum wird auch der Konstruktion und Rekonstruktion von Geschlechterrollen während des Migrationsvorgangs gewidmet. Gender & Migration im Entwicklungskontext stellen schließlich einen letzten Schwerpunkt dar.


Excerpt (computer-generated)

Hausarbeit aus Ethnologie
im Rahmen des SE Gender-Studies in und über Lateinamerika 
(SS 2002)

Gender & Migration

von

Gisela Spreitzhofer

15. März 2004

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Die Bedeutung von internationaler Migration zu Beginn des 21. Jahrhunderts  3
1.1 Was ist Migration?  3
1.2 Internationale Migration: Zahlen, regionale Unterschiede und Trends  5

2 Warum Menschen wandern – Theorien zu Migration  7
2.1 Neoklassische Ökonomie  8
2.2 Theorie des dualen Arbeitsmarktes  8
2.3 The New Economics of Migration  9
2.4 Weltsystemtheorie und Neomarxismus  9
2.5 Migrationsnetzwerke  10
2.6 Transnationale Räume und Identitäten  11

3 Die Ausblendung sowie Sichtbarmachung von Frauen in der Migrationsforschung  12
3.1 Wo sind die Migrantinnen?  13
3.2 Gender als analytische Kategorie  17
3.3 Erklärungsansätze zu weiblicher Migration  22
3.4.1 Neoklassik  22
3.4.2 Behaviorismus  23
3.4.3 Strukturalismus  23
3.4.4 Haushaltsstrategien  23
3.4 Migrantinnen als Opfer von Diskriminierungen  24

4 Konstruktion und Rekonstruktion der Geschlechterrollen in der internationalen Migration  27
4.1 (Re)konstruierte Weiblichkeit und Männlichkeit  27
4.2 Die wechselseitige Beeinflussung von Geschlechterbeziehungen und Migrationsprozess  29
4.2.1 Noch im Herkunftsland  29
4.2.2 Der Grenzübertritt  30
4.2.3 Im Aufnahmeland  30

5 Gender, Migration und Entwicklung  31
5.1 Klassifizierung von Bevölkerungsbewegungen in Entwicklungsländern  31
5.1.1 Migrationsziel  31
5.1.2 Migrationsdauer  33
5.1.3 Migrationsform  33
5.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede geschlechtsspezifischer Migrationsmuster in Entwicklungsländern  34
5.3 Thesen zur Einwanderung von Frauen aus Entwicklungsländern in Industrieländer  36

6 Abschließende Bemerkungen  37
6.1 Fazit: Die „femina migrans“ als „global player“  37
6.2 Zukünftige Richtungen einer gendersensiblen Migrationsforschung  38
6.3 Lehren für die Politik   38

Quellen  40

 

1 Die Bedeutung von internationaler Migration zu

Beginn des 21. Jahrhunderts

Migration ist das Thema des ausklingenden 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts geworden und steht im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Manche ExpertInnen bezeichnen unsere Zeit sogar als „the age of migration“ schlechthin (z.B. Castles/Miller 1998). Denn nebst Kapital, Gütern und Informationen strömen heute auch Menschen in bisher nie gekanntem Ausmaß über nationale Grenzen. MigrantInnen werden somit zum Spiegelbild von gesellschaftlicher Veränderung, Internationalisierung und Globalisierung. Aber nicht nur kausale Zusammenhänge, sondern auch Widersprüche prägen die Beziehung zwischen Migration und Globalisierung: Während Globalisierung zur Mobilisierung von Menschenmassen beiträgt, sind die meisten Staaten bestrebt, den Zuzug von MigrantInnen einzudämmen und gemäß den jeweiligen sozial-, arbeitsmarktpolitischen und ideologischen Zielen zu steuern (vgl. Hödl/Husa/Parnreiter/Stacher 2000:16). Hillmann (1996:1) spricht von einer ständig wachsenden Zahl von BewohnerInnen eines imaginären „siebten Kontinents“, also von Menschen, die bestenfalls in transnationale Haushalte integriert und schlimmstenfalls auf der Flucht oder in Flüchtlingscamps untergebracht sind. Doch unterscheidet sich die internationale Migration der letzten Jahrzehnte tatsächlich gravierend in ihrem Volumen und ihren Wachstumsraten von früheren Migrationsbewegungen? Vor Klärung dieser Frage anhand aktueller Zahlen, Fakten und Trends scheint eine Beschäftigung mit dem Begriff „Migration“ angebracht.

1.1 Was ist Migration?

Sämtliche Flucht- und Wanderungsbewegungen, im Zuge derer sich der Lebensschwerpunkt von Menschen räumlich verlagert, lassen sich unter den (vom Lateinischen „migratio“ abgeleiteten) Begriff „Migration“ subsumieren (vgl. Krennerich 2000:519). Hillmann zufolge (1996:14f) kann Migration als ein Teilaspekt von räumlicher Mobilität verstanden werden, der in der Regel einen Wohnungswechsel und (anders als etwa bei der Sonderform „Tourismus“) die völlige Loslösung des/der Migranten/in von seinem/ihrem üblichen Lebenszusammenhang impliziert. Migrationen können nach verschiedenen Aspekten unterschieden werden (vgl. Hillmann 1996:15- 17):

  • Raum: Wanderungen innerhalb der Landesgrenzen werden als „Binnenmigration“ bezeichnet. Diese umfasst ihrerseits die Land-Land- Migration, die Land-Stadt-Migration (am häufigsten auftretende Form, Stichworte Landflucht/Urbanisierung), die Stadt-Land-Migration sowie die Migration zwischen und innerhalb von Städten. Im Fall von grenzüberschreitender Migration, sogenannter „internationaler Migration“, muss der Wandernde größere räumliche und politische Barrieren überwinden und somit in irgendeiner Art mehr Macht als der intern Wandernde besitzen.1 Wanderungen zwischen zwei Kontinenten nennt man „interkontinental“. Wenn die Wanderungsrichtung zurück ins Heimatland weist, spricht man von „Remigration“ bzw. Rückwanderung. Unter „Transmigration“ versteht man die vorübergehende Migration in ein Land mit dem Ziel der Weiterwanderung in ein anderes.
  • Dauer: Nach zeitlichen Aspekten können Migrationen in saisonale bzw. temporäre und permanente bzw. stationäre gegliedert werden.
  • (Un)freiwilligkeit: Zum reaktiven, unfreiwilligen Bereich der internationalen Wanderung zählen Flüchtlinge, Opfer von Umweltkatastrophen, ethnischen Konflikten und Bürgerkriegen sowie staatenlose und umgesiedelte Personen. Die Spannweite im aktiven, freiwilligen Bereich reicht von Arbeitsmigration über Familienzusammenführung bis zu Spionage.
  • Umfang: Hier differenziert man zwischen Einzel- oder Individualwanderung, Gruppen- oder Kollektivwanderung und Massenwanderung. 
  • Typen: Als Beispiele seien angeführt ungehinderte Wanderung (etwa innerhalb der Europäischen Union), Arbeitsmigration und der komplexe Bereich der Formen illegaler/irregulärer/undokumentierter Migration.

[....]


1 Auch wenn Binnenwanderungen vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen als internationale Wanderungen, kann von einer grundsätzlichen Vergleichbarkeit, etwa die Ursachen betreffend, ausgegangen werden. Faktoren wie Arbeitskräftenachfrage, Einschluss/Ausschluss aus sozialen Netzen, eigene Ressourcen, räumliche Entfernungen, Geschlechterrollen und wirtschaftliche Konjunktur können bei der Entscheidung, sich Binnen- oder internationalen Wanderungen anzuschließen, eine Rolle spielen (vgl. Parnreiter 2000:44).


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